Frage von Orgrim, 100

Wird Scheidentrockenheit in der heutigen Zeit zu einem ernsten Problem?

Mir ist natürlich klar, dass die Menge an Scheidenflüssigkeit, die eine Frau beim Sex produziert sehr verschieden sein kann.

Es gibt auch viele verschiedene Ursachen für Scheidentrockenheit wie z.B.:

  • Verwendung von zu aggressiven Mitteln bei der Intimhygiene (Zerstörung der Scheidenflora)
  • Krankheiten
  • Hormonelle Störungen ...

Bisher dachte ich immer, dass davon nur eine kleine Minderheit betroffen wäre. Aber in den letzten Jahren ist mir vermehrt Werbung in den Medien für Medikamente gegen Scheidentrockenheit aufgefallen.

Die Herstellung der Medikamente wie auch die Werbung werden von der Pharmaindustrie bezahlt. Damit das Wohl der Menschen nicht das primäre Interesse der Pharmaindustrie ist, dürfte eigentlich jedem klar sein. Ihr primäres oder sogar einziges Interesse besteht darin Profit zu machen. Es gibt genügend Beispiele dafür, dass die Pharmaindustrie erst beginnt ein Medikament zu entwickeln, wenn sie sich auch genügend Absatzmöglichkeiten verspricht.

Also wenn sich die Pharmaindustrie nun dazu entschließt, Medikamente gegen Scheidentrockenheit auf den Markt zu bringen und dafür im großen Stil Werbung zu machen, dann dürfte es einen erheblich Absatzmarkt für diese Medikamente geben, was mich natürlich dazu veranlasst, mir darüber Gedanken zu machen.

Deshalb auch meine Frage, ob Scheidentrockenheit heutzutage zu einem weit verbreiteten und somit ernsten Problem in der westlichen Gesellschaft geworden ist. Denn bei zu wenig Scheidenflüssigkeit ist der Sex und somit die Fortpflanzung ziemlich erschwert, was natürlich langfristig zu einem ernsten Problem für unsere Gesellschaft werden könnte. Klar gibt es Medikamente und andere Hilfsmittel, aber die können doch keine dauerhafte Lösung sein.

Habt ihr vielleicht von irgendwelchen Studien gehört, die diese Problem näher betrachtet?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von RFahren, Community-Experte für Sex, 38

Tatsächlich gibt es hormonell bedingte Scheidentrockenheit - vor allem in den Wechseljahren ist davon oft die Rede und auch hormonelle Verhütungsmittel richten mehr Durcheinander an, als Vielen bewusst ist. Normalerweise wird jungen Frauen ja beigebracht, dass Seife und Duschgel IN der Scheide nichts zu suchen hat, aber manch eine graust sich wohl trotzdem vor "dem da unten" und wäscht die gesunde Scheidenflora gleich mit aus... .

Mich erschreckt allerdings viel mehr, dass hier auf GuteFrage.net schon Teenager über Trockenheit klagen und dann gleich dutzendfach Tipps zu Gleitmitteln diskutiert werden.

Mutter Natur hat unsere Geschlechtsorgane so angelegt, dass es auch ohne externe Schmierung funktioniert! Wer gleich zum Gleitmittel greift ist nur zu faul für guten Sex!

Der Fehler ist heutzutage, dass viele Menschen ihre Ausbildung bezüglich Sexalität durch Pornofilme bekommen und dies 1:1 auf die heimische Matratze übertragen.

Wenn man das Vorspiel nur notgedrungen betreibt, bis sie endlich "feucht genug" ist um eindringen zu können, hat GUTEN Sex nicht verstanden. Wenn man die Partnerin erst einmal mit Zungen und/oder Fingern zu ein paar Orgasmen gebracht hat, ist diese sowohl feucht als auch entspannt genug, damit man auf die "Flutschi-Tube" getrost verzichten kann!

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Kommentar von user8787 ,

Auch bei Jugendlichen können hormonelle Dysbalancen Grund für so eine Störung sein, das ist in der Pubertät nichts ungewöhnliches. Auch Tampons tragen vorübergehend dazu bei. Der Körper braucht Zeit.....

Erste Sexuelle Erfahrungen sind immer mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden, auch das führt zur Trockenheit....ist aber völlig physiologisch. 

Stellt ein Mann / Junge sich ungeschickt an reagiert der Körper der Frau / des Mädchens, auch das ist eine ganz normale physiologische Reaktion. 

Es gibt so viele Gründe für das Problem....Schuldzuweisungen sind hier echt unangebracht. :o) 

Kommentar von RFahren ,

Im Prinzip hast Du recht - aber Ängsten und Unsicherheiten mit Gleitmittel zu begegnen ist erstmal der falsche Ansatz! Sex soll nicht "erträglich", sondern SCHÖN werden! Für beide Seiten!

Sex kommt bei vielen viel zu früh - bevor eben auch das Unterbewusstsein des Mädchens das Vertrauen hat und sich öffnet. Da haben sich Paare noch nie nackt gesehen und planen schon das "erste Mal" - dann ist sie trocken und er schlaff - na prima... . Wenn Du meine Antworten zum Thema "erstes Mal" liest, wirst Du genau diese Konstellation berücksichtigt finden... .

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Antwort
von Plautzenmann, 34

Aus dem Stehgreif würde ich sagen, dass damit auf den demografischen Wandel reagiert wird :D

Im Ernst, in unserer Zeit des Dauerbombardements mit Sex wo man geht und steht ist es durchaus denkbar, dass Mann und/oder Frau zu Hilfsmitteln greifen muss, damit überhaupt noch was geht. Genauer hat sich das Buch "Oversexed and underfuc.ked" mit dem Thema auseinandergesetzt. Vielleicht gibt es da auch Bezug zu einer Studie, die sich mit Scheidentrockenheit befasst?

Anstatt auf das eigentliche Problem einzugehen - die offensichtliche Unfähigkeit der Männer, ihre Damen feucht zu bekommen -  werden wie immer lieber die Symptome behandelt. Als würde es nicht reichen, dass du die ganze Pron-Industrie eine Scheinrealität erschaffen hat, in welcher jede Frau bei jeder Bewegung schreien muss und mit jedem Stoß am besten 3 mal kommt, wird die Unfähigkeit der Männer zum Vorspiel jetzt zu einem Problem der Frauenwelt gemacht, womit die Frauen zusätzlich unter Druck gesetzt werden, auch ja schön feucht genug zu sein. Ein weiterer Sargnagel für die Sexualität in unserer Gesellschaft.

Antwort
von user8787, 46

Je nach Ursache muss das Problem "Scheidentrockenheit" individuell behandelt werden.

3 Ursachen hast du aufgezählt....die verlangen auch 3 verschiedene therapeutische Ansätze. 

Das Problem ist nicht neu, es wird einfach nur mehr thematisiert. 

Antwort
von lavre1, 33

Ich kann nur sagen das bei meinen Frauen noch keine betroffen war (reicht wohl nicht als Studie xD)

Meistens hat das doch auch andere Gründe das es trocken bleibt, und so ein Medi wäre unnötig. Durch das Promoten versprechen Sie sich halt gewinn und es wird wahrscheinlich viele unnötige einnahmen durch ahnungslose Patienten geben. Ich finde die Pharma heutzutage bedenklich...

Expertenantwort
von Pangaea, Community-Experte für Gesundheit, 30

Ich denke, du unterliegst einem Irrtum. Das Problem war immer schon da, aber erst in der heutigen Zeit kann man offen darüber reden und auch Werbung für die entsprechenden Produkte machen.

Früher haben die Leute eben darunter stumm gelitten, vielleicht weil sie gar nicht wussten, dass es ein Problem ist, oder sie haben sich anderweitig beholfen (mit Babyöl zum Beispiel, das konnte man immer schon "unverdächtig" kaufen).

Kommentar von Orgrim ,

Damit es schon immer Frauen mit Scheidentrockenheit gab, ist klar. Jedoch bin ich davon ausgegangen, dass dies halt nur eine kleine Minderheit ist.

Bist du der Meinung, dass die Häufigkeit nicht zugenommen hat, sondern dies ausschließlich auf den offeneren Umgang mit dem Thema zu tun hat?

Kommentar von Pangaea ,

Ja, absolut.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community