Gibt es so etwas wie eine "Regel", die besagt, welcher Musikstil in welchen Tonarten komponiert werden sollte? Z.b., wird "weichere", "ruhige" Musik (Duette, Liebeslieder, etc.) hauptsächlich in Dur oder in Moll komponiert, und wenn ja, warum?
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, daß ausschließlich die Tongeschlechter Dur bzw. Moll für den Charakter eines Musikstückes verantwortlich sind. Auf die Melodieführung bzw. "richtige" Harmonisierung kommt es an. Zum Beispiel sind etliche Schlager von Boney-M "moll-harmonisiert". Ich bevorzuge auch sogenannte Moll-Harmonisierung, was nicht besagt, daß nur Moll-Akkorde erklingen. Nein, es bedeutet, daß die Oberstimme der Akkordbildung die Melodie trägt und nicht die Melodie als Grundton der Harmonie-Dreiklänge verwendet wird. (Dadurch ergibt sich fast wie von selbst ein melodischer Bass.)
Die Harmonisierung mag auch wesentlich komplexer sein. Es gibt nämlich auch andere Tongeschlechter außer DUR und Moll. Nur ist der richtige Umgang mit deren Harmonisierung fast in Vergessenheit geraten. Also nicht alles nach dem 1-4-5-1-Kadenzenschema oder gemäß den Stellvertreterakkorden der "Riemann'schen" Funktionalharmonik.

Besinnliches, Tragisches, Dramatisches (wozu auch Liebeslieder gehören sollten...) wird in der Regel in Moll komponiert.
Dur wird allgemein als klanglich härter (wie eben der Name schon sagt!) empfunden, und ist für schnellere, heitere Weisen empfohlen.
mollis = weich
durus = hart
Mittlerweile wird unter Musiktheoretikern nicht nur das "harmonische" Moll, sondern auch das "harmonische" DUR diskutiert. Nur zur Info: Es gibt das "natürliche" Moll, das ein Derivat der DUR-Skala ist, von deren sechsten Stufe ausgeht, auch dieselben Harmoniebildungen verwendet (meistens-siehe unten-), also es gibt da praktisch nur DUR. Moll ist bloß "verschoben". Dann das "melodische" Moll mit aufwärts DUR und bei abwärts gerichteter Melodieführung natürlichem Moll. (Fallstrick: es ist die Terz eine kleine Terz bei diesem "Aufwärts-DUR")
Dann das für viele Harmonielehren als schlichtweg "Moll" bezeichnete, "klassische" Moll, das "harmonische" Moll mit dem sehr sperrigen Eineinhalbtonschritt von Stufe 6 nach 7, deswegen so enorm dramatisch wirkend.
Das meine ich nicht. Für mich gibt eben es drei verschiedene "Molls".
Maienblume am 2. Mai 2008 14:55 ----> von Information erschlagen falte ich meine Blätter und bin fortan still und bescheiden, was Tongeschlechter und Harmonielehre angeht
(hochrote Ohren kühle und altes Schulwissen seufzend im Papierkorb versenke)
Als Beispiel: Bei der Reggae-Musik folgen eindeutig DUR und Moll-Akkorde aufeinander im Gitarrensound, das ergibt sich aus der "Diatonik", das heißt, sie modulieren nicht in eine andere Tonart (wie beim Jazz), sondern bleiben einer gewählten Tonart treu.
Maienblume am 2. Mai 2008 15:04 ganz kleinlaut maunze: "So genau will ich das doch gar nicht wissen!" Erbarmen!
Danke für Dein Kompliment, nun, ich hatte mal die Aufgabe, für ein Buchprojekt, das -Gott sei Dank - nie erschienen ist, ein "Glossar" über orientalische wie westliche Musikgrundlagen zu verfassen. Dazu habe ich dann alle gängigen "Musiklehren" durchstöbert und mußte feststellen, daß es nur so vor Ungereimtheiten wimmelt.
Dachs Söhner und Ziegenrücker sind empfehlenswerte Literatur

???? Ich habe ruhige Indianermusik, dieses edle Volk kannte sicherlich wer Moll noch Dur oder anderes
Sehr gut erklärt, hätte ich kaum besser machen können. DH!
so ähnlich hätte ich es auch formuliert aber du warst schneller...;-) dh!