Frage von Regulus123, 106

Wird narzisstischer Missbrauch in der Familie in einer Psychotherapie vom Psychotherapeuten thematisiert. Oder wird dies eher verschleiert?

Müsste der Klient dies selbst ganz konkret ansprechen in er Therapie?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Seanna, 52

Um das noch mal als Antwort zu formulieren:

In der Regel geraten solche Menschen in eine Verhaltensweise, die sich Komplementärnarzissmus nennt. 

Dies wird von erfahrenen Therapeuten recht zuverlässig, sicher und schnell erkannt. 

Somit im Anschluss auch exploriert, so der Patient auf diese Angebote eingeht, wenn nicht, wiederholt er diese von Zeit zu Zeit, und wenn der Patient bereit ist, wird das Verhalten des Patienten(!) - nicht des Narzissten! - gemeinsam analysiert und auf Wunsch des Patienten andere Wege des Umgangs - ggf auch Lösung der Bindung - erarbeitet.

Rainer Sachse hat dazu viel (Fachbücher, aber für Laien leicht lesbar) veröffentlicht mit der von ihm entwickelten Klärungsorientierten Psychotherapie. Bärbel Wardetzki brachte ein gutes Buch (eher populistisch als Sachse) zum Thema Komplementärnarzissmus raus.

Kommentar von Seanna ,

Falls noch weitere Fragen dazu sind, ggf. auch nach Online- oder Fachliteratur in Buchform, schreib mich jederzeit an. 

Antworten kann ich nur nich immer sofort :)

Kommentar von Regulus123 ,

Danke!

Kommentar von Regulus123 ,

Ich hätte hierzu eine Frage: gibt es Menschen, die einen Komplementärnarzissten nicht ausbeuten würden, selbst wenn dieser einem diese Gelegenheit bieten würde? 

Kommentar von Seanna ,

Sicher gibt es das. Da Komplementärnarzissten von ihrer Struktur her aber idr auf einen narzisschtischen Partner angewiesen sind, über dessen Großartigkeit sie sie definieren und darin aufgehen können (siehe Wardetzki), werden sich Komplementärnarzissten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immer wieder Narzissten als Partner aussuchen. Wie hoch genau die Vulnerabilität ist, müsste ich nachschlagen. Ein "normaler" Partner erfüllt einfach die Bedürfnisse des Komplementärnarzissten (der ja auch welche hat und nicht nur ausgenutzt wird - ist ja eine Gegenseitigkeit!) nicht und würde daher kaum ausgesucht. Heilungschance besteht ausschließlich in Therapie, dortiger "Heilung" und einem anschließenden Leben ohne das Gefängnis des (Komplementär-)narzissmus. Man kommt nicht umhin, neue Verhaltensweisen zu lernen um zu wachsen, gedeihen und langfristig Glück zu finden. Das mit der Liebe ohne Bedingungen funktioniert nur als Baby (im Idealfall!). Gleichsam Nehmen und Geben ohne Aufrechnung sollte das Ziel sein.

Kommentar von Regulus123 ,

Komplementärnarzissmus kann sich aber auch nicht ausschließlich in der Partnerschaft äußern, sondern auch in Freundschaften oder? Bzw. statt in einer Partnerschaft zu einem Mann in Beziehungen zu Frauen oder? Da sich hier die Beziehung zur Mutter evtl. wiederholt, die evtl. ausgegrenzt hat, wenn man als Kind der Mutter nicht die Anerkennung gegeben hat, wie sie dies für richtig befunden hätte bzw. das Kind Gefühle zeigte, mit der die Mutter nicht umgehen konnte und diese daher unterdrückt wurden. Oder aber auch die Mutter eifersüchtig und neidisch auf die Fähigkeiten ihres Kindes war, sodass diese Fähigkeiten eher schlecht gemacht wurden statt das Kind zu bestärken. Das Feedbackproblem. Im späteren Leben zieht man dann immer wieder diese Frauentypen oder aber auch Männertypen (ohne dass mit ihnen eine partnerschaftliche Beziehung eingegangen werden muss) an, ohne dass man dies gleich bemerkt. Es bleibt innerhalb von Freundschaften, Arbeitskollegen etc. nur das Gefühl der Beziehungslosigkeit, es entsteht eine chronische Depression. Dies führt dann evtl. zu dem Ergebnis, dass man sich nichts mehr im Leben zutraut, keine Ziele in Angriff nimmt, scheitert etc. Das, was Sachse näher beleuchtet...

Kommentar von Seanna ,

Sicher kann das auch in anderen Beziehungen vorkommen. Grade in engen verwandtschaftlichen, freundschaftlichen, elterlichen Beziehungen. Ist nicht auf Partnerschaft beschränkt - völlig korrekt. 


Hier eine sehr gute Website dazu: 

http://www.narzissmus.org/

Kommentar von Regulus123 ,

Danke!

Antwort
von Seanna, 93

Sieht er es als behandlungsbedürftig an, ja. In der Anamnese kommt es meist zur Sprache.

Kommentar von Regulus123 ,

Wird es eher umschrieben oder wird es genau so benannt?

Kommentar von pilot350 ,

Die bezeichnung ist narzistische gewalt, nicht missbrauch.

Kommentar von Regulus123 ,

hach ja...

Kommentar von pilot350 ,

Ja genau

Kommentar von PlueschTiger ,

@ pilot350

Wurde vom Frager eine Definition oder bitte den Begriff zu erklären verlangt? Wie ihr beide das Bezeichnen tut ist völlig egal, gemeint ist wohl das selbe. Statt hier weiter dünne Sprüche abzulassen frage lieber nach Details um zu helfen oder lasse es.

Kommentar von pilot350 ,

@plueschtiger die frage nach details wurde negiert vom fragesteller

Kommentar von feminam ,

@pilot350: du scheinst dich hier eher festzubeißen.

Kommentar von PlueschTiger ,

Mag sein, doch was soll so eine Definitionsdiskussion? Ihr meint doch beide, wahrscheinlich das selbe. Ihr dreht euch nur im Kreis und das hilft keinen.

Kommentar von Seanna ,

Dies wiederum rührt aus der Diskussion, dass es ja auch keinen sexuellen, physischen usw GEbrauch geben könne, das irreführend wäre und man daher den Gewaltaspekt hervorgehoben hat. So langsam setzt sich das durch. Gemeint ist letztlich das Gleiche und besitzt mmn nur Relevanz für wissenschaftliche Arbeiten.

Kommentar von Seanna ,

In der Regel geraten solche Menschen in eine Verhaltensweise, die sich Komplementärnarzissmus nennt. Dies wird von erfahrenen Therapeuten recht zuverlässig, sicher und schnell erkannt. Somit im Anschluss auch exploriert, so der Patient auf diese Angebote eingeht, wenn nicht, wiederholt er diese von Zeit zu Zeit, und wenn der Patient bereit ist, wird das Verhalten des Patienten(!) - nicht des Narzissten! - gemeinsam analysiert und auf Wunsch des Patienten andere Wege des Umgangs - ggf auch Lösung der Bindung - erarbeitet. Rainer Sachse hat dazu viel (Fachbücher, aber für Laien leicht lesbar) veröffentlicht mit der von ihm entwickelten Klärungsorientierten Psychotherapie. Bärbel Wardetzki brachte ein gutes Buch (eher populistisch als Sachse) zum Thema Komplementärnarzissmus raus.

Kommentar von Seanna ,

Und um die unnütze Diskussion zu beenden: narzisstischer Missbrauch fällt unter psychischen Missbrauch und ist in ICD-10 unter T74.3 codiert, somit dort auch definiert.

Antwort
von PlueschTiger, 102

Wenn es angesprochen werden soll und er es nicht selbst bemerkt, dann solltest du das schon selbst vorsichtshalber erwähnen. Ob es verschleiert wird weiß ich nicht, aber es ist möglich das er es anders sieht oder es nicht ernst nimmt.

Kommentar von Regulus123 ,

??? Ein Therapeut, der seinen Klienten nicht ernst nimmt, ist wohl ein schlechter Therapeut....

Kommentar von PlueschTiger ,

Schlechte Therapeuten kennt das Therapeuten EGO nicht. Du musst leider mit Therapeuten rechnen, denen du die Therapie faktisch vor die Füße legen musst und das als fast ahnungsloser Laie.

Die Ursachen Meinung von Problemen, kann zwischen Therapeuten und Patienten ziemlich auseinander gehen, aber dann am ende der Therapie stimmt er auf einmal deiner Einschätzung zu. Dann kannst du dir auf die Schulter Klopfen und sagen hattest recht, nur geholfen ist dir damit leider auch nicht.

Leider eigene Erfahrung. Aber nicht jeder Therapeut ist so.

Kommentar von Regulus123 ,

Dann hat dieser Therapeut aber seinen Job nicht verstanden und möglicherweise seinen Beruf verfehlt.

Kommentar von kokomi ,

https://www.youtube.com/watch?v=QUVSP1ioUYs

lern dich zu entspannen und meditiere ......

Kommentar von Regulus123 ,

???

Kommentar von Seanna ,

Therapie kann nur unter Mitwirkung beider Parteien funktionieren. Schlägt eine Therapie und liegt kein ethisches Fehlverhalten (sexueller, ggf. erneuter narzisstischer Missbrauch) vor, liegt es IMMER an beiden Beteiligten. Was nicht Schuld impliziert. Genauso sind beide für das Gelingen verantwortlich.

Kommentar von Regulus123 ,

Es wird doch schon mal gesagt, dass die Idealisierung des Psychotherapeuten hilfreich sein kann für ein gutes Gelingen der Therapie. Dem wäre dann doch eigentlich nicht so oder? Demnach müsste diese Idealisierung doch aufgebrochen werden oder nicht?

Kommentar von Seanna ,

Doch, eine gewisse Idealisierung kann bis zu einem gewissen Grad hilfreich und von Nutzen sein, da es - ähnlich wie Verliebtheit - für Sympathie und Vertrauen und über das Hinwegsehen von Fehlern und Schwächen sorgt. 

Der Therapeut wird dies aber nur in einem gewissen Rahmen zulassen, dafür gibt es ethische Richtlinien.

Eine gewisse Abhängigkeit ist normal (Helfender, Hilfesuchender), aber mit Voranschreiten der Therapie wird immer mehr eine Symmetrie angestrebt - was die Defizite angeht. 

Eine Begegnung auf Augenhöhe und Respekt, unbedingte Wertschätzung sowie Empathie sind nach Klaus Grawe die Grundbedingungen einer jeden guten Therapie.

Mit der Zeit lernt der Klient auch, dass der Therapeut Fehler und Schwächen hat, damit aber gut umgehen kann. Das hebt zum einen die Idealisierung etwas auf, zum anderen lernt er, dass Therapeuten auch nur Menschen sind, die eben (hoffentlich) besser gelernt haben, mit ihren Defiziten umzugehen. Oder zumindest mit denen, die auch der Klient zeigt.

Kommentar von PlueschTiger ,

Hallo Seanna,

ich stimme deiner Meinung weitgehend zu aber leider ist die Realität anders. Wenn ein Patient selbst sagt das er süchtig ist und der Therapeut das abstreitet und dann irgendwann selbst das Argument einbringt macht das schon Nachdenklich. Vor allem Fragt man sich wer da eigentlich der Therapeut ist.

Zudem sollte ein Therapeut mit Macken der Patienten umgehen können und sich nicht wegen jedem Falschen oder jedem Wort was den Anschein macht etwas medizinischer zu sein, so zu kommen man wolle ihm sagen wie er die Arbeit machen soll. Leider eigene Erfahrungen.

Gruß Plüsch Tiger

Kommentar von PlueschTiger ,

Therapie kann nur unter Mitwirkung beider Parteien funktionieren.

Falls du Therapeut und Patient meinst, gebe ich dir recht. Doch genau da liegt das Problem. Wie kann man zu einem Psychiater vertrauen fassen, wenn er kaum das man beim ersten besuch sitzen tut schon den Rezeptblock zückt oder dem Psychologen der sich kaum, das man tiefer auf das eigene denken eingeht, ein vorwirft ihm sagen zu wollen wie er seine Arbeit machen zu wollen.

Das schönste ist dann noch wenn alle Paar Sitzungen von dem Therapeuten die liste zur Unterschrift kommt, damit er die Stunden (a 45 Minuten) a 82.50€ abrechnen kann.

Antwort
von lohne, 106

Er wird darauf eingehen, wenn es eine Belastung darstellt.

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