Wird Homosexualität im Buddhismus eigentlich abgelehnt?

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8 Antworten

Ich bin Buddhist und helfe dir bei deiner Frage gerne weiter.

Da im Buddhismus kein gemeinsamer Katechismus existiert, der alles verbindlich definiert und vorschreibst, gibt es in den verschiedenen Strömungen des Buddhismus keine einheitliche Lehrmeinung darüber.

Auch innerhalb der verschiedenen buddhistischen Traditionen vertreten die einzelnen Lehrer unterschiedliche Ansichten.

Diese reichen von diskriminierenden und homophoben Äußerungen, bis zur Gründung von "Gay-Sanghas", also buddhistischer Gemeinschaften homosexueller Praktizierender.

Es sollte nicht vergessen werden, dass asiatische Lehrer aus einer anderen Kultur stammen, so dass ihre eigene Unterweisungen auch durch gewisse kulturelle Vorurteile gefärbt sein kann.

Es gilt also immer zu unterscheiden zwischen der buddhistischen Lehre, den Vorstellungen innerhalb bestimmter Gemeinschaften und der persönlichen Haltung einzelner Lehrer.

Grundlagen

In den fünf Sittlichkeitsgelübden, die von allen buddhistischen Traditionen respektiert werden, gibt es keine Grundlage für die Ablehnung von Homosexualität.

Wenn man dies, zusammen mit den vier edlen Wahrheiten und dem edlen achtfachen Pfad als gemeinsame, buddhistische Basis ansieht, gibt es keine Grundlage für eine ablehnende Haltung gegenüber Homosexualität.

Was Geistliche angeht, so ist ihnen, gemäß den monastischen Ordensregeln (Vinaya) für Mönche und Nonnen, ohnehin jede Form von Geschlechtsverkehr untersagt.

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Kommentar von Neun188
02.11.2016, 13:54

Danke ...

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Kommentar von Enzylexikon
03.11.2016, 13:34

Vielen Dank für den Stern. :-)

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Nein wird es nicht. Allerdings gibt es nicht DEN Buddhismus. Sondern viele verschiedene. Es hängt eher mit der Kultur und Geschichte einer Region zusammen wie mit dem Buddhismus. 

Auch wird traditionell nicht zwischen Homosexualität und Heterosexualität unterschieden. Es wird zwischen Männlicher und Weiblicher Rolle unterschieden in der Asiatischen Kultur. Es gibt das Schwulsein eigentlich nicht.  Es gibt Männer und Frauen und die können jedes Geschlecht haben. 

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der Buddhismus insgesamt beschäftigt sich nicht mit sexueller Orientierung, sondern ausschließlich mit Fragen, ob ein Verhalten sich selber oder andere schädigt. Es gibt allerdings in den Pali-Suttas Hinweise, dass Homosexualität als ungedeihliche Verirrung bewertet wird. Aber das besagt nur soviel, daß jeder sein eigenes Leben sehr bewußt daraufhin zu prüfen hat, ob er sich und andere der Erleuchtung näher bringt oder entfernt. Im Buddhismus gibt es keine Instanz, die für dich denkt oder dir ethische Entscheidungen abnimmt. Du allein bist die Instanz.

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Ich kann Dir nur aus Nichiren-buddhistischer Sicht antworten, lieber Neun188:

Da wird Homosexualität explizit akzeptiert - es gibt sogar eine Untervereinigung Nichiren-buddhistischer Homo- und Transsexueller hier in D.

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In den alten Schriften des tibetischen Buddhismus steht, dass Analsex sexuelles Fehlverhalten ist. Aber nicht Sex-Beziehungen zwischen Männern. Selbstbefriedigung steht da auch als sexuelles Fehlverhalten.
Sexuelles Fehlverhalten führt zu schlechtem Karma aber nicht in die Hölle.

Kein denkender Buddhist kriegt raus, was davon zu halten ist. Ob das ernst zu nehmen ist oder ob das irgendwelche Ansagen sind damit die Leute heiraten und Kinder kriegten. Früher starben ja so viele Kinder, dass man zusehen musste dass genug geboren werden.

Naja und so muss halt jeder der dem tibetischen Buddhismus folgt sich selbst überlegen wie er dazu steht. 

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Hallo,

ich zitiere den 14. Dalai Lama und übernehme das Zitat, wie das üblich ist, in der originalen Rechtschreibung und Grammatik:

"Viele Leute fragen mich, was ich über Homosexualität denke. Für diejenigen, die einer Religion angehören, ist es sicher das Beste, sich bei der Entscheidung, was sie tun oder lassen sollen, von ihrem Glauben leiten zu lassen. [...] Manche Buddhisten stehen zu ihrer Homosexualität, andere wiederum sind der Ansicht, daß Homosexualität und Buddhismus einander praktisch ausschließen.

In den grundlegenden Teten des Buddhismus ist von zehn schädlichen Taten die Rede, die es zu vermeiden gilt. Dazu zählt auch sexuelles Fehlverhalten. Damit ist vor allem gemeint, dass man einem Menschen nicht seinen Partner wegnehmen darf, es fallen aber auch Homosexualität sowie oraler oder analer Verkehr und Masturbation darunter. Das bedeutet aber nicht, daß solche Praktiken einen Ausschluß aus dem Buddhismus zur Folge haben. [...]

Wenn Sie keiner Religion angehören und eine sexuelle Beziehung mit einem Menschen des gleichen Geschlechts eingehen wollen, die auf gegenseitigem Einverständnis beruht und bei der keinerlei Mißbrauch oder Vergewaltigung im Spiel ist, und wenn Sie eine gewaltfreie Befriedigung darin finden, so habe ich nichts dagegen einzuwenden. Meiner Meinung nach ist es sogar ungerecht - und das ist ein wichtiger Punkt -, daß Homosexuelle manchmal auf gesellschaftliche Ablehnung stoßen, bestraft werden oder ihre Arbeit verlieren. Man darf sie nicht auf eine Stufe mit Kriminellen stellen.

Nach meinem Verständnis und nach allgemeiner buddhistischer Auffassung stellt Homosexualität in erster Linie einen Verstoß gegen manche Verhaltensregeln dar; im Unterschied zu einer Vergewaltigung, einem Mord oder anderen Handlungen, die Menschen Leid zufügen, ist sie aber an sich nicht schädlich. [...] Deshalb gibt es auch keinen Grund, Homosexuelle auszugrenzen oder ihnen gegenüber eine diskriminierende Haltung einzunehmen." - S. H. Dalai Lama XIV, "Ratschläge des Herzens", Diogenes Verlag AG Zürich, 2003, S. 74-76

Dabei ist zu beachten, dass der Dalai Lama nicht das Oberhaupt aller Buddhisten ist, sondern viel mehr das Oberhaupt einer Schule des Buddhismus. Von daher kann es sein, dass in anderen Schulen andere Ansichten verbreitet sind.

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Kommentar von Neun188
02.11.2016, 02:45

Die Vierte der fünf Silas sagt ja, man soll kein sexuelles Fehlverhalten begehen, nur dachte ich immer, das betrifft nur Sexualität bei der anderen Wesen Leid zugefügt wird.

Aber der Dalai Lama ist halt der Dalai Lama ... Mich hätte eher interessiert, ob man irgendwas im Palikanon dazu findet.

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Kommentar von AndyG66
02.11.2016, 03:13

Ich kann jetzt nicht gerade auf Quellen verweisen aber prinzipiell geht es im Buddhismus nicht um den Körper sondern um die Form der Beziehung. 

Tibetanische Buddhismus ist wie fast immer eines der schlechtesten Beispiele. Noch in den 70er Jahren äusserte sich der Dalai Lama klar gegen Homosexualität. In letzter Zeit passt er sich dem Westen halt an.

Dazu muss man wissen das es Homosexualität im Sinne des Westens in Asien traditionell eigentlich nicht gibt. Der Buddhismus klar gegen sexuelle Ausschweifungen ist - und als solches ein  buddhistischer Mönch natürlich das sexuelle ausschweifenden Verhalten zum Beispiel der Schwulenszene in San Francisco in den 70er Jahren verurteilte.

In Asiatischen Ländern gab es schon immer Paare gleichen Geschlechtes. Wobei aber der Männliche Part als "MANN" und nicht Schwul gilt. "Schwul" ist nur der weibliche Partner. Welcher sich auch als Frau kleidet und deutlich jünger ist wie der Mann. Das Konzept dass zwei Männer über 30 als Mann+Mann offiziell zusammenleben ist relativ neu in Asien. Der Druck als Mann eine Familie mit Kindern zu haben ist viel zu gross. Auch wegen der Altersversorgung!

Es gab also solche Paare wie heute im Westen eigentlich NIE. 

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Ich bin Buddhist und werde dir das gerne beantworten.

Als aller erstes: Nein!  Homosexualität wird nicht abgelehnt.

Man muss aufpassen. Es gibt nicht den Buddhismus.

Es gibt etliche verschiedene buddhistische Richtungen und jede hat da ihre eigene Auffassung von.

Jedoch ist es in allen mir bekannten Schulen absolut irrelevant welche sexuelle Orientierung man hat. Auf Deutsch gesagt: Es juckt niemanden. 

Es gibt in den Silas die Warnung vor Sexuellem Fehlverhalten, das ist korrekt. Jedoch sind das sehr alte Regelungen und dazu auch noch keine Dogmen. Also nur Empfehlungen, die man einhalten sollte, aber nicht muss. Egal um was es sich handelt, am Ende muss man selber wissen, ob man mit den jeweiligen Konsequenzen seines Handelns zurecht kommt. Außerdem hat Buddha viele der damaligen "Standard Sichtweisen" übernommen, damit seine Schüler ihn besser verstehen.

(Daher auch so viel Hinduismus im Buddhismus)

Jedoch besitzt der Buddhismus kein Problem damit, sich an die jeweiligen Zeiten anzupassen. Das heißt: Es ist mittlerweile absolut normal Homosexuell zu sein, und genau das werden dir 99% aller Buddhisten auch so sagen. Und auch auf die Meinung des Dalai Lama würde ich nicht zu viel Wert legen. Er vertritt lediglich den tibetischen Buddhismus. Das ist eine, von vielen Richtungen. Und sein eigenes Weltbild spielt bei dieser Frage eine wichtigere Rolle, als die Meinung des Buddhismus selbst.

Im Großen und Ganzen jedoch, ist Homosexualität lange nicht mehr das, was es vor 2500 Jahren war, und das sollte man auch wissen.

Jemand der Homosexuell ist, schadet niemanden. Weder andere, noch sich selbst. Deshalb gibt es keinen Grund, sich darüber Gedanken zu machen.

Die Annahme, der Buddhismus würde etwas gegen Homosexuelle haben, ist somit vollkommener Schnurz.

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Kommentar von AaronMose3
02.11.2016, 03:15

Ergänzend dazu:

Im vom @CountDracula verwendeten Zitat sagt der Dalai Lama

Nach meinem Verständnis und nach allgemeiner buddhistischer Auffassung 

Der Dalai Lama benutzt die Worte "nach allgemeiner buddhistischer Auffassung".

Wie wir wissen gibt es 3 große Strömungen innerhalb des Buddhismus:
Theravada (Lehre der Alten) - Sri Lanka, Thailand, Laos, Cambodia, Burma
Mahayana (Großes Fahrzeug) - China, Vietnam, Korea, Japan
Vajrayana (Diamant Fahrzeug) - Nepal, Bhutan, Tibet, Mongolei

Der Theravada bezieht sich auf den Tipitaka (Palikanon). Hier im Tipitaka finden wir keine direkte Äußerung für oder gegen die Homosexualität für "Nicht Ordinierte" Personen.
Und auch wenn man die 4 Mahapadesa (4 großen Richtlinien) anwendet ist es meiner Meinung nach unmöglich etwas "gegen" Homosexualität zu finden.

Für die Nicht Ordinierten lehrte der Buddha die Folgende "Regel"
kamesu micchacara veramani sikkhapadam samadiyami (Ich unternehme die Übungsregel, kein sinnliches Fehlverhalten zu begehen) sexuelles Fehlverhalten bedeutet hier, Missbrauch/Vergewaltigung, Sexuellen Verkehr mit einer Person die noch unter "Schutz" steht (Von Vater, Bruder etc.)

Im Vinaya Pitaka (Korb der Ordensregeln) finden wir eine Situation die mit einem Homosexuellen Mönch zu tun hat. Sein Verlangen war so groß, dass er Sex mit einem Novizen hatte und dafür eben dem Mönchsorden verwiesen wurde.
Jedoch gilt jegliche Art des sexuellen Verkehrs innerhalb der Ordensgemeinschaft als Parajika (tödliches Vergehen) welches den Ausschluss aus dem Orden nachsichzieht.

Da im Mahayana die gleichen Ordensregeln bestehen, gilt das was ich bezüglich der Theravada Ordinierten Gemeinde schrieb auch für die Mahayana Ordinierten.

Ich kann ebenfalls sagen, dass in den wichtigsten Schriften des Mahayana wie dem Prajnaparamita-Hrdaya-Sutra, dem Sukhavati-Sutra, dem Avatamsaka Sutra, dem Saddharmapundarikasutra oder dem Vajracchedika-prajnaparamita-sutra, das Thema Homosexualität nicht behandelt wird. Bin mir also sicher, dass auch dort traditionelle keine Ablehnung stattfand.

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Im Buddhismus wird nichts abgelehnt. Es wird nur darauf hin gearbeitet, Schaden sich selbst und der Umwelt gegenüber abzuwenden.

Und wem schadet Homosexualität?

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