Frage von GluecklicheKuh, 45

Wird der europäischer Kündungsschutz und die Arbeitnehmerrechte irgendwann, aufgrund der Globalisierung und der Profitgier, Geschichte sein?

Regierungen beschließen Aufweichungen der Schütze und Rechte der Arbeitnehmer, trotz Proteste.

Wie sieht die Zukunft aus ? Was und wie stellt sich die Globalisierung den perfekten Arbeiter vor ? Ein Mensch, der jederzeit einsetzbar und kündbar ist ? Ein Mensch, der mal heute 5 Euro / Std und morgen 1,50 Euro arbeitet ?

Antwort
von Blazeor, 2

Welche Regierung hat dir den Schutz und Recht aufgeweicht? Bedenke wie jung diese Rechte sind..(die meisten sind erst in den letzten 100-200 Jahren entstanden).

Wie die Zukunft aussieht? Keiner kann hellsehen, nur prognostizieren...z.B. den Klimawandel.

DIE Globalisierung kann sich nichts vorstellen, da sie kein Lebewesen mit kognitiven Fähigkeiten ist. Der Kommunismus, war eine Idee davon wie alle zusammen jederzeit einsetzbar und ausnutzbar sind, ist es gut gegangen? nein!

Zahlen über Lohn einzustreuen sind unnütz...umgerechnet arbeiten die Leute in Fernost ja für 1,50 Euro. Na und? Sie können davon leben...die zahlen auch nur 50€-Cent für Miete..oder haben andere niedrige Lebenshaltungskosten.

Steigen diese, steigen auch die Lohnforderungen ALLER Betroffenen! Damit steigen dann die Preise der Produkte die sie herstellen und damit die Kosten für die Leute die sie kaufen.

Es wird immer von der "bösen" Globalisierung gesprochen, aber jeder genießt die Vorteile. Günstig aus dem Ausland einkaufen und sich dann wundern das die Firmen auswandern weil sie dort billiger herstellen können. Aber irgendwann gibt es kein "billigeres" Ausland mehr, weil alle durch die Globalisierung die gleichen Lebensstandards erreicht haben.

Von den Errungenschaften der Globalisierung redet keiner, das immer mehr Länder ihre Bevölkerung ernähren können, das die Löhne in vormals "Billig-Ländern" steigen, weil die Leute dort auch Interesse haben an z.B. besseren Standards, Technik, Lebensverbesserung, Freizeit und Urlaub. Das die hygienischen Bedingungen sich verbessern und medizinische Hilfen und Möglichkeiten sich auf der Welt verbreiten.
Wer wäre bitte im Mittelalter dafür gewesen den Leuten in Mesopotamien (heute Iran/Irak) zu helfen?
Keinen im Viktorianischen London hätte es gejuckt wenn in Japan ein Tsunami hunderte Leben kostet.
Das (globalisierte) Spendenaufkommen ist doch nur so hoch weil die Leute durch die (globalisierten) Medien in aller Welt von dem Elend anderer Menschen und von den Hunger- und anderen Katastrophen hören.
Fernreisen, nicht nur zum Vergnügen, sind besser möglich den je und und und...Globalisierung heisst doch nur das sich etwas GLOBAL ausbreitet und ist mitnichten ein Schimpfwort.

Zu den Auswirkungen auf unser soziales wirtschaftliches Leben: Es gibt Dinge die JEDER Mensch braucht..diese Dinge, wie Luft, Wasser, Essen, Hygiene, Kleidung uvm. die müssen erarbeitet werden. Die Erfindung des Tauschmittels GELD macht es nur 'einfacher' etwas anderes arbeiten zu können, als das man arbeiten müsste um sich zum Beispiel Nahrung zu beschaffen. Oder möchtest du erst morgens 3 Stunden als Bauer arbeiten für Korn, Milch und Eier, dann mittags 3 Stunden als Müller, Molker, Käser, dann nachmittags 3 Stunden als Bäcker, Konditor, Metzger...damit du nur 1 belegtes Brot für diesen Tag hast?...von Kleidung, fließend Wasser, Hausbau und so weiter garnicht zu reden.
Grundsätzlich wird immer etwas 'getauscht' und erarbeitet, nur weil manche glauben ihre Arbeits-/Lebenszeit ist mehr Wert als die anderer lässt ein Ungleichgewicht entstehen. Durch Globalisierung verbreiten sich Standards und Mindestansprüche und dieses Ungleichgewicht wird langsam ausgeglichen...z.B. welcher Kenianer hatte den früher gern einen Brunnen statt einem Wasserloch gehabt, aber nicht gewusst das es andere Menschen gibt die schon so tief buddeln oder bohren.
Die Maschinen die die Deutschen Ende der 80er ausgemustert haben, tuen heute in China ihren Dienst, bis diese bessere gefunden oder erfunden haben. Technologie-Transfer, Wissensverbreitung...alles Globalisierung.
Gäbe es nicht die Globalisierung wüssten wir nicht von der Erderwärmung und wenn morgen die Flutwelle kommt, warum und woher das ganze Wasser kommt (weil die Pole und Gletscher am anderen Ende der Welt schmelzen).

Es wird NIEMAND den errungenen Mindestlohn, soziale Hilfen oder andere dieser Leistungen auflösen können, denn: 1. Die Politiker sind vom Volk gewählt und wenn sie da rumpfuschen, werden andere gewählt die es wieder rückgängig machen! 2. Wenn es einen WorstCase...also schlimmsten Fall geben würde, würde es nicht nur zu Demonstrationen sondern zu Aufständen und Putsch kommen! z.B. wer würde oder könnte den Frauen jetzt noch das Wahlrecht wegnehmen?! Was glaubst du was dann auf den Strassen und so los wäre...
Die einzigen die sich sowas (kurzfristig) leisten können sind Extremisten, die die Leute mit Gewalt oder/und falscher Propaganda einschüchtern müssen. Oder glaubst du das dir jemand gutes will wenn er dir ins Gesicht schlägt? Geh in eine Gewerkschaft und kämpfe um deinen "gerechten" Lohn, denn Niedriglohn wird ja nicht einfach mal gut dünken festgesetzt, die Leute müssen davon auch leben können. Wenn sie nicht davon leben können, werden sie um ihr Leben kämpfen.
Das tuen alle Menschen, überall auf der Welt..keiner legt sich hin und sagt sich, ohh so beschissen ich hab nichts mehr zum leben also sterb ich jetzt einfach.

..dieses Thema ist so komplex, weshalb es sich so gut streiten und missbrauchen lässt...und ich bin wirklich kein Wirtschafts- Ökonomie- Student, aber allein der gesunde Menschenverstand muss einem doch sagen das das was rechtspopulisten und andere radikale von sich geben totaler Quatsch ist. Sie spielen mit deinen Ängsten und Vorurteilen um deine Stimme zu bekommen.

Antwort
von JanRuRhe, 22

Hallo!
Es ist eine sehr schwierige Frage.
Auch der Kultur der Menschen.
In den USA gibt es kaum Kündigungsschutz. Trotzdem wollen dort viele Leute leben und arbeiten. Hier ist man sehr stark auf sich selbst gestellt und muss extrem flexibel sein. Wenn es keine Jobs gibt, zieht man dahin eines welche gibt. Wenn du nicht so gut bist in deinem Job musst du halt härter arbeiten.
Viele motiviert das. Aber hier bekommst du auch mit 60 jederzeit einen Job.
In Deutschland hindert ein zu guter Kündigungsschutz die Firmen, Leute einzustellen. Problem ist dass man unmotivierte und schlecht arbeitende Leute schlecht los wird. Aber gerade Großunternehmen finden Wege, ganze Standorte dicht zu machen - zum Teil um zweifelhaften Kurzzeiteffekten hinterherzujagen . Siemens zum Beispiel hat 130 Jahre lang breitbandig Technik entwickelt und produziert - wenn ein Bereich schwächelte, ging es anderen Bereichen gut. Ab Ca. 2000 haben die die nicht so profitablen Bereiche immer abgestoßen.
Die Globalisierung lässt einen viele Dinge überdenken. Wir verlieren viele Leute ( Ärzte!!) an die Schweiz oder Skandinavien. Viele Leute kommen zu uns ( nicht nur für Arbeit). Aber der Wohlstand hier ist sehr hoch. Kaum einer muss noch für 5 Euro arbeiten. Erst nach dem zweiten Weltkrieg ging es uns so gut. Hungern muss hier kaum jemand.

Kommentar von GluecklicheKuh ,

Nehmen wir mal an, dass 1/3 der AN faule Säcke sind. Sollte dann,  durch die Aufweichung und / oder Verlust des Kündigungsschutzes / Arbeitnehmerrechte, alle menschen drunter " leiden " ?

Klar, uns Deutschen geht es " scheinbar " noch gut, aber die ersten Auswirkungen sind schon u spüren, siehe die steigende Altersarmut. Immer öfters findest du Menschen, die geringe Löhne erhielten und dann im Alter auch nicht mehr haben bzw kaum ihre Familie versorgen können. 

Der breite Mittelstand sinkt mehr nach Unten in den ärmlichen Bereich und nur Wenige schaffen den Sprung nach Oben.

Mit dem Globalisierungsdruck sehe ich die Gefahr, dass es sich weiter verschärfen tut. Und statt die menschen sich zusammenschließen, werden sie sich gegenseitig in Konkurrenz stehen.

Kommentar von JanRuRhe ,

Der Niedergang des Kommunismus- besser: Sozialismus hat gezeigt, dass ein durchschnittlicher Mensch nur dann Leistung bringt, wenn er unter Druck gesetzt wird oder er selbst oder sein _nahes_ Umfeld davon profitiert. Das kann ein Dorf sein, eine Straße, aber niemals ein Land. Viele Blicken die Zusammenhänge nicht durch.
Daher kann ich nur raten:
- schau deinen Arbeitgeber genau an
- schau immer nach Alternativen aus
- überlege genau, wo du dich niederlässt
- ziehe nicht dort hin wo nur ein Arbeitgeber alles beherrscht.
Politiker sind meist auch nur Menschen. Und sicher in der Regel nicht die besten Könner. Seit 25 Jahren kenne ich den Spruch von guten Leute dass sie nicht in die Politik gehen, weil sie sich für derartigen Mist zu schade sind.

Antwort
von DODOsBACK, 20

Auch wenn du das jetzt nicht gerne hörst: übertriebener Kündigungsschutz ist einer der Hauptgründe, dass die sog. "prekären Arbeitsverhältnisse" immer weiter zunehmen!

Wer fest eingestellte Mitarbeiter nicht mehr los wird, holt sich Leute über die Zeitarbeit, macht nur noch befristete Verträge oder stellt Minijobber und (Schein)Selbständige ein.

Frag mal einen Arbeitslosen, ob er bereit wäre, sich ohne Kündigungsschutz zu einem "richtigen" Gehalt einstellen zu lassen. Wer arbeiten will, würde es sofort machen! Und wesentlich lieber, als in der Zeitarbeit hin- und hergeschoben zu werden, bis ihm keiner mehr einen "normalen" Job zutraut.

Warum stellen viele nicht gerne Frauen ein? Nicht in erster Linie, weil die schwanger werden können, sondern weil man ihnen in dem Fall 3 Jahre lang einen Platz "freihalten" muss - wenn sie sich nicht entscheiden, noch ein paar Kinder mehr zu bekommen...

Dasselbe gilt für Behinderte, Langzeitarbeitslose, Geringqualifizierte, Kranke und Migranten:

Trotz entsprechender Zuschüsse und Förderungen trägt letztlich der Arbeitgeber das "Risiko"! Große Unternehmen können es sich zwar leisten, dass ein Teil dieser "Problemfälle" nicht "funktioniert". Im Mittelstand kann ein einziger unzuverlässiger Mitarbeiter aber schon eine Katastrophe sein...

Erst recht, wenn man ihn "mitziehen" muss bis zum Gehtnichtmehr...

Kommentar von GluecklicheKuh ,



Nehmen wir mal an, dass 1/3 der AN faule Säcke sind. Sollte dann,  durch die Aufweichung und / oder Verlust des Kündigungsschutzes / der Arbeitnehmerrechte, alle menschen drunter " leiden " ?

Hat jemand einen Schutz, kann er auch langfristiger seine Zukunft planen und muss nicht jeden Tag / jede Woche bangen.


Kommentar von DODOsBACK ,

Nehmen wir mal an, dass bald nur noch 1/3 der Arbeitnehmer einen "festen" Job mit Kündigungsschutz haben - soll sich dann der Rest der Menschen in der Zeitarbeit, mit Jahresverträgen, Minijobs, mehreren Jobs, Schwarzarbeit und HartzIV durchschlagen?

Sollen Leute zu hoffnungslosen Fällen werden, weil sie nie eine Chance bekommen?

Wer schneller gekündigt werden kann, kann auch schneller wieder eingestellt werden! "Bangen" müssen auch heute schon viele, v.a. Menschen, die auf dem derzeitigen Arbeitsmarkt keine Chance auf einen einigermaßen "fairen" Job haben!

Kommentar von GluecklicheKuh ,

Klar, gleiches recht für alle, aber ich sehe in der Abschaffung vorallem die Vorteile für die AGs und der Globalisierung. Bei / mit Kündigungsschutz eher den AN im Vorteil, mit allen negativen Erscheinungen wie eben faule Menschen, die mitgezogen werden.

Aber solche Schmarotzer hast du überall, siehe Asi-Hartz 4- Empfänger. Sollen daher alle Menschen, die wirklich gut arbeiten auf alles verzichten, damit die AG uns noch leichter austauschen / drängen können ?

Es geht um Zeit und Flexibilität und dass schafft man nur mit Abschaffung von Schutz und Rechten ! Auch wenn es für manche Bereiche positiv ist, heißt es nicht, dass es überall ein Vorteil für den Menschen ist, aber um den menschen geht es schon lange nicht mehr. Er ist auch nur ein Kostenfaktor, der verdinglicht wird.

Kommentar von DODOsBACK ,

Du fühlst dich ungerecht behandelt - okay.

Aber vielleicht überlegst du mal, ob dich dein Chef nicht noch länger in Teilzeit behalten hätte, wenn er die Möglichkeit gehabt hätte, flexibel zusätzliche Mitarbeiter einzustellen oder deine Arbeitszeiten bei Bedarf neu zu verhandeln...

Was erwartest du denn? Dass neue MA gleich vom ersten Tag an (oder spätestens nach einer denkbar kurzen Probezeit) ein Recht auf lebenslange Weiterbeschäftigung zu IHREN Bedingungen haben.

Ganz ehrlich: wenn es so weit kommt, wird KEINER mehr fest eingestellt!

Antwort
von Gerneso, 21

In der Schweiz z. B. gibt es so einen Kündigungsschutz überhaupt nicht. Dort kann sowohl der AG als auch der Arbeitnehmer jederzeit ohne Angabe von Gründen den Arbeitsvertrag fristgerecht kündigen.

Die Arbeitslosenquote liegt da bei 3 Prozent, was sehr niedrig ist.

Und die Gehälter sind so hoch wie nirgendwo anders auf der Welt.

Da funktioniert das super für alle.

Kommentar von GluecklicheKuh ,

Aber wenn es so super läuft, wieso wurde in unserer Geschichte so oft und so heftig darum gekämpft ? Warum hielt es so lange ? Sind wir nicht auch m.u. dadurch zu einer starken Macht geworden ?

Kommentar von Gerneso ,

Weil die Low-Performer da natürlich dran festhalten. Ist doch klasse wenn man nur die Probezeit überstehen muss und dann die Rückenlehne nach hinten fahren kann.

Daher kommen ja auch die vielen befristeten Arbeitsverträge. Weil Arbeitgeber sich nur dadurch davor schützen können faule Äpfel behalten zu müssen.

Kommentar von GluecklicheKuh ,

Ich bin zB kein fauler Apfel, aber man wollte mich, bei der nächsten Verlängerung, zu einer Entscheidung drängen, was in einem unbefristeten Vertrag nicht einfach so möglich gewesen wäre.

Ich wollte Teilzeit bleiben und sie wollten, obwohl sie es nicht nötig hätten, mich nur Vollzeit noch einsetzen. Aber auch allgemein war es blöder dort geworden, so dass ich meinen Zeitvertrag auslaufen lasse...

Du siehst, man kann mit zeitverträgen neue Druck aufbauen.


Kommentar von Gerneso ,

Natürlich - deshalb machen Firmen Zeitverträge.  Weil anders können sie sich mit dem Kündigungsschutz ja nicht helfen.

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