Frage von BrausendesMeer, 105

Wird bei einer Fixierung zwischen Minderjährigen und Volljährigen unterschieden oder ist das egal. Wieso ist eine Fixierung erlaubt?

Hallo,

es stimmt doch, dass jede Fixierung eine Freiheitsberaubung dar stellt. Mich interessiert aber, wieso eine Fixierung erlaubt ist. Sagen wir mal der Patient verhält sich im Krankenhaus aggressiv und wird aus Eigenschutz -für meinen Schutz nicht für den Schutz des Patienten- fixiert. Das ist ja noch nachvollziehbar, da es dann ja um meine Sicherheit geht. Oder hab ich da etwas falsch verstanden, wenn ja bitte korrigieren :D.

Wenn jedoch der Patient beispielsweise einen Unfall hatte und nicht einsieht, dass er im Krankenhaus bleiben "muss", da es sonst sein Leben gefährdet oder meinetwegen sich die Venenzugänge raus zieht, weil er es nicht möchte, wird der Patient fixiert und es wird ein richterlicher Beschluss "beantragt" Aber wieso ist es erlaubt den Patienten zu fixieren? OK er gefährdet sein Leben aber es ist doch sein Leben und er hat die Entscheidung ok wie es aussieht nicht aber wieso dürfen andere Menschen über "sein" leben entscheiden ?

Wird bei der Fixierung zwischen Volljährig und Minderjährig unterschieden oder ist das egal?

Wie sieht es abgesehen davon mit der chemischen Fixierung aus mit dem "sedieren". Ist da auch eine "Erlaubnis" vom Richter nötig oder ist dies so zugelassen? Ich denke mal bei einem akuten Fall kann man nicht auf das "OK" vom Richter warten.

Ebenso würde mich interessieren wieso manchmal eine Fixierung beim Fieber Notwendig ist. Und zwar habe ich mal mitbekommen, dass jemand fixiert wurde, da er sehr hohes Fieber hatte als "Rheine Vorsichtsmaßnahme" ich habe mal ganz freundlich nachgefragt, ob dies bei so einem Fall erlaubt ist aber ich denke da wurde meine Frage eher angreiferisch angenommen und falsch verstanden :D .

Bis auf die chemische Fixierung gehe ich bei meinen Fragen von Fixierungen mit Gurten aus in der Medizin d.h in der Intensiv/Krankenpflege.

Keine Sorge ich habe nicht vor im Krankenhaus zu randalieren nur ich bräuchte etwas für die Schule und außerdem interessiert es mich persönlich auch.

Ich danke für die hilfreichen Antworten :)

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo BrausendesMeer,

Schau mal bitte hier:
Schule Rechte

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Schwesternherz, 37

Ich arbeite auf einer Intensivstation. Bei uns wird das so gehandhabt:

Ist ein Patient offensichtlich nicht zurechnungsfähig aufgrund Medikamente, psychischer Schocksituation oder einer anderen "Verstandraubenden Krankheitsphase" (laienhaft erklärt), möchte sich lebenswichtige Zugänge, sog. Lifelines, entfernen, wird er fixiert. Wenn absehbar ist, dass diese Fixierung länger andauern muss als 24h MUSS das Amtsgericht eingeschaltet werden, welches dann die Situation beurteilt und eine Fixierung im Sinne des Patientenschutzes "legalisiert". Allerdings nur und ausschließlich solange bis der Zustand sich ändert. Wenn es danach wieder "von vorn losgeht" gilt wieder diese 24h Regel.

Des weiteren werden die Angehörigen über diesen Zustand informiert. Von ihnen wird wenn möglich ein Betreuuer richterlich eingetragen, der sich um die Gesundheitsfragen kümmert und Entscheidungen für den Patienten trifft, solange dieser es nicht kann. Ist kein Angehöriger bereit oder verfügbar, übernimmt dies ein gesetzlicher Betreuuer, ebenfalls vom Amtsgericht bereitgestellt. 

Randaliert ein Patient und droht damit, das Personal oder gar Mitpatienten zu verletzten, wird dieser, je nach Umfang der Gegenwehr bis zu 5 Punkt fixiert (Arme, Beine, Bauchgurt). Danach verfährt man ebenfalls wie oben beschrieben.

Medikamentöse "Fixierung" (wie du die chemische meinst) findet bei psychischen Ausnahmezuständen statt oder wenn man merkt dass die Fixierung unerträglich für den Patienten ist (es gibt tatsächlich welche, die sich darunter beruhigen!). 

Diese findet aber nur in diesem Umfang statt, dass der Mensch ruhiger ist, sich ausruht und NICHT komatös wird. Das wäre zu viel. Unsere Patienten (man muss dazu sagen dass ich in einem spezialisierten Lungenzentrum arbeite mit Herzlungen-Maschinen und absolut lebensbedrohlichen Ausnahmezuständen der Patienten) bekommen, sofern kein künstliches Koma nötig, aber psychische Agitation, Befangenheit, starke Angst vorliegt entweder regelmäßig beruhigende Medikamente oral zugeführt, oder schwach dosiert über Perfusoren(intravenöse Verabreichung). Diese Medikamente beinhalten oft (nicht immer) Opioide (sind also Betäubungsmittelpflichtig) die die Schmerzen durch das lange  ruhige Liegen lindern und in ihrer geringen Dosierung angstlösend sind (stell dir vor du starrst nur an die Decke und weißt nicht ob du jemals wieder was andres als diese Decke siehst...). 

Beim Fieber kann ein Delir entstehen, das oft zu Halluzinationen führt und den Erkrankten auch "ausrasten" lassen kann. Und, für jeden logisch und nun krass ausgedrückt, braucht niemand einen Fieberkranken mit 40 Grad Fieber der wie bekloppt über Station rennt weil er glaubt, etwas würde ihn jagen. Das ist Eigengefährdung pur. Prophylaktisch fixieren bei Fieber ist allerdings nicht erlaubt. Fixiert werden darf nur, wenn andere Beruhigungsmaßnahmen fehlschlagen.

Fall der Patient aber in VOLLEM Bewusstsein Therapien ablehnt und eigengefährdet handelt, MUSS seinem Willen entsprochen werden. Auch wenn dies heißt, dass er vor der Klinik tot zusammenbricht. Allerdings muss der Patient über genau diese Risiken aufgeklärt werden (vom Arzt versteht sich) und diese, sog. Entlassung gegen ärztlichen  Rat, unterschreiben. Andernfalls handelt der Arzt fahrlässig. 

Ist der Patient minderjährig, entscheidet immer der Vormund (i.d.R. die Eltern) über Therapie und Maßnahmen des Minderjährigen. Die Maßnahmen in den akuten Fällen Eigen-/Fremdgefährdung verändert dies nicht. Nur dass es keine "Entlassung gg ärztlichen Rat" auf Wunsch des Minderjährigen gibt. D.h. wenn das Kind sagt "ich will nicht", wird dem nicht entsprochen. Nur wenn die Eltern dies auch so wollen. ein Kind, bzw. Minderjähriger ist nicht bzw. nur bedingt geschäftsfähig.

Ich  hoffe ich konnte dir helfen.

Kommentar von BrausendesMeer ,

Super! danke Dir :)

Antwort
von Rockuser, 64

Fixierung ist grundsätzlich nur erlaubt wenn;

Der Patient vorher eingewilligt hat.

Der Patient einen richterlichen Beschluss hat.

Der Patient andere gefährdet,

Der Patient nicht anders behandelt werden kann.

Der Patient nicht Zurechnungsfähig ist.

So, nun sag mir mal, wann davon nichts Zutrift.

Kommentar von BrausendesMeer ,

Na wenn der Patient sich weigert nach einem Unfall behandeln zu lassen gefährdet er ja wohl ausschließlich sich selbst. 

Kommentar von BrausendesMeer ,

Ja gut er wird dann wohl als "nicht zurechnungsfähig" "eingestuft" aber wer entscheidet dies ?

Kommentar von Rockuser ,

Der Arzt. Der bestellt dann eine richterliche Verfügung, ( Die er bekommt) und da ist die Sache dann erlaubt.

Kommentar von BrausendesMeer ,

Ich weiss nicht, ob Du mir die Frage auch beantworten kannst oder willst aber wann ist man nicht zurechnungsfähig wonach wird das ausgemacht wie wird dies entschieden ?

Danke :) 

Kommentar von Rockuser ,

Das entscheidet ein, beziehungsweise mehrere Ärzte. Wie das ganz genau läuft, weiß ich aber auch nicht.

Kommentar von BrausendesMeer ,

Lieben Dank

Antwort
von SirAddix, 56

Die Fixierung mit Gurten wird und darf vom jeweilig zuständigem Arzt getroffen, der darf die Fixierung aus Fremd oder Eigengefährdung anordnen. Allerdings nur 24h, danach läuft diese Anordnung aus und der/die Patientin MUSS Defixiert werden.

Deswegen wird innerhalb der 24h, sofern notwendig, ein Amtsarzt oder Richter hinzugezogen um den Zustand des Patienten zu beurteilen. Dieses Urteil ist ausschlaggebend ob und wie lange der Patient "Untergebracht" wird, dieses passiert meist durch das sogenannte Psychiatrische Krankengesetz (PsychKG).

Richter = PsychKG / Gesetzliche Betreuer = BGB

Die "chemische" Fixierung obliegt meines Wissens nach dem Stationsarzt, darf allerdings auch ohne Anordnung Richter NICHT Zwangsmediziert werden, sprich unter Zwang und Gegenwehr gegeben werden.

Unterschiede zwischen Minder und Volljährigen Patientin gibt es nicht, da es immer um Fremd oder Eigengefährdung geht (Suizidalität = Eigengefährdung / Aggressivität = Fremdgefährdung)

Fixierung bei Fieber währe mir neu aber hat ggf. mit dem sogenannten Fieberwahn zu tun, das der Patient nicht Herr seiner Sinne ist und somit wieder in die Eigengefährdung rutscht.

Es ist ein interessantes Thema was manchmal nicht eindeutig ist und sicher auch ab und an grenzwertig entschieden wird. Grundsätzlich gilt aber, auch wenn jeder über sich entscheiden kann, teilt man anderen mit, daß man sich umbringen will, gibt man die Verantwortung ab und wandelt es in unterlassener Hilfeleistung um. Ergo ist der andere in Handlungspflicht.

Meißtens sind mitgeteilte Suizidversuche, eher ein schrei um Aufmerksamkeit und um Hilfe, denn wer sich wirklich umbringen will, tut dies.

Hoffe ich konnte ein wenig helfen :)

Kommentar von BrausendesMeer ,

Ja Du konntest sogar sehr viel helfen. Danke :) 

Also schließt sich das dann darauf hin, dass wir in der Tat nicht selber über unser Leben entscheiden können ?

Kommentar von SirAddix ,

Eine, auch für mich, immer noch sehr schwierige und eigentlich auch philosophische Frage. Natürlich kannst du, denn du musst ja keinem sagen was du vor hast. Aber stell dir vor (hoffentlich kommt es nie vor) dir sagt eine Freundin/Freund er will sich dann und dann an dem bestimmten Ort umbringen, was tust du? :/

Kommentar von BrausendesMeer ,

Nunja, der erste Gedanke wäre Polizei oder Rettungskräfte alarmieren. Aber es kommt auch darauf an aus welchem Grund.... 

Kommentar von LittleMistery ,

Der letzte Absatz ist teilweise falsch. Natürlich bringen sich Leute um, die das wollen, aber manchmal wird man halt auch gefunden. Das hat nichts damit zu tun

wer sich wirklich umbringen will, tut dies.
Kommentar von SirAddix ,

Ja, na gut das ist natürlich ein neuer Sachverhalt, da gebe ich dir recht :)

Kommentar von SirAddix ,

Übrigens, zum Thema Minderjährig. Sofern du unter 18 bist dürfen deine Leiblichen Eltern, sofern alles rechtmäßig ist, über Fixierung, Zwangsmedikation und Aufenthalt in einer psychiatrischen Einrichtung usw entscheiden :/

Kommentar von BrausendesMeer ,

Also können die Eltern auch dies verweigern ? Auch, wenn es den Patienten gefährdet ?

Antwort
von LittleMistery, 48

Was ein Quatsch.

Man wird fixiert, wenn man sich oder andere gefährdet.

Wegen Verweigerung von Behandlung wird man doch nicht direkt fixiert.

Wieso sollte man bei Fieber fixiert werden? Das find ich mehr als Quatsch.

Ich weiß nicht wieso, aber mich Regen diese Fragen auf.

Entschuldigung.

Kommentar von BrausendesMeer ,

Es sind ganz einfach gestellte Fragen..wieso regen sie Dich auf..? Dann antworte doch nicht..

Wieso man bei Fieber fixiert werden sollte hatte ich ja auch keine Ahnung...sonst würde ich ja nicht fragen. Aber gut 

Kommentar von LittleMistery ,

Es ist einfach so. Jeder denkt, dass man immer direkt fixiert wird und wegen jedem kleinen Scheiß. Das ist aber nicht so.

Kommentar von BrausendesMeer ,

Ich würde es nicht behaupten, wenn ich es selber nicht gesehen hätte. Wenn ich irgendwo falsch liege, dann verbessere mich, klär mich auf und sag nicht, dass Dich solche Fragen aufregen. Bitte und danke

Kommentar von LittleMistery ,

Was hast du selbst gesehen und wie oft?

Kommentar von SirAddix ,

Die 24stündige Fixierung aus Eigen und Fremdgefährdung kommt schon des Öfteren vor. Das mit dem Fieber war mir auch neu und eine Mutmaßung, war ja nicht dabei. Leider muss man sagen das sicherlich, auch durch Unwissenheit und Unsicherheit manchmal falsche Entscheidungen getroffen werden :/ Die Aggression über dieses Thema kann ich teils verstehen, allerdings nicht was sie hier zu suchen hat.

Kommentar von BrausendesMeer ,

Also von mir kommt keine Aggression über das Thema nur würde es gerne besser verstehen und erhalte lieber kurze, knappe Antworten statt mir 5 Seiten fachliches durchzulesen und nachher alles falsch zu verstehen. 

Kommentar von BrausendesMeer ,

Das mit dem Fieber wie oben beschrieben. Fixierungen und Sedierung nach Unfällen und Fixierung nach einem Suizidversuch bei Verweigerung der Behandlung und des Krankenhausaufenthaltes. 

Kommentar von LittleMistery ,

Fixierung bei Fieber kann ich nicht nachvollziehen. 

Fixierung nach Unfällen kann ich nicht nachvollziehen, allerdings eine Sedierung, aber auch nur, wenn man so verletzt ist, dass es nötig wird.

Fixierung nach Suizidversuch, jenachdem, aber großteils ja.

Bei Verweigerung der Behandlung und des Krankenhausaufenthaltes nein. Es sei denn im Zusammenhang mit einem Selbstmordversuch.

Kommentar von BrausendesMeer ,

Verweigerung der Behandlung nach dem Motorradunfall und ja auch nach dem Suizidversuch. Jedoch können beim Fieber Halluzinationen auftreten. Danke für die Antworten. 

Kommentar von LittleMistery ,

Entschuldige, dass ich so aggressiv geantwortet hab.........

Kommentar von BrausendesMeer ,

Kein Problem...alles gut :D

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