Frage von Bonesque, 69

Bekannter will mein verlorenes Eigentum nicht ersetzen, was kann ich tun?

Hallo, liebe Community,

ich hätte da mal eine Frage zu folgendem Sachverhalt:

Mein Freund hat mir zu Weihnachten eine Kette geschenkt im Wert von über 70 Euro. Beim Feiern hat ein Bekannter die Kette gesehen und gefragt was das für eine Kette ist und ob er sie mal sehen kann. Dann habe ich sie ihm gegeben und er hat sie sich umgehängt; ich habe dann aber gesagt, ich möchte die Kette wieder zurück haben und er gab daraufhin an, ich müsse ihn küssen damit ich die Kette zurück bekomme. Das habe ich natürlich abgelehnt und gesagt er solle sie mir doch bitte wieder geben. Aber er beharrte darauf, dass ich ihn für die Rückgabe küsen solle. Dann bin ich ihm erst mal aus dem Weg gegangen, weil er auch sehr aufdringlich war und ich konnte ihm die ja nicht vom Hals reißen... Und irgendwann war er dann weg.

Ich habe ihm dann gleich geschrieben, dass er die Kette noch hat und dass ich die wieder haben will und am nächsten morgen kam dann, dass er sie nicht mehr findet ... Mein Freund hat dann die Disco kontaktiert, die haben keine Kette gefunden und diejenige bei der mein Bekannter übernachtet hat, hat auch keine kette, das legt ja auch irgendwie nahe dass er die Kette dann irgendwie entsorgt hat ... Auf jeden Fall weigert er sich, die Kette zu ersetzen und hat sich wohl mit irgendeinem befreundeten Anwalt zusammen getan und will alles als Schenkung auslegen, die ja absolut nicht stattgefunden hat! ... Jetzt meine Frage: kann ich ihn Anzeigen ? Verlust von einer Sache kommt doch irgendwo einer Sachbeschädigung gleich? (ich habe ihm mit einer Anzeige gedroht, aber er meinte nur, ich solle es doch machen, da sich für eine Kette von so "wenig" wert niemand interessieren würde, also dass das keine Konsequenzen hätte)

"Beweise" hätte ich folgende: die Nachricht von ihm, in der er sagt, dass er weiß, er hatte die Kette, würde sie aber nicht mehr finden; die Quittung für die Kette und Freunde die bezeugen können, dass er sich ständig an mich ran gemacht hat und bezeugen können, dass ich die Kette getragen hatte.

Sorry,, für den langen Text, wollte nur den gesamten Sachverhalt darstellen, und bin umso dankbarer für Antworten :)

Antwort
von Friedel1848, 4

Strafrechtliche Beurteilung

Du hast ihm die Kette freiwillig gegeben. Somit scheidet ein Diebstahl aus. Auch für einen Betrug ist hier meiner Meinung nach nicht genug passiert; es wird im Zweifel nicht nachzuweisen sein, ob er dich bereits beim Nachfragen nach der Kette darüber täuschen wollte, dass er dir die Kette nicht wiedergeben will, sie in Wirklichkeit aber von Anfang an behalten wollte.
Platz bleibt für eine strafbare Unterschlagung, § 246 StGB. Diese ist offensichtlich erfüllt. Auch der "geringe Wert" der Kette hindert die Strafbarkeit nicht (70 Euro sind mehr als genug, um das ganze nicht wegen Geringfügigkeit oder dergleichen abzulehnen).
Hinzu kommt noch eine Nötigung (§ 240 StGB), es liegt wahrscheinlich sogar ein besonders schwerer Fall der Nötigung vor (Abs. 4 Nr. 1).

Eine Anzeige hätte (sofern ihm mithilfe von Zeugenaussagen die Delikte nachgewiesen werden können) gute Chancen, zu einer Verurteilung zu führen.

Zivilrechtliche Beurteilung

Das bringt dir aber noch nicht die Kette wieder. Du müsstest ihn außerdem auf Rückgabe der Kette verklagen (nach § 985 BGB). Dabei würde natürlich eine rechtskräftige Verurteilung wegen Unterschlagung sehr helfen, denn dann würde der Zivilrichter keine Probleme bezüglich der Beweise mehr haben, das wurde im Strafverfahren alles schon geklärt.

Mein Vorschlag

Bevor du dir einen Anwalt nimmst (denn die sind teuer), schreibe ihm einen Brief mit folgenden Inhalten:

1) Du forderst ihn auf, dir die Kette zurückzugeben.

2) Falls er die Kette nicht mehr besitzt, forderst du ihn hilfsweise auf, dir einen Wertersatz in Höhe des Kaufpreises zu zahlen.

3) Du listest alle dir bekannten Zeugen auf, die deine Version der Geschichte bestätigen können.

4) Du bekräftigst noch einmal, dass es sicherlich nie deine Absicht war, die Kette zu verschenken und dass diese Ansicht völlig absurd ist.

5) Du "drohst" ihm an, ihn
a) anzuzeigen wegen der von mir oben aufgeführten Delikte und
b) zu verklagen auf Rückgabe der Kette (hilfsweise Schadensersatz in Kaufpreishöhe)
falls er deiner Aufforderung nicht nachkommt.
Hier ist es wichtig, dass deine "Drohung" nicht als eine strafbare Drohung aufgefasst wird, sondern dass du ihm nur die Konsequenzen seiner Reaktion klarmachst. Eine solche "Drohung" ist nicht strafbar. Du sagst ihm außerdem nur, dass du "gnädigerweise" von einer Anzeige absehen wirst, wenn er dir die Kette direkt zurückgibst. Denn die Unterschlagung hat er so oder so begangen, die wird auch durch eine Rückgabe nicht ungeschehen gemacht, sondern bewirkt allenfalls eine Minderung der Strafe.

6) Du machst ihm außerdem die weiterführenden Konseqenzen seines Verhaltens klar:
Falls du ihn verklagst, wirst du dir einen Anwalt nehmen und er hat im äußerst wahrscheinlichen Falle deines Obsiegens nicht nur die Kette zurückzugeben, sondern auch deine Anwalts- und die Verahrenskosten zu bezahlen, was nicht gerade wenig sein wird.

7) Du schließt mit einem Appell an seine Vernunft. Die Kette hast du ihm völlig zweifellos nie geschenkt, er wird mit seinen Behauptungen nicht weit kommen und er möchte doch eigentlich nicht noch mehr Ärger haben, ein Anwalt wird ihm da auch nicht helfen.

Vielleicht lenkt er ein, wenn er einen solchen Brief von dir bekommt.

Ich bin kein Anwalt und übernehme keine Verantwortung für irgendwelche Tipps, die ich hier gegeben habe. Ich bin der Ansicht, dass mein Vorschlag vielleicht ein guter ist und du damit Erfolg haben könntest, doch letztendlich ist es deine Entscheidung und Verantwortung, wie du mit meinem Vorschlag umgehst.
Viel Erfolg!

Antwort
von Steffie15, 20

Vielleicht reicht es auch einfach schon, wenn du ihm erählst, dass du dich erkundigt hättest und ihn durchaus wegen mehrer Vergehen anzeigen kannst und ihm noch eine letzte Chance geben möchtest, die ganze Geschichte im guten zu klären.

Falls er die Geschichte mit dem befreundeten Anwalt nur erfunden hat, wird er spätestens an dieser Stelle einlenken.

Sollte er es nicht tun, dann leite wirklich rechtliche Schritte ein, weil dieses Verhalten ist definitiv nicht zu tollerieren.

Antwort
von Aliha, 19

Als Straftatbestand kommt "Unterschlagung" §246 StGB in Frage. Dazu musst du Anzeige erstatten. Von einer Bestrafung hast du aber noch keinen Schadenersatz, dafür musst du möglicherweise ein Zivilverfahren anstrengen.  Wenn der Beschuldigte Post von der Staatsanwaltschaft bekommt, sollte das aber eigentlich reichen, ihn zum Einlenken zu bewegen.

Antwort
von lohne, 25

Dein Bekannter benimmt sich unmöglich. Die Geschichte mit dem Kuss war ein Erpressungsversuch. Es ist egal welchen Wert die Kette hatte, er muss sie ersetzen. Notfalls gehe wirklich zur Polizei. Lass dir nichts einreden.

Antwort
von Bonesque, 12

Also, vielen Dank, für die Antworten ...

Und dass ich ihm ja die Kette gegeben haben damit er sie anschauen kann, ändert auch nichts an der Sachlage ? Weil damit kommt er auch die ganze Zeit, dass ich sie ihm ja gegeben habe.

Kommentar von smilenice ,

Du hast sie im temporär Überlassen - keinesfalls permanent und in der Absicht sie zu schenken. Also nein, es ändert absolut nichts an der Sachlage.

Antwort
von Nargisfan, 28

Du kannst ihn natürlich anzeigen, so gering ist der Wert der Kette ja nun nicht. Und du hast meiner Ansicht nach genug Beweise.

Antwort
von smilenice, 19

Natürlich kannst du ihn anzeigen, dass könntest du auch, wenn es wirklich so wäre, wie er es geschildert hat.

Möglichkeiten auf Erfolg hätten hierbei §263 (Betrug), da er indirekt vorgetäuscht hat, die Kette wiederzugeben ( Das Problem wird der Nachweis sein)

§242 (Diebstahl) ist hier wohl ebenfalls möglich, schließlich hat er dir die Kette abgenommen, und da er im Nachhinein keine Erstattung abgibt, hat er sich somit einen rechtswidrigen Vermögensvorteil gesichert.

Ähnliches gilt wohl für §246 (Unterschlagung)

Da er dich aufforderte, ihn zu küssen, um die Kette zurückzuhalten ist m.M. nach auch der Tatbestand nach §240 (Nötigung) erfüllt, hier hätte man auch recht gute Chancen auf Erfolg, zumindest wenn genügend Zeugen anwesend waren.

§248a besagt, dass der Diebstahl und die Unterschlagung von geringwertigen Eigentum nur auf Antrag untersucht und verfolgt werden - wenn du eine Anzeige erstattest ist das ein solcher Antrag, und die Sache würde auch verfolgt.

Sollten strafrechtliche Konsequenzen ohne Erfolg bleiben, kannst du immer noch zivilrechtlich gegen ihn  vorgehen und Schadensersatz einklagen.

Aber ich bin kein Rechtsbeistand, und gebe deshalb keine Garantien. Was ich dir rate ist, auf jeden Fall einen Anwalt einzuschalten, denn der kennt sich mit der Materie aus, und erhöht deine Chancen auf Erfolg drastisch.

Viel Glück. 

Edit: Im Falle einer Nötigung läge wahrscheinlich sogar ein besonders schwerer Fall vor, da er dich zu einer sexuellen Handlung nötigen wollte.

Antwort
von schwarzwaldkarl, 22

Die Geschichte bzw. das Märchen mit dem "befreundeten Anwalt" glaube ich nicht und Du solltest aus dem Grund wirklich eine Anzeige machen, das wäre ja noch schöner, wenn er die Kette nicht bezahlen müsste...

Wer weiß, vielleicht hat er sie sogar noch  ;-)

Antwort
von nurlinkehaende, 27

Ab zum Anwalt und zur Polizei, außer dem Diebstahl auch noch wegen sexueller Nötigung anzeigen.

Diesen Dussel aus dem Bekanntenkreis entfernen. Dauerhaft.

Antwort
von expert134, 36

Deine Chancen bei einer Anzeige sind definitiv sehr sehr hoch. Die Grenze für zu geringfügiger Wert liegt irgendwo im unteren Eurobereich. Und eine Schenkung war das sicherlich nicht :D Da ist das geltende Recht zum Glück doch noch nahe genug an der Lebensrealität.

Klingt wirklich dreist, was du da schilderst allein deswegen würde ich es schon machen.

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