Frage von ITYLR, 270

Will mein Bruder Suizid begehen oder Meth kochen?

Mein Bruder wurde vor kurzem mit einer schweren Depression diagnostiziert, was ihm sichtbar schwer zu schaffen macht. Tagsüber ist er apathisch und nachts sehr agitiert. Er verweigert jedwege Behandlung. Vorhin ging ich in sein Zimmer um ihn zu fragen, ob er mit mir eine Runde League of Legends spielen möchte. Er war gerade dabei eine Breaking Bad Blu-Ray aufzudrehen. Ich fragte ihn, welche Staffel er sich anschauen möchte und ob ich ihm Gesellschaft leisten dürfte. Er antwortete, dass er nicht wirklich Breaking Bad anschauen möchte, sondern nur an einer speziellen Szene/Folge interessiert sei und danach suche. Ich wurde neugierig und wollte wissen, welche Szene er meint. Er gab mir keine Antwort und beendete sogar die Blu-Ray wiedergabe auf der Playstation. Er wollte angeblich nun doch spielen. (alleine auf der PS4) Etwas später ging ich wieder in sein Zimmer und sah auf dem Fernseher eine Breaking Bad Folge laufen, die er hektisch pausierte. Jetzt war ich verständlicherweise erst recht neugierig. Er wollte mich abwimmeln aber ich gab nicht nach bis er mir schließlich verriet, dass er nach einer bestimmten "Anleitung" suche. Als ich fragte: "Welche Anleitung?", antwortete er "Du weißt, welche Anleitung ich meine.." Ich fragte scherzhaft weiter, ob er vorhat Meth zu kochen. Er wurde still, schaltete die Wiedergabe wieder aus und verlangte, dass ich sein Zimmer verlasse. Im Rahmen einer Google Suche fand ich nur einen Suizid, der in der Serie vorkommt: Peter Schuler mit einem Defibrillator Es ist gut möglich, dass sich in seiner Arbeit oder dem Lehrlingsheim ein solches Gerät befindet. Wie wahrscheinlich ist das? Muss ich mir Sorgen machen oder bin ich nur paranoid?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von HANSPAULKlAUS, 133

Hallo ITYLR,

zuerst einmal möchte ich sagen, dass ich es wirklich toll finde, dass Du so aufmerksam bist und Dir so viele Gedanken um Deinen Bruder machst. Nun aber zu Deiner eigentlichen Frage.

Eine wirklich sichere Antwort kann ich Dir leider nicht geben. Erstens, weil ich Deinen Bruder nicht kenne und zweitens, weil die ganze Sache durchaus Spielraum für Vermutungen bietet weil Du nicht sicher sagen kannst, wonach er sucht.

Fakt ist aber, dass Dein Bruder offensichtlich Hilfe braucht. Letztlich ist es so, dass er eine Therapie natürlich ablehnen kann. Es sei denn, es besteht das Risiko, dass er sich selbst oder andere in Gefahr bringt.

Du solltest also auf jeden Fall mit Deinen Eltern über die ganze Sache sprechen und ihnen mitteilen, dass Du Dir große Sorgen um ihn machst und das Du nicht weißt wie Du Dich verhalten solltest.

Deine Eltern können dann versuchen mit ihm zu sprechen und dann eine Entscheidung treffen.

Wichtig ist aber meiner Meinung nach auch, dass Du weiterhin versuchst für ihn da zu sein und versuchst ihn weiter zu unterstützen. Er muss einfach wissen, dass er mit seinen Problemen nicht alleine ist und das er jemanden hat auf den er sich verlassen kann.

Ich wünsche Dir viel Kraft und alles Gute für Deine Zukunft und hoffe, dass Dein Bruder Hilfe annimmt und erkennt, dass es nicht schlimm ist in therapeutischer Behandlung zu sein. Alles Gute für euch beide :-)

Kommentar von ITYLR ,

Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort! Wenn es Dich nicht stört, würde ich Dir gerne noch eine Anschlussfrage stellen: Ich habe gerade mitgekriegt wie meine Mutter meinen Bruder fragte, ob es ihm besser geht. Er antwortete mit "Ja" und es scheint, als ginge es ihm tatsächlich deutlich besser als an den letzten paar Tagen. Da redete er nämlich tagsüber überhaupt nicht und in der Nacht hörte ich laute Geräusche, die sich so anhörten, als würde er gegen irgendetwas schlagen. Wie kann ich das auffassen? Geht es ihm tatsächlich besser? Hat er vor seine depressive Verstimmung, wie in den letzten Jahren, einfach zu ignorieren und sich zu verstellen? Oder will er kein Aufsehen erregen bis sein Krankenstand zu Ende ist und er seinen möglichen "Plan" in die Tat umsetzen kann? Ich bin echt verwirrt.

Kommentar von HANSPAULKlAUS ,

Nichts zu danken. Und natürlich darfst Du eine weitere Frage stellen. Hier also meine Antwort:

Es kann durchaus sein, dass sich Dein Bruder gerade wieder besser fühlt. Eine Depression ist in der Regel keine gerade Linie. Es gibt gute und es gibt schlechte Tage.

Wenn er erst vor kurzem die Diagnose erhalten hat dann bin ich fast zu 100% davon überzeugt, dass das alles nicht vorbei ist. Natürlich wünsche ich niemandem etwas negatives aber ich bin der festen Überzeugung, dass dieses "es geht mir besser" nicht von Dauer sein wird.

Ich finde, dass Du nach wie vor ganz offen mit Deinen Eltern über die ganze Sache und Deine Bedenken sprechen solltest. Meiner Meinung nach kann man bei so etwas nicht vorsichtig genug sein.

Natürlich kann es sein, dass es ihm heute wirklich besser geht. Aber es besteht genau so gut die Möglichkeit, dass er wirklich etwas plant und euch das alles nur vorspielt. Versteh das bitte nicht falsch. Ich möchte Dir mit der Aussage keine Angst machen. Ich denke nur, dass es wichtig ist alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen.

Du solltest mit Deinen Eltern sprechen und ihr solltet gemeinsam mit Deinem Bruder zusammen nach einer Lösung suchen. Wenn Dein Bruder keine Therapie machen möchte dann muss auch das wieder einen Grund haben. Ich finde es wirklich wichtig, dass er versteht, wie wichtig diese Therapie für ihn ist und vor allem das er erkennt, wie viel ihm die ganze Sache wirklich bringen kann.

Die ganze Sache ist so zu sagen ein ziemlich schmaler grat. Das Problem ist, dass eure Hilfe auf der einen Seite wirklich wichtig für ihn ist und auf der anderen Seite aber auch keine Bedrohung ( er sollte sich nicht bedrängt fühlen ) für ihn darstellen könnte.

Ich kenne Deinen Bruder nicht und kann deshalb leider auch nicht beurteilen, wie man am besten an die ganze Sache heran geht. Es ist schon wichtig, ihm möglichst viel Freiraum zu bieten aber auf der anderen Seite muss er halt auch wirklich erkennen, dass er Hilfe braucht.

Versuch wirklich mit Deinen Eltern zu sprechen und mit ihnen gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Wenn ich Dir bei der ganzen Sache irgendwie helfen kann dann kannst Du mir jederzeit sehr gern schreiben. Ich bin zwar kein Arzt glaube aber auf Grund meiner eigenen Krankheit einiges zu dem Thema sagen zu können. Nochmal alles Gute für euch :-)

Kommentar von geminorum ,

Ich will dir keine Angst machen und stimme meinem Vorredner soweit zu. Allerdings kam mir der Gedanke, dass Suizidgefährdete sich oft besser fühlen, wenn sie ihre konkreten Suizidpläne direkt vor Augen haben und darauf zuarbeiten. Klingt erst mal seltsam, ist aber nicht selten. 

Ich würde dir raten, ihn in dieser Situation nicht zu sehr zu bedrängen, ihm aber trotzdem zeigen, dass du dich sorgst und für ihn da bist. 

Kommentar von HANSPAULKlAUS ,

@geminorum da gebe ich Dir völlig Recht. Sehr guter Hinweis.

Antwort
von geonax, 84

Ein normaler Mensch hat zu manuellen Defibrilatoren keinen zugang. Im Heim wird es sich am ehesten um ein AED handeln. Dieses gibt keinen Schok frei da es die Vitalwerte kontrolliert, also keine angst. Weiteres , eine ZWANGSEINWEISUNG ist nur bedingt möglich da man erst einen Arzt oder Rettungssanitäter dazu überzeugen muss.

Antwort
von Leonider, 30

die Suzid-Szene ist, wenn ich mich richtig erinnere ganz kurz und wird nur am Rande erwähnt. Das kann man eigentlich ausschließen.

Und zum Meth kochen. Soweit ich weiß wurde in der Serie absichtlich nicht die richtige Reihenfolge der Anleitung verwendet um keine Anleitung für Nachahmer zu zeigen. 

Antwort
von pipepipepip, 105

Dein Bruder muss in Behandlung! Wenn es sein muss mit Zwang. Sag es deinen Eltern, die sollen sich darum kümmern

Kommentar von Leonider ,

findest du das nicht etwas übertrieben?

Antwort
von OrangeTee7, 41

Also Meth kochen wird er durch Breaking Bad nicht lernen können und Suizid kann man auch ohne Anleitung machen. Ansonsten sind hier ja schon viele gute Antworten :)

Antwort
von kleinerhelfer97, 116

Lasst ihn auf jeden Fall zwangseinweisen...oder wenigstens zum Psychiater zwingen. Das ist nicht mehr krank, sondern total gestört. In dem Haus könnte ich nicht die Augen zumachen bei so einem Psychopathen.

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