Frage von mulano, 30

Wieviele Generationen braucht es damit eine neue Art (Tier/Pflanze) entsteht, oder wieviele Jahre dauert es im Durchschnitt?

Unterarten sind nicht gemeint. Quelle bitte mit angeben.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Rowal, 18

Das kann man gut am Viktoriasee abschätzen. Da dieser vor 15000 Jahren völlig ausgetrocknet war, muss die enorme Artenvielfalt (vor allem Buntbarsche) ab dieser Zeit entstanden sein. Es gibt mehrere hundert Arten völlig unterschiedlicher Buntbarsche.

Jetzt ist es ein leichtes zu rechnen wieviele Generationen es maximal dauerte, bis all die Arten entstanden sind. Setzt man eine Generation mit 2 Jahren an, so kommt man auf maximal 7500 Generationen.

Ich habe dies aus einem Buch von Tijs Goldschmidt, "Darwins Traumsee", einem Forscher, der viele neue Arten aus dem Viktoriasee erstmalig beschrieben hat.

Anm.: Mittlerweile sind leider durch eine ökologosche Katastrophe, die die Welt kaum zur Kenntnis nimmt, die meisten Arten wieder ausgestorben. Lt. Goldschmidt ist sogar anzunehmen dass viele Arten ausgestorben sind, bevor sie beschrieben werden konnten. Aus Neugierde war ich selbst am Viktoriasee, und habe gesehen, dass der Uferbereich mit Wasserhyazinthen oder ähnliches überwuchert ist, wodurch die Buchten regelrecht erstickt werden. Das Aussetzen des Nilbarsches trug natürlich ein übriges zur Vernichtung bei.

Anm2.: Das sagt natürlich nichts über die durchschnittliche Zeit der Artenentstehung aus. Dazu hat ja @DiegoderAeltere eine Antwort gegeben.

Kommentar von mulano ,

Das kann man gut am Viktoriasee abschätzen. Da dieser vor 15000 Jahren
völlig ausgetrocknet war, muss die enorme Artenvielfalt (vor allem
Buntbarsche) ab dieser Zeit entstanden sein.

Es gibt mehrere hundert
Arten völlig unterschiedlicher Buntbarsche.

Setzt man eine Generation mit 2 Jahren an, so kommt man auf maximal 7500 Generationen.

Nicht ganz richtig, da in diesen 15000 Jahren 500 Buntbarscharten entstanden sein sollen.

Die Rechnung geht dann so:
15000 : 500 = 30 Jahre

Alle 30 Jahre müsste eine neue Art entstanden sein. Setzt man eine Generation mit 2 Jahren an, hätte es 15 Generationen gedauert bis zur Entstehung einer neuen Art (2 x 15 = 30 Jahre)

Das sind allerdings aber nur Unterarten und keine völlig neuen Arten, da es sich immer noch um Buntbarsche handelt.

Viktoriasee und Buntbarsche:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/buntbarsche-turbo-evolution-im-victoria...

Ob die Vielfalt der Buntbarsche allerdings durch Evolution zu erklären ist halte ich für fraglich, da in einer sehr kurzen Zeitspanne passiert.

Kommentar von Rowal ,

Danke für den Stern und den Link. Im Gegensatz zur dortigen Aussage war schon lange vor 2009 bekannt, dass die Artenvielfalt erst nach der Austrocknung entstanden ist, denn für die teilweise hoch spezialisierten Arten wäre bei den kümmerlichen Restgewässern kein Habitat vorhanden gewesen. Aber durch die Untersuchungen, die diesem Artikel zugrunde liegen, wurde dies bestätigt.

Damit bleibt die Gewissheit, dass sich innerhalb von höchstens 15000 Jahren Hunderte von Arten in einem einzigen zusammenhängenden Habitat entwickelt haben. Das passt nicht so ganz zu den Vorstellungen klassischer Evolutionsbiologen wie Ernst Mayr, die erstens getrennte Habitate und zweitens längere Zeiträume postulieren.

Expertenantwort
von DiegoderAeltere, Community-Experte für Evolution, 16

Durchschnittswerte ergeben hier wenig Sinn, da die Evolutionsgeschwindigkeit zwischen den verschiedenen Kladen stark variiert. 

Ich habe mal ein paar Werte rausgesucht, die auf etwas kleinere Gruppen bezogen sind.

Hier sind die Artbildungsraten für Säugetiere und andere Landwirbeltiere aufgeführt (Seite 3, rechte Tabelle, ganz rechte Spalte), die sich zwischen 0,2 und 2,8 Artbildungen pro Linie in einer Million Jahren bewegen:

http://www.pnas.org/content/74/9/3942.full.pdf

Hier ist die durchschnittliche Artbildungsrate für Fische angegeben, die sich angeblich auf 0,141 Artbildungen pro Linie in einer Million Jahren beläuft:

http://www.nature.com/articles/ncomms2958

Hier habe ich auf Seite 5 etwas zu den Artbildungsraten bei einigen Klassen der wirbellosen Tiere gefunden, die auch größtenteils unter 1,0 liegen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1692211/pdf/11541734.pdf

Wenn du die durchschnittlichen zeitlichen Abstände zwischen zwei Artbildungen innerhalb einer Stammlinie wissen willst, musst du den Kehrwert aus der Artbildungsrate dieser Stammlinie nehmen, dann erhältst du eine Angabe in Millionen Jahren.

Ohne weiteres lässt sich aber nicht sagen, welchen Teil dieses Zeitraums die eigentliche Trennung und Differenzierung zweier Schwesterarten einnimmt, sehr wahrscheinlich handelt es sich dabei aber nur um einen Bruchteil von mehreren zehntausend oder hunderttausend Jahren (Stichwort Punktualismus).

Kommentar von Hyperhaes ,

Ich erweitere deine -sehr gute- Antwort noch um zwei Quellen, die sich mehr auf die genetischen Aspekte der Artbildung beziehen und evtl. noch mehr zum Grundlagenverständnis (sofern dies überhaupt vom FS gewünscht sein sollte... woran ich leider so meine Zweifel habe...) beitragen können:

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1420-9101.2012.02599.x/full

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2871893/

Antwort
von Agronom, 15

Dafür wird es keine Faustzahl geben, selbst wenn man da einen Durchschnittswert errechen würde, könnte man damit nicht viel anfangen, da die Varianz viel zu hoch wäre.

Problematisch ist es dabei, dass man erstmal exakt definieren müsste, ab wann denn nun eine Art als "neu" gilt, das nächste Problem ist, dass man nicht sicher nachverfolgen könnte, wie lange diese neue Art dann schon existiert.

Der ganze Vorgang der Artbildung ist einfach zu komplex, als dass man da vernünftige Modelle zu erstellen könnte. Dazu ist es auch fraglich ob das Modell der "Arten" überhaupt sinnvoll ist.

Kommentar von mulano ,

"Eine Art wird dadurch gekennzeichnet, dass sich ihre Mitglieder
untereinander fortpflanzen können, aber nicht mit anderen Arten. Ein
Beispiel ist das unfruchtbare Maultier, der Abkömmling eines Pferdes und eines Esels, die zur gleichen Gattung, nicht aber zur gleichen Art gehören."

Quelle: https://www.welt.de/print/die_welt/wissen/article13562004/8-7-Millionen-Arten-gi...

Das könnte deine Frage auch noch beantworten:
https://de.wikipedia.org/wiki/Art_(Biologie)

Kommentar von Agronom ,

Ich kenne diese Definition, aber lese doch bitte erstmal deine Quellen selbst. Im Wiki-Artikel steht schon im ersten Abschnitt etwas zur Problematik.

Wie schon angemerkt ist das ganze "Arten-System" nur ein menschliches Modell und mit zunehmenden Erkenntnissen verdeutlicht sich die Frage, ob es auch wirklich gut ist um die tatsächliche Natur abzubilden.

Antwort
von DrBronstein, 19

Das lässt sich do überhaupt nicht sagen. Die Übergänge sind fließend. Es gibt Erfolgsmodelle, die sich sehr lange halten, andere sterben schnell aus.  Der Mensch hat sich recht schnell entwickelt. Es ist aber nicht genau an zu geben, seit wann es ihn gibt.

Kommentar von mulano ,

Ich meine jetzt auch nicht auf den Mensch bezogen, sondern im Durchschnitt aller Arten.

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