Eastside am 09.05.2007 um 23:01 Uhr
Wir leben in einer ach so aufgeschlossenen Gesellschaft, es gibt fast keine Tabus mehr und wir haben alle so viele Freunde und so viel Spaß!
Trotz alledem komme ich immer mehr zu der Überzeugung, daß echte Nähe, bzw. ein aufeinander einlassen, fast nicht mehr möglich ist - ja sogar abgelehnt wird.
Meine Frage bezieht sich nicht nur auf Partnerschaften, sondern auch Beziehungen zu Familie und Freunden.
Wie geht Ihr mit diesem Thema um?

Je älter ich werde, desdo mehr komme ich zu der Überzeugung nicht unbedingt nach Freunden jagen zu müssen. Meine Frau und ich, wir genügen uns. Hinzu kommen nur drei Freundespaare und die Kinder. Ich muß und will mich nicht mit Leuten umgeben, die mir "nichts geben", oder für die ich mich verstellen müßte. Ein wenig spießig und/oder eingebildet, aber dazu stehe ich.

Viel ! aber alles zu seiner Zeit ! Ich finde, dass der Mensch im Grunde ein potentieller Einzelgänger ist. Jemand der es wirklich schafft, dass er das was grad momentan für ihn stimmt zulassen bzw. geben kann sehr privilegiert ist ! Welch ein Luxus ! Also um die Frage wirklich zu beantworten: viel und recht wenig !
das kommt doch ganz auf die person an. ich entscheide sowas zu 100 % aus dem bauch heraus. grundsätzlich sind es eher weniger menschen mit denen ich echte nähe teilen möchte, bei diesen bin ich dann aber auch sehr offen!
Hast kurz und knapp gesagt was ich formulieren wollte... ;)

Zwei Menschen begegnen sich. Das heißt, zwei Welten begegnen sich. Das ist keine einfache Sache. Es ist komplex, das Komplexeste, was es gibt. Jeder Mensch ist eine Welt für sich - ein komplexes Geheimnis mit einer langen Vergangenheit und mit ewiger Zukunft

Schon durch meinen Beruf kann ich gut Nähe zulassen. Wenn mir einer meiner Patienten von einem persönlichen Problem berichtet, geht das oft schon sehr nahe. Ich kann dann auch ganz gut, situationsbedingt, mal jemanden tröstend in den Arm nehmen, vor allem dann, wenn gerade jemand verstorben ist und ich werde dazu gerufen. Die Angehörigen erwarten dann fast körperliche und seelische Nähe in Form von Trost und Schutz.
Kommt drauf an, was Du unter Nähe verstehst.
Körperliche Nähe lasse ich nur bei wenigen zu, und das auch nur situationsbedingt.
Seelische Nähe, im Sinne von meine wirklichen Gedanken und Gefühle zu offenbaren, bei noch wenigern, denn dafür brauchts viel Vertrauen und/oder sogar eine Art "Seelenverwandschaft".
Seelische Nähe, im Sinne von jemandes Gedanken und Gefühle anzunehmen und zuzuhören, ist hingegen schon wieder einfacher, wenn nicht sogar das einfachste.
Bei jeder Form von Nähe vertraue ich auf meine Menschenkenntnis und meinen Instinkt, ob ich sie will. Es gibt Menschen, denen möchte ich nicht nah sein (manchen aus schlechten Erfahrungen und manchen einfach so - Instinkt halt), und Menschen, mit denen geht das (aufgrund von erworbenem Vertrauen oder auch aus Instinkt).

je mehr ich jemanden mag desto mehr Nähe lasse ich zu, je weniger ich jemanden man desto weniger Nähe gestatte ich ihm.
Und dabei mache ich keinen Unterschied zwischen Familie und Freunde.

Nähe ist okay, wenn notwendig, z. B. bei Trauer, Trost, Schmerzen. Aber ich erlaube mir den Luxus das Alleinsein zu geniessen, komme auch sehr gut alleine klar. Ich sitze immer weit genug von anderen weg, körperliche Nähe von "Fremden" empfinde ich als unangenehm und aufdringlich und die Bussi-Bussi-Sachen HASSE ich! Ich wurde schon einer Freundin der Freundin meinere Schwester vorgestellt und die küsste mich sofort rechts-links-rechts... ich bin fast ohnmächtig geworden. Meine Ausweichende Bewegung hat sie geschickt ignoriert. Nein, ein bißchen Distanz tut schon gut.
Ich bin ein sehr offener und auch ehrlicher Mensch, aber es kommt doch sehr auf das Gegenüber und die Situation an, wie nah man jemand an sich lässt oder sich selbst gestattet einfach frei zu sein. Will heißen, wenn mir auf der Arbeit was nah geht, kann ich mich beherrschen. Wenn es privat genauso ist, kann ich auch nach Herzenslust lachen oder auch weinen. Körperliche und geistige Nähe sind irre Gefühle und es sehr schön, wenn man sie teilen kann.
Eine gewisse Art von Luxus und absolut okay.