Frage von safflowerpink, 30

Wieviel Essigsäure entspricht 90ml konzentrierter Schwefelsäure?

Hi, ich möchte ein altes Naturfärberezept für Textilien nutzen. Allerdings wird in dem Rezept 90ml konzentrierte Schwefelsäure benutzt. Damit möchte ich nicht so gern hantieren. Ich würde gern Essigsäure benutzen oder eine andere schwächere Säure. Im Rezept ist auch angegeben: 90ml konzentrierte Schwefelsäure oder das Äquivalent einer schwächeren Säure. Nur: Welche Menge benötige ich? Wie rechne ich das um? Insbesondere wenn die Essigsäure auch noch verdünnt ist (60%).

Expertenantwort
von TomRichter, Community-Experte für Chemie, 19

> oder das Äquivalent einer schwächeren Säure

Gut möglich, dass damit gar nicht eine schwächere Säure (das wäre Essigsäure) gemeint ist, sondern eine verdünnte Schwefelsäure. In dem Fall könnte es sein, dass es mit Essigsäure auch in großer Menge gar nicht geht.

Schreib' genauer, was Du mit der Schwefelsäure machen sollst, und welche Funktion sie dabei hat. Dann lässt sich abschätzen, ob sie sich durch Essigsäure ersetzen lässt.

Oder Du sparst Dir den Aufwand und nimmst gleich verdünnte Schwefelsäure, als Batteriesäure im Handel.

Konz. Schwefelsäure hat 1750 g pro Liter (96%, Dichte 1,84 g/ml)

Batteriesäure hat 490 g pro Liter (38%, Dichte 1,28 g/ml)

Mit den Angaben kannst Du jetzt die benötigte Menge ausrechnen.

Kommentar von safflowerpink ,

Hallo Tom, vielen Dank für Deine Antwort.

Zur Funktion der Säure - das Rezept funktioniert so: 450g Färberdistelblüten werden mit in 8 Liter Wasser mit 30g Waschsoda/Natriumcarbonat oder Pottasche/Kaliumcarbonat mehrere Stunden eingeweicht. Die Büten werden ausgesiebt, dann werden der Flüssigkeit 20 Liter Wasser und die 90ml Säure zugegeben und das Färbegut eingelegt. Nach dem Färben wird der Stoff mit Wasser unter Zugabe von etwas Weinstein gespült, was wohl der Farbfixierung dient.

Die Säure soll vielleicht das Alkali neutralisieren. Es steht darüber nichts im Rezept. Allerdings vertragen zellulosische Fasern alkalische Flüssigkeiten eigentlich besser als saure...

In einem anderen Buch habe ich gelesen, dass Zitronensaft verwendet wird. Allerdings ohne jegliche Mengenangaben. Die Färberezepte variieren von Quellle zu Quelle sehr stark, besonders was die Mengen angeht.

Macht es denn in Bezug auf Handhabung und Lagerung überhaupt wirklich einen Unterschied ob ich Batteriesäure oder Essigsäure(60%) nehme. Muss ich nicht bei beiden vorsichtig sein? Ist es umweltfreundlicher Essigsäure zu benutzen?

Kommentar von safflowerpink ,

Ich habe noch ein bisschen recherchiert und es geht darum den pH-Wert auf 6 zu senken. Das geht wohl mit Zitronensaft oder Essig. Ich werde das so ausprobieren, das Rezept mit der Schwefelsäure erscheint mir doch etwas heftig. Wie man Säuren "umrechnet" finde ich immer noch spannend, ist aber wohl eher was für Experten. ; )

Kommentar von TomRichter ,

Also 90 ml Säure auf knapp 30 l Wasser - nach dem Verdünnen immer noch ganz schön sauer.

90 ml konz. Schwefelsäure sind - mit den Angaben aus meiner Antwort - ca. 157 g H2SO4. Das hättest Du auch in 320 ml (entsprechend 411 g) Batteriesäure.

Das war der einfache Teil (eigentlich nur Mathematik), jetzt wird's chemisch. Die 157 g H2SO4 sind 1,6 Mol, die 30 g Soda sind 0,3 Mol und "verbrauchen" 0,3 Mol H2SO4. Verbleiben noch über 1 Mol H2SO4 in 30 l Wasser - pi mal Daumen ergibt das einen pH-Wert von 1,5.

Das schaffst Du mit Essigsäure nie. Brauchst Du aber auch nicht, Du willst Deine Baumwolle ja nicht auflösen. Ich vermute, dass Deine Quelle unter "konz." etwas anderes versteht als heutige Chemiker. Die Angabe mit "pH=6" scheint mir glaubhafter. Sinn der Aktion ist, die Soda zu neutralisieren und dann eine leicht saure Lösung zu bekommen - weil sich in dieser der Farbstoff, anders als in der Soda-Lösung, nicht löst.

Naheliegend wäre das Vorgehen, erst die zu färbenden Teile in die alkalische Lösung zu geben und dann langsam anzusäuern. Idealerweise unter öfterem Messen des pH-Wertes - denn die benötigte Menge lässt sich gar nicht so exakt bestimmen (Wassergehalt in der Soda und in der Säure etc.), den Unterschied zwischen pH=7 und pH=6 schafft man mit einem Tropfen Säure.

Ich würde, nach Lektüre Deines Rezeptes, auch zur Essigsäure greifen. Zum Neutralisieren der Soda brauchst Du 0,6 Mol Essigsäure (weil die im Gegensatz zur Schwefelsäure nur ein Proton hat), das sind 36 g reine Säure. Oder 60 g der 60%igen Säure, das sind etwa 60 ml.

Wenn Du den pH-Wert nicht kontrollieren willst: Nochmal die halbe Menge Essig-Säure dazu, ergibt etwa pH=5. Essigsäure ist eine schwache Säure, die Mischung aus Acetat (aus der neutralisierten Soda) und Essigsäure bildet ein Puffersystem rund um den pH=4,75.

Vom Zitronensaft würde ich abraten, der enthält nur ca. 5% Citronensäure. Letztere gibt es aber auch in Pulverform oder als ca 50%ige Lösung zu kaufen. Ich sehe aber keinen Vorteil gegenüber Essigsäure.

Antwort
von Ginalolofrigida, 15

So richtig natürlich ist dein Rezept aber nicht ;-)

Meine Buch Empfehlung: "Naturfarben auf Wolle und Seide" von Dorothea Fischer.

Die Saflorblüten (100%) über Nacht einweichen, 1 Std. kochen, abkühlen, abseihen, Vorbeize 16% Alaun 1 Stunde, nochmal 1 Std. sanft kochen.

Kommentar von safflowerpink ,

Hallo, vielen lieben Dank für Deinen Rat! Das Buch habe ich auch. Ich möchte Baumwolle und Leinen färben, das funktioniert ja immer etwas anders. Mit Essig, dachte ich, es sei relativ natürlich. Mit Zitronensaft natürlich erst recht. Die Metallbeizen finde ich alle auch nicht soo natürlich und Färberdistel auf Baumwolle und Leinen geht zumindest ohne Beize.

Kommentar von TomRichter ,

Ist Alaun natürlicher als Schwefelsäure?

Pottasche und Essig entstehen wenigstens noch irgendwie natürlich. Bzw. können entstehen - falls "natürlich" gewonnene Ware überhaupt im Handel sein sollte, dann zu einem mehrfachen des normalen Preises.

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