Frage von Falkensinn, 72

Warum wird für die Zukunft Druck auf Kinder ausgeübt?

Ständig höre und sehe ich, wie Eltern oder die Gesellschaft ihren Kindern Druck machen.

Bei mir war es nicht anders, meine Eltern sagten, ich solle Ingenieur, Arzt, Anwalt oder Geschäftsmann werden.

Weshalb tun die das ? Statt die Interessen der Kinder zu fördern wird ständig Druck ausgeübt!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 27

Hey :)

Ich kenne das --------> die Kiddies kriegen ab dem 3. Jahr "spielerischen" Englischunterricht ohne dass sie lesen und schreiben können, besuchten davor aber neben der Krabbelstube schon Pekip, Babyschwimmen, die musikalische Früherziehung und sonst was alles, ehe die Eltern mit laufendem Motor vor der Englischschule warten weil's gleich zum Kinderturnen geht & danach noch zum Logopäden, zur Ergotherapie oder irgendeiner anderen vom Kinderarzt als uuuuuuunglaublich wichtig & uuuuuuunbedingt nötig erachteten "Therapie"^^ ehe man i.wann um 19 Uhr wieder daheim eintrudelt. Das ist in der Frequenz schon 'ne Ecke übersteuert, klar.. aber kommt der Realität oft erschreckenderweise ziemlich nahe :(

Natürlich muss der Filius mit Biegen und Brechen aufs Gymnasium, koste es was es wolle... Nachhilfe in der Grundschule was bei uns (bin ein 1990er Jahrgang; Grundschule 1997 bis 2001) absolut Unbekannt war ist durchaus ein Thema & selbst wenn die Lehrer nach der 4. KLasse mit dem Daumen wackeln muss das Kind doch aufs Gymi ------> nach dem Motto, der Kleine soll's mal besser haben als man selber... kann man tlw. sogar verstehen, aber die meisten Eltern schießen trotzdem weit, weit übers Ziel hinaus, sorry!

Es gibt mMn gleich zwei signifikante Gründe dafür: Einerseits wollen die Eltern ihre Kinder als Statussymbol definieren & liefern sich ein "Kräftemessen" mit anderen Eltern was sowohl die Talente der eigenen Kinder angeht als auch die eigene "Finanzstärke", ihnen tausend Kurse zu ermöglichen und andererseits haben gerade junge Eltern oft Angst i.wie was falsch zu machen. Deswegen geht's dann in jeden Kurs, weil man es gut meint & es nicht besser weiß, sich auf den Rat vom Kinderarzt usw. blind verlässt oder den Kardinalsfehler macht sich mit anderen Eltern zu vergleichen & deren "volle Terminkalender" für die Kiddies 1:1 zu adaptieren -------> weil man denkt das habe schon seine Richtigkeit.

Wenn ich mir das Programm heutiger Grundschüler ansehe bin ich froh, dass ich (Jahrgang 1990) in den 90ern aufwuchs & 'ne recht ruhige Kindheit hatte.. ohne sämtliche Therapien und das Einmischen sämtlicher Instanzen. Damals waren die Ärzte aber auch lockerer drauf & schickten nicht jedes Kind gleich zu tausend Therapeuthen, wenn was nur einen Milli-Zentimeter neben einer undefinierten "Norm" lag. Und das ist hier mMn auch 'nen dickes Problem. Man macht sich viel zu viele Sorgen & lässt die Kinder nicht Kind sein, sondern versucht sie zu biegen und beeinflussen wo es geht. An das Wohl der Kinder denkt dabei keiner bzw. man meint es gut, macht es aber eben nicht halb so gut. Meine Meinung!

---------> Mein Opa bei dem ich aufwuchs hielt es damals für sinnvoll, mich trotz Gymnasial-Empfehlung 2001 nicht auf das Gymnasium zu schicken. Er meinte, ich sollte erstmal die ortsansässige Realschule besuchen & könne dann immernoch selber entscheiden, anstelle mit elf Jahren täglich 25 Km mit dem Bus zu fahren und um sechs Uhr aufzustehen. Wohlgemerkt riefen die Lehrer deswegen bei uns an & versuchten ihn umzustimmen, einer sprach ihn sogar beim Einkaufen an mit der Bitte er möge mich aufs Gymi gehen lassen. Ich habe keinen Nachteil davon gehabt, dass ich die Realschule besuchte & auch ohne Abi alles erreicht was ich wollte. Und auch ohne Pekip, Englischkurs mit drei Jahren, Babyschwimmen, Logopäde, Ergotherapie usw. wurde aus mir ein nicht ganz unanständiger junger Mann^^ zumindest suggeriert mir das mein Umfeld ;)

Kommentar von Falkensinn ,

schön zu hören :)

Antwort
von MaSiReMa, 27

Hallo,

ja, ich kenne da auch so einige Eltern, die ihre Kinder immer wieder unter Druck setzen. Ich weiß, das sie das beste für ihre Kinder wollen, verlieren dabei aber tatsächlich das wichtigste aus den Augen, nämlich das, was ihre Kinder wollen.

Wir setzen unsere Kids nicht unter Druck, wir haben beide bei der Wahl der weiterführenden Schule mit entscheiden lassen, ebenso bei den Wahlpflichtfächern.

Wir geben Denkanstöße und lassen ihnen dann die Zeit, sich zu entscheiden.

Ebenso haben sie keine Angst davor, auch mal mit einer schlechteren Arbeit nach Hause zu kommen. Sie wissen, das, wenn sie gelernt haben und trotzdem mal eine 5 oder 6 schreiben, sie von uns Unterstützung bekommen und wir mit ihnen lernen oder ihnen Nachhilfe anbieten.

Ebenso dürfen sie sich später ihre Berufe aussuchen. Wenn unsere Tochter beispielsweise Putzfrau werden möchte, dann sind wir davon nicht begeistert, aber es ist ihr Leben, dann soll sie machen, darf dann aber auch nicht jammern!

Bisher sind wir damit gut gefahren, Sohnemann hat sich für`s Gymnasium entschieden, Töchterlein für die Realschule. Beide sind gute Schüler und gehen gerne in die Schule.

Sie lernen für sich, nicht für uns Eltern, das verlieren eben viele Eltern aus den Augen, was ich sehr schade finde.

LG

Antwort
von Lichtpflicht, 32

Weil Eltern wollen, dass man später ein gutes Leben hat. Und mit diesen Berufen verdient man eben bekanntermaßen gutes Geld und ist komplett abgesichert. Das ist Sicherheitsdenken.

Ich glaube langsam, dass Menschen, selbst wenn sie früher offen, neugierig und unbefangen waren, sich komplett, absolut verändern sobald sie Eltern werden. Plötzlich sehen sie überall nur noch Gefahren, machen sich Sorgen und wollen alles und jeden 100% absichern. Ich glaube das ist einfach die Natur vom Elterndasein.

Dem Kind sein eigenes Interesse lassen ist natürlich ein gewisses Risiko: Was wenn das Kind später keinen Job findet? Oder nur einen Hungerlohn bekommt? In der Gosse endet? Stripper wird? Oder Philosophie studieren will? Albtraum von Eltern. Die Kinder sollen es schließlich mal besser haben als sie, und weil Kinder keine Ahnung vom bösen Leben haben muss man ihnen eben ein wenig Druck machen, dass sie den richtigen Weg einschlagen.

Ich glaube, solange man selbst kein Elter geworden ist, kann man das alles echt nicht nachvollziehen und findet es einfach nur.... tja, echt unfair. Verständlicherweise.

Antwort
von MrHilfestellung, 33

Weil unsere Gesellschaft und unser System darauf ausgelegt ist, dass alle Menschen möglichst schnell viel Geld verdienen und dabei andere Menschen als Konkurrenz sehen.

Das klingt jetzt super pathetisch, aber so ist das im Kapitalismus.

Kommentar von Kasumix ,

Und es wird mehr und mehr dazu... Jap :/

Antwort
von Kasumix, 8

Damit ihr einfach klar kommt...

Manchmal kann man sich mit seinem “Traumberuf“ halt nicht ernähren.

Würde ich heute noch mal die Wahl haben, hätte ich auch was sicheres genommen...nicht das, was ich auch in meiner Freizeit gut machen könnte oder nebenberuflich.

Sind halt Erfahrungen und ist selten schlecht gemeint.

Antwort
von BiggerMama, 18

Erst mal: Die Eltern wollen das Beste für ihre Kinder.

Das Thema ist sehr vielschichtig. Seit Jahren heißt es, dass Bildung das wichtigste Kapital für die Zukunft ist. Das hat dazu geführt, dass ganz viele Eltern wollen, dass ihre Kinder Abitur machen und anschließend studieren.

Dabei übersehen sie oft, dass die Kinder ganz andere Interessen, oftmals auch ganz andere Fähigkeiten haben, als für ein Studium gefordert sind.

Andererseits wissen aber gerade die Eltern oft, welche Fähigkeiten in ihren Kindern stecken. Leider muss man, um seine Fähigkeiten zeigen zu können, oft sehr viel Zeit zum Lernen aufwenden. Deshalb werden die Kinder von ihren Eltern gedrängt, diese Zeit aufzuwenden.

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