Frage von Funmichi, 95

Wieso wird das Erfolgskonzept eines reichen Landes nicht einfach auf arme Länder übertragen, mit nutzen beider Seiten?

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 9

Das hat man in der Vergangenheit vielfach versucht ... und ist jedes Mal brachial gescheitert. 

GlobalDer "globale Hintergrund" ist, dass man Hunderte Milliarden bewegen müsste, die man zudem "verbrennen" würde. Denn wenn man nicht auf Kolonien abstellt, wäre diese Anschubfinanzierung eine Einbahnstraße. Das kannst du dem Steuerzahler nicht so verkaufen, dass er dich anschließend noch wiederwählt. Also müssen eben "Menschen" wieder mal hinter dem lieben Geld zurückstecken.

Im Detail: Das eigentliche Problem ist aber, dass "Volkswirtschaft" sehr viel mehr "Voodoo" als Wissenschaft ist. Niemand weiß oder versteht gar, warum die gleiche Stellschraube im einen Land völlig wirkungslos zu sein scheint, während sie in einem anderen Land wahre Prosperität und im dritten Land schieres Chaos auslösen kann.

Also nimmt man sich im wahrsten Sinne des Wortes eine Voodoo-Puppe her, piekt ein paar Nadeln hinein und beobachtet dann, wie sich das Land verhält. Gedeiht es, war es ein "Erfolg der Volkswissenschaftler". Geht es ein, war es die "Schuld der Einwohner, die nicht fleißig genug waren".

Nehmen wir beispielsweise die »Griechenland-Rettung«. Bereits bevor die "Volkswirtschafts-Experten" in der Europäischen Union ihren Plan vorlegten, äußerten sich die Linken dazu: »Lasst das Land in einen kontrollierten Bankrott rutschen. Danach gebt das Geld direkt in die Wirtschaft und zur Staatsfinanzierung. Mit langfristigen Krediten zu niedrigen Zinsen. So bekommt ihr euer Geld zusammen mit einem kleinen Profit wieder. Alles andere ist reine Geldverbrennung.«

Doch die Experten entschieden anders: »Ein Staat ist wie ein Unternehmen zu führen! Was bei Opas Firma funktioniert hat, kann für einen Staat nicht schlecht sein. Basta! Als erstes wird gespart, bis die Schwarte knackt. Dann geben wir das Geld den Banken, damit die sich und ihre reichen Anleger retten können. Dann verscherbeln wir das Tafelsilber des Landes, damit der Staat weniger Einnahmen hat und von Einmaleinnahmen zehren muss. Und das kompensieren wir durch Sparmaßnahmen bei der griechischen Kaufkraft, damit die so die griechische Inlandswirtschaft auch ja nicht stützen kann. ... Und zum Schluss, also wenn wir Hunderte Milliarden Steuer-Euronen aus den Kassen der Steuerzahler verbrannt und in den Schatullen der Reichen versenkt haben, lassen wir das Land in den Bankrott rutschen, damit das europäische Steuergeld auch wirklich weg ist ... naja, und auch, weil wir eigentlich überhaupt keinen Plan hatten und nur blind geraten haben.«

Und so kam es dann auch: Heute ist Griechenland komplett am Boden, die Verschuldung ist trotz aller Sparmaßnahmen stetig weiter gestiegen, und der Einbruch in der griechischen Wirtschaft hat Ausmaße erreicht, die sonst nur ein - und das ist nicht symbolisch sondern wörtlich gemeint - verheerender Krieg erreicht...

Nochmals: An der "Griechenland-Rettung" waren die absoluten Mega-Spitzen-Experten der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds beteiligt. Die "Creme de la Creme", sozusagen. Bessere - na gut: elitärere - "Experten der Volkswirtschaft" findest du auf dem ganzen Planeten nicht.

... Von welchem "Erfolgskonzept", das man auf andere Länder übertragen soll, sprichst du also, Funmichi?

Am besten und einfachsten konntest du das bis vor kurzem an der Argumentation von Herrn Sinn (ehemaliger Chef des ifo-Institut; und bis heute einer der angesehensten "Experten der Volkswirtschaft") feststellen: Der konnte dir hinterher immer ganz genau erklären, warum niemals funktionieren konnte, was er vorher selbst als "alternativlos" anpries. :)

Also stochert man im Trüben und versucht dabei, die Fakten zu ignorieren und stattdessen seiner eigenen Ideologie zu frönen: 

»Die Privatwirtschaft kann alles besser.«, ist so ein Beispiel. Diesem Glauben hängen sehr viele Menschen an, obwohl einschlägige Studien ein ums andere Mal belegen: »Die Privatwirtschaft kostet die öffentliche Hand (also den Staat) im Mittel zwischen 3 und 5 Mal mehr, als wenn der Staat es gleich selbst machen würde.« Der Staat könnte also 3-5 Mal mehr erreichen, wenn er sich nicht auf die Privatwirtschaft verließe.

... Wenn es schon in der eigenen Volkswirtschaft gebricht und reine Propaganda-&-Lobby-Modelle verfolgt werden, wie soll man dann "auf andere übertragen" können?

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Und es gibt noch einen wichtigen Punkt, über den man gar nicht gern spricht: Frankreich und Deutschland haben die aktuelle Krise vor allem deshalb so gut abgefedert, weil sie in die "sozialistische Trickkiste" gegriffen haben. Das eigentliche "Erfolgsmodell der aktuellen Krise" war also der Sozialismus. 

Bankenrettung mit Steuergeld, Kurzarbeitermodelle, Abwrackprämien, Ausbau der Subventionen, betriebliche Mitarbeiterweiterbildung auf Staatskosten, vermehrte Vergabe öffentlicher Aufträge, ... die Liste der planwirtschaftlichen Tricks, die in Frankreich und Deutschland (und teilweise auch im Rest der betroffenen westlichen Welt, dort aber nicht so ausgeprägt) Anwendung fanden, ist lang.

Das kannst du nicht in einer ausgeprägt kapitalistischen Welt verkaufen, ohne dich dabei lächerlich zu machen und unangenehme Fragen aufzuwerfen...

Vor allem auch, weil es ein "Einmal-Trick" war, denn anders als bei "echten sozialistischen Tricks" hat man nur den "Ausgaben-Teil" berücksichtigt. Rückflüsse zur Kompensation kommender Probleme (also etwa der nächsten Krisen) waren bei diesem "Einmal-Trick" nie eingeplant. 

Und deshalb keucht nicht nur Deutschland; auch Frankreich wird im nächsten Jahr den "technischen K.O." auf die Matte legen und bilanziellen Konkurs anmelden...

... soviel zu den "übertragbaren Erfolgsmodellen", wenn es um Nachhaltigkeit geht...

Antwort
von OlliBjoern, 4

Zum einen sind die Ausgangsvoraussetzung unterschiedlich (von der Geographie her, vom Klima her, vom Bildungsstand her, vom Ressourcenvorrat her, vom politischen System her).

Zum anderen ist das an 2 wesentliche Voraussetzungen gebunden:

1) der andere Staat muss selber auch mitmachen wollen. Allein daran dürfte es meistens schon scheitern. Nordkorea ist zwar arm, aber derartig vom eigenen System überzeugt (eigentlich nicht das Land selber, sondern die Machthaber sind davon überzeugt), dass sie sicher kein "Erfolgskonzept" von uns hören möchten.

2) selbst wenn der andere Staat mitmachen würde (meist unwahrscheinlich), würde es sehr lange dauern. Zum Beispiel ist eine Ausweitung und Modernisierung des Bildungssystems dann zwar möglich, es würde aber lange dauern, bis die ersten "Früchte" sichtbar wären. Aber dann wäre im Prinzip schon einiges möglich. Voraussetzung Geduld.

Es gab schon solche Entwicklungen, die Erfolg hatten. Die wenigsten wissen, dass Finnland mal eines der ärmsten Länder Europas war (es gab Pelze, Holz, später Papier, ein bisschen Landwirtschaft, das war es aber auch schon).

Das Land hatte einen bemerkenswerten Aufschwung genommen (auch durch Kontakte mit Schweden, Deutschland und anderen Ländern Europas). Zwischenzeitlich gehörte Finnland zu den Musterschülern im Bereich der Bildung. Derzeit schwächelt die Wirtschaft wieder etwas (ist aber ein anderes Thema).

Antwort
von Interesierter, 15

Zunächst mal gibt es nicht "das Erfolgsrezept". Schau dich einfach mal in Deutschland um. Warum ist Bayern wirtschaftlich so erfolgreich und in Berlin reicht das Geld nie?

Was machen denn die Bayern so grundsätzlich anders als die Berliner?

Schon an der Frage, was denn tatsächlich den Unterschied ausmacht, wirst du an Grenzen stoßen, denn der Erfolg ist sicherlich nicht auf einen einzelnen Punkt zurückzuführen sondern er ist das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen, die in der Vergangenheit einfach richtig waren. 

Wenn dieser Vergleich schon in Deutschland kaum möglich ist, ist er zwischen verschiedenen Nationen noch viel schwieriger und meist nicht möglich.

Weiter lassen sich Menschen allgemein nur sehr ungern etwas sagen. Viele Menschen sind beratungsresistent und nicht offen für Neues. Deswegen werden viele Dinge pauschal abgelehnt, auch wenn sie noch so sinnvoll sind.

Kommentar von Unsinkable2 ,

Was machen denn die Bayern so grundsätzlich anders als die Berliner?

Erstens haben sie sich 40 Jahre lang als Nettonehmer pampern lassen. Und erst, als noch ärmere Länder dazukamen, wurde Bayern zum Nettogeber.

Zweitens haben sie im Zuge der Strukturreformen nach dem Krieg den Vorteil gehabt, trotz all der Zerstörung im Rest des Landes ein besonders mitleiderregendes und rückständiges Agrarland vorzuweisen, so dass man dem Bundesland gezielt zahlungskräftige Industrie zuschusterte, um es langfristig aufzupäppeln. ... Doch statt Dankbarkeit bekommt man nur Hohn. 

Und drittens sind es nicht "die Bayern", sondern im wesentlichen drei ziemlich kompakte Wirtschaftszentren, während der Rest Bayerns zum Teil so erbärmlich wirkt, dass man bei der Durchreise hier und da spontan aussteigen und dem Bürgermeister eine Hose aus dem eigenen Koffer schenken möchte, damit er wenigstens irgendwas vernünftiges zum Anziehen hat...

Antwort
von voayager, 18

Als wenn das so einfach wäre. Die Entwicklung eines Landes ist bestimmt durch einen langen Zeitraum zuvor, der spezifisch-günstige Voraussetzungen bot und bietet. Da sind es die einst oder jetzt noch relevanten Bodenschätze, dann die innere Einheit, dort die einheitliche Sprache, dann wieder günstige Handelsbzeihungen, Abkehr von der lähmenden Religion, gutes Klima für Landwirtschaft, zahlreiche schiffbare Flüsse, die ggf. auch noch durch Kanäle verbunden sind usw.


Kommentar von Interesierter ,

Seltsam nur, dass gerade die Bundesländer, in denen die Religion noch einen hohen Stellenwert hat, erfolgreich sind, während genau dort, wo man sich besonders "modern" gibt, die Wirtschaft schwächelt und die Politik riesige Schulden aufhäuft.

Kommentar von voayager ,

Das stimmt bedingt schon, doch bedenke, dass die Religion nicht mehr ins Wirtschaftsgeschehen eingreift, bzw. dieses regulierend begleitet. Und noch was, eines der ökonomisch potensten Bundesländer ist Baden Würtemberg! Das aber ist nun nicht gerade mit Konfession gesegnet. Mir ist schon klar, dass du auf Bayern abzieltest.

Antwort
von Schnoofy, 27

Ganz einfach, weil die Voraussetzungen nicht überall gleich sind.

Das Wirtschahftsmodell eines erdölexportierenden Staates wie Saudi-Arabien kannst Du einfach nicht auf einen Staat wie Somali übertragen, in dem Du Jahrzehnte in die Tiefe bohren kannst ohne auch nur einen Tropfen Öl zu finden.

Antwort
von Gweny02, 43

Es gibt ja vollkommen untersciedliche Voraussetzung, in den ärmeren Ländern gibt es oft noch keinen technischen Fortschritt, man kann zum Beispiel nicht gut Tourismus betreiben oder es fehlen schlichtweg Rohstoffe

Antwort
von nnblm1, 36

Ganz kurz gesagt, weil

1. Nicht alle Länder die gleichen Voraussetzungen haben (Bildung, Bevölkerungszusammensetzung, Rohstoffe etc.) Und 

2.
Die Ausbeutung der armen Länder oft Teil der sog. Erfolgskonzepte der "erfolgreicheren" Länder sind

Antwort
von Funfroc, 27

Etwas zugespitzt könnte man das darauf reduzieren, dass das Erfolgsrezept der reichen Länder auf der Ausbeutung der Armen beruht. Die wirtschaftliche Standard Deutschlands ist einfach nicht für 7 Millarden Menschen machbar.

Die G7 stellt 10% der Weltbevölkerung, verbraucht aber 40% der Ressourcen für seinen wirtschaftlichen Standard.

Wenn nun die ganze Welt diesen Standard will, braucht man 400% Ressourcen... die gibt es halt einfach nicht. Umkehrschluss, wir haben etwa 5 Millarden Menschen zuviel auf der Welt, für den G7-Standard.

Damit die armen Länder ihren Standard erhöhen könnten, müssten die reichen Länder also auf einen Teil ihres Lebenstandards verzichten... wer will freiwillig?

Edit: Ich weis selbst, dass weitere Faktoren hier dazu kommen, aber das würde hier glaube ich den Rahmen etwas sprengen.

Antwort
von BetterBeGood, 57

Weil du nicht einfach von heute auf morgen etwas in einem Land verändern kannst. Du kannst auch nicht Nordkorea heute von seiner Diktatur erlösen und sagen ab morgen herrscht Demokratie. Diese Strukturen müssen sich über Jahrzehnte selbst entwickeln, weil die Bevölkerung des Landes das annehmen muss und verinnerlichen muss.

Antwort
von DerMaxli, 14

Reiche Länder werden oft erst durch das Nutzen der armen erst vermögend.


Wenn Du einem Inder oder Vietnamesen sagst, dass wir bei Kik unsere Shirts für 3 Euro kaufen, weil sein Land das mit Billigstlöhnen und verheerenden Sicherheitsvorschriften produziert... wo soll es dann der Inder oder der Vietnamese selbst herstellen lassen, dass er wirtschaftlich im gleichen Mass profitieren kann wie Kik oder H&M?

Reichtum resuliert in der Regel oft aus der Armut anderer.

Hinzu kommen die verschiedenen Mentalitäten. Dass sowas nicht funktioniert, sieht man schon allein an der EU, da muss man nicht mal zu den ärmsten Ländern gehen. Deutschland ahat auch gemeint, man könne Ländern wie Griechenland oder Spanien sagen, we sie zu leben haben. Sie tun es trotzdme nicht. Reichtum ja, dafür zu arbeiten und zu leben wie die reicheren Länder: Nein.

Es gibt nunmal immer den Kopf und den Schwanz einer Schlange. Und ab und zu kommt es vor, dass sich die Schlange in denselbigen beisst... und früher oder später steuern wir geradewegs darauf zu.

Kommentar von Interesierter ,

Reichtum und Armut sind aber nicht in dem Maße zu beurteilen, wie du es hier gerade machst.

Wüde Kik seine Shirts nicht in diesen Ländern herstellen lassen, hätten diese Leute gar keinen Job und nicht mal das bischen Geld.

Würde die westliche Welt ab morgen auf sämtliche Billig-Importe verzichten, würden innerhalb eines Jahres in den ehemaligen ausgebeuteten Ländern Millionen von Menschen verhungern.

Kommentar von DerMaxli ,

Und genau mit DIESEM Argument wird der tägliche Kapitalismus gefördert.

Dass es zuerst bachab geht, ist klar. Danach kommt der Wiederaufbau.

Aber alles andere ist lediglich das Unterstützen eines dahinvegetierenden Bereiches, dessen Sterbeprozess man künstlich hinauszögert.

Der europäische Markt muss merken, dass er damit keinen Gewinn mehr erziehlen kann, weil der Konsument hier das nicht mehr unterstützen will. Nur dann ändert sich was.

Einem taiwanesischen Kind, welches Dir Dein iPhone zusmamenbastelt, erklärst Du das so sicherlich nicht... "Sei froh Kleiner, wenn ich das Gerät nicht kaufen würde, hättest Du gar nichts zu Beissen."

Dass bei dieser Arumentation etwas falsch läuft, sollte ich ja nicht erwähnen müssen... und nur weil eine andere Lösung auch für uns Konsumenten schwieriger und teurer wäre oder nur weil eine andere Lösung so noch nicht parat steht, heisst es noch lange nicht, dass die aktuelle Situation gut ist oder hingenommen werden muss...

Auf alle Fälle: Das Argument "Wenn wir das nicht konsumieren würden..." stinkt zum Himmel ;-) Das ist eine sehr einfache, sehr gemütliche Auslegung der Dinge, um sich das eine oder andere schön zu reden.

Antwort
von HansH41, 38

Weil auch dann in anderen Ländern nicht die gleichen tüchtigen Menschen leben.

Kommentar von Funmichi ,

Woher weißt du das?

Antwort
von alexklusiv, 20

Weil Reichtum aufgrund des Ressourcenproblems nicht für alle machbar ist. Siehe erstes Video in meinem Profil.






Antwort
von andimani, 31

Weil die reichen immer reicher werdn wollen und somit die armen unterdrücken können und ich weiss jetzt schon das auf diesen kommentar 2000 weitere kommen werden die sich übr meinen Kommentar auslassen

Antwort
von Trollkeks, 19

Geht nicht, dank Kapitalismus. 

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