Frage von skivenena, 127

Wieso will man ein Pferd überhaupt "durchs genick" bzw in aufrichtung reiten,...?

....man könnte doch genauso gut dauerhaft in dehnungshaltung reiten, da kann das pferd doch auch über den rücken gehen, zudem ist es doch viel entspannter für das pferd!?

Antwort
von Unwissend123321, 29

"In Dehnungshaltung" ist halt auch immer eine Frage des wie...wie Urlewas schon schrieb, Volten usw. in Dehnungshaltung...ungünstig. Erweitert man den Begriff Dehnungshaltung so, dass das Pferd dabei auch ohne Spannung aufzubauen geschlossen werden kann, dann ist dies jedoch auch möglich (eine Frage der Rittigkeit, meiner Meinung nach. Ich habe, egal ob ich mein Pferd geschlossen oder gedehnt reite, bei keinem mehr auf der Hand als beim anderen; etwas in der Hand merken sollte man ja bekanntlich immer, sonst haperts ja schon am Anlehnung-suchen).

Ist dies der Fall, dann braucht man erstmal keine Aufrichtung, da reichts, wenn der Schwerpunkt in der Mitte bleibt (da laufen viele jedoch Gefahr, dass er eben nach vorne geht, und das Pferd dann doch auf der Vorhand eiert). Werden gewisse Sachen verlangt, ist Aufrichtung nötig. Ab L gehts da (wenn man es mal in Turnierklassen ausdrücken will) los.

Muss aber den Vorschreibern auch Recht geben - völlig gedehnt ist wohl in etwa so, alswenn ein Mensch nur gedehnte Positionen einnimmt. Selbst gelenkigen Leuten wäre das auf Dauer wirklich nicht möglich.

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 53

Dauerhaft ist Dehnungshaltung auch nicht entspannter. Auch ist es  gar nicht so einfach, Dehnungshaltung korrekt zu reiten. Meist laufen diePferde dabei auf der Vorhand, vor allem beim parieren. Hinzu kommt, dass man in Dehnunshaltung nur mehr oder weniger gradeaus oder große Bögen reiten kann. Fürs spazierenreiten wäre das wohl auch ok ( wenn man zur Abwechslung auch den Zügel ganz hingibt), aber Volten reiten, seitwärts oder gar springen wäre eher schwieriger als entspannend.

Kommentar von Dahika ,

zudem sieht man eine korrekte Dehnungshaltung nicht oft. Was als Dehnungshaltung bezeichnet wird, ist meist das am langen Zügel auf der Vorhand Schluffen. Und das ist auf die Dauer schädlich. Rücken hängt durch. PFerd läuft auf der Vorhand.
Wenn ein Pferd korrekt in Dehnungshaltung geritten werden soll, muss es gelernt haben, in Anlehnung, durchs Genick zu gehen. Dann kann man es aus der Anlehnung heraus in die Dehnungshaltung entlassen. Nachtreiben und Zügel ganz langsam verlängern. Das gut gerittene Pferd soll dann dem nachgebenden Zügel folgen.

Ich reite überwiegend in Dehnungshaltung, wenn ich ausreite. (Und sicher nicht immer korrekt). Aber dauerhaft kann ich, kann mein Pferd die gar nicht einnehmen. Wenn ich nicht aufpasse, geht die Dehnungshaltung in Schluffhaltung über. Dann muss ich das Pferd erst mal wieder zurücknehmen, durchs GEnick reiten und ihm dann sagen: Ok, jetzt dehn dich mal wieder.  Es ist eigentlich immer ein Reiten in Übergängen: zurücknehmen, Dehnungshaltung, zurücknehmen, Dehnungshaltung.

In Aufrichtung reite ich allerdings nicht, da ich überwiegend ausreite. So einen Versammlungsgrad, wie er für eine Aufrichtung gebraucht ist, brauche ich nicht im Gelände. Und ich reite ja auch keine L, M oder S Dressur auf Turnieren.

Kommentar von Urlewas ,

Genau das meine ich - du bringst es ausführlich und korrekt zum Ausdruck 👍👍

Antwort
von dap123, 45

Das kann man und da spricht auch nichts gegen.

Die Dehnungshaltung ist - wenn man es jetzt mal grob auf andere Sportarten überträgt - im Verlauf des Trainings nur die Aufwärmphase. Wenn du Leichtathletik machst, dehnst du dich vorher auch und wärmst deine Muskulatur auf. Das ist vergleichbar mit der Dehnungshaltung in der Lösungsphase.

Im weiteren Verlauf des Trainings möchtest du dann aber an der Kraft arbeiten, z.B. an der Sprungkraft beim Hochsprung oder so. Beim Pferd ist es die Schub- und Tragekraft. Im Verlauf der Ausbildung des Pferdes wird zunächst eine vorwärts-gerichtete Kraftaufwendung entwickelt (Schubkraft) und anschließend mit der immer mehr entwickelten Versammlung eine aufwärtsgerichtete Kraft (Tragkraft) trainiert.

Die Aufrichtung bzw. auch schon das an-die-Hilfen-stellen ist eine anatomische Grundvoraussetzung für die Entwicklung von Schub- und Tragkraft. In Dehnungshaltung wäre das nicht so umsetzbar wie in einer dressurmäßigen Anlehnung.

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