Frage von annalena4, 70

Wieso werden Zinsmargen durch sinkende Zinsen kleiner?

Hallo 🙋🏼
Ich frage mich, wieso das niedrige Zinsniveau einen Einfluss auf die Zinsmargen hat. So könnte doch die Differenz zwischen dem Zins, den Banken zahlen, um Geld zur Verfügung stellen zu können  (bspw Leihe bei EZB oder von anderen Kunden) & dem Zins, den sie von ihren Kunden im Gegenzug für die Bereitstellung erhalten, vergleichbar groß sein, wie die besagte Differenz zu einem Zeitpunkt, zu dem sich der Zins auf einem hohen Niveau befindet, oder?
Verstehe ich da etwas falsch?
Dankeschön! :-)

Antwort
von Interesierter, 29

Privatkredite kosten heute meist unter 3%, Immobilienfinanzierungen kriegst du schon unter 1,5%.

Je geringer der Zinssatz ist, den die Bank von ihren Kreditnehmern verlangen kann, umso geringer fallen die Erlöse der Bank aus. Von den Erlösen müssen die Kosten bezahlt werden. Gut, bei niedrigen Zinsen fallen die Zinsen, die die Bank ihren Kunden zahlen muss, auch niedriger aus, aber die übrigen Kosten bleiben. Die Kosten des Gebäudes, die Lohnkosten, Telefon, Heizung etc. Das läuft in voller Höhe weiter.

Damit verringert sich der finanzielle Spielraum der Banken mit sinkenden Zinsen immer mehr.

Antwort
von archibaldesel, 39

Beispiel:

Vor 10 Jahren wurde ein Sparkonto mit 2% verzinst, ein Hypothekendarlehen kostete 6%. Marge der Bank 4% (absolut). Heute bekommst du Hypothekendarlehen für 1,5%. Da ist eine Marke von 4% (absolut) schwer durchzusetzen.

Ich habe die Zahlen von vor 10 Jahren nicht extra herausgesucht, das Beispiel soll nur das Prinzip verdeutlichen.

Antwort
von FrageSchlumpf, 13

Ganz einfach. Der "Marktvergleich" ist auch bei den Banken heute einfache als früher, wie bei normalen Produkten auch. Das drückt auf die Margen.

Und bei kleinen Zahlen werden die Kunden kritischer und die Margen auffälliger als bei großen Zahlen. Sprich, wenn die Zinsen bei 10 % liegen, kann ich dem Kunden für seine Einlage viel einfach 1 % Marge abknöpfen, als bei 0.5 %, weil dann müsste ich ja schon negativ verzinsen.

Die zwar bröckelnde, aber immer noch vorhandene Weigerung der Banken, im großen Stil negative Einlagezinsen zu berechnen, gibt der Zinsmarge der Banken dann den Rest.

Antwort
von Zappzappzapp, 13

Die Banken hatten im Lauf der Jahre teilweise sehr hohe Margen im Kreditgeschäft erreicht. Das ging recht problemlos, solange entsprechend
hohe Darlehenszinsen am Markt zu erzielen waren.

Da diese erzielbaren (Markt-)Zinsen immer weiter gesunken sind, die Banken aber mit dem Zins, den sie selbst bezahlen müssen, nicht unter
0 % sinken können, bleibt ab einem bestimmten Punkt kein anderer Weg, als dass die Marge kleiner werden muss, damit man überhaupt noch Kredite verkaufen kann.

Beispiel (vereinfacht):

1. Kreditnehmer zahlt 10%, Bank zahlt selbst 5%, Marge 5%

2. Kreditnehmer zahlt 7%, Bank zahlt selbst 2%, Marge 5%

3. Kreditnehmer zahlt 5%, Bank zahlt selbst 0% (weniger geht
nicht), Marge 5%

4. Kreditnehmer zahlt 3%, Bank zahlt selbst 0%, Marge 3%

Antwort
von Sonnenstern811, 15

Wenn du die Zahlen mit früheren vergleichst, wirst du merken, dass es nicht möglich ist.

Antwort
von berkersheim, 38

Ganz einfach: Wenn Dir Dein Opa 300.000 hinterlassen hat, dann kannst Du bei einem Prozentsatz von 5% mit monatlich 1.250 einigermaßen leben. Sinkt der Prozentsatz von 5% auf 2% wird es Dir schwer fallen, mit monatlich 500 klarzukommen. Selbst wenn die Banken also keinen Schwund im Verhältnis von Einlagen und Kreditvergabe haben, kann eine Senkung des Prozentsatzes ihres Aufschlags (Marge) sie in erhebliche Schwierigkeiten bringen, denn ihre damit zu deckenden Kosten bleiben ja die gleichen. Großbanken übertünchen das mit risikoreichen Spekulationen. Gehen die gut, machen sie Gewinn. Geht es schlecht, zahlen die Steuerzahler! Kleinere Banken haben diese Möglichkeiten nicht. Verspekulieren sie sich, werden sie nicht "gerettet", zumindest nicht, wenn sie ihren Sitz in Deutschland haben. In Griechenland und Italien ist das anders. Das muss aber auch so sein, weil wir Deutschen schließlich vom EURO profitieren.

Kommentar von CodeExtreme ,

Ich glaube der Fragesteller wollte noch mehr darauf eingehen, dass die Banken zwar durch geringere Zinsen auch geringere Einnahmen auf der Vertriebsseite generieren, dem jedoch auch geringere Beschaffungskosten für das Kapital durch niedrigen Leitzinssatz entgegenstehen.

Somit bleiben nur die fixen Kosten für Angestellte, Geschäftsräume, Infrastrukturen. Die variablen Beschaffungskosten sinken hingegen.

Somit hat der Fragesteller insoweit Recht, dass die Banken bei weitem kein großes Problem haben. Zudem gibt es durch niedrige Zinsen eine höhere Nachfrage, wobei damit auch wiederum ein höheres Ausfallrisiko entsteht.

Alles in allem sind Banken keinesfalls Verlierer der Niedrigzinsphase

Kommentar von berkersheim ,

@CodeExtreme

Erstens ist der ganze erste Teil eine erläuternde Darstellung, wieso prozentuale Margenminderung einen absoluten Bedarf unterschreiten kann. Also erzähl mir nicht, was dem Fragesteller nicht beantwortet wurde, sondern warte ab, ob der Fragesteller das selbst so sieht oder bist Du dessen öffentlich bestelltes Kindermädchen?

Der Rest Deiner Darstellung entspricht leider nicht den Tatsachen. Wer die Presse Thema Banken verfolgt kann schon seit einem Jahr lesen, dass Personal eingespart, Zweigstellen geschlossen werden, dass vor allem kleinere Institute Probleme haben und mehr ins Risiko gehen müssen und weniger als früher den Mittelstand problemlos mit ihren Spareinlagen finanzieren können. Alles nicht gelesen oder nur verdrängt?

Kommentar von Zappzappzapp ,

Bei Deiner langen Erfahrung in dieser Community wundert mich Dein völlig unpassender Ton.

Da ein Fragesteller die richtige Antwort nicht kennt, sonst würde er die Frage nicht stellen, kann er naturgemäß auch nicht beurteiilen, ob eine Antwort richtig ist. Es ist daher völlig legitim, eine Antwort, die man für falsch hält, entsprechend zu kommentieren. Dies hat @Codeextreme in sachlicher Form getan und das ist absolut kein Grund für eine agressive Reaktion.

Ich hatte zwar keinen Kommentar abgegeben, denke aber ähnlich wie @CodeExtreme.

Sowohl in Deiner Antwort als auch in Deinem Kommentar hast Du leider keine Antwort auf die eigentliche Frage gegeben. Die lautet, "wieso werden durch sinkende Zinsen die Zinsmargen kleiner" und nicht, "wieso haben die Banken Schwierigkeiten, wenn die Margen sinken"

Dein Beispiel mit dem Opa passt nicht, dort sinkt der "Zinssatz" für die Geldanlage, das hat aber nichts mit der "Zinsmarge" der Banken zu tun. Das ist eine ganz andere Rechengröße.

Der Fragesteller meint (vereinfachtes Beispiel, er kann mir gern widersprechen, wenn er es anders gemeint hat), in Zeiten höherer Zinsen kostet ein Darlehen 11 %, die Bank hatte einen Beschaffungszins von 5 %, in Zeiten niedrigerer Zinsen kostet dieses Darlehen  7 % und die Bank zahlt 1 %, das heißt, die Bank hat doch eigentlich eine gleichbleibende Marge von 6 %. Wieso sinken aber die Margen trotzdem?

Ob die Banken damit Schwierigkeiten haben und wie sie damit umgehen, wurde mit keinem Wort gefragt.

Kommentar von berkersheim ,

@Zappzappzapp
Jetzt bin ich platt. Ich habe ein Rechenbeispiel gemacht um damit anschaulich zu zeigen, wieso bei fallenden Prozentsätzen auch die Absoluta den notwendigen Aufwand unterschreiten können. Sowas nennt man sonst auch Kostendeckungsrechnung. Die fallenden Zinsen decken nicht mehr die absoluten Kosten. Du hast das ganze Beispiel umgedreht. Aber auch zu einer gleich bleibenden Marge von 6 % - kann bei 1% Sparzins nicht automatisch ein gleiches Sparvolumen unterstellt werden. Bei einem Sparzins von 1% muss eine Kreditvolumen anders und teurer organisiert werden. Was zudem in vielen Meldungen unausgesprochen bleibt ist die Tatsache, dass nicht nur kleinere Banken selbst jetzt Geld verdienen müssen, indem sie mehr in Risikoanlagen gehen, sie drängen auch ihre Kunden dazu, vom Sparen auf Risikoanlagen umzusteigen. Dass kaum noch Sparzinsen bezahlt werden und die EZB mit Geld um sich wirft hat zudem den Bankengeldmarkt kaputt gemacht, wo die kleineren Banken mit ihren Einlagen Geld verdienen konnten. Das ursprüngliche Geschäftsmodell der Sparkassen und Volksbanken ist von der EZB ausgehebelt worden. Das gehört alles zu einer vollständigeren Erklärung, welche Folgen der künstliche Niedrigzins hat.

Kommentar von Zappzappzapp ,

Ich bleibe dabei, Deine Ausführungen sind als solche nicht falsch, sind aber keine Antwort auf die eigentliche Frage. Lassen wir es dabei, ich habe meine Argumente genannt.

Normalerweise hätte ich selbst die Frage gar nicht beantwortet, da sie im Prinzip schon richtig beantwortet war (@FrageSchlumpf und @archibaldesel). Mich hat Dein völlig unpassender Ton gegenüber dem sehr dezenten  Kommentar von @CodeExtreme gestört.

Kommentar von Sonnenstern811 ,

Dein letzter Satz könnte doch glatt aus dem Mund eines Regierungssprechers stammen.

Dass vertraglich verbindlich festgelegt wurde, kein Euroland darf dem anderen helfen, ist dir somit nicht bekannt? Wie kann es sonst sein, dass etwas "so sein muss" obwohl es einen klaren Bruch eines rechtsgültigen Vertrages darstellt?

Dann muss wohl die Bankenunion, wo deutsche Sparer und Steuerzahler für südländische Banken, die weit über ihre Verhältnisse gewirtschaftet haben, auch bald "so sein". Es wäre vermutlich das Ende vom Rest einer europäischen Gemeinschaft, so wie sie enmal gedacht war.

Solchen Hass gegen uns wie heute in manchen südeuropäöischen Ländern, mit Hitlerbart usw. hat es frühe rniemals gegeben. Von der unmittelbaren Kriegs- und Nachkriegszeit mal abgesehen.

Ich kann doch auch nicht jeden Tag im Restaurant zechen gehen und mein Nachbar soll dann zahlen.

Inwieweit wir tatsächlich vom Euro profitieren, sei mal dahingestellt.. Natürlich hat er Deutschland Vorteile gebracht, aber auch genügend Nachrteile. Allein die deutschen Außenstände bei Target 2 sprechen eine andere Sprache.

Bitte nicht immer alles glauben, was unsere verehrten Politiker so zum Besten geben.

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