Frage von neonschwxrz, 46

Wieso werden Psychiatrien schlecht dargestellt?

Hallo alle zusammen. Ich hätte da eine Frage und vielleicht kann mir da einer von euch helfen. Es geht um Psychiatrien, wie man im Titel lesen kann. Ich verstehe nicht, wieso diese immer so "schrecklich" dargestellt werden? Es gibt viel zu wenig Aufklärung darüber, aber wieso? Ich meine, es fürchtet sich ja auch keiner wenn man "Krankenhaus" sagt, oder? Psychiatrien sind so gesehen Krankenstationen. Klar, es klingt beängstigend wenn man von Gummizellen, Fixierungen und Zwangsjacken spricht - aber man muss bedenken dass dies nur vorkommt wenn man was unangebrachtes macht. Mir ist auf gefallen dass wenn man "Psychiatrie" erwähnt, Leute dich mit großen Augen anstarren & meinen dass dort nur Verrückte sind, was totaler Blödsinn ist. Kann mir einer erklären, wieso es so etwas noch im 21. Jahrhundert gibt? Ich finde das total schrecklich.

Die meisten wissen nicht einmal, was eine Psychiatrie ist und wofür sie gut ist, aber durch Horror Filme sind sie überzeugt davon dass wenn man dort rein kommt; gefoltert wird, nie wieder raus kommt, 24/7 fixiert ist und wahrscheinlich noch von einem gestorbenen Patienten umgebracht wird.

Antwort
von JasminJasminum, 46

Ich denke, der Unterschied, mit dem ein Krankenhaus und eine Psychiatrie wahrgenommen werden, rührt vor allem auch daher, dass es sich im Krankenhaus um physisch Menschen handelt; und in der Psychiatrie um psychisch kranke.
Das Physische kann man sehen, "erfassen" und somit auch leichter verstehen...aber die Psyche ist so nicht sichtbar, und was man nicht sieht, vor dem hat man Angst.
Deshalb hat es wohl auch viel länger gedauert, bis psychische Krankheiten (wissenschaftlich) erforscht und behandelt werden konnten.
Dadurch hat sich auch ein Stigma in der Gesellschaft entwickelt.
Das Unbekannte macht Angst.


So würde ich mir das erklären.


Antwort
von aleah, 27

Anders herum stellen die entsprechenden Fachabteilungen sich meistens in Ihrem Selbstporträt von ihren besten Seiten dar.
Würde ja nicht stören, wenn man es doch nur nicht erst anschließend nachdem man wieder in seine Freiheit zurück entlassen wurde erstmalig über die Einrichtung in der man Patient zu sehen bekommt.

Sicher gibt es das typische von Vorurteilen und Klischees behaftete allgemeine Bild, was die 0815-Vorstellung der meisten prägt wenn es um 'Psychiatrie' geht als Begriff bzw. die stationäre Einrichtung Allgemeinpsychiatrie / Akutpsychiatrie.

Und genauso sicher entsprechen die allgemein verbreiteten Vorstellungen oder Meinungen heutzutage des öfteren überhaupt nicht mehr der Realität. (Jedenfalls mehr oder weniger…)

Aber muss leider sagen, meine Erfahrungen mit Psychiatrie entsprachen erschreckenderweise wirklich sämtlichen Klischees.
Wie dort vorgegangen wurde was dort als "Behandlung" betitelt worden ist, war schon sehr außergewöhnlich und bleibt es auch.

Weswegen mir so manche Schilderungen während dem Austausch mit anderen Psychiatrie-Erfahrenen aus allen Teilen Deutschlands /EU-Ausland/dem näheren Umland ab und zu vorkommen, wie zu schön um wahr zu sein.

Nun ja, denke die Psychiatrie wird wohl auf ewig ihren Ruf für sich auf gesellschaftlicher Vorstellungsebene weg haben...

Wer sich dafür interessiert, dem könnte man die Erfahrungsberichte Betroffener ans Herz legen..

Kann ganz interessant sein manchmal!

Kommentar von neonschwxrz ,

Da hast du leider Recht. Aber wenn man freiwillig rein geht, weil man diese Hilfe möchte, dann kann man sich informieren und in eine recht "gute" Psychiatrie gehen. Ich war leider in einer geschlossenen die auch nicht wirklich die beste war, aber ja, sie wird wahrscheinlich für immer diesen Ruf haben.

Kommentar von aleah ,

da stimme ich dir zu das ist schon richtig!! warst du auch immer unfreiwillig untergebracht?? mhh, shame on me... denn mit 'Klinik der Wahl' war es bei mir nichts. Krankenkasse stand hinter mir, alle gaben sich Mühe - aber was bringt einem die zusage nur diejenigen die das letzte Wort haben, lehnen ab. beschränkte die 'freie Wahl' dann nur noch auf akutkliniken, die über Kapazitäten verfügten für überregionale Aufnahmen. da bleibt einem kaum noch eine richtige Wahl wie zu Beginn noch. ¯\_(ツ)_/¯ von denen gab es dann immer die Absagemitteilungen zurück geschickt, die einem dringend dazu rieten, sich in stationäre Behandlung zu begeben und dies doch idealerweise da wo man in die Versorgungspflicht fällt (also genau dahin zurück, wo man einige Tage zuvor erst noch kaputter als sonst raus entlassen worden ist... ja wer macht denn das dann wirklich noch, der bei Verstand ist ..... (u_u) ...) hast du nach oder neben den Erfahrungen geschlossene andere Wege auf freiwilliger ebene ausprobiert??

Antwort
von JaniXfX, 21

Das hat viel mit der Geschichte der Psychologie zu tun. Es ist nunmal eine Wissenschaft, die kaum 100 Jahre alt ist. Und in den Anfängen herum wurde viel ausprobiert. Auch an Behandlungsmethoden. Da war die Hypnose noch ein sehr sanfter Versuch. Aber wenn Patienten wirklich heftige psychische Störungen hatten, dann haben die Psychologen sie auch nicht verstanden, sondern viel mehr ausprobiert, was noch helfen kann. Auch mit heftigen Methoden. Reizstrom zum Beispiel: früher wurde einfach viel Strom genutzt, um durch Schockreaktion eine Besserung zu erzielen. Manchmal wurde es auch besser, manchmal waren die Patienten danach tot. Viel schlimmer waren Gehirnoperationen - man glaubte, die Erkrankung sitzt im Kopf und durch wegschneiden eines Gehirnteils könne man die Störung beheben. Manchmal half das sogar - war in der Regel jedoch mit heftigen anderen Defiziten verbunden. Daher kommt das Grauen der Psychiatrie: sie war grauenhaft. Außerdem war die Diagnose plus zugehöriger Behandlung nie eindeutig. Bei einer Grippe ist klar: Paracetamol und Abwarten. Bei einer Depression gibt es keinen einheitlichen Weg zum Ziel... deshalb ist auch Psychotherapie und Psychiatrie etwas undurchsitchtig

Antwort
von BugUta, 6

Es gibt vermutlich gute und schlechte Kliniken, wenn allerdings ein und derselbe Fehler mehrfach und immer extremer an ein und demselben Standort auftaucht, sollte dann nicht eigentlich die Chefetage über Veränderungen im Personal oder Kompetenzen und andere Arbeitsverteilungen nachdenken. Oder ganz einfach mal anfangen jemandem zuzuhören. Oder kompatible Patienten zusammen zu therapieren oder den ganz einfachen Schritt die verschiedenen Krankheitsbilder (Menschen), die komplett unkompartibel sind auch konsequent auseinanderzuhalten um weitere Schäden bei mir und anderen Patienten zu vermeiden und somit HEILUNG zu förden, wie es eigentlich im Sinne von solchen Stellen sein sollte(sollten Diverse Schäden die ua. durch derartiges Fehlverhalten entstanden sind, zusätzlich zu anderen Faktoren, überhaupt jemals wieder auch nur ansatzweise wieder in Ordnung zu bringen sein, da DINGE die bereits passiert sind nicht ungeschehen gemacht werden können). 

Antwort
von MightyM01, 29

du hast dir die Antwort auf deine Frage doch schon selbst gegeben.

Krank zu sein, im Krankenhaus zu liegen, auf fremde hilfe angewiesen zu sein, eine Operation erdulden zu müssen die mit schmerzen und unwohlsein verbunden ist, ist ja schon schlimm genug. jetzt stelle man sich das ganze nur mit der Tatsache vor das bei einem ein paar Zahnräder nicht mehr ganz rund laufen. man vielleicht keine Kontrolle über sich und seine Sinne hat. ich denke das ist schon ein Grund große Augen zu machen.

Antwort
von TorstenKraemer, 30

Ich war 4 Jahre in einer forensischen Psychiatrie und fand es einfach nur schrecklich. In Allgemeinpsychiatrien war ich auch schon, da geht es wesentlich menschlicher zur Sache.

Antwort
von galaxia1409, 33

Ich denke das liegt daran, dass die Wissenschaft in der Hinsicht erst seit kurzem ernsthafte Erkenntnisse gewonnen hat und man früher (wobei das noch nicht sooo lange her ist) dort wirklich schlimme Dinge mit den armen Patienten gemacht hat, weil man es nicht besser wusste, vom Aberglaube beeinflusst war und psychische Erkrankungen für die Menschen häufig angsteinflößend waren/sind.

Antwort
von Chris213, 31

Liegt einfach wie du schon gesagt hast an der fehlenden Aufklärung, die meisten Menschen beschäftigen sich halt nur ungern mit Krankheiten, etc...
Und durch Medien wie z.B. Horrorfilme entsteht eben das Vorurteil der "kranken Irrenanstalt" wo sonst was mit einem gemacht wird.

Antwort
von SplitterFX, 28

Es besteht vlt die Angst und das Stigma vor "Psychos". Leute denken da immer an den geisteskranken Morder oder Vergewaltiger.
Es gibt aber Leute mit schweren Depressionen die dort hinmüssen, aber aus Angst vor dem Stigma vielleicht nicht hingehen.

Antwort
von Lalala1718, 21

Ich kann dir nur sagen wieso es manche blöd darstellen die mal drin waren. Ich fand es darin sehr sehr schlimm. Überhaupt nicht wie im Krankenhaus. Meiner Meinung nach kann man das nicht vergleichen. Manchen mag es helfen, diese reden dann sicher auch nicht schlecht darüber , aber denen denen es nicht geholfen hat die Reden eben so darüber weil sie es dort drin blöd fanden. Menschen die keine Ahnung haben haben nunmal nur die Filme und die Aussagen derer die drin waren.
Sry  wenn dir dieser Text nicht hilft.

Kommentar von neonschwxrz ,

Ich war selbst in der geschlossenen, es war definitiv nicht schön, und klar, es ist nicht so wie im Krankenhaus, aber es ist auch nicht so, dass nachts der Pfleger mit ner Kettensäge auf der Station rumläuft, oder? Ich bin zwar auch nicht "heil" raus gekommen, aber naja.

Kommentar von Lalala1718 ,

Nein das nicht. Aber sobald man mal etwas aus der Reihe tanzte und seine "Individualität" auslebte gab es direkt große Konsequenzen wie Fixierung ans Bett. Das ist nicht gerade hilfreich für einen ruf. Und das ist kein Einzelfall. Jeden zweiten den ich kennen gelernt hab der mal in einer war erzählt davon. Man bekommt Tabletten notfalls auch unter Zwang, Fixierung, Einzelzimmer und Isolierung (durch besagtes Einzelzimmer). Das sind horrorvorstellungen die bei Erzählungen und Nacherzählung zusätzlich ausgeschmückt werden. Durch so etwas und natürlich Horror Filme wird dem ruf einer Psychiatrie die zur "Heilung" gedacht ist geschadet.
Ob Psychiatrien jemals als gut angesehen wurden ist dahin bestellst :D.
Warum also der ruf einer Psychiatrie schlecht geredet wird hängt von vielen Faktoren ab. Zum einen sind es die Meinungen der Menschen die noch nicht drin waren und sich ihre Meinung durch Filme und Erzählungen gebildet haben, zum anderen aber auch verärgerte Insassen, deren Geschichten durch mehrfaches erzählen auch noch dramatisiert werden.

Antwort
von SKR361, 29

Ich bin ganz deiner Meinung. War selber schon zweimal in einer. Dort ist es nicht so schlimm wie alle sagen.

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