Frage von Hunkpapa, 115

Wieso werden gerade nach Erdbeben, Flugzeugabstürzen, Zugunglücken u.a. Katastrophen Gottesdienste gehalten anstatt über den "lieben" Gott zu schimpfen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von nachdenklich30, 21

Ich finde die Frage genial.

Meine Antwort: Wenn ich nach einem solchen Unglück einen (ganz normalen) Gottesdienst halte oder wenn ich bei einer konkreten Beerdigung beauftragt bin, dann hat auch die "Klage" darin einen festen Platz.
Ich empfehle auch den Angehörigen, eine solche Klage nicht zu unterdrücken und sage dazu: "Der liebe Gott hält das aus."

Vorbild dazu sind viele Klagepsalmen und sogar Rachspsalmen der Bibel.

Gläubige müssen nicht alles gutheißen oder verstehen oder schön reden. Gläubige dürfen und sollen zu ihren Gefühlen stehen.

In Notfallseelsorgesituationen kommt es immer wieder vor, dass Menschen den lieben Gott aufs übelste beschimpfen. Ich finde, ein Vater hat allen Grund dazu, wenn seine 21jährige Tochter morgens komische Geräusche von sich gibt, stirbt und nicht mehr reanimiert werden kann.

Wer bin ich, dass ich ihm in einer solchen Situation widerspreche oder diese Gedanken verbiete?  Und wenn ich danach an einem Gedenkgottesdienst beteiligt bin oder an der Beerdigung, dann bekommt diese Wut und das Unverständnis auch seinen Raum.

Und ich bin überzeugt: Nur wenn es diesen Raum bekommt, können auch ehrliche Trostworte wirken.

Bei einer Beerdigung dürfen alle Gefühle ihren Raum haben. Auch Wut, manchmal auch Erleichterung (das ist ein vergleichbares Thema), Unverständnis, Verzweiflung, Liebe...

Danke für Deine Frage!

Antwort
von RudolfFischer, 29

Zunächst: Es hilft einem in vielen Fällen, in denen Situationen zu beurteilen sind, sich die Beziehung des Menschen zu Gott wie die eines kleinen Kindes zu seinen Eltern vorzustellen.

Auch ein Kind weiß schon, dass das Leben mit Risiken behaftet ist, und wird nicht bei allem Unangenehmen, was ihm passiert, dafür die Eltern verantwortlich machen. Nach dem Motto: "Geschieht meiner Mutter recht, wenn mir die Finger erfrieren, warum gibt sie mir keine Handschuhe mit?"

Genauso weiß ein Mensch, wenn er in einen Zug oder ein Flugzeug steigt, dass ihm etwas passieren kann und dass der liebe Gott nicht dazu da ist, um ihn vor jeder Torheit und jedem Ungemach zu bewahren. Wäre es so, würde der Mensch nur noch träge vor sich hin dämmern und sich am Ende vor Langeweile das Leben nehmen.

Ich persönlich verstehe auch nicht, warum Menschen in Gebieten leben müssen, die für sie nicht geeignet sind, z.B: weil es Erdbebengebiete sind. Es wäre besser, es gäbe wesentlich weniger Menschen in für Menschen geeigneten Gebieten der Erde, und der Rest würde der Natur überlassen, was allen zugute käme. Und wer bedenkenlos Kinder in die Welt setzt, obwohl er weiß, dass diese wahrscheinlich zum Hungertod verurteilt sind, kann allenfalls die dafür mitverantwortlich machen, die Verhütung verbieten, aber nicht den lieben Gott.

Ist ein Unglück geschehen, ob nun vom Menschen mitzuverantworten oder nicht, so ist es gut, sich durch einen Gottesdienst an Folgendes zu erinnern: Der Aufenthalt des Menschen in der Welt ist nur vorübergehend. Es ist eine Bewährungsmöglichkeit der Menschen als unsterbliche Geistwesen, mit der sie die Beschränktheit der drei Dimensionen (aber auch die Körperlichkeit) erfahren und in einem Leben voller Risiken ganz neue Erfahrungen machen können. Die gesamte Schöpfung ist Teil eines guten Planes Gottes, in der das Böse und das Unglückliche vorübergehend notwendig sind, aber angesichts des umfassenden Rahmens der Ewigkeit vergleichbar unbedeutend. Das ist auch die Botschaft des Kreuzes: Weder Tod noch Grausamkeit sind aus der Froschperspektive des Menschen zu beurteilen und überzubewerten. Sie sind Teil eines viel größeren Planes, an dem wir Menschen aktiv teilhaben können. Auch dadurch, dass wir helfen, Unglücke zu vermeiden, Krankheiten zu heilen, Hinterbliebene zu trösten, Opfern zu helfen usw.

Kommentar von Hunkpapa ,

Japan ist das von Erdbeben am schlimmsten bedrohte Land der Erde. Frage also die Japaner, warum sie dennoch in ihrer Heimat bleiben. Nebenbei kannst du sie auch fragen, warum  sie dennoch Atomkraftwerke betreiben.

Kommentar von RudolfFischer ,

Sehr richtig. Ungezählte Japaner leben ja auch schon in anderen Ländern, aber wer nicht einmal von Atomkraftwerken die Finger lässt, sollte nicht auf den lieben Gott schimpfen, wenn ihm das um die Ohren fliegt. Gott lässt einem die Freiheit zu entscheiden, aber zur Freiheit gehört auch die Verantwortung, die man eben selbst hat, wenn es schief geht.

Antwort
von AliciaCanning, 54

Es wird wohl kaum jemandem nützen, zu schimpfen. 

Die Gottesdienste sind glaube ich eher dazu da, die 'Hoffnung' sichtbar zu machen. An dass zu erinnern, was gut ist. 'Dankbar' zu sein, dass das nicht jeden Tag passiert.

Gott ist finde ich ein symbol dafür, für das gute. Die Katastrophen passieren halt. Das stelle ich persönlich nicht in Zusammenhang mit Gott, aber die Gottesdienste eben für die Hoffnung.

,,Die Hoffnung ist das einzige Licht im Unbekannten".

Leid und schmerz ist bekannt, aber jeder schmerz ist jedes mal anders. also immer 'unbekannt'.

Ich hoffe, irgend jemand teilt meine Ansichten, zumindest teilweise.

Liebe Grüße, Allie

Kommentar von Hunkpapa ,

Viele Leute werden deine Ansicht teilen, und du wirst lachen: Das gönne ich dir sogar.

Kommentar von Hunkpapa ,

Und ausserdem geschimpft wird jeden Tag in der Welt, und das nicht wenig. Das gehört zur menschlichen Natur. Wie das Sich ärgern z. B. 

Kommentar von Enders9 ,

Es wird wohl kaum jemandem nützen, zu schimpfen.

Doch es würde helfen.
Es könnte nämlich zum Abfallen vom Glauben führen und dazu, daß nicht mehr Milliarden Euro an die Kirchen gegeben werden statt an Organizationen, die tatsächlich helfen. Es ist unglaublich wieviele Leute glauben die Caritas würde durch die katholische Kirche finanziert.

Kommentar von AliciaCanning ,

Ich meine, dass keine fröhlicher wird, der über etwas schimpft und nicht, dass es nicht anderen hilft.

Antwort
von EinSalatkopf, 60

Viele Menschen suchen in ihrer Schwäche eine Konstante in ihrem Leben und sei es auch nur ein eingebildetes Wesen. Die einzige Kraft, an die man in einer für sich unordentlichen, schrecklich brutalen, stets sich verändernden Welt glauben kann, möchte man wohl nicht verlieren... oder verärgern. Widersinnig, ich weiß, aber das sind Religionen an sich schon.

Antwort
von quopiam, 15

Für einen Menschen, der an Gott glaubt, ist Gott nicht "lieb" - jedenfalls nicht im Sinne des Kinderglaubens, nach dem er immer schön allen Schmerz aus der Welt schafft. Das ist nicht Gott, das ist ein Göttchen.

Gottesdienste sind für Menschen die gläubig sind. Wer glaubt, weiß, daß eine Katastrophe nicht von Gott eigens geschickt wird und er weiß auch, daß Gott nicht dazu da ist, die Welt für uns kuschelig und schmerzfrei zu machen. Gott hat es auch nicht nötig, zu "prüfen", ob einer glaubt oder nicht, er schaut ja ins Herz und weiß das bereits.

Wäre Gott so eine Art Katastrophenschutz-Allesversicherer, wären wir nicht die Menschen, die wir sind. Wir wären vielleicht superglücklich aber auch superdoof. Denn der menschliche Geist wächst immer nur, indem er Probleme löst und lernt mit Schwierigkeiten umzugehen. 

Ergo hat Gott die Welt hingestellt wie sie ist, damit wir und alles andere darin leben. Das schließt Unglücke und persönlichen Schmerz ein. Sei es durch die Natur oder durch andere Menschen. Ein Gottesdienst dient dazu, solchen Kummer zu bewältigen in dem Bewußtsein, daß er geteilt werden kann und in dem Glauben, daß der Gott, an den man glaubt, mit uns teilt. Vielen Menschen, die gläubig sind, lindert das ihren Schmerz und sie können sich nach einer Zeit wieder dem Leben zuwenden. 

"Schimpfen" hilft vermutlich niemandem. Gruß, q.

Kommentar von Hunkpapa ,

Auch ein Gott muss sich schwere Vorwürfe gefallen lassen - vorausgesetzt es gibt einen. Und ohne einen Gott lässt es sich auch leben. Probleme, Schwierigkeiten und Herausforderungen sind natürlich und o.k. Aber alles hat irgendwann seine Grenzen. Was soll, wie im o.g. Beispiel, der Mann, der seine Frau und seine 11 Kinder mit einem Schlag verloren hat, daraus lernen? Ob er überhaupt noch lebt?!

Antwort
von Enders9, 17

Weil das moderne Christentum scheinheilig ist. Um die Illusion eines alle liebenden Gottes aufrecht zuerhalten, muß alles Schlechte von jemanden Anderem kommen. Deswegen wird nicht geschimpft.

Antwort
von PantherInBlack, 45

Weil es nichts bringt in ständigem Groll gegen Gott oder sonst jemand zu leben...

Kommentar von Hunkpapa ,

Wenn jemand berechtigte Zweifel hat, dass es überhaupt einen Gott gibt, der wird kaum noch mit einem solchen Gott schimpfen können.

Antwort
von archibaldesel, 52

Ist doch netter, wenn man Hoffnung verbreitet als wenn man Schuld verteilt. Beides nützt den Opfern eh nicht mehr, aber beten hilft vielleicht den Hinterbliebenen.

Kommentar von Hunkpapa ,

Noch netter wäre es, wenn sich die Menschheit allmählich von ihrem Irrglauben verabschiedet.

Kommentar von archibaldesel ,

Warum, wenn es den Menschen hilft?

Kommentar von Hunkpapa ,

Eine Lüge zu leben oder einer eingebildeten Täuschung  bzw. einer Wunschvorstellung zu unterliegen, kann auf Dauer nicht gut sein. Wahrheit ist langfristig gesehen immer besser, auch wenn sie sehr wehtut.

Kommentar von Hunkpapa ,

Eine Lüge zu leben oder einer eingebildeten Täuschung  bzw. einer Wunschvorstellung zu unterliegen, kann auf Dauer nicht gut sein. Wahrheit ist langfristig gesehen immer besser, auch wenn sie sehr wehtut.

Kommentar von Hunkpapa ,

Eine Lüge zu leben oder einer eingebildeten Täuschung  bzw. einer Wunschvorstellung zu unterliegen, kann auf Dauer nicht gut sein. Wahrheit ist langfristig gesehen immer besser, auch wenn sie sehr wehtut.

Kommentar von Hunkpapa ,

Eine Lüge zu leben oder einer eingebildeten Täuschung  bzw. einer Wunschvorstellung zu unterliegen, kann auf Dauer nicht gut sein. Wahrheit ist langfristig gesehen immer besser, auch wenn sie sehr wehtut.

Antwort
von me2312la, 50

weil dir jeder gottesgläubige sagen wird, dass das alles seinen grund hat... les dir vielleicht mal nur mal was über hiob durch... als gläubiger siehst du solche unfälle eher als prüfung deines glaubens 

Kommentar von Hunkpapa ,

Warum sollte jemand geprüft werden, ob er auch wirklich glaubt? Keine gute Idee, jemanden zu prüfen, ob er auch dann noch glaubt, wenn, wie mal geschehen, 300 tausend Menschen bei einem Tsunamie oder 40 tausend Menschen bei einem Erdbeben umkamen. Im letztgenannten Fall verlor z. B. ein Mann auf einem Schlag seine Frau und seine 11 Kinder. Keine gute Idee den Glauben eines Gläubigen so zu überprüfen

Kommentar von me2312la ,

les dir hiob durch... ich bin übrigens niemand der sich damit abfindet, dass gott schon weiß was er tut... mich k...en die ungerechtigkeiten der welt an und ich stelle es daher eher in frage ob es einen gott gibt, der dies zulässt

Kommentar von Hunkpapa ,

Was soll ich denn mit deinem Hiob? Mir reicht der Spruch von Hiob: "Was ich befürchtet habe, ist über mich gekommen."

Kommentar von me2312la ,

das ist nicht mein hiob,aber da sich nun mal gläubige an der bibel orientieren ist er auch teil der bibel und somit teil des glaubens....bist du nur auf stänkern aus oder was soll das?

Kommentar von Hunkpapa ,

Es geht hier nicht um Stänkereien. Es geht um Wahrheitsfindung, genauer gesagt um objektive Wahrheitsfindung. Unsere Sonne ist z.B. eine objektive Wahrheit, weil sie für alle gilt:  für den Stein, für den Baum, für die Maus, für den Menschen. Wer das  leugnet, dem ist nicht mehr zu helfen. Der Glaube an die Existenz eines Gottes kann nur dann eine objektive Wahrheit sein, wenn diese Existenz auch bewiesen wird. "Das kann man nicht beweisen!" Dieses Argument  gilt leider nicht, weil es  als Argument nicht ausreicht. Kein Mensch kann also einfach behaupten, dass es einen Gott gibt. Er muss es beweisen können. Nur er hat die diesbezügliche Bringschuld und eben nicht der Ungläubige. Entweder es gibt also einen Gott oder es gibt keinen. Ein bisschen schwanger sein, geht  nicht. Und sollte es tatsächlich keinen Gott geben, dann wäre das für viele Gläubige sehr sehr bitter, während im umgekehrten Fall ein Atheist damit weniger Probleme hätte. Dennoch gilt: Wahrheit ist besser als die Lüge. Immer.

Kommentar von me2312la ,

anscheinend glaubst du nicht an einen gott, wenn du einen beweis für ihn forderst... der gottglaube ist eben das-ein glaube...dieser erfordert keinen beweis..

es gab mal ein schönes experiment eines professors an einer uni.er fragte die studenten: wenn gott allmächtig ist, kann gott dann alles? die studenten sagte: ja. gut, sagte der prof, dann kann gott also auch ein element erschaffen, dass so schwer ist das es gott nicht einmal heben könnte? 

wie soll man als mensch hier mit seinem wissen antworten? ja? dann wäre gott nicht allmächtig, weil er es nicht heben kann...nein? dann wäre gott nicht allmächtig, weil er so etwas nicht erschaffen kann..

als gläubiger stellt man gottes entscheidungen eigentlich nicht in frage

wenn jemand nicht an gott glaubt, ist das völlig okay...aber jemanden seinen glauben an gott nehmen zu wollen und an ihm zu zweifeln ist für aussenstehende vielleicht einfacher gesagt, als es für einen gläubigen ist, gott für seine entscheidungen zu strafen...

ich weiß nicht, warum ich an einen gott zweifeln soll an den ich die ganze zeit ( wahrscheinlich aus guten gründen geglaubt habe) weil er etwas tut, was mich verletzt, wütend macht,verzweifeln lässt... 

vielleicht unterschätzt du die verbindung die gläubige zu ihrem gott haben..

und ja, vielleicht ist auch ganz rational gesprochen, der weg in eine kirche etwas, von dem sie glauben, dass es in dieser situation von ihnen erwartet wird

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