Frage von Tanja2806, 51

Wieso steigt der Blutzucker am Abend immer an?

Kann mir jemand sagen wieso der Blutzucker am Abend immer ansteigt? Mein Lebensgefährte spritzt in der Früh das 70/30 Insulin, zu den Mahlzeiten Novorapid und am Abend Levemir. Die Werte unter Tags passen eigentlich ( 80-110). Aber Abends steigt der BZ immer mehr an (120-140) ohne das etwas gegessen wurde, keine zusätzlichen Medikamente genommen wurden oder sonst irgendwas anders gemacht wurde was erklären würde das der BZ ansteigt.

Ich bedanke mich schon jetzt für eure Hilfe.

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Antwort
von Cassiopeija, 32

Es gibt Körperreaktionen und Abläufe, wie z.B. das Dawn Phänomen oder den Gupf, die den Zuckerspiegel beeinflussen. Allerdings geschieht das morgens, das ist auch die Zeit, wenn der Körper nach der Nachtruhe wieder aktiv wird und die Leber kräftig Glucose ausschüttet.

Die Leber schüttet im Laufe des Tages ca. 250 g Glucose aus, bei einem Diabetiker kann das bis auf das doppelte Anwachsen. Es kann auch eine Gemeinschaftsreaktion  von Niere, Alphazellen und Leber sein.

Oder es ist sind einfach nur Lebensmittel, die langsamer verdaut werden und daher den BZ ansteigen lassen. Eine Pizza z.B. braucht bis zu 8 Stunden, bis komplett verstoffwechselt wurde.

Es gibt also viele Möglichkeiten. Der Hausarzt ist die falsche Adresse, hier ist ein Diabetologe gefragt. Falls er noch keine/n hat, soll er sich eine Überweisuhg geben lassen und sich eine/n suchen.

Eventuell wäre auch ein kurzer Klinikaufenthalt (7-10 Tage) in einen Spezialklinik hilfreich, um heraus zu finden, was da passiert und ihn besser einzustellen, um derartige Anstiege in den Griff zu bekommen. Bad Mergentheim kann ich da sehr empfehlen: http://www.diabetes-zentrum.de/

Ich spritze abends auch Basal, aber schaue, das mein BZ sich zwischen 100 und 120 bewegt, damit ich nachts nicht in eine Hypo gerate. Also 120-140 ist nicht wirklich ein Problem. Ich würde einfach mal 1-2 IE Basal mehr spritzen, wenn der morgentlich Wert nicht stimmt.

Expertenantwort
von Lirin, Community-Experte für Diabetes, 30

Hallo!

Ich denke, Cassiopeija hat schon fast alles gesagt! Der Körper deines Lebensgefährten braucht offenbar in den Abendstunden ein wenig mehr Insulin.

Ich weiß ja nicht wieviele Einheiten pro BE er abends, für's Essen spritzen muss aber wenn er mehr als eine Einheit pro BE spritzt, dann könnte er zur Mahlzeit eine Einheit mehr versuchen.

Ich meine das so. Angenommen er spritzt pro BE 2 Einheiten schnell wirkendes Insulin am Abend, dann soll er das weiter tun und immer um eine Einheit mehr spritzen. Das müsste dann den Blutzucker ein wenig drücken.

Eines ist aber unbedingt erforderlich, er braucht einen guten Diabetologen für die Behandlung! Er wäre der erste Ansprechpartner bei solchen Problemen. Leider kann ein Hausarzt den Blutzucker nicht gut genug einstellen, auch mit Zusatzausbildung!

Die Werte sind aber wirklich nicht sehr schlecht.

Sollte er nicht gut geschult sein, dann ist eine Diabetikerschulung notwendig, nicht zuletzt, weil es immer wieder neue Erkenntnisse gibt.

Diabetiker sind die Manager ihrer Erkrankung und dazu gehört viel Wissen!

Ich wünsche deinem Lebensgefährten alles Gute und allzeit gute Blutzuckerwerte!

Gruß Lirin

Kommentar von Tanja2806 ,

Mein Lebensgefährte ist, zum Glück, bei einem sehr guten Diabetologen. Allerdings ist dieser noch auf Urlaub und ich wusste nicht mehr was ich noch versuchen kann.

Beim Essen ist es so, dass wir ohnehin immer zum Essen +3 Einheiten spritzen. Allerdings habe ich versucht die Basalrate von 28 Einheiten am Abend auf 30 Einheiten zu erhöhen. Aber da war kein Erfolg ersichtlich. Die Werte 2-3 Stunden nach dem Essen passen ja auch perfekt. Allerdings ist es 5 -7 Stunden nachher meistens um 20-40 zu hoch. Das verstehe ich eben nicht.

Aber ich bedanke mich recht herzlich für deinen Rat.

Vielen, vielen Dank.

Kommentar von Cassiopeija ,

Novorapid ist ein schnell wirksames (Analog) Bolus Insulin. Ich spritze Humalog, aber meine Diabetologin sagte mir, das Wirkdauer und Reaktion fast identisch sind.

Bei mir setzt die Wirkung von Humalog nach 10 MInuten ein, normal sind wohl 15 Minuten. Danach steigt die Wirkkurve steil an und erreicht nach ca. 1 Stunde ihren Höhepunkt um danach in ebenfalls ca. 1 Stunde steil abzufallen.

Auf manchen Seiten wird behauptet, das Analoginsuline eine 3-4 stündige Wirkdauaer haben, was aber meine Diabetologin verneint und das ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen kann.  Nach 2 Stunden ist die Wirkung zu 95-97% erfolgt.

Umkehrschluss ist, nehme ich Nahrung zu mir, die länger verstoffwechselt wird, gibt es nach den 2 Stunden einen Anstieg.

Ich umgehe das dadurch, das ich bei Nahrung die länger verstoffwechselt wird ein länger wirkendes Bolus Insulin, ein Normal-/Humaninsulin, spritze. Ich benutze Insuman Rapid, aber da Dein Lebensgefährte eh Insuline von Novo Nordisk spritzt, wäre Actrapid HM das vergleichbare Insulin.

Die Wirkdauer von Humaninsulinen ist ein wenig von der Menge abhängig. In Normalfall wirkt dieses Insulin 4 Stunden, wobei es ca. 20-30 Minuten bis zur Wirkbeginn braucht, dann nach 1 Stunde den höschten Wirkungsgrad erreicht, der dann einen Stunde anhält. Danach fällt er über 2 Stunden fast linear ab.

Aber wir schon oben in meinem Beitrag gesagt, ein Aufenthalt in Bad Mergentheim mit einer 24 Stunden Betreuung und Analyse würde vermutlich eine bessere Einstellung bieten, etwas was selbst mit dem besten Diabetologen nur schwer möglich ist.

Was ich hier schreibe, basiert natürlich auf persönlichen Erfahrungen und ist nicht immer auf jeden anwendbar. Dafür reagieren unsere Körper zu unterschiedlich. Ausserdem ist es auch noch sehr stark von der Versorgung mit Vitaminen, Miralstoffen und Spurenelementen abhängig.

Also eine persönliche Analyse ist immer wichtig.

Und vielen Dank, für das Kompliment. :)

Antwort
von Mojoi, 22

Da schüttet halt die Leber was aus. Ggf. tagsüber eiweißreich gegessen?

120 - 140 ist aber noch OK.

80 - 100 ist ein bischen riskant, nicht? Da hast du ja gar keine Luft nach unten.

Wenn's denn stört, nach dem Abendessen noch ein wenig Basal spritzen.

Antwort
von precursor, 22

Mal dem Hausarzt sagen.

Es gibt auch Spezialisten, sogenannte Diabetologen.

Der Hausarzt könnte mal an einen Diabetologen überweisen.

Wenn jemand Informationen liefern kann und / oder mitteilen kann, was dagegen getan werden kann, dann solche Ärzte.

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