Frage von General001, 45

Wieso steht das Id ego außerhalb des PPPs und wird trotzdem mitübersetzt?

Id ego ius iurandum patri datum ...

Meine Übersetzung lautet:

Nachdem ein eigentliches Versprechen dem Vater gegeben worden war...

Ich weiß nicht wie ich es einbauen soll. Aber es muss rein!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Volens, Community-Experte für Grammatik, Latein, Sprache, ..., 22

Du hast es übersetzt wie einen Abl. abs. Es ist aber keiner, also gibt es auch kein nachdem. Das Wort ego ist hier jedoch zuviel. Es wäre nur durch einen kompletten Satz erklärbar, den man nicht kennt. Ohne ego ist es einfach:

dieser dem Vater geleistete Schwur (attributiv, könnte also ein PC sein; kann Nominativ und Akkusativ sein).

Wenn du mit dem ganzen Satz rüberkommst, kann man mehr sagen.
Aber korrekt abschreiben, bitte!

Die Hauptfrage zu beantworten, ist einfach:
in einem lateinischen Satz steht alles im Hauptsatz, was hineingehört,
auch wenn bei der deutschen Übersetzung andere Regeln gelten, weil wir dazu neigen, Teile des Hauptsatzes in einen Nebensatz hineinzuziehen, sogar häufig das Subjekt, das im Hauptsatz dann ganz dezent als Pronomen wiederholt wird.

Kommentar von General001 ,

Aber ich hatte gedacht man könnte ein PPP auch als Nebensatz übersetzten mit Nachdem/weil/obwohl Troja von den Griechen besiegt worden war, ist es von den Einwohnern verlassen worden.

Der Satz zur Frage lautet:
Id ego ius iurandum patri datum usque ad hanc aetatem ita conservavi, ut ...

Kommentar von Volens ,

Mit Troja sehe ich in deinem Beispielsatz nichts.
Komplett ist der Satz gut zu verstehen. Eine Vorbemerkung noch:
der Lateiner hat seine Kasūs gut im Griff, deshalb wirft er manchmal Satzteile einfach irgendwo hin, um damit eine bestimmte Betonung zu erreichen. Das ist hier das Wort ego, das ja eigentlich gar nicht nötig ist, weil es schon im Prädikat steckt.

Wörtliche Übersetzung:
"Ich habe dieses dem Vater gegebene Versprechen bis zu dieser Zeit so bewahrt, dass ..."          Da fehlt schon wieder was.

id ist dieses, denn is, ea, id wird nicht nur als Personalpronomen verwendet, sondern auch demonstartiv.

Da das PPP grammatisch ein PC ist, würde ich es als Nebensatz relativ übersetzen:
"Ich habe dieses Versprechen, das ich dem Vater gegeben habe, bis heute bewahrt, sodass ..."

Kommentar von General001 ,

Aber das PPP muss doch passivisch übersetzt werden?

Kommentar von Volens ,

Guck mal in die Rohübersetzung: da ist es Passiv.
Man kann es dann auch im Relativsatz im Passiv belassen:
"... das Versprechen, das dem Vater gegeben wurde ... "

Beim Abl. abs. bin ich auch meist dafür, es so zu belassen, beim PC manchmal nicht. Denn dieser Nebensatz hört sich im Deutschen einfach holzig an. Und in den Grammatiken wird auch als freie Übersetzung das Aktiv zugelassen, wenn es die bessere Übersetzung ist.
Siehe das Beispiel "gladio stricto" in folgendem Link:

http://www.mbradtke.de/gr004.htm

Da wird der Nebensatz sogar mit "nachdem" eingeleitet und exakt erklärt, warum es trotzdem kein Abl. abs. sei.
Man sollte sich beim Übersetzen nur im Klaren darüber sein, dass eigentlich eine lateinische Passivkonstruktion dahintersteckt. (Und das ist ja bei dir gegeben.)
Dass im Deutschen das PPP sogar zur Bildung des Perfekts im Aktiv herangezogen wird, macht diese Entscheidung noch leichter.

Kommentar von General001 ,

Vielen Dank für die Antwort und den guten Link.

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