Frage von SoloBeater, 78

Wieso soll Charles Darwins Thesen der Evoluionstheorie ''provokant'' gewirkt haben?

Antwort
von uteausmuenchen, 31

Hallo SoloBeater,

die ET gilt als die zweite Kränkung der Menschheit durch die Naturwissenschaften.

Im mittelalterlichen, durch die Kirche geprägten Weltbild, ist der Mensch das Ebenbild Gottes. Er bewohnt die Erde, die der Mittelpunkt des Weltalls ist. Alles dreht sich um die Erde und damit um den Mensch als Krpne der Schöpfung.

Und dann kommen Kopernikus, Galilei, Kepler und Newton. Sie werfen die Erde aus dem Mittelpunkt des Kosmos und degradieren sie zu einem unbedeutenden Planeten, der um einen durchschnittlichen Stern kreist.

Was denkst Du, was für erbitterte Reaktionen man um 1700 gegen die bösen Astronomen schrieb...? Die Vorhersagen der Newtonschen Mechanik erwiesen sich aber als zu gut. Das neue Weltbild setzte sich durch. Und weil den meisten Menschen die exakten Vorgänge am Himmel eh recht egal sind, verebbte die Aufregung.

Und kaum hatte die Menschheit diese erste große Kränkung verarbeitet, kam Darwin daher. Er entlarvte nahm uns unsere Sonderstellung und reihte uns ins Tierreich ein. Auf einmal waren wir nicht mehr geschaffen, um über die Tiere zu herrschen, sondern ein Teil des Tierreiches. Vom Aussterben bedroht wie jede andere Tierart. Mit den Menschenaffen als nächste lebende Verwandte.

Ich denke schon, dass es unmittelbar verständlich ist, dass der Aufschrei von vorne los ging. Zumal Darwins Theorie deutlich belegte, dass die Geschichten in der Genesis kein historischer Tatsachenbericht sein konnten.

Wissenschaftliche Kreise hatten von Anfang an eigentlich kein Problem mit der ET. Die Hinweise hatten sich auch aus anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen allmählich gehäuft. So erschien aufgrund geologischer Erkenntnisse eine historische Sintflut als zunehmend unmöglich. Das biblische  Erdalter von unter 10 000 Jahren als zu wenig.

Gerade geologische und geophysikalische Erkenntnisse, die paralllel und unabhängig im 19. Jahrhundert erfolgten, (Entdeckung der Radioaktivtät und Erkennen des wahren Erdalters) verhalfen daher in wissenschaftlichen Kreisen der ET recht schnell zum Durchbruch.

Kritik kam und kommt von fundamentalistisch religiösen Kreisen. Vor allem in evangelikalen Kreisen in den USA wurde die ET als Problem empfunden:

Kann man die Genesis-Texte nicht mehr wortwörtlich verstehen - sondern "nur" als Gleichnis - kann die Bibel nicht mehr als Autoritäre und absolute Wahrheit verkauft werden. Es geht hier also um eine Autoritätsfrage, die evangelikale Kreise mit der wortwörtlichen Wahrheit der Bibel begründen.

Die kreationistische CSA schreibt z.B. über die ET: "Die verbreitete Akzeptanz dieser falschen Ursprungsidee hat körperlichen Schaden für Millionen Menschen allein in diesem Jahrhundert und Gesetzlosigkeit in unserer Gesellschaft verursacht und unzähligen Menschen eine gute Beziehung zu ihrem Schöpfer genommen."

In den USA kommt hier eine politische Komponente mit hinein über die Nähe rechter Flügel der Republikaner zu den evangelikalen Vereinigungen. Entsprechend gibt es dort gleich mehrere scheinwissenschaftliche Vereinigungen, die für den Laien mitunter nur schwer durchschaubare Einwände gegen die ET vorgeben. Es soll der Eindruck erweckt werden, es gäbe auch eine innerwissenschaftliche Diskussion um die ET - was definitiv nicht der Fall ist.

Auch aufgeklärte christliche Kreise haben mit der ET genauso wenig ein Problem wie mit jeder anderen naturwissenschaftlichen Aussage. Wie jede andere naturwissenschaftliche Theorie macht die ET keine Aussage über Gott oder den philosophischen Begriff der "Schöpfung", sondern beschreibt die Mechanismen eines in der Natur ablaufenden Prozesses. Wer versteht, dass die Bibel ein Glaubenszeugnis ist, kein Naturkundebuch, wer sie nicht missbraucht, um andere zum Gehorsam zu zwingen, der sieht auch, dass Glaube und ET keine Gegensätze sind.

Grüße

Antwort
von Ribelploz, 34

Ich finde die Evolutionstheorie ist heute noch immer eine Provokation, nämlich eine Provokation für einen in hohen moralischen Maßstäben denkenden Menschen.

Laut Evolutionstheorie sind Menschen auch nur Tiere, die aus Menschenaffen entstanden sind. Das ist eine systematische Degradierung der Menschheit.

Außerdem kann die Evolutionstheorie konsequent weitergedacht wirklisch Schlimmes bewirken und absolut pervers sein, nämlich in Form des Sozial-Darwinismus.

Der Sozial-Darwinismus besagt, dass das Prinzip "Surviving of the Fittest" auch für Menschen gilt, was ja nur konsequent gedacht ist. Auf so einer Grundlage kann man dann begründen, dass es menschliche "Rassen" gibt und "höhere Rassen" sich gegenüber "niederen Rassen" "durchsetzen" (beschöngt formuliert) sollen. So haben auch die Nazis ihre Rassenideologie begründet.

Meiner Meinung nach ist der Sozial-Darwinismus und damit indirekt auch die Nazi-Ideologie von der Evolutionstheorie ableitbar.

Es wundert mich also, dass die Evolutionstheorie heute noch immer so populär ist, obwohl sie eine Beleidigung und eine Gefahr für die Menschheit ist und auch wissenschaftlich so vieles gegen sie spricht.

Kommentar von uteausmuenchen ,
und auch wissenschaftlich so vieles gegen sie spricht.

Genau das ist falsch: Die ET ist eine der am besten bestätigsten Theorien im interdisziplinären Erklärungsgebäude der Naturwissenschaften.

Sie wird gestützt durch zahlreiche Befunde. Es gibt keine wissenschaftlichen Argumente gegen die ET.

Kritik kommt ausschließlich über scheinwissenschaftliche Einwände aus fundamentalistisch religiösen Kreisen.

Dass der Sozialdarwinismus kein Teil der ET ist sollte außerdem klar sein.

Kommentar von Ribelploz ,

Entschuldigung, aber abzustreiten, dass es Argumente gegen die Evolutionstheorie gibt, ist einfach blind. Ich streite auch nicht ab, dass einiges für die Evolutionstheorie spricht.

Es gibt zahlreiche Ansatzpunkte, an denen man die Unmöglichkeit der Evolutionstheorie feststellen kann.

Um nur ganz oberflächlich ein paar Punkte zu benennen: Übergangsformen der Lebewesen fehlen (oder zumindest viel zu wenig, ein von Darwin selbst angeführtes Argument; da hilft es nichts, in Befunde Übergangsformen reinzuinterpretieren), unsinnige Hypothesen im Bereich der chemischen Evolution, Unmöglichkeit der ungesteuerten Informationserzeugung usw. Sinnvolle Information entsteht nicht von allein, das ist schon laut den Grundsätzen der Informatik ein Ding der Unmöglichkeit.

Ich will mich an dieser Stelle aber nicht auf einen Argumentekrieg einlassen.

Ich behaupte auch nicht, dass der Sozialdarwinismus ein anerkannter Teil der Evolutionstheorie ist, aber ich finde, dass man ihn logisch aus der Evolutionstheorie ableiten kann. Und das sollte schon zu denken geben...

Ich glaube nicht, dass ich ein mit Affen verwandtes Tier bin. Es hat sich selten etwas so Abstruses durchgesetzt.

Kommentar von uteausmuenchen ,

Ribelpolz,

Ich will mich an dieser Stelle aber nicht auf einen Argumentekrieg einlassen.

Das ist praktisch. Ich auch nicht.
Vielleicht würde es dann aber helfen, hier nicht etwas Falsches hinzuschreiben...

Ich behaupte auch nicht, dass der Sozialdarwinismus ein anerkannter Teil der Evolutionstheorie ist, aber ich finde, dass man ihn logisch aus der Evolutionstheorie ableiten kann.

Nein. Nicht einmal das. Der Sozialdarwinismus und die NS-Ideologie haben naturwissenschaftliche Aussagen für ihre Zwecke missbraucht und dafür zurechtgebogen. Naturwissenschaftliche Aussagen sind per se außerhalb moralischer Fragestellungen. Naturwissenschaftliche Aussagen betreffen in der Natur gesetzmäßig ablaufende Prozesse, also die Frage ob und was abläuft.

Es gibt zahlreiche Ansatzpunkte, an denen man die Unmöglichkeit der Evolutionstheorie feststellen kann.

Und die Punkte, die Du dann aufzählst sind die üblichen kreationistischen Einwände, die von den Naturwissenschaften schon lange und mehrfach durchgekaut und beantwortet wurden. Ich empfehle dazu das sehr gute Buch von Neukamm "Evolution im Fadenkreuz".

Der Begriff der Übergangsform per se ist ein kreationistischer, kein biologischer. Die ET sagt Mischformen voraus, also Lebewesen, in denen wir die Merkmale verschiedener Äste im Stammbaum gemeinsam ausgeprägt finden. Solche Formen finden wir zuhauf. Kreationistische Debatten, ob z.B. der Archeopterix nun noch Dino oder schon Vogel sei, sind Augenwischerei.

Zu Darwins Zeit waren erheblich weniger Fossilien bekannt als heute; es ist also nicht erstaunlich, dass er schrieb, dass seine Thesen noch durch entsprechende Funde zu stützen seien. Einen 150 Jahre alten Text als Beleg für Probleme einer naturwissenschaftlichen Theorie anzuführen, ist immer etwas peinlich, weil es eben 150 Jahre Beobachtungsdaten außen vor lässt.

Di Hypothesen der chemischen Evolution sind keineswegs unsinnig, in jedem Falle aber kein Argument gegen die biologische Evolution. Dass wir die chemische Evolution nicht exakt nachvollziehen können, liegt auch daran, dass nicht alle Randbedingungen bekannt sind. Entsprechend existieren mehrere plausble Erklärungsansätze.

Den Informationsbegriff auf die atomare Ebene wie bei der DNA zu übertragen ist immer problematisch, weil wir zu leicht in Versuchung kommen, makroskopische Vorstellungen über "Information" auf eine rein chemisch ablaufende Ebene zu übertragen.
Selbstorganisation der Materie sehen wir aber überall; es sind die Wechselwirkungen und Kräfte der Natur, die diese steuern.

Die kreationistischen Argumente von der unmöglichen Wahrscheinlichkeit basieren hier auf der Falschdarstellung, die Natur habe nur eine Möglichkeit gehabt bzw. habe alle Entwicklungen in einem einzigen Schritt durchlaufen. Tatsächlich erfolgen die Veränderung in vielen kleinen, oft auf einer einzigen Muation beruhenden Einzelschritten. Daneben stehen bei jedem einzelnen dieser Schritte vielfältige Mutationsvarianten allen Möglichkeiten gegenüber, so dass die Entwicklungswahrscheinlichkeiten netto erheblich höher sind als in der kreationistischen Literatur behauptet.

Ich glaube nicht, dass ich ein mit Affen verwandtes Tier bin.

Dann solltest Du dazu stehen, dass Du aus religiösen Gründen oder persönlicher Verweigerungshaltung heraus eine bestens gesicherte Tatsache ablehnst. (Mit dem Schimpansen teilen wir uns 98,5% unseres Genoms. http://www.nationalgeographic.de/reportagen/grundrechte-fuer-menschenaffen)

Mit der Aussage, das sei naturwissenschaftlich begründbar, liegst Du falsch.

Kommentar von Ribelploz ,

Bevor ich auf ein paar Punkte eingehe, möchte ich betonen, dass ich mich freuen würde, wenn du nicht systematisch davon ausgehen würdest, dass deine Meinung und die EvolutionsTHEORIE unwiderlegbar bewiesen sind, das ist nämlich schlicht nicht der Fall. Auch ich bemühe mich, meine Sicht möglichst distanziert zu überprüfen und nicht von vornherein auf der Richtigkeit meiner Meinung taub zu beharren.

Ich behaupte nicht, dass der Sozialdarwinismus in irgendeiner Weise gut oder richtig ist oder in der Praxis von Wissenschaftlern angewendet wird. Man darf aber meines Erachtens durchaus aus wissenschaftlichen Erkenntnissen philosophische Schlüsse ziehen, wenn diese logisch und begründet sind. Evolutionstheorie und Sozialdarwinismus wie schwarz und weiß voneinander zu trennen, als gäbe es keinen Zusammenhang, halte ich für realitätsfern.

Ich möchte betonen, dass ich mich nicht hinter die Argumentation eines jeden Kreationisten stellen will. Ich weiß, dass da teilweise leider auch unwissenschaftlich gearbeitet und argumentiert wird. (Übrigens ist es auch nicht so, dass Evolutionsforscher immer sachlich sind. Z.B. Richard Dawkins begründet seinen radikalen Atheismus mit der Naturwissenschaft, was eindeutig falsch ist und an vielen Punkten kriitsierbar, wenn nicht widerlegbar, ist, siehe Prof. John Lennox, von dem gibt es auch sehr interessante Vorträge auf YouTube.)

Es ist mir bekannt, dass einige typische kreationistische Argumente nicht wirklich haltbar sind und an solche will ich mich auch nicht klammern. Ich glaube aber nicht, dass vonseiten der Evolutionswissenschaftler, wie du es darstellst, alles Kreationistische widerlegt ist. (Im Übrigen will ich an dieser Stelle nicht darauf hinaus, zu kreationistischen Schlüssen zu kommen, sondern ich will nur die Evolutionstheorie kritisieren. Theorien sind ersetzbar, wenn es bessere gibt, genau wie man auch nach Nachfolgern der Relativitätstheorie sucht.)

Es liegt gar nicht fern, aus wissenschaftlicher Sicht die Evolutionstheorie zu kritisieren, denn es gibt durchaus (sogar atheistische) Wissenschaftler, die dies tun.
Beispiele für kritische wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit Evolutionstheorie und co. sind beispielsweise in der Arbeit der Studiengemeinschaft Wort und Wissen oder Büchern und Vorträgen von Prof. Dr. Werner Gitt zu finden. Das ist jetzt keine vollständige Auflistung, nur, was mir als erstes eingefallen ist ;-). Auch Joachim Zillmer benennt einige interessante Sachverhalte (in YouTube-Videos), die aufschlussreich sein können. (Ich will mich an dieser Stelle nicht ganz hinter alle seine Argumente stellen, sondern verweise nur grundsätzlich auf ihn.)

Die Sache, dass wir uns mit Schimpansen 98,5 % unserer Erbinformationen teilen, finde ich äußerst amüsant; darüber sollte man sich nicht wundern, denn der Mensch teilt sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen auch die Hälfte seines Erbguts mit der Banane. :D
Daraus kann man also nicht ohne Weiteres große Schlüsse ziehen.

Antwort
von Imaxxas, 35

Weil sie die Bibel widerlegt haben und somit eine Beleidigung für die Gläubigen dargestellt hat

Kommentar von Ribelploz ,

Die Bibel wurde nicht widerlegt. Sie kann gar nicht widerlegt werden. Die Evolutionstheorie ist auch nur eine THEORIE und ist ersetzbar. Es gibt auch genug atheistische Wissenschaftler, die die Evolutionstheorie für falsch halten. Darwin selbst hatte erhebliche Zweifel an seiner Theorie und hielt sie an einigen Stellen für unlogisch und falsch.

Kommentar von Imaxxas ,

Doch sie wurde widerlegt, weil Darwin gesagt hat, dass wir nicht alle von Adam und Eva abstammen. So mein ich das

Kommentar von uteausmuenchen ,
Die Bibel wurde nicht widerlegt.

Es wurde klar, dass ein wortwörtliches Verständnis der Bibeltexte nicht zu halten ist.

Es gibt auch genug atheistische Wissenschaftler, die die Evolutionstheorie für falsch halten.

Das ist falsch.

Darwin selbst hatte erhebliche Zweifel an seiner Theorie

Jeder gute Naturwissenschaftler hat Zweifel.

Zu Darwins Zeit war auch sehr viel von dem, was die ET stützt noch nicht bekannt. So war damals die Radioaktivität noch komplett unbekannt. Entsprechend schätzte man das Alter der Erde auf maximal 1 Million Jahre, was zu wenig gewesen wäre für eine Evolution.

In den letzten 150 Jahren hat sich das aber geändert. Die ET wird durch eine Vielfalt interdisziplinärer Befunde gestützt und ist allgemein anerkannt.

Antwort
von Dailytwo, 32

Weil damit der weit verbreitete Christliche Glaube an Gottes Werk widerlegt wurde

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