Frage von PaddelB, 49

Wieso sind Textbestände zur Landnahme laut Ruterswörden älter, als Texte, in denen Israel bereits sesshaft war?

Hallo, ich studiere derzeit katholische Theologie auf Lehramt und muss eine Hausarbeit schreiben über Dtn 20. Udo Rüterswörden macht als Grundschicht für Dtn 20 die V. 20,5-7.10-14.19f. + evtl. v.1.9 aus. Dies unter der Annahme, dass hier von Häusern und Weinbergen die rede ist und diese die Landnahme bereits voraussetzen. Die V. 15-17 wären auf die Zeit der Landnahme unter Jousa zurückzuführen. Nun sagt Ruterswörden, dass die Verse, in der die Landnahme bereits vollzogen sind, also V. 20,5-7.10-14.19f. + evtl. v.1.9, zu einem älteren Bestand gehören. Sprich, dass diese Texte die Grundschicht ausmachen. Aber wenn die Landnahme zu diesem Zeitpunkt schon abschlossen ist, wieso sind die Texte dann älter. Es kam doch erst die Landnahme und dann die Sesshaftigkeit? Ich zitiere noch einmal genau:"kommen die meisten Exegeten ziemlich übereinstimmend zu einem älterem Bestand in Drn 20,10-14,19f, und den Ausnahmeregeln in 20,5-7".

Wäre super lieb, wenn mir das jemand erläutern könnte. Wie sehr ich auch drüber nachdenke, ich komme auf keine Lösung.

Das Buch heißt übrigens "Das Buch Deuteronomium" und das oben geschrieben steht auf Seite 128f. LG

Antwort
von kdd1945, 8

Hallo PaddelB,

wie Du schon bei meiner ersten Antwort bestimmt erkannt hast, stütze ich mich eher auf die Heilige Schrift. als auf ihre Kritiker. Aussagen, wie unter dem Link :

http://www.kathpedia.com/index.php?title=Pentateuch#Entstehungsgeschichte

sind in meinen Augen unlogisch und nicht glaubhaft begründet, wenn sie die Zeit der Niederschrift zwischen das 9.-5. Jahrhundert vor Christus transferieren. Denn nach der Chronologie der Bibel hat Moses den Pentateuch (bis auf die Verse, die über seinen Tod und Nachfolger berichten) in der Zeit von 1513 v. Chr. bis 1473 v. Chr. unter der Leitung des Heiligen Geistes Gottes niedergeschrieben. Als nicht widerlegbaren Beweis für Deuteronomium nenne ich Jesu Gespräch aus Mt 19,7- 8

Dort wird nämlich aus dem Dich gerade interessierenden Deuteronomium zitiert, und zwar aus Kapitel 25,1.2, und das Zitat wird sowohl von Jesus, als auch von den jüdischen Schriftkundigen eindeutig dem Moses zugeschrieben.

6 So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern "ein" Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden! 7 Da fragten sie: Warum hat dann Mose geboten, ihr einen Scheidebrief zu geben und sich von ihr zu scheiden? 8 Er sprach zu ihnen: Mose hat euch erlaubt, euch zu scheiden von euren Frauen, eures Herzens Härte wegen; von Anfang an aber ist's nicht so gewesen.

Nun ein bearbeiteter Aufsatz aus der Wachtturm-Online-Bibliothek, der meine Ansicht zu Mose, Pentateuch, Chronologie, Deuteronomium, Quellentheorie, J, E, P, D, sowie Inspiration durch den Geist Gottes trifft.

Der so genannte Pentateuch, die ersten fünf Bücher der Bibel, werden von jeher Moses zugeschrieben. Möglicherweise entnahm er einige Informationen aus früheren historischen Quellen.

Viele Kritiker sind jedoch der Meinung, Moses habe mit der Niederschrift des Pentateuchs überhaupt nichts zu tun gehabt.

Spinoza, ein Philosoph des 17. Jahrhunderts, schrieb: „Aus alledem erhellt klarer wie die Mittagsonne, dass die fünf Bücher Mosis nicht von Diesem . . . geschrieben worden sind“. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte der deutsche Gelehrte Julius Wellhausen die so genannte Quellentheorie populär, wonach die Bücher Mose eine Verschmelzung der Werke mehrerer Autoren oder Autorengruppen seien.

Gemäß Wellhausen habe einer der Autoren durchweg Gottes Eigennamen, Jehova, gebraucht (er wird deshalb J genannt). Ein anderer Autor (E) nannte Gott „Elohim“. Ein dritter (P) soll das priesterliche Gesetz im dritten Buch Mose verfasst haben und wieder ein anderer (D) das fünfte Buch Mose. Obwohl diese Theorie über Jahrzehnte von Gelehrten vertreten wurde, erklärt Joseph Blenkinsopp in seinem Buch The Pentateuch, Wellhausens Hypothese stecke „in der Krise“.

John Laux schreibt in seinem Buch Introduction to the Bible: „Die Quellentheorie fußt auf Behauptungen, die entweder willkürlich oder absolut falsch sind. . . . Wäre die Quellentheorie im strengen Sinn wahr, dann wären die Israeliten auf eine plumpe Täuschung hereingefallen, als sie sich die schwere Last des Gesetzes aufbürden ließen. Das wäre der größte Schwindel in der ganzen Weltgeschichte gewesen.“

Auch Stilunterschiede werden herangezogen, um nachzuweisen, dass der Pentateuch von mehreren Autoren geschrieben wurde. K. A. Kitchen schreibt jedoch in seinem Buch Alter Orient und Altes Testament: „Die stilistischen Kriterien und der angenommene Modus der Komposition sind illusorisch.“ Weiter erklärt er: „Größere Stilabweichungen kommen in alten Texten, deren literarische Einheit über jeden Zweifel erhaben ist, . . . allgemein vor“.

Das Argument, die verschiedenen Namen und Titel für Gott seien ein Beweis für mehrere Autoren, ist besonders schwach. Man braucht nur eine kurze Passage des ersten Buches Mose zu betrachten, wo Gott als „der Höchste“ bezeichnet wird, als derjenige, „der Himmel und Erde hervorgebracht hat“, als „Souveräner Herr Jehova“, „Gott des Sehens“, „Gott, der Allmächtige“, „Gott“, ‘wahrer Gott’ und „Richter der ganzen Erde“ (1. Mose 14:18, 19; 15:2; 16:13; 17:1, 3, 18; 18:25). War hier an jeder Stelle ein anderer Autor am Werk? Und wie steht es mit 1. Mose 28:13, wo sowohl „Elohim“ (Gott) als auch „Jehova“ vorkommt. Haben an diesem einen Vers zwei Schreiber gearbeitet?

Trotz alledem verbreiten sich Varianten von Wellhausens Theorien nach wie vor. Darunter ist zum Beispiel eine Theorie von zwei Gelehrten, die sich mit dem Autor J befassten. Die beiden bestreiten nicht nur, dass es sich dabei um Moses handelte, sondern vermuten sogar, dass „J eine Frau war“.

Grüße, kdd

Antwort
von PaddelB, 14

Hallo ihr beiden, erst einmal vielen Dank für die Antworten. @kdd1945: ich habe das jetzt mehrfach gelesen und ich frage mich, kann es nicht sein, dass er den friedlichen Teil, sprich die Grundschicht, der friedlichen Zeit nach der Landnahme zuordnet. Dieser behandelt die Zeit der assyrischen Kriege, was den Grundbestand ausmacht. Der spätere Teil, V.15-.18 ist zwar aus der Landnahme bezogen, sprich einer vorherigen Zeit, aber erst im oder nach dem Exil geschrieben. So verstehe ich den Text. LG Und erst wo der Krieg ausgebrochen ist, entstehungsgeschichtlich

Antwort
von Sturmwolke, 10

Mir ist die Aufgabenstellung auch nicht klar.


Die V. 15-17 wären auf die Zeit der Landnahme unter Jousa zurückzuführen.


5. Mose 1:1
1 Dies sind die Worte, die Mose zu ganz Israel redete auf der anderen Seite des Jordan in der Wüste, in der Arava gegenüber von Suph, zwischen Paran und Tophel, Laban, Hazeroth und Di-Sahab

5. Mose 4:1

Und nun, Israel, höre auf die Satzungen und auf die Rechtsbestimmungen, die ich euch zu tun lehre, damit ihr lebt und hineinkommt und das Land in
Besitz nehmt, das euch der HERR, der Gott eurer Väter, gibt.

5. Mose 20:1

Wenn du gegen deinen Feind in den Krieg ziehst und Rosse und Streitwagen siehst, ein Volk, das größer ist als du, so fürchte dich nicht vor ihnen; denn der HERR, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat, ist mit dir.

Nach diesen Versen handelt es sich um Vorschriften, die Israel vor dem Einzug in das verheißene Land bekam und anwenden sollte, wenn es das Land in Besitz nahm.

Josua führte das Volk erst nach Mose Tod. Mir ist nicht klar, warum man einzelne Verse aus diesem Kapitel in der Entstehung zeitlich anders einordnen will.

Oder geht es darum, wann diese Gebote angewendet werden sollten - also während oder nach der Landnahme? Erscheint mir als Hausarbeit aber genauso seltsam. Sorry.



Antwort
von kdd1945, 20

Hallo PaddelB,

sieh Dir die Bibelzitate noch einmal an. Hier habe ich aus der Einheitsübersetzung zitiert. Es werden auch in den von Dir angegebenen Versen Gesetze und Rechtsvorschriften bekanntgegeben, die später, während der "Landnahme" und dann so lange, wie sie in dem Land leben würden, gelten sollten.

Es waren Vorratsgesetze oder Gesetze auf Vorrat. Es beginnt schon ab 5Mo 12,1 und wird mehrmals wiederholt.

12,1 Das sind die Gesetze und Rechtsvorschriften, auf die ihr achten und die ihr halten sollt in dem Land, das der Herr, der Gott deiner Väter, dir gegeben hat, damit du es in Besitz nimmst. Sie sollen so lange gelten, wie ihr in dem Land leben werdet.

12,8 Ihr sollt nicht tun, was jeder Einzelne für richtig hält, wie es hier bei uns heute noch geschieht. 9 Denn ihr seid bis jetzt nicht in die Ruhe und in den Erbbesitz eingezogen, die der Herr, dein Gott, dir gibt.

19,1 Wenn der Herr, dein Gott, die Völker, deren Land der Herr, dein Gott, dir geben will, niederstreckt und du ihren Besitz übernimmst und in ihren Städten und Häusern wohnst,...

Grüße, kdd

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