Frage von FS0071995, 99

Wieso sind so viele grundsätzlich gegen Antidepressiva?

Ich habe schon lange Depressionen und nach Jahren haben die Symptome dank der AD etwas nachgelassen. Ich kann nicht verstehen, wieso viele Leute Antidepressiva so verteufeln. Es ist sicher nicht gesund, aber eine Depression ist ja auch nicht etwas Harmloses, da muss man sich nur die Suizidrate anschauen. Da sind die Medikamente doch das kleinere Übel, natürlich hängt es auch von der Schwere ab.

Werden solche Aussagen aufgrund von Unwissenheit getätigt?

Danke für eure Antworten.

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo FS0071995,

Schau mal bitte hier:
Psychologie Depression

Antwort
von dadamat, 20

Nimm die Meinungen der ( meist unbetroffenden) gesunden Menschen mit "Halbwissen" nicht so ernst. Die wissen nicht was sie sagen. Vertraue lieber den Betroffenden (wenn sie sich "geoutet" haben, was aber zu wenige tun) oder en wirklichen Experten.

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 16

Viele Menschen die gegen Antidepressiva sind, haben sie nie mit diesem Thema beschäftigt. Sie wissen nicht wie es sich anfühlt eine schwere Depression zu haben und somit auch keine Wahl zu haben.

Alles was in den Kopf eingreift macht Angst. Doch Alkohol und Cannabis greifen auch in den Botenstoffwechsel im Gehin ein und dies noch viel unkontrollierter als Antidepressiva.

Viele meinen auch, dass sich mit Antidepressiva die Persönlichkeit verändert, was nachweislich nicht der Fall ist. Sie gehen davon aus, dass man von Antidepressiva fremdgesteuert wird und der Wille beeinträchtigt wird (was ebenfalls nicht der Fall ist). Zudem gehen viele Menschen davon aus, dass diese Medikamente süchtig machen; auch dies trifft nicht zu.

Dennoch sollten Antidepressiva nicht unterschätzt werden. Ja, sie greifen in den Botenstoffhaushalt des Gehrins ein. Sie haben viele Nebenwirkungen und je nach Antidepressiva können sie auch sedierend wirken (vor allem die älteren tri- bzw. tetrazyklischen AD's). Und ja, es ist pure Chemie.

Hinzu kommt, dass wer Antidepressiva nimmt sich eingesteht, dass er seine Probleme bzw. Depressionen nicht mehr alleine bewältigen kann. In unserer Gesellschaft gilt dies immer noch als Zeichen der Schwäche.

Antidepressiva sollten weder verteufelt noch überbewertet werden. Jeder muss für sich entscheiden, was das kleinere Übel ist: Die Depression oder das Medikament.

Antwort
von einfachichseinn, 54

Viele Menschen haben kaum eine Ahnung von dem Thema. Sie hören dann so Dinge, wie "verändern die Persönlichkeit" oder denken dann an so sedierte Zombies.

Auf der anderen Seite haben Anti-Depressiva auch eine Menge Nebenwirkungen, sie können nicht so schnell abgesetzt werden, es ist Chemie, ...

Aber eigentlich ist das ganz egal. Jeder sollte für sich selbst entscheiden , ob er welche nehmen will oder nicht. Natürlich immer noch in Absprache mit dem Arzt.

Aber die Entscheidung sollte nicht von den Äußerungen irgendwelcher Laien abhängig sein.

Kommentar von Funmichi ,

Wer sich vom hausarzt antidepressiva verordnen lässt, handelt dieser grob fahrlässig. Eine  GUTE psychotherapie ist das A und O um die probleme aufzudecken, die sich dahinter verstecken.  Daran sollte man dann intensiv arbeiten. AD lösen diese probleme nicht.

Kommentar von einfachichseinn ,

Oft bieten Anti-Depressiva ersteinmal das Fundament, um eine Psychotherapie in Angriff zu nehmen. Ansonsten hast du recht. Nur Medikamente werden nichts ändern. Allerdings ist grobe Fahrlässigkeit doch ziemlich übertrieben ausgedrückt.

Kommentar von Midlife16 ,

Nein...grob fahrlässi trifft es genau.ein Hausarzt hat meist nicht die Zeitjnd die Erfahrung, eine genaue Diagnose der Depression zu stellen, geschweigedenn zu entscheiden, ob und v.a. welches AD das Richtige wäre.

Und es gibt sehr viele Therapeuten, die eine Therapie unter AD völlig sinnfrei finden, da def Patient gar nicht er selbst ist unter AD...

Kommentar von Funmichi ,

Nein weil das ein massiver nur teilweise reversibler eingriff in die hirnchemie darstellt. Vor allem kinder leiden an folgeerscheinungen wie suizidgedanken und aggressionen gegen sich selbst und andere. Leider wird dies dann als weitere auswirkung ihrer ursprünglichen krankheit dargestellt.

ADs wirken so als würde man mit kanonenkugeln auf spatzen schießen. Es sind schließlich keine tabletten mit einer künstlichen intelligenz die das hirn umstrukturieren.

Kommentar von einfachichseinn ,

Es ist ganz gewiss nicht  von grober Fahrlässigkeit zu sprechen. Es gibt Patienten, die ohne Anti-Depressiva gar nicht in der Lage wären eine Therapie zu starten. 

Grob fahrlässig ist es einen Patienten unbehandelt weg zu schicken. 

Welche Form der Therapie die richtige ist, lässt sich immer wieder diskutieren. 

Das schöne daran ist, dass es niemals ein Ende geben würde, weil diese Entscheidung immer individuell getroffen werden muss. Was für Patienten a sehr gut ist, kann bei Patienten B ganz schnell ins Auge gehen.

Antwort
von webheinerle, 17

Leider ist es bei Psychopharmaka oft so, dass die Betroffenen unter den Medikamenten mehr leiden als unter der Krankheit. Der schlechte Ruf der Antidepressiva stammt aus einer Zeit, als nur die alten, trizyklischen Antidepressiva, die meist mit starken Nebenwirkungen einhergehen, verfügbar waren. Inzwischen greifen Psychiater etwas vorsichtiger in diese Kiste, es sind in den letzten Jahre viele neue und verträgliche Antidepressiva auf den Markt gekommen, die besser wirken als die alten Medis. Das hat zu einem Umdenken geführt.

Kommentar von Midlife16 ,

Sorry, aber das ist völlig falsch.Jedes Jahr steigt die Verordnung von AD. Die neuen SSRI sind in keinster Weise besser verträglich.

Keiner weiß, warum die AD wirken sollen, bzw. weiß niemand, wie eigentlich eine Depression entsteht...die Serotonin-Lüge ist längst entlarvt...daher verwundert eine Wirksamkeit auf placebo-Niveau bei diesen Präparaten auch in keinster Weise.

Auch die Absetz/Entzugssymptome sind erschreckend und führen häufig in einen Teufelskreis, da sie den Symptomen der Erkrankung sehr gleichen und somit eine erneute Medikation nach sixh ziehen.

Die gesamte Thapie der Depression ist eine Katastrophe und hat viele Menschen unnötig in eine jahrelange Therapie getrieben, die sie oftmals nie benötigt hätten.

Antwort
von Ostsee1982, 33

Da muss man schon etwas mehr abwägen als ein prinzipielles Ja oder Nein, für oder gegen Antidepressiva. Klar ist, dass man mit Psychopharmaka keine Erkrankungen heilt sondern, wenn es notwendig ist, Psychopharmaka unterstützend zur einer Gesprächstherapie eingenommen werden könnten. Es gibt bereits Kliniken (Langzeitstationen) die auf Psychopharmaka gänzlich verzichten und wenn überhaupt mit Homöopathie arbeiten. Schlussendlich muss man die Entscheidung immer selbst treffen und für sich wissen wo man hin will, was man erreichen möchte,

Kommentar von FS0071995 ,

Ich bin natürlich auch der Meinung, dass man das differenziert betrachten sollte. Also nur da Antidepressiva verschreiben, wo es wirklich notwendig ist. Habe eine rezidivierende mittelgradige depressive Störung und bin froh, dass ich es genommen habe. In anderen Fällen mag eine Gesprächstherapie alleine ausreichend sein, ich wäre dazu nicht in der Lage gewesen.

Antwort
von hourriyah29, 25

Hallo FS,

habe vor kurzem einen zuverlässigen medizinischen Fachartikel gelesen. Darin wurde eine Studie zitiert nach der Antidepressiva nur bei einem von zehn Patienten eine gute Wirksamkeit zeigen. Das bedeutet 9 von 10 nehmen sie unnötiger Weise ein und alle 10 haben die üblichen Risiken und Nebenwirkungen.

Wenn Du der eine von 10 bist der profitiert dann freue Dich! :)

Und wundere Dich dass die anderen 9 Deine Begeisterung nicht teilen ;)

LG, Hourriyah

Kommentar von FS0071995 ,

Ok, das verstehe ich. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass viele eine Weile brauchen, um das richtige Medikament zu finden. Aber wenn man dann das passende gefunden hat, dann waren die vorherigen Risiken ja nicht ganz unnötig.

Antwort
von amiliii, 36

naja man muss eben selbst wissen, ob man das braucht aber meiner meinung nach verschreiben ärzte sowas teilweise echt viel zu früh bzw wenn die stärke der depression sowas überhaupt nicht verlangt.. trotzdem gibt es natürlich menschen, die es brauchen

Kommentar von Funmichi ,

Nein gibt es nicht. Eine gute intensive psychotherapie ist die lösung in 90% der depressionen. ADs zerstören das hirngleichgewicht dauerhaft.

Kommentar von amiliii ,

das kann gut sein, jedoch meinte ich das auch anders.. nämlich ich denke, die heilung einer depression spielt sich eben im kopf ab und wenn jemand mit sehr starken depressionen weiß, neben diesem "gerede" gibt es auch tabletten, die eine sehr hohe wirksamkeit aufweisen möchte man diese scheinbar einfachere methode eben gerne ausprobieren und das kann dann so weit hinauslaufen, dass er oder sie die therapie nicht richtig aufnehmen kann, weil er denkt, ohne tabletten gehts nicht..

Kommentar von Midlife16 ,

Nur leider haben AD keine hohe Wieksamkeit...

Antwort
von karmani, 41

Mir hat eine homöopathische Behandlung sehr gut geholfen! Wichtig ist, deinem Heilpraktiker sehr ausführlich zu beschreiben, wie es dir geht und sich die Depressionen äußern...

Antwort
von WhiteFlower5, 41

Wohl eher wegen den Nebenwirkungen

Kommentar von FS0071995 ,

Ja, klar. Aber ohne die AD hätte ich z.B. gar keine Therapie anfangen können. Man muss zuerst aus diesem Loch herauskommen.

Kommentar von Funmichi ,

Das ist deine eigene entscheidung. Wenn man gar nicht mehr kann sucht man händeringend nach hilfe, glaub mir.(das leid treibt die leute irgendwann aus ihren löchern...) Die medikamente zerstören nur deinen hirnstoffwechsel, mehr nicht. Sie ändern sogar deinen genausdruck was bedeutet, dass es sich niemals mehr normalisiert. Dein hirn findet nie mehr seinen ausgleich.

Ich selbst kann da mitreden, bei mir ist eine nicht therapierbare major depression diagnostiziert worden. Ich hatte kontakt mit extremen härtefällen. Ich weiß durchaus von was ich rede.

Kommentar von FS0071995 ,

Für mich ist alles besser als wieder in eine depressive Phase zu rutschen, denn jetzt habe ich nach Jahren wieder Lust, mich mit Leuten zu treffen und habe wieder etwas Freude am Leben.
Aber ich nehme es dir nicht übel, dieses Gefühl kann man sich einfach nicht vorstellen.

Kommentar von Funmichi ,

Les mal meinen beitrag genauer... außerdem hat man kein gefühl bei depressionen. Bei starken auf jeden fall nicht.

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