Wieso sind Philosophen oft pessimistisch?

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6 Antworten

Ich denke, dass Du mit einer Stigmatisierung der Philosophen als "pessimistisch" der Sache nicht gerecht wirst. Schon die Einstufung "pessimistisch" ist in den meisten Fällen viel zu pauschal und dient in Gesprächen eigentlich vor allem dazu den Anderen irgendwie abzuwerten, um sich selbst dabei in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. 

Es ist ja heutzutage fast ein Muss, immer gute Laune zu zeigen, stets gut drauf zu sein und die Dinge gefällig beschönigt darzustellen (z.B. die viel zu euphemistische Beschreibung der Massenzuwanderung oder  das Kleinreden der Staatsverschuldung).

Wenn man dann jemanden hört, der die Risiken versucht zu bestimmen und dabei auch klare Gefahren ausmachen kann, wird er gern als "pessimistisch" abgebügelt. Das wirkt wie eine Killerphrase, weil man nicht nach einem Gegenargument sucht, sondern den Sprecher selbst als inkompetent, voreingenommen oder eben als Miesmacher darstellt.

Da Philosophen nun durch ihr Berufsethos genötigt sind, komplexe Sachverhalte möglichst umfassend aus unterschiedlichen Perspektiven zu durchleuchten, werden sie auch die kritischen oder gar bedrohlichen Momente aufzeigen, die wiederum mit der Neigung zum Schönreden nicht gut vereinbar sind. So kommt dann eine Stimmung auf, die eine ganze Berufsgruppe als "pessimistisch" darstellt, um sich ihre "heile Welt" nicht kaputt machen zu lassen.

Ich denke also, dass man die Sorgemotive der Mitmenschen durchaus zulassen sollte, und gerade darauf können Philosophen eher aufmerksam machen, als später festzustellen, dass man ahnungslos gewesen sei. Gerade die Ahnungslosigkeit hat man den Deutschen in der Ära nach dem Krieg in besonderem Maße zum Vorwurf gemacht. Und da ist es dann nach meinem Gefühl heutzutage nicht so abwegig, wenn besorgte Philosophen ihre Einschätzungen zur gesellschaftspolitischen Situation in die Öffentlichkeit tragen.

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Philosophen sind Menschen und reflektieren nicht nur ihre realpolitische und realgesellschaftliche Gegenwart, sondern auch ihre persönlichen Stimmungen. Da gibt es Pessimisten wie Schopenhauer oder Kierkegaard, wie Rousseau oder Horkheimer, aber die persönliche Entwicklung wie ihre Philosophie ist doch sehr verschieden. Im Großen und Ganzen sind Philosphen gemessen an ihren Zeitbedingungen eher optimistisch.

Lies mal die persönliche Geschichte von Rousseau, der eine ausgesprochen miese Jugend hatte und wo es ein Wunder ist, dass dadurch sein Genie nicht gebremst wurde. Er war im Leben verfolgt und mit Knast und Ausgrenzung bedroht, weil er den Fürsten nicht nach dem Mund geredet hat. Wir vergessen heute viel zu leicht, dass wir gemessen an früher in "goldenen Zeiten" leben.

Alle Philosophen der Antike waren "Privatunternehmer" und mussten für Ihren Lebensunterhalt sorgen und für die Existenz ihrer Schulen. Da gab es keine Staatsknete! Da gab es keine Sozialversicherung. Die ist erst 120 Jahre alt! Ein Nietzsche hat sich allein durchschlagen müssen und ausgerechnet der große Pessimist Schopenhauer konnte wenigstens auf ein kleines väterliches Vermögen zurückgreifen.

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glaube nicht, dass Philosophen immer pessimistisch sind. 

Meistens sind sie nicht zu oberflächlich.- Vielleicht meinst du das.

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Ich denke das ist weniger Pessimismus sondern eher Hinterfragen, was beim Philosophieren natürlich sehr wichtig ist

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Müssen sie doch, denn sonst hätten sie nix zu philosophieren, :))) Sind doch Denker und Grübler, grins! :)

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Weil Optimismus immer ein Mangel an Information ist.

Zitat: Heiner Müller

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