Wieso sind Obdachlose, Obdachlos?

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10 Antworten

In Deutschland? Weil sie sich gegen das System entschieden haben und nicht bereit sind die Pflichten zu erfüllen die dazu gehören wenn man eine Wohnung und Gehalt bekommen möchte.

In anderen Ländern? Weil es da kein soziales Netz gibt wie wir es kennen.

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Kommentar von claushilbig
18.09.2016, 01:17

Weil sie sich gegen das System entschieden haben

Das kann man so pauschal nicht sagen.

Viele sind ohne eigenes Verschulden aus "dem System" herausgefallen oder sind (z. B. aufgrund psychischer Probleme) nicht in der Lage, sich (wieder) in "das System" einzugliedern.

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Man muss erstmal verstehen, dass die Gruppe die wir als "Obdachlose" bezeichnen, eine Mischung aus verschiedenen Altersgruppen und aus verschiedenen Gesellschaftsschichten kommen. Außerdem spielt manchmal auch die eigene politische Gesinnung eine Rolle.

Ich habe mal zwei Obdachlose kennen gelernt. Der eine war immer mit dem Fahrrad unterwegs und hatte sozusagen über das Jahr gesehen eine feste Route. Zum Sommer hin, ging es immer nach Norden, bis nach Flensburg und zum Winter ging es Richtung Italien.
Er hatte nie ein Interesse eine feste Wohnung zu beziehen.

Der andere war Mitte fünfzig und Familienvater und zwei Kinder.
Er hatte eine gute Arbeit als Vorarbeiter in einer Schweissertruppe.
Man muss dazu wissen, dass es in den 70er und 80er vollkommen  normal war mal während der Arbeit ein Bierchen zu trinken. Es war im Grunde verboten, oftmals ist es aber geduldet worden.
Dieses Alkoholverbot ist dann in den 90er strikt durchgedrückt worden.
Auch hier war es so, dass dieser Mann oft in der Spät oder Nachtschicht gearbeitet hat und das Fläschchen Bier normal war, selbst 2010 noch.
Irgendwann ist das aber aufgeflogen, es folgte eine Abmahnung, dann gab es die Wiederholung und er ist mit Mitte 50 raus geflogen.
Auf dem Arbeitsmarkt hast Du mit Mitte 50 und der Vorgeschichte schlechte Chancen. Das Haus war noch nicht komplett abbezahlt, die Familie musste ausziehen, der Ehefrau wurde es zu blöd, Scheidung und er steht jetzt vor einem Trümmerhaufen. Er war dann auch etwa 3/4 Jahr auf der Straße hat sich aber dann mit Hilfe von ein paar Freunden gefangen, die ihm eine Wohnung beschafft haben.

Man muss auch wissen, dass jede Stadt Notunterkünfte bereit hält, in die ein Obdachloser ziehen kann. Es besteht aber kein Interesse und das hat ganz verschiedene Gründe.

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Kommentar von dammi88
17.09.2016, 14:54

Vielen Dank!

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Die meisten sind obdachlos geworden durch irgendwelche persönlichen Schicksalsschläge (Scheidung, Arbeitslosigkeit, Tod einer geliebten Menschen, ...), oft durch eine Verkettung mehrerer solcher Schläge.

Dass diese Leute sich dann nicht die möglichen Hilfen holen, liegt an verschiedenen Gründen:

  • Manche wissen gar nicht, welche Ansprüche und Möglichkeiten sie hätten.
  • Manche sind zu stolz, Hilfe anzunehmen.
  • Manche haben psychische Probleme (Ängste, fehlendes Selbstvertrauen, ...), wegen denen sie es einfach nicht schaffen, z. B. zum Sozialamt zu gehen.
  • Manche haben Angst, im Obdachlosen-Asyl von ihresgleichen beklaut zu werden (was tatsächlich keine unbegründete Angst ist).
  • ...

Und sich als Obdachloser Arbeit zu suchen, ist gar nicht so einfach - oder würdest Du als Arbeitgeber jemanden "von der Straße" einstellen, der wahrscheinlich keinerlei Zeugnisse (mehr) hat, keinen Wohnsitz, den man im Arbeitsvertrag eintragen kann, kein Konto, auf das man das Gehalt überweisen kann?

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Du glaubst gar nicht, wie schnell man hier weitgehend unverschuldet durchs Netz fliegen kann.

Schulden aus dem Studium, krank und therapiebedürftig, frisch vom Mann getrennt... Da stehen einem keine Leistungen zu, wenn man grade so zu viel bekommt, fällt aber Unterhalt weg (einfach nicht mehr gezahlt), kommt irgendeine ungeplante Ausgabe hinzu, zwingt das Amt zur Jobaufgabe... steht man ganz schnell ohne alles da und landet in der Klinik. Und dann wirds richtig hart, sich in dem Zustand um alles zu kümmern.

Es gibt hunderte solcher Geschichten.

Allein die ganzen u25 die trotz misshandelnder Familien keine Hilfe, Leistungen und damit keine Wohnung bekommen, aber noch zur Schule müssten..

Also mal nicht vorschnell urteilen.

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Frag einen von denen!

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Manche wissen vielleicht nicht genau was sie tun könnten... Kennen sich nicht so gut aus, wo sie zu etwas kommen könnten und was die dafür genau tun müssten.

Es ist z. B. ja gar nicht so leicht einen Job zu finden... ich suche auch und bin mit so gut wie allem zufrieden, mit dem ich meine Mietwohnung um 400 Euro zahlen könnte... doch ich werde in letzter Zeit schnell gekündigt, auch wenn ich eine insgesamt sehr gute Arbeitsleitung erbringe... bestimmte ältere Angestellte erkennen meine Leistungen nicht an und unterstellen mir, dass ich etwas nicht tun würde, was ich aber in Wahrheit sehr wohl getan habe... und wenn ich dann widerspreche und sage, wie es wirklich war, werde ich schnell gekündigt... Ich müsste beriet sein alles zu tun, was diese sagen - ohne dabei zwischen gut und böse zu unterscheiden und ich müsste mich willig von ihnen ausnutzen und ausbeuten lassen...damit ich zumindest etwas länger bleiben kann...

Ich finde meine Lage daher sehr schwierig... ich bin auch überzeugte Gegnerin des Kapitalismus, da dieser -wenn man ihn mal weiterdenkt - in keine erstrebenswerte Zukunft führen kann... es muss sich einfach etwas in Richtung Gemeinwohl und global/ethisch gut verändern wenn es weiter gehen können soll.. Menschenrechte müssten her... etc.

Und der Umstieg ist eben gar nicht so leicht - viele verhalten sich sehr unreif - alles andere als erwachsen.. sie lügen bei jeder Gelegenheit zu ihrem Vorteil... auch bei Dingen, die eher offensichtlich sind... und machen einem damit die Zusammenarbeit in einem Team nicht leicht... man kann sich nicht wirklich auf diese Leute freuen... und ist ihnen eben ausgeliefert... Unter diesen Umständen kann es auch mir passieren, dass ich früher oder später auf der Straße lande - immerhin fällt es mir schwer einen Job zu finden und diesen auch mal länger zu behalten - ganz egal wie sehr ich mich auch bemühe...

Hinzu kommt, dass ich nicht immer den Eindruck habe, dass diese Leute wissen, was sie da tun... die meisten denken wohl nur kurzfristig... und treffen schnell mal leichtsinnige Entscheidungen... 

Und wenn ich dann mal auf der Straße bin und nicht mal mehr eine Wohnung zum duschen habe, dann ist eh ziemlich Ende vom Gelände... denn man lässt mich ja dann sicher schon beim Vorstellungsgespräch durchrasseln, wenn ich arg schmutzig erscheine...

Ohne Unterstützung kommt man wohl nicht leicht von der Straße weg... Ich würde Verhütung und Aufklärungsarbeit sehr wichtig finden... Leute, die sich nicht gut um Kinder kümmern können und für die vermutlich nicht gut ein Platz in der Gesellschaft gefunden werden kann, sollten keine Kinder bekommen... wäre ja grausam... Ich möchte auch keine eigenen Kinder... wozu auch? 

Kurzfassung:

  • Menschen im Lande sollen geistig erwachsen werden - dann ist eine gute Zusammenarbeit eher möglich
  • Menschen im Volk sollen keine Kinder bekommen, für die sie nicht aufkommen können und die dann deshalb voll arm dran sind - sollen verhüten und informiert sein...
  • Management... heraus finden, wie viele Leute da sind... wie es um die Ressourcen des Planeten steht und wie genau gewirtschaftet werden müsste, damit es nach und nach besser für alle, statt schlechter werden kann - Ausrichtung der Unternehmen auf Gemeinwohl
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1. Viele Menschen sind auf der Strasse gelandet weil sie Probleme hatten/haben...

2. Für Obdachlose ist es nicht so einfach plötzlich wieder in die Berufswelt einzusteigen.

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Diese Leute sind nicht (mehr) fähig ein normales Leben zu führen. Sei es wegen Alkoholkrankheit, Drogen oder anderen Schiksalsschlägen, die sie aus der Bahn geworfen haben. Oftmals ziehen die Obdachlosen die Strasse den öffentlichen Einrichtungen vor da dort teilweise üble Zustände herrschen.

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Die aktuelle Bundesregierung hat in dieser Legislaturperiode einige Gesetze verabschiedet, von denen vorher schon bekannt war, dass sie zu Obdachlosigkeit führen würden. Die angenommene Zahl wurde schon im ersten Jahr nach Inkrafttreten weit überstiegen. 

Welche Gesetze? Na, bezüglich Wohnnebenkosten gab es schon einige Veränderungen. Und dann noch bei der Arge. Und dann das Mietrecht. 

Sich Arbeit suchen? Träum weiter!!! Mir ist diese Nacht eingefallen, dass wir schon vor rund 30 Jahren versuchten, die 20-Stunden-Woche als gesellschaftliche Norm bekannt zu machen. Begründet durch damals bekannte Fakten. Die Fakten sind heute viel eindeutiger, welche für diese 20-Stunden-Woche sprechen. Trotzdem gibt es immer noch einen großen Haufen Subjekte,die auch mal mehr als 20 Überstunden in der Woche leisten. Sie nehmen also einer anderen Person mindestens einen Arbeitsplatz weg. 

Und dann gibt es in unserem Staat schon lange viele Minderjährige, die um ihr Leben auf die Straße flüchten, alleine gelassen, sehr schnell stigmatisiert, unverstanden, verletzt und verwundet.... . 

Es gab in den frühen 1070-iger Jahren mal ein Buch mit dem Titel

Rückkehr in die Gesellschaft

In unserer Geschichte zu findende Gründe gibt es also auch. Sie werden immer noch ausgeblendet, als nicht existent abgetan...

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Ich habe den Eindruck, daß das eine Art von Freiheit und Selbstbestimmung ist.

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Kommentar von dammi88
16.09.2016, 19:15

Ich auch!

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Kommentar von claushilbig
18.09.2016, 01:20

So was gibt es sicherlich auch - aber bei einem Großteil ist es doch blanke Not und ein "aus dem System gefallen sein", oftmals ohne eigene Schuld ...

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