Frage von Studentdurior, 84

Wieso sind die meisten Ausländer in Deutschland türkisch stämmig?

+++bevor ihr antwortet bitte keine rassistischen Kommentare danke+++

in Deutschland sind nicht nur augenscheinlich die meisten "Ausländer" türkischer Abstammung, sondern wenn man nach Zahlen googlet, findet man z.B Listen der Herkunftsländer von Ausländern in Dland in 2015; 1. Türkei, 2. Polen, 3. Italien, gefolgt von Rumänien, Syrien, Griechenland, wobei Türkei mit weitem Abstand Platz 1 belegt.

In zB. den USA kommen die meisten Ausländer aus Südamerika, was für mich leicht erklärbar ist, da die Latino-Länder neben Kanada die nähestgelegenen Länder an den USA sind. Ähnlich verhält es sich mit Italien, dort gibt es viele Afrikaner, weil Italien ein vergleichweise höher entwickeltes Land, am nächsten an Afrika dran ist.Ähnlich ist es mit Spanien&Frankreich dort gibt es auch viele Afrikaner. In Österreich sind die Mehrheit der Ausländer aus den Nachbarländern, Teschien, Slowenien etc.

Wer mal in England war, dem werden aufgefallen sein, dass es dort verhältnismäßig viele Inder/Pakistaner gibt, was damit zusammenhängt, dass diese Länder einst von Großbritannien kolonalisiert wurden, d.h ihnen ist die englische Kultur & Sprache bekannter als andere Länder, daher wandern sie ausgerechnet dorthin aus, ähnlich ist es mit den USA und den dortigen ursprünglich afrikanisch-stämmigen Menschen, ein tragisches Ereigniss (Versklavung) führte dazu, dass viele Afrikaner in die USA gebracht wurden und das sieht man eben heute noch wenn man sich die Menschen dort anschaut, die meisten sind nicht nur Europastämmig, sondern auch Afrikanisch und wie erwähnt Südamerikanisch (Entfernung)

Aber wo liegen die Gründe für das auswandern von vorallem Türken nach Deutschland? Italien, Polen, das sind Nachbarländer, das liegt nahe, die geringe Entfernung macht's. Dass Deutschland attraktiv weil "reich" & "sicher" ist, ist klar, aber die Logik erklärt nur, wieso Menschen aus "Entwicklungsländern" nach Deutschland immigrieren, nicht, warum vorallem Türken.'

Warum kamen nach dem Krieg nicht vorallem Inder, oder Russen oder Marokkaner nach Deutschland um es Aufzubauen, warum vorallem Türken? Hätten nicht genau so gut Inder, Rumänen oder Araber immigrieren können? Was sorgte dafür das es eben nicht Inder oder sonstige, sondern Türken waren/sind?

Ich bitte sehr um nette Antworten, da mich diese Frage wirklich interessiert und nicht rassistisch gemeint ist. Danke :)

Antwort
von atzef, 14

Deine Prämisse ist falsch.

"Die meisten Ausländer" suggeriert einen Anteil von über 50 %. Tatsächlich sind von allen in Deutschland lebenden Ausländern ca. 19 % Türken. Türken sind also zwar die größte Einzelgruppe unter den Ausländern, aber eben nicht "die meisten".

Deutschland unterhielt traditionell gute Beziehungen zur Türkei und zuvor zum Osmanischen Reich. Mit dem war das Kaiserreich im 1. Weltkrieg verbündet. Hitler war ein Bewunderer Attatürks (eine ziemlich einseitige Bewunderung) und bemühte sich auch während des 2. Weltkriegs immer um engen diplomatischen Kontakt. Aufgrund der traditionell guten Beziehungen wurde Anfang der 60er Jahre mit der Türkei ein Abkommen zur Anwerbung von Arbeitskräften geschlossen.

Mit Marokko eben nicht und mit Russland natürlich nicht wegen des Kalten Krieges und dem Umstand, dass Russen keine Reisefreiheit besaßen.

Kommentar von Studentdurior ,

"Die meisten Ausländer" suggeriert einen Anteil von über 50 %. Tatsächlich sind von allen in Deutschland lebenden Ausländern ca. 19 % Türken. Türken sind also zwar die größte Einzelgruppe unter den Ausländern, aber eben nicht "die meisten".

Stimmt!
Dann eben warum ist die Türkei das häufigste Herkunftsland von Ausländern in Deutschland ?
Danke für Korrektur, du hast Recht.
Trotzdem möchte ich noch eine Vermutung hinzufügen,woher meine Missformulierung kommen könnte.
Ich wohne in NRW in einer mittelgroßen Stadt.
In meiner Stadt bedeutet "Ausländer" eben meistens "Türke", vorallem in meinem Viertel.
Beispielsweise war ich in dem einzigen Basketballverein meiner Gegend und wir waren in meinem Team ca. 13 Türken, 1 Afrikaner,1 Ostblockler und 1 Deutscher :D
In anderen Gegenden waren die Teams meist zu 100% Deutsch und wenn mal 1 Ausländer, dann ein zufälliger :D

Ich erinnere mich an meine Grundschulklasse, ich könnte jetzt ein altes Foto herauskramen und konkret zählen, aber auch so erinnere ich mich, dass die größte Gruppe einer Ethnie die Türken waren.

bei 25 Schülern vielleicht
1/3 türkisch, ein etwas kleineres 1/3 deutsch, 1/3 rest (1 Afrikaner, 1 Afghane,1 Italiener, 1 russe etc)

In der weiterführenden Schule waren es dann in einer Klasse von 30 Schülern:5 Deutsche, 9 Türken/Kurden, 16 gemischt.

Ich kenne Gegenden nur so,dass dort das Straßenbild entweder von "Deutschen" geprägt ist, oder sonst eben
ein türkisches Straßenbild.

Afrikanische, Arabische, Asiatische, Russische Gegenden gibt es in meiner Stadt nicht, entweder Deutsch, Türkisch oder gemischt.

Anders formuliert; Türken sind mit Abstand die größte Ausländergrp in Deutschland
und da beziehe ich die hier geborenen "Türken" mit ein

Kommentar von atzef ,

Tjja, da lebst du nter eigenartigen Sonderbedingungen. Dusiehst ja, dass die Statistik bundesweit einen Anteil von 19 % Türken unter den Ausländern ausmacht und nicht soviee, wie du zu sehen und zählen glaubst. In meiner Stadt fallen Russen eigentlich auch eher auf als Türken...

Antwort
von wfwbinder, 24

Ende der 50er Jahre als wegen des "Wirtschaftswunders" nicht mehr genügend Arbeitskräfte vorhanden waren (Deutschland hatte sich von 1948 bis 1958 aus den Ruinen schon wieder zum stärksten Land Europas entwickelt), wurden Anwerbeabkommen mit Italien (1955), Spanien (1960), Griechenland (1960), Türkei (1960), Marokko (1963), Südkorea (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968) abgeschlossen.

Italien, Spanien, Griechenland hatten dann eigene wirtschaftliche Erfolge, wodurch dort eben Arbeitsplätze entstanden.

Die Türkei hatte das erst viel später, dadurch kamen von dort einfach mehr Menschen nach Deutschland.

Kommentar von Studentdurior ,

Anders gesagt:
die Türkei war das 1.unterentwickelste (wirschaftlich gesehen), aber 2. Arbeitskraftreichste & 3. näheste Land?

Auf Indien trafen 1. & 2. bestimmt auch zu, aber 3. war es für Inder aufgrund der weiten Entferung zu Dland einfach nicht profitable zum arbeiten hierher zu kommen?
für Türken jedoch schon, weil sie neben 1. & 2. auch noch relativ "nah" an Deutschland gelegen waren?

Antwort
von Augsburgblick, 15

Deutschland brauchte dringend Arbeitskräfte ab den fünfziger jahren und hat diese in den südlichen Ländern angeworben. Zuerst in Italien, dann in Spanien, als drittes in Griechenland und dann eben in der Türkei.

Die Türkei ist sehr, sehr lange ein enger Partner Deutschlands, z.B. auch im 1. Weltkrieg. Das wird heute gerne vergessen. Damals war z.B. in jeder türkischen Einheit ein Offizier ein Deutscher, das gilt auch beim Genozid an den Armeniern. will blos heute keiner mehr hören.

Die Türkei ist auch drei jahre länger in der Nato als Deutschland.

es lag also sehr nahe nach den obengenannten Ländern von diesem engen Partner die benötigten Arbeitskräfte anzuwerben. Hat ja auch gut geklappt

Seit einem Jahrzehnt wandern übrigens, vor allem junge türkischstämmige mehr zurück als nachkommen. Die Zahl der Türken in Deutschland ist seit langem rückläufig, leider.

Antwort
von kgunther, 14

Auf besonderen "Wunsch" der USA mußte die junge BRD Türken als Gastarbeiter akzeptieren, obwohl die Wirtschaft zu dieser Zeit gar keine zusöätzlichen Gastarbeiter benötigte. Die Türkei war ein wichtiger strategischer Partner der USA im Kalten Krieg, dort wurden US-Atomraketen stationiert.

Außerdem war es das erklärte Kriegsziel der USA, die "Ethnische Geschlossenheit" Deutschlands zu zerstören. Die USA hatten erkannt, daß ethnische Geschlossenheit ein Land stark macht; und da die USA selbst ein bunter Konfettiregen von Einwanderergruppen darstellen, sind sie notorisch schwach und konnten sich nur durch permanenten Krieg und den Dollar-Betrug (Rohstoffe nur gegen $) über Wasser halten, und durch das Wohlwollen der Hochfinanz. Der Ausweg für die USA besteht darin, die ethnische Geschlossenheit der übrigen Nationen zu zerstören.

Erst war vereinbart, daß nur türk. Staatsbürger aus dem europäischen Teil der Türkei kommen dürfen, daß nach 1 Jahr jeder Angeworbene wieder zurück muß und daß Familiennachzug ausgeschlossen ist. Diese Bedingungen wurden unterlaufen.

1973 erklärte der türk. Premier dem BRD-Kanzler HELMUT SCHMIDT, die Türkei werde weiterhin ihre ungelernte Jugend in die BRD einschleusen, ob es nun den Deutschen passe oder nicht. Darauf antwortete Helmut Schmidt: "AB HEUTE KOMMT MIR KEIN EINZIGER TÜRKE MEHR ÜBER DIE GRENZE!" Und er verfügte einen allgemeinen Anwerbestop, da die Wirtschaft keine Gastarbeiter mehr brauchte, sondern unter den Deutschen bereits die Arbeitslosigkeit anstieg.

Es gab einen "regime change", Helmut Schmidt wurde abgewählt und durch das willfährige Duo Kohl und Merkel ersetzt.

Heute sind die Türken in der BRD die schärfsten Gegner der rechtswidrigen Masseneinschleusung von Afrikanern und Afrikanern.

Kommentar von Studentdurior ,

1.) Beziehungen der USA in die Türkei als Begründung, warum es ausgerechnet die Türken waren die einwanderten und nicht etwa Inder oder Chinesen.

Sehr interessanter mir neuer Punkt, danke dafür!

Der Rest deiner Antwort gibt Gründe, der generellen Einwanderung in Dland, was auch interessant ist aber nicht meine Frage war :PP

danke trotzdem für den 1.) punkt

Antwort
von keefchief96, 42

Deutschland hat vor ca. 50-60 Jahren ein Abkommen mit der Türkei geschlossen, in dem vereinbart wurde, dass türkische Arbeitskräfte nach Deutschland Einwanderin beim Wiederaufbau zu helfen. Arbeitskräfte waren Mangelware in Deutschland und man hat so eine Lösung gefunden.
Neben den Türken sind auch andere Landsmänner zum Aufbau eingereist.

Mein Opa kam vor 50 Jahren nach Deutschland und mittlerweile hat sich die dritte und vierte Generation (ich zum Beispiel :) ) schon so gut eingelebt, dass man nicht mehr zurückgeht, weil Deutschland jetzt unsere Heimat ist.

Kommentar von Studentdurior ,

Wieso wurde dieses Abkommen ausgerechnet mit der Türkei geschlossen? es geht mir um die Ursache :D

Kommentar von SiroOne ,

Vielleicht weil der Islam nicht so radikal in der Türkei ist, daher die Türken sich etwas besser unterordnen.
Ich schätze Deutschland wollte auch nur Arbeiter, die ruhig ungebildet sein sollten, denn zum Sand schippen braucht man nicht wirklich Bildung.
Das ist sicher ziemlich vergleichbar mit Heute.

Kommentar von WDHWDH ,

Weil die Türken im eigenen Land keine Arbeit und kein Sozialgefüge hatten.

Antwort
von Partybiene1999, 29

Immigranten bzw. Arbeiter (Abkommen mit Türkei) in den 60er, als man viele neue Arbeitskräfte gebraucht hat. Diese Leute sind dann natürlich geblieben, weil es ihnen oft besser ging, als in ihrem Land. Die Kinder wurden dann geboren und dessen Kindeskinder. Nur hat man leider fast nix für die Integration dieser Generation gemacht und hat nun eben viele Konflikte gehabt und quasi auch viele Ghettos in den Städten. Daher gibt es auch oft Konflikte mit diesen "Jugendlichen", wofür sie aber oft nicht soviel können und es sind auch nicht alle - um gottes Willen, aber eben oft im Blickpunkt.

Das dies nun mit den Flüchtlingen nicht auch so geschieht, will die Politik ja grad machen, aber wie man es macht, macht man es verkehrt ;).

Aber durch die Globalisierung ist man quasi fast überall selbst Ausländer und das ist auch nicht schlimm.

Antwort
von ThommyGunn, 11

Du hast in einem Kommentar gefragt, warum ausgerechnet aus der Türkei.

Die Ansiedlung der türkischen Gastarbeiter ging von den USA aus, um die Türkei an den Westen (NATO) zu binden, hatte also geostrategische Gründe, in der Türkei gab es zu dieser Seite wohl große wirtschaftliche Probleme, durch die Gastarbeiter kamen zum einen Devisen ins Land und man konnte die Arbeitslosigkeit verringern.

Antwort
von philip98765678, 30

Weil sie in den 70er Jahren als billige Arbeitskräfte gebraucht wurden und dann haben sie sich hier zahlreich vermehrt. Dazu kommt noch Familiennachzug und die Heirat von Türken mit Deutschen, was wieder dazu geführt hat, dass noch mehr eine Aufenthaltsgenehmigung und die Deutsche Staatsbürgeschaft bekommen haben.

Kommentar von Studentdurior ,

Warum kamen die billigen Arbeitskräfte ausgerechnet aus der Türkei?
Warum nicht ebenso gut aus Marokko oder Rumänien?

Kommentar von philip98765678 ,

Aus den Ostblockstaaten kam keiner raus/Sowjetunion. Marokko, war eine Französische Kolonie und die waren gerade erst unabhängig geworden nach einem langen Bürgerkrieg und mit sich beschäftigt.

Dann kamen eben die Türken und die Italiener.

Kommentar von Studentdurior ,

Und der Rest war einfach zu weit weg?

Danke für die Antwort ich glaub ichs verstehs jetzt

Kommentar von philip98765678 ,

Ja genau.

Antwort
von TypAmPc, 37

Ich bin zwar kein spezialist in dieser Sache, denke aber früher nachdem deutschland wiederaufgebaut werden sollte , waren die "Türken" die billigsten Bitte korrigieren wenn iwas falsch ist . Außer die Rechtschreibung . :D

Kommentar von Studentdurior ,

Gutes Argument! Aber was ist mit Rumänen? Marokkaner? Bulgaren?
Die waren auch "nah" an Dland, waren die "teurere" Arbeitskräfte als Türken?
Bei Frankreich, England etc. kann ich mir denken, dass die nicht die "billigsten" Arbeitskräfte gewesen wären und von Indien/Südafrika/Asien wäre der Weg wohl um einiges weiter als von der Türkei aus gewesen

Kommentar von SiroOne ,

Rumänen und Bulgaren waren hinter den Zaun im Kommunsmus.

Kommentar von tachyonbaby ,

Der Wiederaufbau war 1950 so gut wie abgeschlossen und die Wirtschaft hatte - trotz Fehlen des DDR-Gebietes - in den 4 Zonen die Wirtschaftsleistung von 1936 wieder erreicht.

1953 kamen zunächst Italiener nach Deutschland.

1955 läuft das Wirtschaftwunder bereits auf vollen Touren - ohne Türken!!!

1960 ist die Vollbeschäftigung erreicht. Es gibt mehr offene Stellen als Arbeiter im Land. Damit der deutsche Arbeiter seinen Lohn nicht selbst diktieren kann, werden Gastarbeiter vor allem aus Portugal (hatten in den damaligen Jahren Lebensmittelknappheit), Griechenland und der Türkei angeworben.

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