Wieso sind alle sozialistischen Regierungen in Lateinamerika gescheitert?

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8 Antworten

Da gibt es viele Gründe.

Einer der entscheidenden Gründe ist der, dass es eben nicht reicht, eine parlamentarische Mehrheit zu erreichen, um die Regierung zu bilden. Es gilt auch die Kontrolle über die Wirtschaft zu erreichen, weil das oppositionelle Bürgertum seine wirtschaftliche Macht nutzen wird und immer wieder genutzt hat, um einer sozialistischen Regierung Steine in den Weg zu legen oder sie zu stürzen

Wie in Chile, als 1973 die gelangweilten und wohlgenährten Hausfrauen der einheimischen Bourgeoisie mit angeblich leeren Kochtöpfen auf die Straße gingen, um gegen die Wirtschaftspolitik der Allende-Regierung zu protestieren, die anfing, die nationalen Reichtümer zu nationalisieren. Oder als dort ein Streik der privaten Fuhrunternehmer der Wirtschaft erheblichen Schaden zufügte, um den Rückhalt der Unidad Popular in der Bevölkerung zu schwächen. Wirtschaftskrieg gegen linke Regierungen ist das probate Mittel, um sie zu Fall zu bringen.

Das war auch in Venezuela zu sehen. Dieses Land wurde nicht nur seitens der USA mit Wirtschaftssanktionen überzogen, auch die einheimische Bourgeoisie sabotierte die sozialistische Regierung, wo es nur ging. Mängel in Organisation und Korruption kamen hinzu.

Ich empfehle dir zur Vertiefung diesen Artikel:

http://www.jungewelt.de/2015/12-12/055.php

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Kommentar von DanielNord
31.12.2015, 06:16

Interessanter Link. Danke

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Kommentar von PeVau
07.01.2016, 20:56

Danke für den Stern!

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Viele Regierungen wurden mit Unterstützung der USA gestürzt (Chile, Nicaragua, Grenada).

In Venuzeala und Kuba existiert der Sozialismus noch.

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Das es Kuba im sozialistischen Modell noch gibt, liegt vermutlich daran, dass es Fidel und seinen Mitstreitern gelungen ist, keine Korruption in großem Stil zuzulassen.

Venezuela scheitert (lange überfällig) nicht am Sozialismus, sondern an der Gier und der Unfähigkeit der herrschenden Klasse. Andere Länder mit so gigantischen Öleinnahmen hätten ein Paradies aufgebaut und nicht nur die Taschen der Parteikader gefüllt.

Die anderen Regirungen waren entweder ungeschickt, oder zu korrupt.

Sich mit den USA anzulegen fällt dabei bei mir mit unter den Begriff "ungeschickt," denn diese Dinge hätte man in den Griff bekommen können.

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Kommentar von charismaticus
29.12.2015, 13:05

Andere Länder mit so gigantischen Öleinnahmen hätten ein Paradies aufgebaut und nicht nur die Taschen der Parteikader gefüllt.

Trotz eines sozialistischen Wirtschaftssystems?

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Kommentar von PeVau
29.12.2015, 13:15

Sich mit den USA anzulegen fällt dabei bei mir mit unter den Begriff "ungeschickt," denn diese Dinge hätte man in den Griff bekommen können.

Sozialistische Politik zu betreiben, nationalen Reichtum zu nationalisieren, bedeutet zwangsläufig, sich mit den USA anzulegen, zumal noch in ihrem Hinterhof.

Diese Dinge in den Griff zu bekommen, hätte bedeutet, auf sozialistische Politik verzichten zu müssen.

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Ohne eine Diktatur des Proletariats ist der Sozialismus nun mal nicht zu halten, es kommt dann lediglich ein sogenannter 3. Weg heraus, der indes kein dauerhaftes Fundament besitzt und von daher scheitert. Die Diktatur des Proletariats ist notwendig, um die ständigen Sabotageakte und Umsturzgelüste, als auch Wirtschaftsschädigungen sowohl der nationalen Bourgeoisie sowie der ausländischen imperialistischen Mächte, allen voran den USA Einhalt zu gebieten. Dazu ist es notwendig die bürgerlichen Einrichtungen wie Parlament und 2. Kammer als auch Verfassungsgericht auszuschalten, damit von dort kein Unheil erfolgen kann. Diese bürgerlichen Staatsorgane sowie weitere sind nämlich nichts anders als der verlängerte Arm des Großbürgertums, national als auch international.

Es ist mir sehr bewußt, dass eine Diktatur des Proletariats nur von kurzer Dauer sein sollte, dann der Sprung in den Kommunismus vollzogen werden muß, andernfalls versteinert und erstarrt der Sozialismus zusehens, wird zusehens "ranzig". Da die Voraussetzungen für die Beseitigung der temporären Diktatur des Proletariats nicht gegeben sind, macht es meist keinen Sinn überhaupt einen sozialistischen Kurs einzuschlagen. Marx und Engels hoben etliche Male in ihren Werken hervor, dass für den sprung in den Sozialismus nur die entwickelsten kapitalistischen Länder in Frage kommen. Nun ist aber die Geschichte so ein störrisch "Ding" und richtet sich oftmals nicht nach dem was notwendig, richtig und sinnvoll ist, sondern wo es eben gerade "brennt". dies ist bei einigen Habenichts-Staaten der Fall, die entweder den Weg einer korrupten US-hörigen Regierung ehen, oder aber einen sozialistischen Kurs als Alternative einschlagen, weil was Sonstiges nun mal nicht existiert, nicht sich anbietet. Heraus kommt dann der Versuch eine Quadratur eines Kreises vorzunehmen, gemsicht mit allerlei Tragik.

Gibt es da eine optimale Lösung? Nein, ich zumindest sehe da keine.

Und noch was: der Sozialismus ist garnicht die Alternative zum Kapitalismus, dies ist vielmehr der Kommunismus. Der Sozialismus ist vielmehr der Gegenspieler des Kapitalismus.

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Kommentar von charismaticus
30.12.2015, 10:39

"Ohne eine Diktatur des Proletariats ist der Sozialismus nun mal nicht zu halten, es kommt dann lediglich ein sogenannter 3. Weg heraus, der indes kein dauerhaftes Fundament besitzt und von daher scheitert."

Mit diesem dritten Weg meinst du also eigentlich all die Versuche, die es bis dato von sozialistischen Regierungen gegeben hat.

"Dazu ist es notwendig die bürgerlichen Einrichtungen wie Parlament und 2. Kammer als auch Verfassungsgericht auszuschalten, damit von dort kein Unheil erfolgen kann. Diese bürgerlichen Staatsorgane sowie weitere sind nämlich nichts anders als der verlängerte Arm des Großbürgertums, national als auch international."

Aber widerspricht sich dies nicht mit dem Etikett des "demokratischen Sozialismus"? Auch wenn dieser Handlungsschritt unumgänglich sein mag und im Endeffekt der Allgemeinheit von Nutzen ist, so muss man doch feststellen, dass er explizit als solcher undemokratisch ist. Medien und Bürger würden darauf empört reagieren, da sie sich unterdrückt fühlen und befürchten, ein egoistischer Machthaber á la Kim Jong Un würde sie diktieren wollen. (Tatsächlich ist das Risiko ja sehr hoch, dass ein Despot diesen Zustand zum eigenen Vorteil ausnutzt.) Verliert eine Regierung nicht ab diesem Punkt ihre demokratische Legitimität? Wenn ein Großteil des Volkes - ob auf Trugschlüssen basierend oder nicht, aber das steht ja auf einem ganz anderen Blatt Papier - gegen derartige Anordnungen der Regierung ist? Oder wenn man noch weiter vorausschaut: Lässt sich von vornerein für derartige Maßnahmen, wenn man sie dem Volk offenlegt, überhaupt eine demokratische Legitimierung erreichen?

"Es ist mir sehr bewußt, dass eine Diktatur des Proletariats nur von
kurzer Dauer sein sollte, dann der Sprung in den Kommunismus vollzogen werden muß, andernfalls versteinert und erstarrt der Sozialismus zusehens, wird zusehens "ranzig"."

Da frage ich mich dann aber, wie das gelingen soll - ist der Kommunismus nicht ein Zustand, der sich erst nach längerer Zeit herausbilden kann, da er den Menschen erst grundlegend verändern muss? Unsere kapitalistisch verformten, von Gier und Egoismus gesteuerten Einzelkämpfer, könnten doch kaum binnen weniger Jahre plötzlich ein kommunistisches Zusammenleben führen. Und überhaupt ist der Kommunismus ja nur sehr unklar definiert, niemand weiß so recht, wie ein solcher Zustand in der Realität tatsächlich ausfallen würde. Das macht die ganze Sache natürlich umheimlich riskant. Verstehe mich nicht falsch, ich bin ein Freund kommunistischer Ideen. Aber ich würde mich auch als Pragmatiker bezeichnen und was nützen mir da phantastische Utopien, wenn sie von Grund auf, oder zumindest ob der aktuellen (Macht)zustände auf der Welt, nicht realisierbar sind.


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Weil der CIA (Die USA) die sozialistischen Tendenzen immer wieder zum Scheitern gebracht haben, interveniert haben, offen oder hintenrum. So hat der CIA z. B. seinerzeit in Chile dafür gesorgt, dass sie Wirtschaft instabil wurde, bestimmte Bevölkerungsgruppen sich gegen Allende wandten, Pinochet putschen konnte.

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Der "große Satan" im Norden ist sicher wieder mal daran schuld..

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Kommentar von Utyos
29.12.2015, 18:49

Wenn du das sagst ...

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Kommentar von trechower
29.12.2015, 18:57

Erstaunt mich..diese aussagekräftige, nachvollziehbare und erklärende Antwort!?

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Liebe(r) charismaticus,

Sie haben in Ihrer Frage
sogleich die Antwort gegeben. Nämlich: Sozialismus kann nicht funktionieren.
Sozialismus ist nämlich „in sich“ total gegen die menschliche Natur. Menschen auf der ganzen Welt streben nach persönlichem Glück, wollen etwas leisten, was sich für sie und ihre Kinder persönlich positiv auswirkt. Und gegen diese Menschen-Natur verstößt das System des Sozialismus geradezu auf tödliche Weise.
Da nützt es auch nichts, den Sozialismus mit dem Titel Kommunismus zu übertünchen. Kommunismus ist, das hat die Weltgeschichte in den todbringenden „Experimenten“ Sowjetunion, Rotchina, Kambodscha etc für jeden klar Denkenden mehr als deutlich werden lassen. Sozialistische Regierungen kamen durchweg nur „nicht-demokratischen“
Wahlen an die Macht. Und/oder durch Gewaltandrohungen im Vorwege der sog. Wahl.

Lassen Sie sich hier von einigen Antworten nicht in die Irre leiten, deren Schreiber Ihnen Verschwörungstheorien auftischen, nach denen böse Kräfte „den Sozialismus behinderten, ihm Steine in den Weg legten, oder anderweitig >bekämpften>. Wenn der Sozialismus eine erstrebenswerte Ordnung wäre, dann wäre es ihm (dem Sozialismus) doch wohl mit
Leichtigkeit gelungen, sich durchzusetzen, nicht wahr?

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Kommentar von charismaticus
06.01.2016, 13:44

Das sehe ich in etwas anders.

José Mujica, ehemaliger (und alles andere als unerfolgreicher) Präsident Uruguays, sagte einmal: "Nichts ist schöner als das Leben, und gleich danach kommt die Gesellschaft. Der Mensch braucht die Gemeinschaft. Er ist, anthropologisch gesehen, Sozialist.“

Ich denke ebenfalls, dass man den Fokus darauf legen sollte, den im Kollektiv erzeugten Überschuss so gleichmäßig wie möglich zu verteilen. Wir sollten mehr auf Gemeinsamkeiten hinsteuern, in jeglicher Hinsicht. Dinge gemeinsam erarbeiten und gemeinsam vom Ergebnis dessen profitieren. Wenn man sich indigene Völker anschaut, dann funktioniert es nach diesem Prinzip wunderbar, man hat ein starkes Einheitsgefühl, man schafft sich durch geteilte Arbeit eine Lebensgrundlage und niemand fühlt sich ungerecht behandelt. In unserer kapitalistischen, vollends von der Logik des Marktes geprägten Gesellschaft, wird man von klein an so erzogen, ein Einzelkämpfer zu sein, seine "Ich-AG" zu führen, die sich gegen andere behaupten muss. Dadurch werden doch negative Charaktereigenschaften wie Egoismus, Gier und Skrupellosigkeit verstärkt. Auch reift ein grenzenloser Materialismus heran, in dem Menschen ihre Identität über ihren Besitz definieren. Wir beschäftigen uns weniger zwischenmenschlich miteinander, sondern zunehmend in einer Interaktion zwischen Mensch und Materiellem. Kinder haben einen Berg von Spielzeug und spielen voneinander isoliert in ihren Kinderzimmern, statt nach draußen zu gehen, miteinander zu spielen und ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, wie man aus Naturmaterial, z.B. Stöcken, imaginäre Schwerter, Pistolen, Löffel etc. machen kann. Erwachsene sitzen ebenfalls viel vor dem Fernseher oder Computer, isoliert in ihren eigenen 4 Wänden. Ich behaupte, dass unser Gemeinschafts- und Solidaritätsgefühl darunter leidet und auch unsere Gesundheit. Diverse empirische Studien belegen, dass eine Gesellschaft umso glücklicher ist, je geringer die Einkommensunterschiede in ihr sind. Auch ist es bewiesen, dass fortwährender Konsum (ein existenziell wichtiger Bestandteil des Kapitalismus) und übermäßiger materieller Besitz den Menschen nicht glücklich machen. Vielleicht kennst Du den Film "Die Götter müssen verrückt sein" - dieser zeigt beispielhaft, zu welchem Zwiespalt ungleich verteilter Reichtum und Besitz führt.

Ich stimme Dir insofern zu, dass der Sozialismus nicht die richtige Lösung für dieses Dilemma zu sein scheint. Wie schon richtig angemerkt sind alle sozialistischen Versuche bis dato gescheitert. Ich denke, dass es einige Aspekte gibt, die den Sozialismus systembedingt zum Scheitern verurteilen. Die Planwirtschaft in etwa, die schlichtweg nicht realisierbar ist. Die Utopie, eine riesige, sich anonyme Masse dazu zu motivieren, rein empathiegesteuert füreinander zu arbeiten (indigene Völker sind im Gegensatz dazu ja weitaus kleinere und vertrautere Gruppen als ein mehrere Millionen Einwohner umfassender Staat), wird wohl ebenfalls nur eine Vorstellung bleiben. Und zu guter Letzt birgt Sozialismus natürlich die permanente Gefahr, dass die Funktionäre, von denen das System abhängig ist, sich selbst bereichern statt die Masse.

Nichtsdestotrotz halte ich den Kapitalismus, so wie er gegenwärtig existiert, nicht für die Optimallösung. Wir lassen uns von einem System diktieren und manipulieren, das auf permanentem Konkurrenzkampf und Gewinnstreben basiert, dadurch systembedingt Unmenschlichkeiten und irrationale Vorgänge wie Ausbeutung, grenzenlose Überproduktion von Materiellem etc hervorruft... Der Kapitalismus ist ein bisschen wie die Atomkraft: Effizient, aber nicht zu kontrollieren.

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Onkel Sam war ein Gegner solcher Regierungen hat fleißig zum Sturz bei getan.

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