Frage von Referendarwin, 266

Wieso sind Agnostiker/Atheisten nicht so gut organisiert wie die Kirchen oder die Muslime?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Hamburger02, 36

Warum sind Angler besser organisiert, als Nicht-Angler?

Warum sind Leichtathleten besser organisiert, als Nicht-Leichtathleten?

Warum sind Bauern besser organisiert, als Nicht-Bauern?

Warum sind Autofahrer besser organisiert, als Nicht-Autofahrer?

Kommentar von holodeck ,

Im Kontext "Gesellschaft" sind sie doch aber als Gegenbewegung zu Religion und anderem durchaus organisiert. Oder wie sonst sollte man die diversen Vereine und Interessensclubs nennen, welche [ironymode on] sich den Naturalismus als Staatsdoktrin auf die Fahne geschrieben haben [ironymode off], nennen?

Sie sind nur - völlig zutreffend - im Kontext Angeln oder Leichtathletik eher nicht organisiert. Aber das interessiert ja auch nicht weiter.     

Antwort
von Unsinkable2, 59

Wieso sind Agnostiker/Atheisten nicht so gut organisiert wie die Kirchen oder die Muslime?

... weil eine "Nicht-Kirche" auch keiner großartigen Organisation bedarf. Es gibt ja auch keine Organisation der "Bewussten Atmer", oder so. ;)

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"Kirchen" - ganz egal, welcher Ausrichtung - sind seit ihrer Erfindung stets ein Mittel der dogmatischen Suppression. Dazu bedarf es ZWINGEND eines "Einheits-Glaubens", der typischerweise von den Kirchen vorgegeben wird. 

(Im Gegensatz zum "Glauben", der typischerweise von Kirchen unabhängig ist; und der deshalb sehr - wirklich SEHR - vielgestaltig auftreten kann. Schätzungen von Experten zufolge gibt es mehr als 5.000 christliche Sekten und Kirchen UND unzählige Millionen unterschiedliche Glaubens-Vorstellungen vom christlichen Gott. Praktisch jeder "nicht kirchlich aktive" Christ hat eine andere Glaubens-Vorstellung von seinem Gott.

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Agnostizismus ist eine "Zweifels-Religion"; Agnostiker zweifeln also an der Existenz von Göttern, ohne sie zu verneinen oder zu bejahen. Und diese Zweifel sind vielfältig, ließen sich also nicht einmal dann zu einer Kirche zusammenfassen, wenn man es wollte: Der erforderliche Dogmatismus wäre so komplex, dass eine Zerfaserung die notwendige Folge wäre.

Doch Kirchen brauchen einfache Dogmen: "Gott existiert. Punkt. Und er wird strafen bzw. belohnen. Punkt." Das ist eingängig und lässt sich auch ohne jegliches Nachdenken vermitteln.

Atheismus ist als "Verneinungs-Religion" noch einfacher konstruiert: 

  • Die schwachen Atheisten beschäftigen sich nicht mit Gott. Für sie ist seine Existenz bzw. Nicht-Existenz so absolut bedeutungslos, dass sie keinen Gedanken darauf verschwenden. (Gott hat für sie die Qualität eines Sack voll Reis, der irgendwo in China steht ... oder liegt; was keiner so genau weiß, und keinen wirklich interessiert.)
  • Und die starken Atheisten verneinen die Existenz Gottes zwar mit der gleichen Vehemenz, mit der Theisten sie bejahen; doch sie brauchen dazu keine "organisierte Kirche". Ihnen reicht die Glaubensgemeinschaft als Fundament, denn ihr Dogma ist so simpel, dass es keiner Deutungen und Interpretationen durch "kirchliche" Vordenker bedarf: "Gott existiert nicht. Punkt. Folglich ist jeder weitere Gedanke zu Hintergründen und Interpretationen verschwendete Zeit."

Und ganz egal, ob schwacher oder starker Atheist: Der Atheismus beherbergt keinerlei Suppression als Zielvorgabe. Vielmehr ist es der Glaube der Atheisten (insbesondere der Glaube der starken Atheisten), eben diese Suppression (etwa die Drohung mit der Hölle; oder die Angst vor der Strafe Gottes) zu beenden. Er ersetzt, einfach ausgedrückt, den Raum, den Gott ausfüllte, mit ... Leere. Leere, die der Betroffene dann selbst nach eigenen(!), ganz subjektiven Maßgaben füllen kann.

Da dem Atheismus also das "Unterdrückungs-Merkmal" fehlt, findet sich auch niemand, der sich zum "Anführer der Atheisten" aufschwingen und die daraus resultierenden Vorteile für sich nutzen will bzw. kann. Denn es gibt keine "geldwerten" Vorteile, wie sie etwa die klassischen "Angst-Religionen" bieten (Opfergaben, Spenden, Abgaben, Hörigkeit, etc.).

Kommentar von holodeck ,

findet sich auch niemand, der sich zum "Anführer der Atheisten"
aufschwingen und die daraus resultierenden Vorteile für sich nutzen will bzw. kann. Denn es gibt keine "geldwerten" Vorteile  

Von der englischen Version von "Der Gotteswahn" wurden ca. 3 Millionen Exemplare verkauft. Das Buch wurde aber noch in 35 weitere Sprachen übersetzt und für Deutschland kommt nochmal ca. knapp eine halbe Million Bücher hinzu.    

Aber nimm 3 Millionen Bücher plus Redner- und TV-Auftrittshonorare in Höhe von zehntausenden von Dollar plus - wie nennt sich das doch gleich - ach, ja, Fandevotionalien - T-Shirts, Darwineier mit Dawkins Konterfei und ähnlichen überflüssigen Schnickschnack, mit welchem die Fans ihrer vollständigen Identifikation mit den Idolen und Leitfiguren des Neuen Atheismus Ausdruck verleihen können.      

Nimm nur 50 Cent / Stück Ertrag bei den verkauften Büchern an und vergiss nicht die weiteren Dawkins Bücher, deren Absatz vom Erfolg des ersten Buches profitierten, dann dürftest du in etwa den untersten Rand des geldwerten Vorteils erfasst haben, den der Atheismus allein einem einzigen Atheisten beschert hat ;-)        

Antwort
von drachenfreund, 71

Gläubige vereint der jeweilige Glaube. Deshalb treffen sie sich um zu beten. Und sie sind mehr oder weniger autoritätsgebunden. Der Priester, der den Glauben studiert hat und ihn an die Unerfahrenen weitergibt. Man  organisiert sich, um den Glauben zu zelebrieren.

Was haben Atheisten? Keinen Glauben, keine Autorität. Atheisten definieren sich durch das, woran sie nicht glauben.

Die Frage ist: Wen man sich organisiert wodurch definiert man sich. Humanist? Freidenker? Oder ganz anders? Die meisten Leute wollen keinen Ersatz für die Kirchen. Sie wollen ihr Leben selbstbestimmt leben. Ich denke darin liegt der Hund begraben: Bin ich in einem Verband, bin ich nicht mehr frei.

Als Humanist, so wie ich mich verstehe, brauche ich eigentlich keinen Verband. Ich helfe weil ich Menschen helfen will, nicht weil ich anderen Humanisten helfen will (und nicht so wie z. B. Christen oft nur an andere Christen denken). Ich brauche keine humanistischen Krankenhäuser, ich möchte mehr Staatliche und weniger Religiöse. Ich möchte dass soziale Einrichtungen unabhängig von der Religionszugehörigkeit existieren: Von Allen für Alle.

Natürlich kann man sich als Humanist organisieren (z.B. im HVD). Es bringt mir persönlich aber wenig. Ich kann man Kind vielleicht zur Jugendweihe schicken, humanistisch heiraten oder eine hum. Grabrede bekommen. Die Vorteile halten sich aber in Grenzen. Und nicht jeder bracht das.

Nachtrag: Eine Organisation Konfessionsloser bringt am Meisten etwas, um die Kirchenprivilegien abzuschaffen. Darin sind atheistische Organisationen klasse und bewegen politisch immer mehr.

Antwort
von wfwbinder, 35

Welche Rechte müssen denn Atheisten für sich schützen und dafür einen Verband gründen?

Aber machbar wäre es, nur scheint es kein Interesse dafür zu geben, sonst wäre in einem Vereinsmeierstaat wie Deutschland schon ein Bundesverband der Atheisten aktiv.

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 14

Wieso sind Agnostiker/Atheisten nicht so gut organisiert wie die Kirchen oder die Muslime?

Weil eine Ansicht, die keine Lehre darstellt, auch keiner Gemeinschaft bedarf.

Wenn ich nicht an Gott glaube, dann habe ich auch keinen Grund, diesen Unglauben in die Welt hinaus zu tragen und Anhänger zu gewinnen.

und

Wenn ich nicht weiß, ob es Gott gibt, dann habe ich auch keinen Grund, dieses Unwissen in die Welt hinaus zu tragen und Anhänger zu gewinnen.

Also

Erst wenn ich eine feste Überzeugung hege, daraus ein festes Weltbild konstruiere und eine Philosophie definiere, habe ich eine Art von Lehre.

Dann wird aus dem einfachen "Unglauben" oder "Nichtwissen" eben die Weltanschauung des Atheismus, oder Agnostizismus.

Anders als bei Religionen, gibt es bei dieser Weltanschauung keine höhere Instanz, die beispielsweise eine Missionierung fordert.

Somit gibt es keine Notwendigkeit für einen organisierten Atheismus.

Antwort
von Giustolisi, 34

Atheisten sind keine Glaubensgemeinschaft, deswegen sind sie nicht als Glaubensgemeinschaft organisiert. Atheismus zeichnet sich durch Nicht- Glauben aus. Vereinfacht gesagt ist Atheismus so sehr ein Glaube wie ein leeres Getränk ein Glas ist oder Enthaltsamkeit eine Sexpraktik.

Das haben sie mit den Nicht- Einhorngläubigen gemeinsam und die sind komischerweise auch nicht organisiert, weil sie eben nicht an etwas glauben, was sie vereinen könnte, so wie die Gläubigen den Glauben an himmliche Fantasiewesen oder kindische Wunschträume teilen.

Atheisten organisieren sich aber zunehmend, um eine politische macht zu werden, die sich den vorwiegend christlichen und muslimischen Wirrköpfen entgegenstellt, die die Politik im Sinne ihrer Wahnvorstellungen beeinflussen wollen.

Antwort
von Dhalwim, 79

Hallo Referendarwin,

Na das stimmt jetzt nicht so ganz und zudem ist diese Frage zu einseitig gestellt. Man muss ja mal bedenken, dass Kirche und Islam zwei um Jahrhunderte lange alte Traditionen sind während offener Atheismus damals wahrscheinlich tödlich gewesen wäre (Hexer / Ketzer).

Davon abgesehen, gibt es nur eine Sache die diese Tatsächlich vereint, die Abwesenheit eines Glaubens an Gott. Es gibt natürlich durchaus, eine Vereinigung von der Ich mal gehört bzw. gelesen habe bei uns in Österreich der "Verein der Konfessionslosen und Atheisten".

Wer Religion nicht will bzw. braucht muss das nicht haben oder praktizieren, für sowas muss man sich ja auch nicht organisieren.

Von daher,...

LG Dhalwim

Antwort
von Ranzino, 85

Hmm, wozu organisieren ?  Sie wollen ja nicht missionieren und müssen auch keine Rituale einhalten. :D

Antwort
von voayager, 62

Wie sollte denn das geschehen? Atheismus ist schließlich kein Art Glaube.

Antwort
von dompfeifer, 26

Weil die Religionsanhänger gemeinsame Kulte pflegen.

Gegenfrage: Warum sind die Nicht-Fußballer nicht so organisiert wie die Fußballer?

Antwort
von Eselspur, 40

Ich denke, zum ersten ist vielen Atheisten und Agnostikern Religion ziemlich egal, zum zweiten verbindet sie nicht viel mehr, als dass sie halt nicht an Gott glauben können bzw wollen. Sonst haben sie sehr unterschiedliche Ansichten. 

Kommentar von Respawn618 ,

Mal ne korrekte Antwort vom Esel.

Atheisten letztlich, verbindet rein gar nichts.

Kommentar von Dhalwim ,

@Respawn618

Atheisten letztlich, verbindet rein gar nichts.

Doch, allerdings nur die abwesenheit des glaubens an einen bzw. mehrere Gottheiten. Mehr nicht.

LG Dhalwim

Kommentar von Respawn618 ,

 Ne Herde Katzen halt.

Antwort
von berkersheim, 19

Gegenfrage: Auf welches Ja sollen sich Nein-Sager verständigen? Es gibt eine Fülle Organisationen, die sich vor allem als atheistisch bezeichnen. Wenn Du auf

http://www.gkpn.de/links.htm

gehst findest Du bereits etliche und ein philosophisches Forum, auf dem sich vor allem atheistische und agnostische Philosophen austauschen. Ich wünsche Dir interessante Entdeckungen.

Antwort
von gnhtd, 56

Das ist wie wenn sich Leute organisieren sollen, die kein Chinesisch sprechen...

Antwort
von Neutralis, 77

Was sollten die denn organisieren ?

Antwort
von gromio, 11

Weil sie kein Ziel haben, oder weil die Vision fehlt.

"wo die Vision fehlt, wird das Volk zügellos!". Großartig, oder nicht? Ist übrigens aus der Bibel.......Sprüche Salomos, Kap. 29:18......der Vers endet wie folgt:

".....aber glücklich sind die, die das Gesetz halten."

Aber vielleicht ist das auch nur eine subjektive Beobachtung, die nicht allgemein gültig ist, ich meine warum sollte Agnostizismus Ursache dafür sein, dass der Agnostiker nicht so gut organisiert ist? 

Ich denke, in dieser Bevölkerungsgruppe ist es im Durchschnitt genauso wie  in anderen Gruppen: Manche sind organisiert, manche nicht.

cheerio

Kommentar von Mark1616 ,

Wieso sollten sich Atheisten auch organisieren? Meinst du die Bauen Tempel zu Ehren Darwins und beten darin Statuen von ihm an?

Antwort
von Geisti21, 36

Soll ich mich jetzt mit anderen Atheisten treffen um nicht zu beten und darüber reden das es keinen Gott gibt? So Hobbylos bin ich dann doch wieder nicht :'D

Antwort
von earnest, 8

Das ist bei den Nicht-Schwimmern ähnlich. 

Gruß, earnest

Antwort
von wheuhx, 34

Atheisten sind ja vielleicht einfach Streithammel. Deshalb passen sie nicht in die Kirche und deshalb würden sie auch in jeder anderen organisierten Vereinigung versagen.

Kommentar von Respawn618 ,

Ich nehme mal an, dass Du das nicht wirklich ernst meinst.

Antwort
von Philippus1990, 65

Weil sie kein gemeinsamer Glaube vereint?

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