Frage von Ni8ke, 118

Wieso schimmelt es immer noch?

Ich hab ein etwa 10qm großes Schlafzimmer, davon sind 2 Außenwände. Die Fenster sind dicht, es wird richtig gelüftet und geheizt, es stehen mittlerweile 2 Luftentfeuchter drin und an der schimmelnden Stelle steht auch nix davor, wie z. B. ein Kleiderschrank. Dennoch schimmelt es immer wieder in der oberen Ecke die links und rechts davon die Außenwände hat. Mein Vermieter meint natürlich, das es an der Lüftung liegt. Doch das stimmt nicht. Und ein Gutachten kann ich mir nicht leisten. Über dem Schlafzimmer ist unser Dachboden. Im Haus neben an, das genau den selben Schnitt hat, ist es das selbe Zimmer. Quasi immer an der Ecke des Hauses, wo die Regenrinnen runterlaufen. Könnte es daran liegen, das da was nicht dicht ist?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Onki73, 45

Schimmel ist immer ein Feuchteproblem an einer Oberfläche. Zur Schimmelvermeidung muss die Oberfläche getrocknet werden. Hierfür sind nun einzig und alleine die Daten der Oberfläche (Oberflächenfeuchte, bzw. relative Luftfeuchte im Oberflächenkontakt und die Oberflächentemperatur) wichtig. Die allgemeinen Raumluftdaten sind von untergeordneter Bedeutung - nicht bedeutungslos, aber diesen wird fälschlicherweise viel zu viel Bedeutung beigemessen.

Schimmel entsteht ab einem dauerhaften Oberflächenfeuchtewert von 0,7aw, was einer rel. Luftfeuchte von 70% im Oberflächenkontakt bedeutet.

Bei 20°C und einer 50% rel. Luftfeuchte in der Raummitte meinen viele, alles sei in Ordnung. Falls diese Luft aber im gleichen Raum an eine 14°C kalte Außenwand gelangt, kommt es durch die Luftauskühlung vor der Oberfläche zu einer Erhöhung der relativen Luftfeuchte auf 73%. Hier kann bereits der Schimmel wachsen. Wenn die Luftfeuchte hervorragende 40% beträgt, bedarf es einer noch kühleren Oberfläche (unter 11°C), um hier einen entsprechenden Luftfeuchteanstieg in den schimmelgefährdeten Bereich zu haben.


Nun solltest Du mit einem IR-Thermometer (bei EBAY, Pearl, Conrad-Elektronik, Amazon, etc. ab ca. 20,- EUR zu haben) ermitteln, wie hoch die Oberflächentemperatur an der schimmligen Stelle ist. Mit der Raumlufttemperatur und der allgemeinen rel. Raumluftfeuchte (Hygrometer aufstellen!) kannst Du im Mollier-h-x-Diagramm (mal googeln) die rel. Luftfeuchte im Oberflächenkontakt mit der Wand ablesen, in dem Du vom Kreuzungspunkt der Raumlufttemperatur mit der Raumluftfeuchte senkrecht nach unten bis zur Temperatur der Wandoberfläche gehst. Dort verlaufen von schräg rechts oben nach unten die Luftfeuchtelinien. Hier darf der Luftfeuchtewert die 70%  (Oberflächenfeuchte: 0,7aw) nicht überschreiten.

Viele meinen, auch Dein Vermieter, dass nur mit dem Lüften alles getan ist, um der Schimmelbildung Einhalt zu gebieten. Das ist falsch! Ist Schimmel auf der Wand, so ist die Wand feucht. Feuchte Wandbaustoffe leiten die Wärme besser nach außen, die innere Oberfläche sinkt mit der Temperatur weiter ab. Eine Erwärmung der inneren Oberfläche durch die Raumheizung zur Vermeidung von hohen Luftfeuchtewerten wird damit immer schwerer und ab der Unterschreitung eines bestimmten Punktes unmöglich. Der Punkt ist erreicht, wenn der Dämmwert der Wand durch die Befeuchtung so weit gesunken ist, dass die Wärme schneller durch die Wand nach außen geleitet wird, als die Heizanlage über die Raumluft zur Wandoberfläche nachliefern kann.

Wichtiger, als eine geringe Luftfeuchte (unter 40% rel. Luftfeuchte sind bei heutiger Bauweise und ohne Lüftungsanlage praktisch sowieso schwer zu erreichen), ist daher die Hebung der inneren Wandoberflächentemperatur. Hier ist für den Mieter -zeitlich begrenzt- die Nutzung einer Rotlichtlampe sehr sinnvoll, die etwa 50cm vor die schimmlige Wandoberfläche platziert wird und diese Stelle möglichst durchgehend (!) mind. zwei Wochen lang zur Trocknung und Wiederherstellung des Dämmwertes erwärmt. Die Stromkosten werden sich bei einer 150Watt-Lampe auf 90 Cent je Tag (Strompreis 25 Cent je kW/h) belaufen. Danach sollte, wegen des verbesserten Dämmwertes der trockeneren Wand, die Warmluft der Heizung (diese durchgängig betreiben!) wieder in der Lage sein, die Wandoberfläche zur Schimmelvermeidung "auf Temperatur" zu halten.

Die Luftentfeuchter kannst Du Dir sparen, wenn die Oberflächentemperatur der Wand angehoben ist. Dann kommt es vor der Wand nämlich nicht mehr so stark zur Luftabkühlung mit dem einhergehenden Anstieg der rel. Luftfeuchte, die Wand wird trockener (weil sie ihre Feuchte auf Grund der wärmeren Oberfläche in den Raum abgeben kann) und dämmfähiger und die Feuchte muss nun nur noch mit der Fensterlüftung nach draußen gelüftet werden.

Wandbaustoffe (Mauerwerk) kann übrigens sehr viel Wasser einpeichern. Eine 5m lange, 2,5m hohe und 40cm dicke Außenwand besitzt ein Volumen von 5 Kubikmeter. Über 20% dieses Mauerwerks sind alleine beim Vollziegelstein schon Luft (Poren und Kapillaren). Das heißt, dass es in diesem Mauerwerk einen Kubikmeter (1000l) Luft gibt. Hier können also mehrere hundert Liter Wasser eingespeichert werden. Bei der Stoßlüftung werden pro Kubikmeter Luft ca. 5g Wasser entsorgt (in Abhängigkeit von den Temperaturen und den rel. Luftfeuchtewerten der Innen und Außenluft).

Dein 10m² großes Schlafzimmer hat bei 2,5m Raumhöhe also 25 Kubikmeter Luftinhalt. Mit einer Stoßlüftung kannst Du somit ca. 125g Wasser in Form von Wasserdampf nach außen entsorgen. Mit acht mal Stoßlüften hast Du etwa einen Liter Wasser entsorgt. Das ist die Wassermenge, die ein bis zwei Personen beim Schlafen in der Nacht an die Raumluft durch Atmen und Schwitzen abgeben. Daher muss möglichst sofort nach dem Aufstehen der Raum gelüftet werden.

Die hohen morgendlichen Luftfeuchtewerte führen durch Feuchteausgleich aber auch zu einer Erhöhung der Feuchte in Möbeln und Wandbaustoffen - die Feuchte lagert sich dort temporär ein. Diese Feuchte wird erst wieder abgegeben, wenn die Raumluftefeuchte geringer ist und führt damit wieder zu einem schnellen Ansteigen der Raumluftfeuchte nach dem Schließen der Fenster. Daher ist die Stoßlüftung ineffektiv gegen hohe Raumluftfeuchten.

Besser ist einen leichte permanente Lüftung der Räume durch die "undichte Fensterfuge", so wie es früher an den alten Fenstern ohne Dichtgummis der Fall war. Damit wird permanent (also sofort) die durch das Bewohnen entstehende Feuchte abgeführt und einer Einlagerung hoher Feuchtewerte in Möbeln und Wänden wird entgegen gewirkt. Eingelagerte Feuchte in Möbel und Wänden, die dann in flüssiger Form vorliegt, braucht Wärmeenergie, um wieder zu verdunsten. Das ist besonders an der kalten Wandoberfläche sehr problematisch!

In meiner letzten Altbauwohnung half nach Schimmelbildung an einer Außenwand die Entnahme von oben je 12cm lose in einer Nut am Holzfenster (Fensterflügel) eingelegter Gummidichtung. Mit der Kerzenflamme wurde auf Zugluft kontrolliert. Durch die so geschaffene leichte Permanentlüftung der Wohnung mit der geringeren allgemeinen Raumluftfeuchte trocknete die Wand aus, der Schimmelwuchs stoppte. Mit der trockeneren Wand erhöhte sich auch der Dämmwert der Wand und die innere Oberflächentemperatur, so dass es zu einer höheren Behaglichkeit, aber zu keiner Heizkostensteigerung durch das "undichte Fenster" kam, wo vor viele "Fachleute" fälschlicherweise warnen.
Kommentar von chvoyage ,

Bravo, eine sehr gute Antwort.

Antwort
von atoemlein, 58

Es ist sehr naheliegend, dass hier Wasser eindringt! Da es kein Flachdach ist, muss es ein Entwässerungsrohr sein.
Wenn gar die Regenrinnen durch ein Rohr in der Wand entwässert werden, ist das fast sicher die Ursache. Ich kenne das zur Genüge.

Du sagst, in einem zweiten Haus passiert genau das Gleiche?

Da kann eine Naht zweier Rohrstücke rinnen. Oft sind solche Rohre sogar irgendwo verstopft, das Wasser staut sich hoch und drückt dann aus dem Rohr in die Mauern. Das muss der Hausbesitzer zwingend abklären und sanieren.

-> sofort den Mangel per Einschreiben rügen, und eine Frist zur Behebung ansetzen. Falls vorhanden, bei einem Mieterschutzamt anfragen.

Kommentar von bwhoch2 ,

Dem muss ich widersprechen.

An der Beschreibung fehlt noch die Himmelsrichtung, aber ich nehme mal an Nord-Ost oder Nord-West. Außerdem wäre es hilfreich zu wissen, wie alt das Haus ist.

Ansonsten ist das absolut typisch die gefährlichste Stelle. Oberhalb ist der Dachboden, also nicht beheizt. Auf dem Zimmer wohl eine Betondecke, die als Kältebrücke bzw. Wärmebrücke fungiert. Weil auch noch die Fenster dicht sind, ergibt es sich, dass diese Ecke die kälteste im ganzen Zimmer ist.

Wenn die Betondecke durchgehend nach außen betoniert ist ohne Isolierung aussen und ohne Isolierung oben, läßt sich Schimmel an dieser Stelle nur ganz schwer vermeiden.

Ein Beleg dafür ergibt sich daraus, dass es im baugleichen Nachbarhaus dasselbe ist. Dass in beiden Häusern die gleichen Rohre an der gleichen Stelle lecken, ist doch äußerst ungewöhnlich.

Der Eigentümer oder Vermieter muss das abklären. Da kann beispielsweise ein Spezialist mit einem Messgerät die Oberflächentemperatur der Bauteile innen messen und auch den Grad der Durchfeuchtung von innen nach außen. Das ist nicht aufwändig und kann mit großer Sicherheit die Ursache des Schimmelbefalls ergeben.

Meiner Meinung nach die einzige wirkliche dauerhafte Abhilfe:

Von außen den ganzen Bereich isolieren und ebenso den Dachboden auf der Decke. Das kann aber niemals ein Mieter machen.

Kommentar von Onki73 ,

Weil eine kleine Stelle feucht geworden ist und die Wand dadurch den Dämmwert verloren hat, soll man gleich das ganze Haus für mehrere 10.000,-EUR sanieren??? So kann nur ein Bauunternehmer denken.

Die Häuser wurden alle nach den jeweiligen Bauvorschriften der Bauzeit errichtet und verfügen damit über ausreichende Dämmwerte, die eine innere Oberflächentemperatur ermöglichen, dass kein Schimmel entsteht.

Das Problem ist die nachträgliche Änderung der Beheizung der Häuser, denn die später oft verbauten stark warmlufterhitzenden Heizkörper ermöglichen keine gleichmäßige Wärmeverteilung im Raum. Vor den nun mit Wärme unterversorgen Wandbereichen entstehen durch Luftauskühlung hohe rel. Luftfeuchten, wobei sich luftdichten Fenster wegen der Steigerung der durchschnittlichen Raumluftfeuchten ebenfalls als schimmelförderlich erweisen.

Der früher vorhandene erhöhte Anteil an Wärmestrahlung durch die alten, flachen Heizplatten oder auch noch durch den Kachelofen, ermöglichte durch Strahlungsaustausch mit Lichtgeschwindigkeit deutlich bessere Wärmeverteilung im Raum als die Warmluft, die von vornherein schon ein sehr schlechter Wärmeträger und auch Überträger ist.

Deutlich billiger für den Vermieter als die Komlettverdämmung des Hauses ist der größere und flachere Heizkörper Typ 10 (mit ca. 55% Wärmestrahlungsanteil) und Heizrohrschleifen unten vor allen Außenwänden, um für eine gleichmäßigere Wärmeverteilung im Raum zu sorgen. Ggf. ist noch eine Dämmung der obersten Geschoßdecke vorzunehmen.

Antwort
von Schwoaze, 56

Wenn die Wand nicht isoliert ist, eine Außenwand sozusagen, ist das für den Schimmel natürlich ideal. Und wenn er schon einmal da ist...  wird er sich nicht so leicht auf Dauer vertreiben lassen.

Weißt Du, ob die Wand z.B. mit Styropor verkleidet ist?

Kommentar von Onki73 ,

Es ist für die Schimmelbildung/Schimmelvermeidung nicht relevant, ob eine Wand "isoliert", also gedämmt ist oder nicht.

Entscheidend ist, ob die innere Wandoberflächentemperatur zur Feuchteanreicherung/Kondensatvermeidung in Abhängigkeit von der Raumluftfeuchte hoch genug ist.

Hierbei spielen die Art der Beheizung und der Dämmwert der Wand eine Rolle. Auch unisolierte Wände haben Dämmwerte (man mag es nicht glauben!) und zwar je trockenerer die Wand ist, um so besser ist der Dämmwert.

Styropor ist kein Allheilmittel gegen Schimmel. Nicht allzu selten fangen auch außenstyroporgedämmte Wände innen nach Jahren an zu schimmeln, weil die Wand die Wohnraumfeuchte an der Fassade nicht mehr abgeben kann und es zu einem Feuchtestau in der Wand kommt.

Wird allerdings mit viel Wärmestrahlung der Raum beheizt, ist auch dieses Risiko stark minimiert, weil die Wärmestrahlung der Heizung die Wand vor übermäßiger Befeuchtung von innen schützt.

Antwort
von dietar, 30

Das ist das Problem mit den zu dichten Fenstern. Früher geschah die entlüftung über die Fenster. Jetzt werden dichte Fenster eingebaut aber keine Lüftung. Es ist eine unendliche Märchengeschichte, dass man durch Fensterlüftung die Feuchtigkeit aus der Wohnung bringen könnte. Dabei ist es ganz gleichgültig, um welche Art der Lüftung es sich handelt. Auch die bei den Experten als Allheilmittel gepriesene Stoßlüftung gehört ins Märchenbuch. Du musst deine Wohnung ordentlich entlüften. Mit passiver Entlüftung in jedem Zimmer oder mit einern ordentlichen Absaugung. Ich habe mein Haus war mit einer gebrauchten Profiabsugung von 2KW und einem 450mm Abluftrohr bei 2 mal 20 Minuten täglich nach 2 Monaten trocken. trocken. Jetzt läuft die Anlage 2 mal 5 Minuten täglich.

Kommentar von Onki73 ,

Mit zwei mal täglich fünf Minuten Stoßlüftung wird auch die Raumluft zwei mal am Tage ausgetauscht.

Du machst mit der Profiabsaugung einen unnötigen mehrfachen Luftwechsel in sehr kurzer Zeit. In dieser Zeit kann die feuchte Wand gar nicht ihre Feuchtefracht an die trockenere Luft abgeben, denn das benötigt auch Zeit.

Der Nebeneffekt Deiner Profiabsaugung wird sein, dass die Anlage nicht ganz luftdicht ist und über den Ventilator und die Abluftjalousie eine leichte Permanentlüftung des Raumes, bzw. der Wohnung entstanden ist, die für die Trockenheit der Wohnung sorgt.

Das Gleiche kann man auch mit der Entnahme von etwas Dichtgummi oben am Fensterflügel erreichen, was jedoch deutlich preiswerter ist.

Antwort
von wolfram0815, 42

Die Feuchtigkeit kann natürlich auch von außen kommen. Ist es ein altes/älteres Gemäuer? Die Fenster neu? Schimmel in einem Raum entsteht dort, wenn er entsteht, wo es am kältesten ist. Also Typisch für die Ecke. Wie sieht die Ecke im Dachboden über dem Zimmer aus? Wie ist die Decke zum Dachboden isoliert?

Kommentar von chvoyage ,

strom kann man isolieren, Wärme muss gedämmt werden

Kommentar von wolfram0815 ,

Das kommt auf den Dialekt an ;-) . Es gibt auch sog. Iso(lier)matten, die legt man sich im Zelt unter den Schlafsack, aber nicht, damit man vom Strom geschützt wird. 

Kommentar von chvoyage ,

auch bei der "isoliermatte" wird die deutsche Sprache vergewaltigt. Richtig müsste es Dämmmatte heissen. Das ist keine Frage des Dialektes sondern der Bildung.

Kommentar von wolfram0815 ,

aha, aber es heißt ja oft "kälteisolierend". Auch bei Daunenjacken. 

Antwort
von nonamestar, 52

Das kann eine Undichtigkeit aber auch mangelnde Wärmeisolierung der Wand sein.

Die Feuchtigkeit scheidet sich immer an der kältesten Stelle im Raum ab.

Wenn es beim baugleichen Nachbarhaus an der gleichen Stelle so ist, deutet das auf einen baulichen Mangel hin.


Kommentar von bwhoch2 ,

Ein baulicher Mangel, der jedoch womöglich zum Zeitpunkt der Erstellung des Hauses noch keiner war und vielleicht in Verbindung mit damals eher undichten Fenstern auch zu keinen Problemen führte.

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