Finde ich irgendwie eigenartig diese Verallgemeinerung. Wenn z.B. eine Frau nach einer Katasstrophe interviewt wird wie es ihr geht, dann sagt die z.B. "Man fühlt sich schlecht und man weiss nicht mehr weiter" usw. "wieso sagt "man" nicht einfach "ICH fühle mich schlecht und ICH weiß nicht mehr weiter" etc. Sich so auszudrücken ist das nicht eigentlich rhetorisch falsch?
Das ist nichts anderes wie ein Ausweichen. Durch das Verallgemeinern holt "man" sich noch unbekannte andere Menschen mit ins Boot und ist nicht allein mit seiner Meinung/Verantwortung etc.

Du verallgemeinerst da etwas. Nur Menschen, die sich unsicher fühlen, sprechen von "man". Wer etwas zu sagen hat, spricht auch von sich als "ich".
mia68 am 6. Dezember 2008 18:17 ...so is´das, DH.

vielleicht, weil man seinen gesprächspartner dann mehr in die situation miteinbezieht und ihn so intensiver an den gefühlen teilhaben lässt?

Weil diese Person nicht (mehr)den Mut hat, die Konsequenzen zu tragen, wenn die Aussage gezielt und direkt nur auf sie selber bezogen wird.
Hat sich im Laufe der Jahrhunderte in das deutsche Wesen und die deutsche Sprache hineingeschlichen. Wenn ich nicht verallge,einere, dann nehme ich mich eventuell "zu wichtig" und das macht "man" nicht....
Wenn ich mich selbst dabei ertappe, hinterfrage ich, ob ich mich selbst von meiner Aussage gleichzeitig ein Stück distanzieren oder mir in Form von Verallgemeinerung Verstärkung holen möchte.
Ich-Sätze klingen egoistisch und so will man gg nicht erscheinen :)

Sprache kann da sehr verräterisch sein; vielen fällt es leichter, über diese Formulierung den Blick nicht auf sich selbst zu richten, eher eine "Distanz" herzustellen.
Dadurch hält man (!;-))) sich unter Umständen immer auch "ein Hintertürchen" offen, durch das man schnell entfleuchen kann, wenn einen jemand auf eine Aussage festnageln möchte...
Eine sehr gute Frage, die ich mir auch schon des Öfteren gestellt habe. Vermutlich hat man etwas mehr Distanz zum Geschehen und leidet dann nicht so darunter. Zum Beispiel der Satz aus einem Interview in Berlin: " Man hängt so rum im Park und dann verprügelt man die Penner halt aus Langeweile...! " Da versucht der Sprecher, seine Schuld nur indirekt einzugestehen. Ich persönlich finde das übrigens feige.

Das Wörtchen man is so wie im Schwäbischen das Wörtchen" ebbes"

Weil die Menschen sich selbst nicht so wichtig nehmen und meinen, ihre Meinung zählt nur, wenn sie in der Gruppe als man auftreten, vielleicht.

hm, hab das noch nie erlebt, daß das jemand sagt, aber ich vermute, es ist das gleiche, wie wenn jemand "Wir" sagt, aber nur "Du" meint.

Wenn man sich selbst meint, sagt man für gewöhnlich "ich"".