Frage von Lessuelsch, 112

Wieso mögen Menschen Gewürze oder warmes Essen?

Beides ist eigentlich von Natur aus für uns ja nicht unbedingt vorgesehen.Auch dass uns z.B. diese bunten Kombinationen aus verschiedenen Zutaten so gut schmecken. Eigentlich sind wir doch konzipiert, dass wir uns auf ein Nahrungsmittel, dass wir zuvor gejagt oder gesammelt haben konzentrieren. Und trotzdem lieben Menschen in so gut wie allen Kulturkreisen und Epochen zubereitetes Essen

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Andrastor, 39

Um die Frage zu beantworten muss mal erstmal klären warum uns überhaupt etwas schmeckt.

Wir essen weil wir unserem Körper Ressourcen zuführen müssen. Das Essen wird bei der Verdauung in seine Bestandteile zerlegt welche dann auf verschiedene Weise im Körper verwertet werden.

Energiebereitstellung, Aufbau von Muskeln und anderen Zellen, etc.etc.

Das was unser Körper am meisten braucht ist Energie, also Nährstoffe die sich gut "verbrennen" lassen und an zweiter Stelle Nährstoffe die eingelagert werden können um später verbraucht zu werden.

Damit wir nun auch das essen was viele dieser Nährstoffe enthält, haben wir Geschmackszellen entwickelt, die ganz spezifische Informationen über den Nährwertgehalt unserer Lebensmittel liefern (in Form von "Geschmack").

Ist eine Speise reich an Nährwert, an verschiedenen wichtigen Stoffen, reagieren unsere Geschmackszellen. Es schmeckt uns.

Bestes Beispiel: Zucker.

Zucker ist für den Körper das wichtigste und beste Mittel um Energie zu produzieren. Er kann ohne große Mühe verbrannt werden. Daher schmeckt uns Zucker ausserordentlich gut. Selbst Menschen die keinen Süßkram mögen, bevorzugen eine süße Erdbeere gegenüber einer unreifen, sauren.

Aber es gibt noch andere wichtige Nährstoffe, auf die unsere Geschmacksknospen reagieren. Machen wir also ein buntes Gericht, mit vielen verschiedenen Zutaten, schmeckt es uns viel besser als ein Gericht aus bloß einer Zutat, weil unser Mund sagt: "Du, das tut uns extrem gut, mehr davon!"

Gerichte zu garen, also durch Hitze zuzubereiten kommt einem Prozess der Vorverdauung gleich. Wichtige Nährstoffe werden gelöst und können leichter vom Körper aufgenommen werden. Zusätzlich wird die Nahrung weicher und leichter zu kauen.

Durch die gelösten Nährstoffe schmeckt es uns besser, weil die entsprechenden Zellen von Beginn an viel mehr Nährstoffe erkennen als bei ungegarter Nahrung.

Daher hat sich das Garen von Lebensmitteln in der ganzen Welt verbreitet und daher mögen auch alle Kulturen buntes, vielfältiges Essen.

Noch Fragen? ;)

Kommentar von Andrastor ,

danke für das Sternchen :)

Kommentar von PeVau ,

Klasse Antwort!

Kommentar von Andrastor ,

danke danke ^^

Expertenantwort
von DiegoderAeltere, Community-Experte für Evolution, 29

Die Signale des Körpers, die bewusst wahrgenommen werden, existieren nicht ohne Grund. Negative Empfindungen sind Warnungen vor körperlicher oder sozialer Gefährdung, positive Empfindungen sind Belohnungen für Reproduktion oder Sicherung der Selbsterhaltung. Solche Verbindungen herzustellen, ist ein enormer Evolutionärer Vorteil.

Geschmacks- und Geruchssinn geben grobe Informationen über die chemische Zusammensetzung der Nahrung, bevor man sie ganz aufnimmt. Auch hier werden Geschmacksrichtungen, die auf nährstoffreiche Nahrung hindeuten, als angenehm wahrgenommen (süß, umami, teilweise salzig), während Geschmacksrichtungen, die auf giftige, unreife oder verdorbene Nahrung hinweisen, meist als negativ empfunden werden (bitter, stark sauer).

Viele Gewürze haben physiologische Funktionen, sie wirken etwa antimikrobiell, regen die Durchblutung an oder machen das Essen durch ihren Einfluss auf die Verdauungsorgane leichter verdaulich. Damit lässt sich erklären, warum Gewürze grundsätzlich einen angenehmen Geschmack haben. Unser heutiges Empfinden von Gewürzen ist aber zu einem großen Teil durch Prägung und Gewöhnung bedingt, da sie uns in Massen zur Verfügung stehen. Authentische Gerichte aus früheren Epochen würden für uns heute nur fad schmecken, aber das ist reine Gewöhnungssache, die Leuten von damals hat es zufrieden gestellt.

Zum warmen Essen: Die Geschmackswahrnehmung durch den Geruchssinn beruht auf flüchtigen Substanzen, da die Riechschleimhaut ja keinen direkten Kontakt zur Nahrung hat. Je heißer die Nahrung, desto zahlreicher und schneller kommen die Aromastoffe an die Riechzellen, weshalb sie intensiver schmeckt. Andersherum ist es genauso: Eiskalte Apfelstücke unterscheiden sich geschmacklich nicht von eiskalter roher Zwiebel. Dass gegarte Nahrung außerdem länger haltbar und leichter verdaulich ist, sind ganz tolle Nebeneffekte, die aber mit dem Geschmackssinn nicht wahrnehmbar sind.

Expertenantwort
von Buckykater, Community-Experte für Tiere, 21

 Viele Nahrungsmittel sind für uns nur gekocht wirklich verwertbar. Bei Kartoffeln zb sind die in der rohen Kartoffel vorhandenen Stärkekörner sehr schwer verdaulich. Erst wenn sie bei Kochen zu Stärkebrei werden kann der Körper sie verwehrten. Bohnen sind roh sogar giftig. Auch Erbsen sind gekocht besser verwertbar.  Auch Fleisch ist gekocht oder gebraten für Menschen leichter verdaulich.  Menschen erkannten schon früh daß gekochtes Essen leichter zumindest einige Sachen  verdaulich ist. Gerade gekochtes Essen hat  zb das Wachstum des Gehirns gefördert. Und Getreide ist in Gebackenem Brot auch viel leichter verwertbar für Menschen. In gekochten Eiern ist das Eiweiß zu 90 % verwertbar in rohen nur zu 50 %.  Einige Sachen sind zwar roh besser wie zb Obst Zwiebeln und auch Blumenkohl oder Möhren   aber bei einigen sind die Nährstoffe erst durch Kochen oder Braten verwertbar.  Auch  Reis ist gekocht leichter verwertbar. Naturreis ist gesünder als weißer Reis. 

Antwort
von Tragosso, 38

Ich denke das hat sich erst nach und nach entwickelt. Anfangs war es einfach nur ein totes Tier ins Feuer direkt auf die Glut geworfen bis es verkohlt (und innen halbgar) war. Irgendwann hat dann mal jemand ein Kraut dazugeworfen, was schmeckte. Andere haben in anderen Gruppen ähnliche Erfahrungen gemacht und diese 'Ideen' irgendwann untereinander ausgetauscht. So hat sich das mit der Zeit ergeben, als größere Strecken zurückgelebt werden konnten und sich mehr Sprache entwickelte. Die 'Rezepte' wurden komplizierter, Tiere und Pflanzen wurden zerlegt und gemischt...

Irgendwann wurden bestimmte Kräuter und Pflanzen gezielt angebaut, sofern sie schmackhaft/nützlich/nahrhaft und nicht giftig waren.

Kommentar von DinoMath ,

das klingt bissl so, als wäre der Geschmack grundlos wie er ist und die Rezepte haben sich dann nach und nach daran angepasst.

Glaube das hast du so nicht gemeint, oder?

Kommentar von Tragosso ,

Nein, grundlos bestimmt nicht. Ich denke nur, es hat sich erstmal über den Geschmack entwickelt. Dass die verschiedenen Gewürze auch gesundheitlichen Nutzen haben (ebenso wie das kochen/grillen) wussten die Menschen aber damals garantiert noch nicht. Da ging fast alles über Geschmack...Nicht umsonst schmecken Lebensmittel mit viel Fett und Zucker (Kalorien die damals überlebenswichtig waren) besonders gut.

Kommentar von DinoMath ,

ja, Menschen mögen das essen, was ihnen schmeckt, schon klar, aber die Frage ist ja wieso etwas schmeckt. Zum Teil hast du ja schon beantwortet: z.B. weil sie überlebenswichtig waren.

Antwort
von DinoMath, 64

Die zunge ist ziemlich gut auseinander zu halten was da alles kommt, auch wenn es viele viele Sachen gleichzeitig sind.

So wird dir im Prinzip das schmecken, was gut für dich ist.
Viele Gewürze haben ja auch positive Eigenschaften für den Körper.

Und warmes Essen ist leichter bekömmlich, weil die Hitze die Nahrung schonmal bisschen zersetzt und Bakterien abtötet, darum wird einem das auch eher schmecken.

Antwort
von DinoMath, 25

Ne Freundin erzählte mir mal von einer Studie (woran ich auch glaube), dass sie Kinder mal einfach alles Essen zur Verfügung gestellt haben und sie konnten frei aussuchen was sie davon essen wollen und wieviel sie wollen und danach stellte man fest, dass sie allesamt wunderbare Werte hatten.

Glaube der Körper weiss einfach viel besser darüber Bescheid, was gut für ihn ist, die Gesellschaft hat nur verlernt darauf zu hören.
z.B. "oh das hast du toll gemacht, hier hast du ein Lolly" - habe schön öfters gesehen, dass die Kinder das garnicht so toll fanden süßes zu Essen, nur nach und nach dies damit verbanden belohnt zu werden und somit zu ungesundem Essverhalten erzogen wurden.

Antwort
von Rockuser, 34

Warum sind Beeren erst Süß, wenn die Samen Reif sind? Das macht die Pflanze auch mit einer gewissen "Absicht". Sonst Fressen Tiere die Früchte nicht.

Es scheint doch so zu sein, das selbst Tiere bevorzugte Geschmacksrichtungen bevorzugen. Daher wundert mich nicht, das der Mensch auch gerne bestimmte Sachen isst.

Natürlich ist das mit dem warmen Essen schon Gewohnheit. Aber scheinbar schmeckt es einfach für uns besser.

Antwort
von TheStone, 10

"Beides ist eigentlich von Natur aus für uns ja nicht unbedingt vorgesehen." 

Nichts ist von Natur aus für irgendwas vorgesehen. Die Natur ist keine Person mit Weitsicht sondern läuft stur nach Mechanismen ab. Kein Lebewesen (auch keine Pflanze) existiert zum Zweck uns als Nahrung zu dienen. Wir müssen eben gucken, wo wir unser Essen her bekommen und je größer die Verfügbarkeit von Nahrung ist, die wir verstoffwechseln können, desto besser.

Aber offensichtlich hat zubereitetes Essen einige andere Vorteile: der Nährstoffgehalt ist höher, die Haltbarkeit ist in der Regel länger, es ist leichter verdaulich, etc. 

Antwort
von uteausmuenchen, 42

Hallo Lessuelsch,

das Essen zu kochen hat immer schon Vorteile gehabt:

- Vieles wird haltbarer dadurch

- Manches wird erst essbar durch Erhitzen (Bohnen, Kartoffeln,...)

- Manches wird vielseitiger und bekömmlicher (Getreide nicht nur als Getreidebrei, sondern als praktisches Brot)

Insgesamt spart Kochen Zeit: Man hat mehr Nahrungsmittel zur Auswahl und kann diese effektiver zu sich nehmen. Die Diät wird gehaltvoller. Alles Vorteile für eine Spezies, die ein wachsendes Gehirn zu füttern hatte...

https://www.welt.de/wissenschaft/article13558930/Kochen-als-entscheidender-Fakto...

Gewürze wiederum regen die Verdauung an. Sie wirken auch appetitanregend. Und im Falle frischer Kräuter enthalten sie selbst auch noch Vitamine.

Neben diesen praktischen Vorteilen, war der Menscha aber auch früher nicht dumm - auch unsere Vorfahren haben gemerkt, wenn etwas interessant geschmeckt hat.

Grüße


Antwort
von nowka20, 7

das mögen LANGE nicht alle menschen

Antwort
von marit123456, 34

Wieso sollte das Feuer umsonst erfunden worden sein?

Nein, seit dem wir Lebensmittel garen können, sind sie in den meisten Fällen deutlich besser für den Körper zu verwerten.

Antwort
von Pusteblume8146, 60

Ich glaube, dass es Gewohnheit ist, und das, was wir zb als Kinder gegessen haben, finden wir besonders gut, auch weil es uns mit der Zeit verbindet. Was früher gut war, ist auch meistens immer noch gut - ein Stück Geborgenheit. Ich glaube auch, dass das unser Geschmacksempfinden formt, was wir gut finden und was nicht, was wir von klein auf kennen.

Kommentar von DinoMath ,

denke du hast nicht Unrecht, ist aber auch nur ein Teil der Wahrheit. So mögen Kinder oftmals kein Spargel, dann später schon. Und oh wunder, man fand raus, dass die Inhaltsstoffe vor allem später für einen Menschen sinnvoll sind.

Antwort
von kgunther, 6

Der Punkt des menschlichen Körpers, der die höchsten Temperaturen toleriert, ist überraschenderweise die Zungenspitze. Das zeigt, daß die Aufnahme gegarter Nahrung einen starken Überlebensvorteil darstellte. Varianten mit dieser Eigenschaft haben eher überlebt und mehr Nachkommen gehabt als andere Varianten.

Der Grund dafür ist möglicherweise die Voraussetzung eiweißreicher Diät für die Gehirnentwicklung. Es haben demnach solche Varianten die Evolution des Menschlichen Gehirns vollzogen, deren Zungenspitze gegarte Nahrung gut aufnehmen konnte. In gebratenem Fleisch ist das Eiweiß für den Körper sehr viel leichter zu verarbeiten als in rohem Fleisch.

Antwort
von JBEZorg, 9

Zu was stellst du den Vergleich an? Zu den Tieren? Menschen sind Tiere biologisch gesehen. Aber haben eben Eigenschaften, die andere Tiere nicht besitzen. Die Antwort auf deine Frage ist einfach: weil Menschen es können. Menschen können kreativ sein und ihr Essen sehr variabel zubereiten. Das ist für uns durchaus von der Natur also vorgesehen.

Antwort
von Belruh, 16

Das hat, meiner Meinung nach, mit diesen vier Dingen zu tun:

- Der Umgebung (Klima, Wetter, Flora, Fauna) in welcher die Menschen leben

- Dem Erforscher, Entdecker und Erfinder im Menschen

- Der Vermischung von Völkern und Stämmen, und dem damit vebundenem Wissen. 

- Der Landwirtschaft

Antwort
von Gargoyle74, 12

Also mir ist es wurscht,ob kalt oder warm. Esse auch kalte Pizza. Aber ordendlich deftig gewürzt sein darf es schon. Das hat sich so entwickelt in all unseren Jahren. Das fing wohl mit halb verbranntem Fleisch an.Es schmeckt würziger,herzhafter......Keine Ahnung. Aber ne krosse Hähnchenpelle verschmähen ja heute auch die wenigsten,obwohl diese bereits als halb verbrannt gilt........Unsere Geschmacksknospen haben sich halt dahin entwickelt,immer würziger,salziger und schärfere Nahrung zu bevorzugen....Bei mir persönlich ist es mit dem Käse so.Ich liebe pikanten"scharfen" und recht "stinkigen" Käse.

Antwort
von moeiking, 26

Seitdem man Feuer hat wird man wahrscheinlich schon warmes essen haben. Bzw nicht arg viel später. Und das zusammengemixte ist eben nun mal Teil der Globalisierung.

Kommentar von Lessuelsch ,

Erklärt dennoch nicht unsere Affinität dafür.

Kommentar von moeiking ,

Der Mensch präferiert eben das was ihm besser schmeckt, also warme Mahlzeiten. Wobei ich auch sehr gerne eine normale Vesper hab.

Kommentar von DinoMath ,

Der Mensch mag eben das was er mag ist keine sehr hilfreiche Antwort. Es gibt durchaus tiefschürfendere Gründe dafür warum einem das eine schmeckt, das andere nicht.

Kommentar von moeiking ,

Oder ein altes Sprichwort: 'Es gibt das, wo auf den Tisch kommt.'

Kommentar von DinoMath ,

Es heisst aber auch "mal über den Tellerrand hinaus schauen" ;.)

Kommentar von moeiking ,

Aber auch: 'Was ein Bauer nicht kennt frisst er nicht.' Was jedoch nicht auf jeden zutrifft :D

Kommentar von Gargoyle74 ,

oder auch " Was ich nicht riechen mag,möchte ich auch nicht schmecken..."

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