Frage von oxBellaox, 34

Wieso Medikamente selbst bezahlen? Meine Oma hat Pflegestufe 3 und ist in einem 24/7 betreuten Demenz-WG.

Hallo,

meine Oma hat Pflegestufe 3 und ist in einem 24/7 betreuten Demenz-WG.

Nachdem sie sich den Rücken blutig gekratzt hat, wurde der Arzt befragt. Seine Antwort war per Telefon: wir sollen ihr freiverkäufliche antiallergische Tabletten in der Apotheke auf eigene Kosten holen.

Wieso auf eigene Kosten? Sie hat doch etwas, was behandelt werden muss.

Das selbe hat er schon mal mit Eisen gemacht - Werte sind "bisschen niedrig". Wir sollen ihr Eisen kaufen. Nach Monaten fragten wir, wann denn die Eisenwerte endlich mal wieder überprüft werden - sie wurden überprüft und das Ergebnis war nun plötzlich ein Eisenüberschuss.

Das kanns ja wohl nicht sein! Was können wir machen?

Antwort
von Ostsee1982, 25

Was können wir machen?

Bei Nichtgefallen den Arzt wechseln, ein persönliches klärendes Gespräch führen und im Fall des Falles eine Meldung an die Ärztekammer veranlassen.

Seine Antwort war per Telefon: wir sollen ihr freiverkäufliche antiallergische Tabletten in der Apotheke auf eigene Kosten holen.

Ungewöhnlich per Telefon solche Aussagen zu tätigen. Vorallem wirkt das eher so, dass er sich keine Mühe machen will und die Verantwortung lieber an den Apotheker abgibt.

Kommentar von Chillersun03 ,

und im Fall des Falles eine Meldung an die Ärztekammer veranlassen.

Er hat sich nichts zu Schaden kommen lassen, rezeptfreie Arzneimittel können nicht verschrieben werden.

Trotzdem verheiße ich das Verhalten nicht gut.

Kommentar von Ostsee1982 ,

Nun ja.... Ich finde so ein Verhalten grob fahrlässig bei einer bettlägrigen Dame ohne Untersuchung per Telefon zu Eisenpräparaten zu raten ohne das zu überwachen, ohne eine Folgetermin mit Blutuntersuchung zu vereinbaren und sich um die Patientin Nullkommanull zu kümmern und die Angehörigen ohne Hilfestellung stehen zu lassen. Erhöhte Eisenwerte gelten als Risikofaktor für koronare Herzerkrankungen wie Arteriosklerose und Herzinfarkt, da freie Eisenionen die Bildung von Sauerstoffradikalen fördern. Auch kann er wohl kaum hellsehen und so zu antiallergischen Medikamenten raten ohne zu untersuchen was diesen Juckreiz auslöst. Juckreiz kann zb. auch auftreten bei Schäden an inneren Organen. Da halte im Fall des Falles eine Meldung an die Ärztekammer schon für sinnvoll.

Antwort
von TomRichter, 28

> Wieso auf eigene Kosten?

Weil das modern ist. Zumindest heißt das Gesetz, mit dem diese Regelung 2004 eingeführt wurde, GKV-Modernisierungsgesetz.

Weil die Arbeitgeber viel lauter über die Kosten der Krankenversicherung klagen konnten als die Arbeitnehmer, hat man beschlossen, die Versicherung dadurch billiger zu machen, dass die Versicherten bestimmte Leistungen komplett selbst bezahlen.

Wer hat's erfunden? Die Sozialdemokraten unter Schröder, zusammen mit den Grünen :-(

Allerdings waren die christlichen und die marktliberalen auch dafür, ganz große Koalition sozusagen :-(

Davon abgesehen: Die Idee, den Juckreiz zu bekämpfen, ist in Ordnung. Das bewirkt das empfohlene Antiallergikum möglicherweise auch dann, wenn der Juckreiz nicht von einer Allergie herrührt.

Kommentar von oxBellaox ,

um das festzustellen brauche ich aber nicht die Auskunft eines Akademikers, der für diese Auskunft scheinbar auch noch gut kassiert ... meine Oma ist keine Arbeitnehmerin mehr - sie ist alt und leider auch sehr krank. Sie hat aber Jahrzehnte ohne krank gewesen zu sein gut einbezahlt in die Krankenversicherung.

Ist echt zu Haareraufen!

Kommentar von TomRichter ,

> der für diese Auskunft scheinbar auch noch gut kassiert

Nur bei Privatpatienten. Kassenpatienten werden in weiten Teilen pauschal abgerechnet, da kann es auch sein, dass die zusätzliche Beratung ihm keinen Cent mehr einbringt.

Expertenantwort
von Chillersun03, Community-Experte für Medikamente & Medizin, 15

Wieso auf eigene Kosten? Sie hat doch etwas, was behandelt werden muss.

Das hat mit der Pflegestufe nichts zu tun. Das liegt daran, dass rezeptfreie Arzneimittel nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Ausnahmen sind schwerwiegende Erkrankungen. 

"Apothekenpflichtige nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt."

Bemängeln kannst du höchstens, dass der Arzt nicht direkt die Kortison-Keule gegen schweren Juckreiz schwingt! 

Werte sind "bisschen niedrig". Wir sollen ihr Eisen kaufen. Nach Monaten fragten wir, wann denn die Eisenwerte endlich mal wieder überprüft werden - sie wurden überprüft und das Ergebnis war nun plötzlich ein Eisenüberschuss.

Auch daran ist nichts zu bemängeln.

Kommentar von oxBellaox ,

deine Antwort kommt leider aus der Ärzte- und Pharmalobby -Ecke wie es scheint. Ich erwarte eigentlich Lösungswege, wenn ich hier poste.

Dass meine Oma Pflegestufe 3 hat habe ich nur als Basisinfo am Rand erwähnt - wenn man sich die Antworten mal durchliest, steht das da auch schon.

Ich weiß auch nicht was daran "in Ordnung" sein soll, einen Menschen in einen Eisenüberschuss rutschen zu lassen. Hätten WIR nicht auf eine erneute Blutuntersuchung bestanden, hätte sie das Eisen immer weiter bekommen. Wir sind nicht dafür da, um dem Arzt die Arbeit und Verantwortung abzunehmen - wir sind nämlich Laien - wenn auch gut informierte. Kassieren tut er!



Antwort
von adventuredog, 28

Das hat nichts damit zu tun, in welcher Pflegestufe sich die Oma befindet, sondern welche Medikamente verordnet oder empfohlen werden. Diese frei verkäuflichen und nicht verschreibungspflichtigen Mittel muss jeder selber zahlen. Das ist schon seit vielen Jahren so. Lies auch 

Karlsruhe - Krankenkassen sind nicht dazu verpflichtet, die Kosten für nicht verschreibungspflichtige Medikamente zu übernehmen. Das entschied das Bundesverfassungsgericht in einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss. Die Belastung der Versicherten stehe in einem angemessenem Verhältnis zu dem Ziel, die Kosten im Gesundheitswesen zu dämmen. Die gesetzlichen Krankenkassen müssten nicht alles bezahlen, was "an Mitteln zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit verfügbar ist" (1 BvR 69/09)

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/patienten-muessen-rezeptfreie-medikame...

Kommentar von oxBellaox ,

nö das war auch nur als Basisinfo gedacht. Sie ist krank und sie hat sich in dieser Krankheit blutig gekratzt. Es wurde nicht untersucht, ob sie eine Allergie hat - einfach so in den blauen Dunst hinein ein freiverkäufliches Mittel "verordnet" - das können wir auch, dazu muss der Arzt nichts von der Kasse an "Beratungshonorar" kassieren . Merkst du, worauf ich hinaus will?

Kommentar von adventuredog ,

ach so, okay. du hast aber auch gefragt: 

"Wieso auf eigenen Kosten?"

Warum sprecht ihr dann nicht mit dem behandelnden Arzt darüber? oder wendet euch an den MDK? 

Beispielsweise:

https://www.aok.de/nordost/leistungen-service/medizinischer-dienst-66130.php

Antwort
von LenaandScholly, 34

Könnt ihr den Arzt wechseln? Teilweise muss man Medikamente auf eigene kosten kaufen (nasentropfen ect.) aber das er die Werte dann nicht nochmal überprüft ist ein unding

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