Frage von Fragant1995, 234

Wieso machen sich betroffene Menschen so viele Gedanken über Homosexualität?

Ich (20, schwul) habe mir damals sehr viele Gedanken über Homosexualität gemacht, also als ich noch nicht wusste ob ich denn nun schwul bin. Nun verstehe ich aber gar nicht mehr warum? Jetzt sagen wahrscheinlich viele, weil man es nicht sein möchte oder damit Probleme hat, aber warum denkt man das? Wir Homosexuellen sind doch nicht anders, falsch, dumm oder gar unmenschlich. Muss man sich sein homosexuelles Selbstwertgefühl wirklich von anderen Menschen kaputt reden lassen? Ich stehe ohne Zweifel (außer das ich mich nicht geoutet habe) zu mir und das sollte dich Überfall so sein, oder etwa nicht? Ist es nicht viel wichtiger einfach Mensch zu sein als sich selbst zu verurteilen? Ich bin verwirrt!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Marco1978, 73

Gerade in der Pubertät misst man sich immer an den anderen. Man will auf keinen Fall anders sein und auf keinen Fall auffallen. Oder aber man will unbedingt auffallen und wird ein Goth oder ein Punk... ;-) 

Aber generell wollen wir einfach sein wie die große Masse: Die gleichen Klamotten tragen, die gleichen Hobbys haben - und eben auch die gleiche Sexualität.

Wir wollen nicht anders sein. Immer wieder wird uns vor Augen geführt, wie es Schwulen in anderen Ländern geht. In Arabischen Staaten werden sie gehenkt, gesteinigt oder von Häusern geschmissen, in Afrikanischen Staaten verfolgt und eingesperrt, in Osteuropa ist es vielerorts verboten, sich in der öffentlichkeit als Schwuler zu erkennen zu geben...

Und auch bei uns gibt es sie, die schwulenfeindlichen Angriffe, die Sprayereien, die Parolen... Besonders auch in der Schule. Da hört man die bekannten Beleidigungen, die meist nichts mit der sexuellen Orienterung zu tun haben, sondern den anderen einfach niedermachen sollen.

Und selbst Mutti Merkel hat ein "schlechtes Bauchgefühl" wenn sie an Schwulenpaare denkt, die heiraten möchten... Die Grundstimmung in der Bevölkerung ist zwar positiv, aber wenn 41% sagen, sie hätten was gegen Schwule, dann finde ich das bedenklich...

Da hat man wirklich keinen großen Bock, schwul zu sein. Und kann es trotzdem nicht ändern...

Dazu kommt, dass man eben nie weiß, wie das Umfeld reagiert. Ein Freund von mir wurde mit 16 aus dem Haus geworfen, weil er sich geoutet hatte. Und ich kenne auch jemanden, der ist schwul, hat aber geheiratet und zwei Kinder, damit die Familie und die Gesellschaft glücklich sind...

Deshalb macht man sich eben viele Gedanken, wenn man jung ist: Was bin ich? Wer bin ich? Warum bin ich nicht wie die anderen? Was wird Mama sagen? Werden mich meine Freunde noch mögen? Fliege ich aus dem Sportclub?

Es wird noch lange gehen, bis das überhaupt kein Thema mehr ist. Und ich befürchte, dass das gar nie der Fall sein wird und es Schwulenhass immer geben wird in der einen oder anderen Form...

Antwort
von rosepetals, 92

Hey. Also ich glaube ich vertrete deinen Standpunkt selbst. Aber ohne mich auf die Selbstwertgefühle zu beziehen, würde ich noch gern erst Mal was zu der Frage im Titel etwas sagen: Wieso kann Homosexualität, neben der Tatsache, dass es etwas Nebensächliches sein sollte, uns doch noch so beschäftigen?

Mich beschäftigt es überraschend oft, und dich vielleicht auch, dass ich nicht heterosexuell bin. Ist man es nicht, wird einem nämlich sehr oft klar, wie oft es eigentlich von einem angenommen wird, es zu sein. Vor allem wenn man mittendrin bist, wie ich, und noch zur Schule geht und eigentlich die meisten nicht wissen, dass man auf dasselbe Geschlecht steht - dann fällt es einem richtig auf, wie oft man die heterosexuelle Rolle einnimmt. Das passiert oft in Bezug auf mich, aber auch sehr oft im Bezug auf die Mädchen in meiner Klasse generell "weil wir irgendwann alle Mal einen Freund haben werden".

Meine beste Freundin ist lesbisch und ich kenne höchstens noch eine Person, die queer ist, aber von den niedrigen Selbstwertgefühlen aufgrund von Homosexualität habe ich ehrlich gesagt noch nie etwas mitbekommen. Ich finde es auch ein wenig lächerlich, um ehrlich zu sein, oder oberflächlich. Man sollte überhaupt nicht Mal damit anfangen, sich von was geringem wie einer sexuellen Orientierung reduzieren zu lassen.

Antwort
von Nashota, 69

Homosexualität ist immer noch ein Thema, was in der Gesellschaft noch nicht so angekommen ist, wie es sollte, auch wenn es schon sehr viel mehr Menschen gibt, die Homosexualität für völlig normal ansehen.

Menschen, die erkennen, dass sie homosexuell fühlen, haben immer noch Angst vor Ablehnung, verbalen und körperlichen Angriffen und Unverständnis von ihrem auch nahem Umfeld.

Selbst das sogenannte Outing wird von vielen Menschen als Schrei nach Aufmerksamkeit verstanden. Dass es einfach nur ein sich anvertrauen ist, dass man sich nicht mehr erklären muss, wenn man zum Beispiel als Mann nie eine Freundin hat oder mit nach Hause bringt, wird halt einfach nicht verstanden.

Ob er sich anvertraut oder nicht, muss jeder selbst entscheiden und wissen, einen Zwang gibt es da ja nicht. Viele fühlen sich nur leichter und/oder befreiter, wenn "es endlich raus ist".

Und glücklicherweise wird es auch oft sehr gut aufgenommen, gerade auch von Eltern. Ich hätte da auch nie ein Problem damit gehabt, wenn meine Töchter so fühlen würden. Es ist nämlich nur wichtig, dass das eigene Kind sein Glück gefunden hat.

Antwort
von Arxoz, 43

Man wird eigentlich schon von klein auf erzogen mit dem Wissen "Mann gehört zu Frau", sei es von den Eltern, dem Umfeld, Fernsehen, Schule, usw., weil es eben so der Standard ist. Wenn man dann merkt dass man nicht so ganz diesem entspricht macht man sich eben Gedanken darüber. Man sucht sich ja nicht aus schwul, usw. zu sein, und man wird eben auch mit Hindernissen im Leben konfrontiert (Homophobie/Ablehnung, weniger Rechte, ...) die es einem noch schwerer machen, sich selbst zu sagen dass man eigentlich ganz normal ist.

Du kannst dich aber glücklich schätzen dass du zu deiner Sexualität stehen darfst, und es (mittlerweile) viele Menschen gibt die das akzeptieren.

Manche Leute haben nämlich ein noch schwereres Los gezogen...

LG.

Antwort
von lollollollollol, 62

Gründe dafür können der gesellschaftliche Druck sein; Menschen merken, dass sie anders sind als andere. Der Großteil der Bevölkerung ist nunmal heterosexuell und sieht es als einzig normal an, dies zu sein. Dazu kommt vielleicht noch der Fakt, das Homosexuelle ständig als eigene Rasse in den Medien dargestellt werden. Viele Eltern wünschen sich zudem Enkel. Es gibt leider immer noch viele Gründe. :/

Antwort
von LGBTsupport, 51

Wir leben in einer heteronormativen Welt, alles was "aus der Reihe tanzt", wird als schlecht abgestempelt. Und aus Angst, beleidigt, oder gar gemobbt zu werden, will man nicht "anders" sein.

Kommentar von OtakuMiep ,

Nah, in letzter Zeit will doch jeder gerade anders sein

Kommentar von LGBTsupport ,

das kommt vlt so rüber, ist aber leider nicht so.. Ich muss mir täglich homophobe Sprüche anhören..

Antwort
von anonym1045, 48

Hey also ich denke einfach das homosexuelle in den medien einfach so klischeehaft gezeigt und dann die leute meinen ja jeder ist so

Antwort
von Spock1701, 40

Herr Hofer hat das der Menschheit eingetrichtert. 

Mit freundlichen Grüßen 

Kommentar von Fragant1995 ,

Wer ist der Herr Hofer?

Kommentar von Spock1701 ,

Der Kandidat, der zum glück nicht öst. Bundespräsident geworden ist.

Kommentar von Fragant1995 ,

Ach ja der!

Antwort
von LustgurkeV2, 65

Darum gehts. Homosexualität ist in unserer Gesellschaft oftmals mit 'Unnormalität' gleichgesetzt. Und das erzeugt halt diese Selbstzweifel.

Kommentar von Fragant1995 ,

Aber muss man sich davon wirklich kaputt reden lassen?

Kommentar von LustgurkeV2 ,

Nein, sollte man nicht.

Kommentar von Fragant1995 ,

Und warum passiert das so oft? Also ja ich habe es trotzt vieler Gedanken sofort akzeptiert.

Kommentar von TVDFan2 ,

Ich denke es ist Angst.

Als ich damals gemerkt habe, dass ich lesbisch bin bzw. dass ich auf Frauen stehe (dachte damals, ich sei bi), hab ich mich dafür gehasst, denn ich war schon mal sehr gemobbt worden und ich wusste, dass mein Leben dadurch nur noch schwerer werden würde, ich hatte Angst, dass andere es rausfinden (habe ich heute teilweise noch aufgrund der Homophobie in meiner Jgst, auch wenn ich jetzt sehr glücklich damit bin).

Genauso auch, wenn man zB dick ist: Man hat ein geringes selbstwertgefühl, weil man überall mit Abwertung konfrontiert ist, da hat man wenig chance, vorallem in der Pupertät, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln.

Antwort
von iHateNicknames, 60

Klar ist es das.

Aber diese Einsicht kann lange dauern. Glückwunsch dass sie zu dir durchgedrungen ist!

Kommentar von Fragant1995 ,

Ich habe mir zwar viele Gedanken gemacht, aber es von Anfang an akzeptiert und toleriert.

Antwort
von q0w9e8, 77

Ich würde sagen dass dein Unterbewusstsein es schon wusste bevor es dir klar war dass du schwul bist, also drehten sich deine Gedanken dementsprechend.

Kommentar von Fragant1995 ,

Echt? Woran erkennt du das?

Kommentar von Fragant1995 ,

Obwohl stimmt, ich hab irgendwie schon immer nach Männern gestarrt :)

Antwort
von 486teraccount, 74

Oft weil Eltern manchmal schwulenfeindlich sind,

oder auch in der Öffentlichkeit welche gibt

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community