Frage von Exmortis, 72

Wieso lösen bestimmte Melodien oder Akkorde bei den meisten Menschen die gleichen Gefühle aus (sofern man sich darauf einlassen kann)?

Wie kommt es, dass man auch als Nichtmusiker/Laie von klein auf Melodien ganz bestimmten Emotionen zuordnen kann, ohne das je gelernt zu haben?*

Falls jemand diese Frage versteht, ich freue mich über jede Antwort (auch wenn es nur eine Idee ist).

*Das wurde empirisch bewiesen, sogar isolierte Urvölker empfanden/beschrieben ihre Emotionen zu Melodien (ob traurig oder fröhlich) exakt wie "wir" (die westliche Zivilisation).

Antwort
von Tokij, 24

Das hat verschiedene Gründe, die ich jetzt nicht ALLE hier aufschreiben werde... Aber ich werde dir mal ein Beispiel, die Wirksamkeit der einzelnen Intervalle, durchexerzieren.

Die frequentale Verwandtschaft der Intervalle sind ja bereits in der Obertonreihe abzulesen und folgt nicht dem Prinzip der Nachbarschaft, sondern dem Prinzip des kleinsten gemeinsamen Nenners. Je kleiner der gemeinsame Nenner ist, desto näher sind die Töne miteinander verwandt. Nach der Oktave (Verdopplung/Halbierung der Frequenz) folgt die Quinte (Drittelung) etc... So ist das nächstliegende Intervall natürlich verwandschaftlich am weitesten entfernt.

Dieses harmonische Prinzip, welches sich auch in der Kommunikation anwenden lässt, indem man bspw. für alarmierende Aussagen ein entferntes Verwandtschaftsverhältnis der Intervalle anwendet und für neutrale bzw. inhaltlich harmonische Aussagen auch nah verwandte Verhältnisse intoniert, sei monogenetisch und daher universell.

Daraus entstehen melodische Charakteristika, die von den bereits im Motiv beinhalteten Eigenschaften der spezifischen Intervalle geprägt sind. Diese wiederum werden zum einen von der absoluten Frequenzveränderung (Anstieg oder Abstieg) und zum anderen von dem frequentalen Verwandtschaftsverhältnis des kleinsten gemeinsamen Nenners, das sich sehr gut über den Quintenzirkel darstellen lässt, beeinflusst.

Beispielsweise ist ein Anstieg von einem C zum nächsthöheren Eb ein absoluter Frequenzanstieg, im Quintenzirkel müsste man jedoch drei Quinten abfallen, um den gewünschten Ton zu erreichen. Daher steigt das Intervall zwar, fällt aus hörpsychologischer Perspektive jedoch auch.

Noch stärker wäre dieser Effekt bei der kleinen Sexte, da sowohl der Frequenzunterschied größer wäre, als auch die zu leistenden Quintfälle. Die Wirkung könnte man dann als ein vergebliches Versuchen oder Scheitern beschreiben. Als ob man einen Anstieg erzielen möchte, und trotzdem einen Fall erreicht.

Diese hörpsychologischen Phänomene setzen Filmkomponisten ein, haben sie aber keinesfalls durch Konditionierung der Zuschauer geprägt. Warum man sich auf bestimmte Sachen einlässt und was sich dann im Hirn abspielt, habe ich schonmal in einer anderen Antwort geschrieben und werde ich nicht nochmal erläutern. Den Link gibts dann auf Anfrage. ;)

Antwort
von feefle, 39

Hallo und Guten Abend,

wenn das der Fall ist (und ich glaube Dir), liegt bei mir die Vermutung nahe, dass das genetisch verankert ist - soll heißen: gewisse Geräusche / Lautfolgen lösen bestimmte positive/negative Reaktionen aus, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Das kann meiner Meinung nach aber individuell stark differieren (daher vielleicht unterschiedlicher Musikgeschmack?).

Hoffe, ich hab die Frage verstanden ;-) schönen Abend noch!

Kommentar von Exmortis ,

Dank dir für die Antwort, ja du scheinst sie verstanden zu haben! ;-)

Antwort
von EdnaImmers, 17

Ich zitiere jetzt mal:

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von LiamDucray
, 05.03.2011
Warum berühren uns Melodien?
Weil sie unser limbisches System ansprechen - dort entstehen unsere Gefühle.
Bestimmte Klänge und Worte lösen in dir unterschwellig Erinnerungen aus, diese werden vom kognitiven Apparat (Informationsaufnahme) zum limbischen System (Gefühlszentrum) übermittelt und verarbeitet.
Das Resultat ist eine Emotion - ob nun Freude oder Trauer - weil du dich an irgendetwas erinnerst, ohne das direkt mitzubekommen.
Man fragt sich: Hey was ist denn das jetzt - weil man gar nicht erklären kann woher diese Emotion auf einmal kommt.
Naja, jetzt weisst du es ^^ (ein bischen wenigstens) ;-)
PS: Harte Musik löst auch viele Emotionen aus. Es kommt wie gesagt drauf an, womit bestimmte Erinnerungen in uns verknüpft sind.
Hab noch einen wunderschönen Tag :-)
Grüsse
Liam

0

Antwort
von EdnaImmers, 28

Das habe ich mich auch schon oft gefragt:

Es kann doch nicht nur antrainiert bzw. soziale Prägung sein.

Ich meine ist zum Teil sogar kulturübergreifend: zB viele traurige Lieder werden überall als traurige Lieder erkannt - ohne dass man den Text verstehen muss.

Bestimmt haben Kulturforscher da schon Erkenntnisse zusammengetragen ..... ( die bei mir noch nicht angekommen sind) < seufz>

Kommentar von Exmortis ,

Bestimmt haben Kulturforscher da schon Erkenntnisse zusammengetragen

Leider nein, es wurde nur belegt, DASS es so ist, aber nicht wieso/wehalb.

Ich habe sogar eine ganz ausschweifende Theorie, aber will auch wissen was andere darüber denken.

Kommentar von EdnaImmers ,

Bist Du vom Fach? - oder handelst Du mit " Verschwörungstheorien" ? 

Kommentar von Exmortis ,

ähm weder das eine, noch das andere! ^^  Was soll das denn mit Verschwörungstheorien zutun haben?? 

Kommentar von EdnaImmers ,

... Sorry - ist so eine flapsige Redensart bei "uns" - bitte nicht wörtlich nehmen. 

Wir sagen gern, wenn Laien Theorien aufstellen ....dann  sind diese Theorien  oft ein wenig "wirr" - wie Verschwörungstheorien halt ...... 

Kommentar von Exmortis ,

okay ^^  nimm mich mal als freund an bitte!  würde gern privat mit dir schreiben.

Antwort
von Tomatensaft129, 36

Oft kommt Musik in Filmen vor. Dann verbindet man halt die Musik mit der Szene 

Kommentar von Exmortis ,

Kennen Urvölker unsere Filme?

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