Frage von LunaKar, 39

Wieso können traumatische Erlebnisse nicht "einfach" hinter sich gelassen werden?

Also ich jemanden, der schwer depressiv ist aufgrund von traumatischen Erlebnissen in der Kindheit (also zum Beispiel starke Vernachlässigung etc.) . Ich frage mich nun, warum diese Person es nicht schafft, aus der Depression rauszukommen. Das was passiert ist, ist passiert, aber es liegt in der Vergangenheit. Die Zukunft kann doch ganz andere, schöne Dinge mit sich bringen. Die Person hat mir gesagt, dass es ihr wohl ganz anders gehen würde, wenn sie eine andere Vergangenheit hätte. Warum schafft sie es nun nicht, aus der Depression rauszukommen - positiv zu denken? Ich würde mich über Antworten sehr freuen.

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo LunaKar,

Schau mal bitte hier:
Depression Trauma

Antwort
von Buddhishi, 15

Hallo,

jeder Mensch besteht aus Bewußtsein und Unbewußtem (UB). Das UB macht den größeren Teil aus und speichert Erinnerungen ab. Aufgrund seiner Schutzfunktion macht es schmerzhafte Erinnerungen außerdem schwerer zugänglich (z. B. für eine Hypnosetherapie), also 'versteckt' sie, schickt aber gleichzeitig immer wieder Warnungen, z. B. in Form von Krankheiten, damit dem Menschen nicht wieder etwas Schmerzhaftes widerfährt.

Insbesondere traumatische Kindheitserfahrungen speichert das UB so ab, wie sie als Kind erlebt wurden. Dabei macht UB keinen Unterschied dazu, dass der Mensch inzwischen älter u. reifer ist, und die damaligen Erfahrungen im jetzigen Kontext ganz behandelt, erlebt u. abgespeichert würden.

Die quasi 'eingeprägten' Erfahrungen sind also für UB nicht Vergangenheit, sondern Gegenwart. Und das ist der Grund, warum ein Mensch mit einem Kindheitstrauma dieses nur schwer überwinden kann.

Dazu gibt es die Psychologie, die in einer Therapie (Hypnose-/Traumatherapie) behutsam an das Trauma heranführt, damit der Mensch es aus heutiger Sicht und unter dem Aspekt, dieser traumatischen Situation nicht als hilfloses Kind ausgeliefert zu sein, neu bewerten und abspeichern kann.

Danach kann Heilung einsetzen und UB schickt keine Krankheit mehr, weil es verstanden hat, dass es sich um keine aktuelle 'Gefahr' handelt.

Ich hoffe, ich habe es verständlich erklärt und es hilft Dir weiter.

LG

Buddhishi

Antwort
von TorDerSchatten, 18

Diese Gedanken hab ich mir auch schon oft gemacht. Möglicherweise ist es so, daß dem Kind nie eine positive Lebeneinstellung vermittelt wurde nach dem Motto "du schaffst es, für jedes Problem gibt es eine Lösung, fang mal an und dann helfe ich dir, wir schaffen das gemeinsam",

sondern dem Kind wurde ständig vermittelt "du bist nichts du schaffst nichts du kannst nichts du bist Müll"

Gewisse anerzogene Verhaltensweisen stecken tief in einem drin, daraus muß man sich erst selbst befreien können und auch wollen.

Es gibt Menschen, die sich reflektieren können und das Geschehene clustern und dann in der Lage sind, nach vorne zu sehen und das zu verarbeiten. Andererseits gibt es aber auch Menschen, die sich in ihrer Problematik geradezu suhlen, daher immer im Mittelpunkt stehen, bemitleidet werden wollen, sich nicht aus der Vergangenheit lösen können und ständig über "was war damals und was wäre wenn" kreisen.

Die Problematik ist so sehr Lebensbestandteil geworden, daß sie sogar Halt gibt - beim Auflösen des Problems wäre man ja "frei" und diese Freiheit macht Angst.

Viele Interpretationsmöglichkeiten....

Ich selbst bin sehr nachtragend und vergesse nichts, wenn mir jemand mal Unrecht getan hat - aber ich kann das reflektieren und wenn die Gefühle aus der Vergangenheit hochkommen (derjenige wird sich an diese eine Sache oder den einen Satz gar nicht mehr erinnern), dann rufe ich mir das in Gedanken und richte meinen Blick weg von dem und habe den Willen, das ruhen zu lassen.

Manche können das nicht.

Antwort
von Deepdelver, 5

"Positiv denken" ist leichter gesagt als getan. Es gibt Menschen, die in ihrem Leben nur sehr wenige positive Erlebnisse gesammelt haben; ihnen fehlt daher der Glaube daran, dass die Dinge sich tatsächlich auch mal zum Guten drehen können.

Wenn du diese Person gut kennst, versuch ihr konkrete Anlässe für positives Denken zu liefern. Unternimm Dinge mit ihr, von denen du weißt, dass sie es sich wünscht, aber zu denen sie sich selbst nicht aufraffen könnte. Versuch ihr zu vermitteln, dass das Leben auch Spaß machen kann. Schenk ihr Aufmerksamkeit mit kleinen Gesten und Bemerkungen, die ihr zeigen, dass es Menschen gibt, die sich für sie interessieren. Nur wer die Gegenwart als lebenswert empfindet, kann sich von der Vergangenheit lösen und positiv in die Zukunft schauen! :-)

Antwort
von Garryplotter, 17

Es geht. Dann bilden sich gespaltene persönlichkeinen zB. Hat Tobias Mayer etwas schlimmes erlebt und denkt danach er wäre Rupert Schmidt. So etwas ist zur Verarbeitung schwerer traumas im Gehirn "vorprogrammiert"

Kommentar von Buddhishi ,

Sorry, aber was ist das denn für ein grauseliges Märchen? Eine 'gespaltene Persönlichkeit' ist etwas ganz anderes als eine Depression. LG

Kommentar von Garryplotter ,

natürlich aber er hat ja gefragt ob traumas verarbeitet werden können

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