Frage von Neutralis, 85

Wieso können Menschen so gut wie nie über ihre subjektive Meinung hinaus schauen?

Mittlerweile geht mir das einfach auf die Nerven, jeder Vertritt seine Position so stark, dass wenn man was dagegen sagt sogar Beleidigungen fallen. Eine Meinungsänderung kommt erst Recht nicht infrage, selbst wenn man keine Argumente hervorbringen kann. Wieso denkt immer jeder Menschen, dass er Recht hätte ?

Antwort
von EinNarr, 42

Jede Meinung, jede Ansicht ist ein Teilstück des Weltbildes.

Wir haben alle gewisse Grundannahmen in uns. Diese bekommen wir zum Teil anerzogen oder ziehen sie empirisch aus unserer Umgebung, manches lesen wir uns auch an oder lernen es in der Schul- und Studienzeit.

Die Grundannahmen dienen als Fundament für ein Gerüst - unser Weltbild. 

Weltbilder sind grundsätzlich sehr instabile Konstrukte. Es gibt keine Ansicht die sich nicht angreifen ließe und die auch nicht angegriffen wird. Das spiegelt sich wieder in verschiedensten Debatten, die schon gefühlte Ewigkeiten geführt werden - beispielsweise die Frage des Glaubens, der Religion.

Über die Zeit werden unsere Weltbilder umfangreicher. Jeder neue Eindruck wird dort verordnet und bewertet - so bewertet, dass es in den Kontext des restlichen Bildes passt. Ambivalente, stellenweise paradoxe und permanent von hinterfragenden Zweifel geprägte Weltbilder sind auf die Dauer Gift für die Psyche - leben tut es sich damit nicht sonderlich gut.

In einer offenen Diskussion, müssten beide Parteien nun bereit sein ihre Weltbilder ungeschützt zu präsentieren und damit die Gefahr eingehen in ihrem "Glauben erschüttert" zu werden - eventuell bricht ein ganzes Weltbild zusammen, welches man seit Jahren mit sich trägt. Dieser Vorgang ist schmerzlich und stellenweise auch vernichtend in seiner Wirkung.

Um sich genau davor zu schützen, ist Sturheit und Aggression oftmals teil einer Diskussion. Sich "taub stellen für Argumente" ist für ein Gespräch vollends destruktiv und fördert eine Eskalation aber ist nicht mehr als ein Reflex aus der Angst, dass das eigene (Welt-)Bild zusammenbricht. Es gibt sogar die Fälle, wo Betroffene wissen das sie nicht im Recht sind aber trotzdem ihr Unrecht zugunsten des Weltbildes verteidigen - im Zweifel redet man sich selbst gut zu und etwas ein.

Kurzum - "Wieso dennt immer jeder Menschen, das er Recht hätte ?"

Es lebt sich leichter mit dem Gedanken im Recht zu sein, als die Feststellung immer falsch gelegen zu haben. 

Liebe Grüße.

Antwort
von rolfmengert, 6

In Deiner Überschrift sprichst Du von "subjektiver Meinung". Da habe ich das Gefühl, dass Du der Meinung seist, dass Leute zwischen ihrer subjektiven und einer vielleicht objektiven Meinung unterscheiden könnten. Das ist sicher nicht möglich, weil wir im Dialog nicht so rasch eine Zuordnung vornehmen können. Zudem ist die Einteilung in subjektive und objektive Meinung auch extrem fragwürdig. Wir haben allenfalls ein Bewusstsein darüber, ob wir z.B. relativ gesichertes Faktenwissen beisteuern oder vage Hypothesen vortragen.

Warum nun tragen Menschen ihre Standpunkte so vehement und "absolut formuliert" vor? Das ist eine bekannte Strategie, um der eigenen Meinung mehr Gewicht zu verleihen. Fast immer ist die Mehrzahl der Leute eher geneigt eine Meinung zu akzeptieren, wenn sie mit einem Gestus "absoluter Sicherheit" vorgetragen wird. 

Nur erfahrene Leute mit guter Intelligenz und einem vertieften Wissen um die Fragwürdigkeit gerade solcher absolut formulierten Aussagen werden sofort skeptisch, wenn jemand sein Urteil nicht mit einem Gestus der relativen Gültigkeit vorträgt, d.h. zu verstehen gibt, dass er eine nur so und so gut abgesicherte Meinung vortragen würde, und dass man an verschiedenen Stellen bei einer modifizierten Datenlage, sicher erhebliche Korrekturen anbringen müsse.  Gerade das vorsichtige Urteil ist dasjenige, was man ernster nehmen kann.

Dass Menschen, sobald man Zweifel gegenüber ihren Aussagen anmeldet, gereizt oder beleidigt reagieren, ist eine sog. Immunisierungsstrategie. Solche Strategien dienen dazu, die eigene Meinung mit unredlichen Mitteln zu unterstützen, d.h. man trägt nicht etwa weitere absichernde Argumente vor, sondern versucht den Diskussionsgegner als unfreundlich, naiv, fehlorientiert, dogmatisch oder lieblos zu diskreditieren. Beispiele dazu sind etwa: "wenn Du mich lieben würdest, würdest Du mir glauben!" oder "wer sich um den massenhaften Zuzug von Menschen aus anderen Kulturen Sorgen macht, ist ein Nazi!" Da der Hörer solcher Botschaften im ersten Fall nicht lieblos erscheinen will, ist er gezwungen, der Aussage des Anderen zu glauben, obwohl dieser keine ausreichenden Argumente vorgetragen hat. Im zweiten Fall ist es für jeden Diskussionspartner ein Horror als "Nazi" tituliert zu werden, und folglich zieht er seine Aussage zurück, obwohl durch dieses Argument natürlich seine Sorge vor Kulturüberfremdung nicht verschwunden ist.

Dein letzter Punkt gilt der Beobachtung, dass Menschen ihre Meinung nur äußerst widerwillig ändern. Das ist leicht zu begründen: Da Meinungen fast immer Produkte aus vielen Gesprächen, eigenen Erfahrungen, umfangreicher Lektüre und einer Justierung auf die eigene Wertewelt hin entstanden sind, fällt es sehr schwer, hier vorschnell eine Korrektur zu akzeptieren. Erst zahlreiche Erfahrungen können da auf lange Sicht etwas verändern, und als Gesprächspartner sollte man geduldig sein und nicht den Anderen überfordern. Eine recht wirkungsvolle Strategie ist in solchen Fällen nicht das Vortragen der eigenen Sicht, sondern das Hinterfragen der Position des Gesprächspartners.

Antwort
von ilknau, 25

Hallo, Neutralis.

Sie haben es schlicht nie gelehrt bekommen und/ oder zudem ist es sehr unbehaglich, Meinung oder gar Weltbild ändern zu müssen - da gerät man nicht nur als Person sondern gar als Persönlichkeit regelrecht ins Wanken.

Man möchte komfortable in seiner mental - geistigen Hängematte ruhen und nicht durchgeschüttelt werden.

Ich sag dir was: in einer Nacht las ich mal ein Sachbuch und hatte es nach dessen ersten Kapiteln bereits mit einem regelrechten Vulkan in meinem Hirn zu tun.

Es brodelte nur so, denn es wurden Meilensteine meines Lebens regelrecht nicht nur um sondern auch untergepflügt und ich konnte mir nicht mehr anders helfen als mir aus lauter seelischer Erschütterung eine krude Art Aderlass zu verpassen (hab mich massiv so geritzt, dass das Blut nur so strömte)

Aber am nächsten Tag war es gut, verband ich mich frisch und las, nun ganz ruhig, weiter, lG.

Antwort
von Schwoaze, 50

Das liegt wohl in der Natur der Sache. Schließlich nimmt sich jeder selbst als Maßstab.  Wenn mir dies oder das nicht gefällt, kann es doch gar nicht sein, dass das jemand anderem trotzdem gefällt.

Ist aber so! Das muss man lernen und akzeptieren. UND nach Möglichkeit auch andere Meinungen gelten lassen. Wer das nicht wahrhaben will, wird es im Laufe seines Lebens schon noch lernen - müssen.

Bis dahin ist es für die Gesprächspartner ... schwierig.

Kommentar von Neutralis ,

Ja ich merke es. Unten probiert jemand zu argumentieren, dass Leute, die keine Meinung haben, denken das ihre Meinung die richtige ist. Entweder wird er nicht mehr antworten oder krampfhaft probieren sich rauszureden. Das ist doch so viel anstrenger als einfach "Du hast Recht, ich lag falsch" zu schreiben. 

Kommentar von MarvelCopter ,

Nett, dass du den "unten" falsch zitierst. ;)

Kommentar von Neutralis ,

Er hält sich wacker. Wir sind jetzt schon beim 4 Punkt und er zieht jedes mal den kürzeren. Sobald das passiert wechselt er zu einem anderen Punkt, bei dem er denkt einen Fehler gefunden zu haben. Das ist meine Lieblings Argumentationsstrategie, da gewinnt man direkt mehrmals.

Kommentar von MarvelCopter ,

Auweia. Dich kann man wirklich nur bemitleiden.

So langsam wundert's mich nicht mehr, dass Leute dich beleidigen. Viel Spaß noch und tob' dich aus, Kleiner.

Du "Gewinner" :'D

Kommentar von Neutralis ,

Habe ich ja schon bereits. Außerdem beleidigt mich niemand. Mich können die Leute höchstens Gewinner nennen. Auch wenn manche probieren es sarkastisch rüberzubringen, ändert es nichts an den Fakt, dass ich der tatsächliche Gewinner bin. Als Ausgleich müsste ich dich jetzt wohl Verlierer nennen, das ist allerdings kein bisschen Sarkasmus, nur ein Fakt.

Antwort
von precursor, 48

Besonders krass ist es bei Leuten, die sich in einer Position befinden wo sie Autorität über andere ausüben, also simpel ausgedrückt "innerhalb der Herde etwas zu sagen haben".

Wenn man denen die eigene Meinung sagt dann wird das fast immer sofort als ein Angriff auf deren Autorität, deren Ansehen innerhalb der Hierarchie und deren Status angesehen.

Das habe ich selber schon erlebt, hatte jedoch das Glück das nahezu alle anderen mit mir einer Meinung waren, und diese Autoritätsperson das gemerkt hat und deshalb anschließend versucht hat sich mit mir gut zu stellen.

Antwort
von Eselspur, 74

Es ist anstrengend, sich ernsthaft mit anderen Meinungen und Ansichten auseinanderzusetzen. Ausserdem ist es nicht einfach.
Einfach ist hingegen zu schimpfen.

Antwort
von annablanka, 24

Ob Menschen etwas annehmen können/wollen oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab, denke ich. Es kommt mit Sicherheit viel auf die Art und Weise an, wie man es vermittelt. Und ein intelligenter und reflektierter Mensch, wird sich von einer Meinung überzeugen lassen wenn es Sinn macht und die richtigen Argumente angebracht werden. Es hat zudem aber auch viel mit Selbstwert, falschem Stolz usw zu tun. Manche wissen dass sie im Unrecht sind, aber würden es nie zugeben.
Manchmal ist es auch personenbedingt- von bestimmten Personen möchte man sich aus persönlichen Gründen nichts sagen lassen, egal wie recht er/sie hat und und und....
Also Pauschal ist das schwer zu beantworten, da es viele Faktoren gibt.

Antwort
von ChloeSLaurent, 19

Fehlende Kompromissbereitschaft

Antwort
von Kaanadee, 76

Es gibt leider zu viele Menschen, die arroganz und egoistisch sind. Übrigens, sehe ich es genauso wie du.

Lg 

Antwort
von FaktenNazi, 24

Habe mir mal die Freiheit genommen und die Diskussion unten durchgelesen und deine früheren Fragen angeschaut; Du warst in der Klapse, hast einen Gottkomplex und stellst immer wieder dieselbe Frage, nur ein wenig umformuliert, die irgendwas mit deiner vermeintlichen Überbegabtheit/Intelligenz zu tun hat.

Ich würde dir unabhängig von der obigen Frage empfehlen deinen Narzissmus nicht so penetrant zur Schau zu stellen und evtl. (erneut) psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

All the best

Kommentar von Neutralis ,

Dafür gibt es keinen Grund, die Fragen mit der Intelligenz stelle ich um einen User Namens "Einfachichsein" aufzuregen, ich habe ihm schon mehrmals gesagt, dass ich ein Troll bin, aber er wird jedes mal wieder wütend. Wirklich amüsant. Und Narzissmus kann man sowieso nicht behandeln lassen, höchstens lernen damit umzugehen. Ich kann dir aber deine Sorgen nehmen, laut mehreren Tests bin ich nicht Narzisstisch, ich habe einfach nur Spaß daran, Leute zur Weißglut zu bringen und vermeintliche Arroganz eignet sich hervorragend. Vorallendingen wenn es um Intelligenz geht. ;)

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten