Frage von Nixon85, 120

Wieso können Abnoetaucher so schnell auftauchen?

Hallo Zusammen

Ich habe kürzlich eine Doku über Apnoetauchen gesehen. Da gingen sie mit dem "Lift" auf 170m in die Tiefe und schossen kurz darauf wieder an die Oberfläche. Ich dachte immer das man beim Tauchen Zwischenhalte einplanen muss, damit man sich nicht schädigt? (Dass das mit einem Atemzug nicht möglich ist, ist mir natürlich klar) Aber wieso können Abnoetaucher so schnell wieder auftauchen ohne das was passiert?

Der Rettungstaucher, welcher auf 170m postiert war, sagte im Interview dass er auf 90m einen zwischenhalt einlegen müsste und nicht weiter auftauchen könne. Wieso ist das so und beim Apnoetaucher nicht? Liegt das am komprimierten Sauerstoff?

Danke für einige klärende Antworten!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von usberlin, 96

Der Apnoetaucher nimmt nur eine Lunge voll mit Luft mit auf die Reise in die Tiefe. Durch denn immensen Druck (18 bar in 170m Tiefe) wird seine Lunge faktisch komplett zusammengedrückt und die verbliebene Luft ist nur noch im Bereich der Luftröhre (da wo schützende Knorpel sind) zusammengepresst. Wenn der Taucher wieder auftaucht und der Druck nachlässt dann wird die Lunge wieder durch die komprimierte Restluft aufgeblasen.

Bei einem Taucher der mit Atemgerät taucht diffundiert Stickstoff (nicht der Sauerstoff wie ein anderer hier schreibt) unter Druck ins Blut in Form von mikroskopisch kleinen Blächen. Der Taucher atmet ja immer die Luft auf den Umgebungsdruck komprimiert. Taucht der Taucher nun zu schnell auf vergrössern sich die Bläschen im Blut und können zu Embolien führen. Daher muss der Auftauchvorgang beom Tauchen mit Pressluft langsam erfolgen und es müssen Zwischenstopps eingelegt werden, damit der Körper bei nachlassendem Druck ausreichend Zeit hat die Bläschen wieder abzubauen und über die Lunge wieder abzugeben.
Da der in Luft enthaltene Sauerstoff ab einem Partialdruck von etwas über einem Bar anfängt die Lungen anzugreifen (ab 1,6 bar wirds richtig gefährlich)  ist die Tauchttiefe mit Pressluft auf 40 Meter begrenzt (da herrschen 5 BAR und bei ca 21% Sauersoffgehalt in der Luft ist da dann etwa 1 Bar Partialdruck erreicht. Dazu kommt, dass Stickstoff im Blut unter Druck narkotisierend wirkt.

Daher wird bei Tauchtiefen grösser 40 Meter zum Tauchen das Atemgas durch zwei Flaschen geliefert und gemischt, so dass der Sauerstoffanteil nicht zu gross wird und Stickstoff wird wegen der narkotisierenden Wirkung durch ein anderes Atemgas (z.B. Helium) ersetzt. Helium löst sich nur wenig im Blut, so dass hier die Sicherheitsstopps deutlich reduziert sind.

Diese ganzen Probleme hat ein Aproetaucher nun gar nicht, da die Menge der Luft die er mitnimmt gerade mal ein paar wenige Liter sind.

Antwort
von Willy1729, 120

Hallo,

das mit den Zwischenpausen gilt nur für Taucher mit Atemgeräten. Apnoetaucher nehmen die Luft, die sie oben eingeatmet haben, mit nach unten. Dort ist sie denselben Druckverhältnissen wie der restliche Körper ausgesetzt. Das Problem bei den Atemgeräten ist, daß die Luft darin einen von der Tiefe unabhängigen Druck hat, was sich ändert, sobald sie im Körper ist. Beim zu schnellen Auftauchen würde sie sich stark ausdehnen und es würden Gasblasen entstehen, die den Kreislauf lahmlegen können. Mit der Luft, die an der Oberfläche eingeatmet wird und im Körper mit nach unten genommen, passiert das nicht. Sie paßt sich den Tiefenverhältnissen sozusagen an, weil sie schon beim Abtauchen Bestandteil des Körpers war und nicht dauernd aus anderen Druckverhältnissen zugeführt wird.

Herzliche Grüße,

Willy

Kommentar von Nixon85 ,

Hallo Willy - danke für Deine ausführliche Antwort!

Aber dann stellt sich mir doch noch die Frage - warum könnte Sie dann auf 170m (im Falle von Problemen) nicht das Atemgerät des Rettungstauchers benützen?

Kommentar von Willy1729 ,

Wahrscheinlich ist die Lunge in dieser Tiefe so stark zusammengepreßt, daß dies gar nicht möglich wäre. Die Taucher mit Atemgeräten haben ja in ihrer Lunge völlig andere Druckverhältnisse, bedingt durch die künstlich zugeführte Preßluft.

In den Flaschen der Taucher befindet sich übrigens kein reiner Sauerstoff, wie oft fälschlich angenommen wird, sondern komprimierte normale Luft, die über Regler mit dem passenden Druck eingeatmet werden kann.

Willy

Kommentar von habakuktib ,

Ich weiss nicht was passiert wenn ein Apnoe Taucher in diesen Tiefen plötzlich ein Atemgas unter Druck atmet. Dafür sind die Verhältnisse zu extrem. Aber der Rettungstaucher wird in diesen Tiefen keine Pressluft in den Flaschen haben sondern wahrscheinlich ein Sauerstoff Helium Gemisch. Da viele Gase wie z.B. Stickstoff oder Sauerstoff unter Überdruck toxisch werden und Stickstoff gleichzeitig sich im Körper aufsättigt, werden in diesen Tiefen spezielle Atemmischungen verwendet und der Rettungstaucher muss sehr langsam mit Pausen auftauchen um damit diese Gase ohne Blasen im Blut oder Gewebe zu bilden abgeatmet werden. Das ist dann auch der Grund warum der Apnoe Taucher wieder sehr schnell auftauchen kann weil er sich kaum aufsättigt.

Antwort
von habakuk63, 95

Es liegt in der Natur, des Abnoetauchens. Einatmen und abtauchen, der zunehmenden Wasserdruck komprimiert den Körper und vorallem die gelösten Gase im Körper. Beim Auftauchen reduziert sich der Druck und die komprimierten Gase dehnen sich auf ihren natürlichen, ursprünglichen Wert aus. Da die eingeatmete Luft den Körper und vorallem die Blutbahnen und die Lungenbläschen nicht stärker erweitern, als es beim Einatmen der Fall war kann nichts passieren.

Jetzt der Gerätetaucher: Die Luft ist schon beim Einatmen etwas komprimiert, der ganze Körper wird bei Abtauchen weiter komprimiert. Der Taucher atmen ständig ein und aus, somit kommt komprimierter Sauerstoff in die Blutbahnen und in die Organe. Der Taucher taucht auf, dabei verringert sich der Druck auf den ganzen Körper, der Körper und alle gelösten Gase in den Blutbahnen und Organen dehnen sich auch aus. Wenn der Taucher ohne Dekompressionsstufen auftaucht findet dieser Ausdehnenungsprozess der gelösten Gase in den Blutbahnen und Organen statt, die Folge sind starke innere Verletzungen, an denen der Tauche eventuell verstirbt.

Antwort
von juergen63225, 11

ich denke die Frage ist weitgehend beantwortet  wenn man nicht atmet in der Tiefe kommen auch keine Bläschen mit komprimiertem Gas ins Blut, man bekommt keine Taucherkrankheit. 

Aber man sollte wissen ... in 20m ist das sicheres Hobby .. eine Körperbeherrschung die viele erlernen können. 40 .. 60 m vielleicht auch noch. Tiefer kann kein Rettungstaucher mehr helfen, dass jemand in 170 wartet .. glaube ich nicht, der müsste nicht nur auf halber Höhe Stoppen  der würde 2 oder 3 Stunde deko brauchen an die Oberfläche, den Apnoe Taucher kann er höchtens filmen.

Eigentlich sind die Extremtauchgänge tötlich, weil die kollabierte Lunge ein Restvolumen braucht, um sich wieder füllen zu können. Wie die Extremtaucher das schaffen ist schon ein Phänomen. Einige Menschen können sich zwar antrainieren bis 8 min die Luft anzuhalten, aber der Atemreflex (das ist das Gefühl, keine Luft zubekommen und auftauchen zu müssen) setzt in der tiefe später ein als in 2 m Tiefe im Freibad. Dann ist es definiziv zu spät, wenn die Luft (der o2 Anteil) verbraucht ist beim Aufstieg und man ist erst in 70m ... Super Trainierte können die Grenzen verschieben, und Dinge machen, die für 99% tötlich wären ... aber die Rekordler gehen soweit, dass sie in Kauf nehmen dann 20m unter der Oberfläche bewusstlos zu werden .. da können Rettungstaucher dann Notaufstieg und Wiederbelebung versuchen.

Es bleibt aber mörderisch, das Risiko, höchstens vergleichbar mit Hochgebirgsbesteigungen bei denen jedes Jahr viele Tote zu beklagen sind  ... und die Nachfrage bleibt ...   bewundern kann icb solche Weltrekorde nicht.

Antwort
von Helmuthk, 61

Apnoetaucher haben keine Sauerstoffflaschen oder andere Hilfsmittel beim Tauchgang - höchstes ein Gewicht, um schneller die Tiefe zu erreichen.

Sie kommen mit der eingeatmeten Luft aus, daher kann es auch nicht zu der Taucherkrankheit kommen.

Die Rettungstaucher atmen aus den mitgeführten Flaschen. Und müssen natürlich beim Auftauchen Zwischenstopps einlegen, um ihre Lunge nicht zu schädigen. 

Antwort
von fischtauchen, 43

Hallo,

das Problem ist der Stickstoffanteil in der Atemluft und die Menge der eingeatmeten Luft. Ein Apnoe-Taucher nimmt nur seine eigene Lunge voll mit Luft mit in die Tiefe und nicht mehr, eher keine Luft mit zurück an die Oberfläche.

Anders sieht das bei einem Taucher mit Gerät aus. Er atmet in der Tiefe immer soviel Luft, wie auf Grund des Umgebungsdruckes nötig ist, denn die Luft in seiner Lunge muss jederzeit dem Umgebungsdruck entsprechen. Somit ist der Innendruck der Lunge immer gleich dem Umgebungsdruck.       Und dieser Umgebungsdruck, der an der Oberfläche ca. 1 bar groß ist, nimmt mit zunehmender Tiefe pro 10 m um 1 bar zu und dementsprechend auch die Atemmenge in der Lunge. Konkret heisst das: wenn beispielsweise eine Lunge an der Oberfläche ein Volumen von 3 l Luft atmet, dann atmet diese Lunge auf 10 m Tiefe 6 l usw. Diese Luft vergrößert die Lunge nicht, aber sie ist kompremiert.

Gleichzeitig besteht unsere Atemluft zu 21% aus Sauerstoff und zu 78% aus Stickstoff. Der Sauerstoff wird verbraucht, der Stickstoff ist als Innertgas nur der Transporteur des Sauerstoffes. Die Stickstoffmenge wird durch die größer werdende Luftmenge zu viel, kann in dieser Menge nicht abgeatmet werden und verbleibt im Körper.

Würde dieser Gerätetaucher ohne Halt sofort aus beispielsweise 30 m Tiefe schnell auftauchen, könnte er die Luftmenge nicht abatmen und die Gefahr eines Lungenrisses ist gegeben. Zusätzlich verbleibt bei der Luftmenge ein hoher Anteil Stickstoff im Körper, der wie bei einer geschüttelten und plötzlich geöffneten Sprudelwasserflasche zu sprudeln beginnt. Seine großen Blasen verstopfen die Aterien und ein Tauchunfall ist programmiert.

Obendrein könnte ein Gerätetaucher mit der normalen Atemluft (Pressluft) nicht in 170 abtauchen, da dann dieses Luftgemisch toxisch würde. Es sind andere Gemische erforderliich.

Gruß Klaus

Kommentar von fischtauchen ,

weil Apnoe-Taucher keine Stickstoffsättigung im Blut und keine zusätzlichen Luftmengen (auf Grund des Umgebungsdruckes aus der Pressluftflasche) in der Lunge haben.

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