Frage von jackiejen, 49

Wieso kann ich nicht trauern?

Der Titel sagt ja eigentlich schon alles. Letzten Monat ist meine Oma verstorben ganz plötzlich.
Sie war 82 Jahre alt und eigentlich gesund. Sie war zwar körperlich nicht fit ( konnte fast nichts mehr sehen wegen einem Schlaganfall vor Jahren, kaum noch laufen, ... Alters bedingte Beschwerden eben) aber es gab keine bestehende akute Krankheit.
Meine Oma hatte wohl nachts einen Herzinfarkt und unendliche Schmerzen, aber weil sie sich immer sorgen um alles gemacht hat und nickt wollte das sich irgendjemand wegen ihr bemühen muss hat sie nichts gesagt. Am nächsten morgen hat meine Mutter es durch Zufall erfahren und ist mir ihr ins Krankenhaus wo sie am Herzen operiert wurde. Kurz danach ist sie dann verstorben. Ihr herz hat einfach aufgehört zu schlagen und sie konnte nicht mehr reanimiert werden.
Auf der Beerdigung habe ich nur zwei Tränen vergossen während alle anderen am Boden zerstört sind.
Ich verstehe es nicht, ich liebe meine Oma und habe die Hälfte meines Lebens bei ihr und Opa verbracht.
Ich will traurig sein und weinen. Aber ich kann es nicht.
Ich kann und will nicht akzeptieren das sie nicht mehr da ist. Sobald ich an sie denke verdränge ich den Gedanken. Für mich ist sie nicht tot, ich versteh es nicht.
Ich weis nicht ob ich einfach nur kaltherzig bin oder sehr realistisch oder es schlichtweg verdränge.
Ich habe Angst das Mich diese Trauer irgendwann einholt und einschlägt wie eine Bombe. Weil dann wüsste ich nicht wie ich damit umgehen sollte.

Im Dezember ist meine leibliche Mutter gestorben womit ich recht gut klar gekommen bin da ich sie nicht kannte . Aber auch das kommt jetzt wieder hoch und ich träume von meiner Mutter und von vom Tod generell. Von Trauer und Verzweiflung.  Ich weiß nicht wie ich das alles verarbeiten soll.

Antwort
von Virginia47, 28

Mein aufrichtiges Beileid.

Aber es gibt keine Regeln für Trauer.

Vermutlich stehst du noch unter Schock. Und ja, es kann passieren, dass die große Trauer noch kommt. Aber dann solltest du sie zulassen. Mit allen Konsquenzen. Schließlich war dir deine Oma sehr wichtig.

Man kann auch nicht sagen, wie lange und wie intensiv so eine Trauer dauert. Jeder verarbeitet das anders. Dafür gibt es keine allgemeingültigen Regeln oder Normen.

Du solltest dich bewusst damit auseinandersetzen und die Trauer zulassen.

Dir aber auch sagen: Würde deine Oma wollen, dass du ewig leidest? Sicher nicht. Sie wäre stolz auf dich, wie du dein Leben in den Griff bekommst.

Alles Gute

Virginia

Antwort
von Krjhg, 49

Ich war bei der Beerdigung meiner Oma damals auch so wie du. Mittlerweile glaube ich, dass wir einfach anders trauern. Vielleicht stand ich auch einfach unter Schock, ich weiß nicht mehr. Ich weiß, dass ich aber jetzt noch um sie weine, nach 5 Jahren. Trauer kann man nicht verhindern und sie kommte glaube ich immer wie eine Bombe. Bei mir war es ein Lied, dass das Ganze ausgelöst hat... :( Aber mittlerweile geht es mir besser. Ich vermisse sie immer noch, aber man lebt weiter... Kaltherzig bist du definitiv nicht. :)

Trauer allgemein braucht einfach Zeit... Jahre, würde ich sagen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten