Frage von Pferdemaedchem, 48

Wieso kann ich mein Pony nicht einstellen?

Also, ich habe folgendes Problem: Ich reite jetzt schon seit mehreren Jahren und habe jetzt auch seit ungefähr einem Jahr eine Rb auf einem Welsh-B-Pony. Ich bin bisher immer mit Ausbindern geritten, doch meine neue Reitlehrerin besteht darauf, immer ohne zu reiten, was ich eigentlich auch gut finde, da er ohne Ausbinder viel lockerer geht. Allerdings lässt er sich überhaupt nicht einstellen und kommt auch nicht in die Anlehnung. Auch wenn ich vorne Paraden gebe, bleibt er mit der Nase oben und ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll. Klar, es klappt besser, wenn ich lange warm reite, aber ich kann in einer normalen Reitstunde auch nicht 45 Minuten Vorwärts-Abwärts Leichttraben, nur damit er am Ende vielleicht fünf Minuten am Zügel ist. Können tut er es auf jeden Fall, denn er ist eigentlich A-Dressur ausgebildet. Hat jemand vielleicht eine Idee, woran es legen könnte oder was ich noch probieren könnte?

Antwort
von HollisterinFun, 20

Es kann sehr frustrierend sein, wenn man sein Pferd auch nach sehr langer Zeit nicht in die Anlehnung bekommt. Jedoch ist dein Ansatz schon falsch, du hast geschrieben: "Klar, es klappt besser, wenn ich lange warm reite, aber ich kann in einer normalen Reitstunde auch nicht 45 Minuten Vorwärts-Abwärts Leichttraben, nur damit er am Ende vielleicht fünf Minuten am Zügel ist."
Doch, kannst du. Wenn es deinem Pferd dabei hilft, dann ist es okay so. Gerade am Anfang, wenn es noch nicht klappt, sind 5 Minuten am Ende schon ein toller Fortschritt. Denn du wirst merken, dass dein Pferd irgendwann nicht mehr so viel Zeit braucht, um in die Anlehnung zu finden.
Aber vorab würde ich ein paar Dinge überprüfen:
- passen Sattel und Trense?
- ist das Gebiss des Pferdes in Ordnung?
- ist das Pferd sonst in einer guten, körperlichen Verfassung?

Ob das Pferd in einer guten, körperlichen Verfassung ist, ist manchmal schwer zu beurteilen. Ich hatte auch enorme Probleme beim Reiten mit meinem Pferd. Irgendwann kam dann wegen eines anderen Problems eine Ostheopatin zu uns. Sie hat mein Pferd komplett gelöst und seit dem klappt es auch beim Reiten wieder super gut!

Zu Beginn der Reitstunde gibt es einige Möglichkeiten, das Pferd zu lockern und so den Weg in die Anlehnung zu erleichtern:
- vorher ausreiten gehen (entspannt mein Pferd total und motiviert es)
- lange Warmreiten (man soll sowieso mind. 20 Minuten Schritt reiten, weil sich erst dann die Beine des Pferdes erwärmen.)
Die zwanzig Minuten muss man nicht stur ganze Bahn reiten - das langweilt das Pferd, wirkt unmotivierend und bringt keinen Spaß.
Man kann in der Zeit aber:
- Schritt/Halt Übergänge reiten
- viele Bahnfiguren reiten
- Seitwärtsgänge
- Hinter-/Vorderhand verschieben
- Im Schritt das Tempo immer wieder verlangsamen und schneller werden, ohne die Gangart zu wechseln
All diese Übungen sind auch gut für die Rittigkeit eines Pferdes und ergeben einen interessanten, aber schonenden Einstieg. Die 20 Minuten werden komplett am langen Zügel geritten.
Anschließend kann mit dem Traben begonnen werden. 
- Schritt/Trab Übergänge
- viele Bahnfiguren
- Seitwärtsgänge
- Tempo verlangsamen, wieder schneller werden (z.b: an der langen Seite zulegen)
- usw.
Auch dies würde ich am langen Zügel reiten und im Leichttrab natürlich.
Anschließend eine Schrittpause, dann wieder etwas länger traben.
Dann ein paar Runden galoppieren. Auch im Galopp kann man das Tempo variieren, Übergänge, Bahnfiguren reiten usw. Die meisten Pferde lösen sich im Galopp ungemein!
Dann würde ich (wie du oben geschrieben hast) das Pferd 5 Minuten am Zügel gehen lassen, sofern es dazu bereit ist. Man riegelt ein Pferd nicht nach unten, sondern gibt ihm den Hauch einer Idee, sich fallen zu lassen.
Ein fleißiges, gleichmäßiges Grundtempo ist dafür unerlässlich. 
Ich wünsche euch viel Erfolg! :)

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