Frage von Just4fun33, 81

Wieso ist Deutschland so sensibel auf alles?

Immer ist die Politik schlecht, Regierung Katastrophe, ich lebe seit 20 Jahren wie immer ohne das mich die Politik dabei interessiert oder extrem ins Aus manövriert hat. Wann ist es denn mal gut gelaufen? Deutschland kann man es einfach nicht recht machen. Nur Wohlstandsprobleme. Ich kapier das nicht. Hat jemand eine Erklärung?

Antwort
von Rosenblad, 23

Man könnte jetzt geneigt sein mit "German Angst" zu argumentieren - das würde aber zu eng und zu polemisch sich darstellen.

Es sei mit erlaubt diese Frage einmal am Beispiel der Angst der Deutschen vor islamischen Frauen mit Kopfbedeckung zu beschreiben:

Einer meiner „Lieblingsautoren“ – Thomas Wolfe ließ in seinem großartigen Roman „Es führt kein Weg zurück“ einen seiner Hauptakteure folgendes sagen: „Ihm wurde klar, dass diese ganze [sc. deutsche Nation] von der Seuche einer ständigen Furcht infiziert war: gleichsam von einer schleichenden Paralyse, die alle menschlichen Beziehungen verzerrte und zugrunde richtete. Der Druck eines ununterbrochenen schändlichen Zwanges hatte dieses ganze Volk in angstvoll-bösartiger Heimlichtuerei verstummen lassen, bis es durch Selbstvergiftung in eine seelische Fäulnis übergegangen war, von deres nicht zu heilen und nicht zu befreien war.“

Ähnliches könnte Wolfe auch heute wieder schreiben, da mittlerweile eine subkognitive und noch mehr subaffektive Gesellschaftsstimmung sich gewitterfrontartig ausdehnt, wo jede Muslima mit Kopftuch oder anderen Verhüllungspraktiken als potentielle Unheilsbringerin islamischer Assimilierungsverfahren resp. einer Entdeutschlandisierung wie ein erschreckendes Zukunftsmenetekel auf eine gesellschaftliche Großbildleinwandfläche projiziert wird.

Wäre ich einer Karikaturist im Schlage eines Heinz Jankofsky würde ich wohl die Szene in ein Bild bringen wo ein schwitzender Mann vor einer Frau mit Kopftuch niederkniet und bettelt sie solle ihm nichts antun – darauf in einer gezeichneten Sprechblase der Satz steht: Lieber Herr sie brauchen doch keine Angst vor mir zu haben, ich bin eine christliche Ordensschwester.

Oder ich höre den Kabarettisten Jochen Malmsheimer
laut gestikulierend sagen: Gerade der weibliche Körper ist für mich ein Anlaß ständiger Verzückung, jenes Triptychon aus Anmut, Rundung und sanfter Weichheit ist Ziel inständiger Sehnsucht, ja Anbetung , aber es gibt auch gute Gründe, aus der Kirche auszutreten [oder eben den Islam zu mit viel Skepsis zu begegnen weil er seine Frauen in Sacktücher steckt, nun ja und die muslimischen Männer?]. Ach und ja, Malmsheimer sagte noch: „ Angehörigen bildungsferner Schichten beim Blamieren zuschauen ist eine Talkshow“. Aber gut, was hat das eine mit den anderen zu tun – nun das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Dieser ganze Plot wäre ja eigentlich in das Ablegefach von Ironie zu verbringen, aber leider scheint mir hat diese Angst mittlerweile eine alles überflutende Wirkung und überzieht ganze Gesellschaftsteile mit einem immer stärker werdenden, sich chronifizierenden und selbsterhaltenden Schleier – der Mensch in einer peinvollen Zeit die er nur noch in einem Zerrspiegel zu deuten vermag.

Neigt der zivilisierte Mensch in seiner technologischen Überfremdung (da der Mensch, wie die beiden Soziologen Klaus Gilgenmann / Bertold Schweitzer referieren noch in seiner psychischen Ausstattung von vor 50 000 Jahren stecken geblieben ist) zu einer kollektiven Paranoia? – wie manch einer vor ein paar Jahren bei der Vogelgrippe, selbst seine Badeente impfen ließ oder 2011 nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima, wo immer mehr deutsche Bürger aus Sorge in Apotheken vermehrt nach hochdosierten Jodpräparaten nachfragten und momentan: der lebensmittelhortende Deutsche in Angst vor dem Weltuntergang?

Glaubt man allen Ernstes eines auf Merkantilismus und Kapitalisierung sämtlicher als nur irgendwie als „Werte“ zu deklarierender Menschen und  Artefakte würde in ihrer technologischen, ökonomischen, soziologischen, militärischen und wissenschaftlichen Suprematie (die Politik habe ich übrigens bewusst ausgelassen, da diese sowieso nur noch ein Update ökonomischer Prinzipien manifestiert) einen Steinzeitformalismus in Gestalt islamistischer Topografie zulassen (zudem im Islam das Ribā, das Zinsverbot gilt).

Deutschland als Pandämonium von phobischen Imperativeinzirkelungen?

Die Merkel war´s – sie nur allein?, hat sie uns denn nicht 2008 versprochen das unsere Spareinlagen sicher seien – und alle waren zufrieden? (was interessierte den Deutschen die Banken“rettung“ und der Verlust von über 3 Billionen Dollar –wer sich das vertiefen will: http://www.hrr-strafrecht.de/hrr/archiv/12-10/index.php?sz=6).

Was hat dies nun wieder mit der Angst zu tun – mehr als manch einer gemeinhin zu glauben scheint, da wir das Glauben was man uns zu glauben hat suggeriert, denn der Glaube versetzt ja bekanntlich jeden Verstand, pardon „Berge“ von Verstand.

Ja, verzwickt, was soll man denn nun noch glauben – etwa an den gesunden und verlotterten Menschenverstand? „Gott“, App und Politik bewahre oder findet jemand ein Antwort auf dem Display seines zweiten Ichs?

Ist nun der Deutsche "sensibel" oder wird er gerade bewusst "sensibilisiert"?


Antwort
von Maisbaer78, 10

Du übersiehst, das viele Menschen sich nicht um Ihrer Selbst willen zb. über die Politik ärgern.

Deutschland sorgt für große Armut und Ausbeutung fern ab unserer Staatsgrenzen. Nicht Jeder findet, dass man sich dem gegenüber so wie du verschließen sollte.

Und die seit Jahrzehnten vorherrschende Entwertung der Vermögen in den unteren und inzwischen mittleren Einkommen innerhalb unserer Grenzen ist kein Fakt, der einem sofort ins Auge springt. Der Prozess vollzieht sich schleichend, wenn auch lange nicht mehr so subtil, als das man Ihn noch leicht übersehen könnte.

Du selbst merkst davon möglicherweise noch gar nichts, aber es gibt Familien die sehr wohl dadurch ins Aus geschleudert werden, und diese werden immer mehr. Auch wenn Sie selbst sich wie du, nie für Politik interessiert haben.

Die sozialen Strukturen die vor geraumer Zeit geschaffen wurden, werden zugunsten einer den Banken und Großunternehmen willfährigen Politik immer mehr aufgeweicht und teilweise unwiederbringlich aus unserer politischen System entfernt.

Von den auch hier schon zitierten Wohlstandsproblemen kann ich anhand von unfairen Freihandelsabkommen mit zb. afrikanischen Staaten, und hier in Deutschland mit ganzen Familien die in Städten keine Wohnungen mehr bekommen, weil die Mieten praktisch bereits ein ganzes normales Gehalt auffressen und noch immer weiter in die Höhe schiessen, nichts erkennen.

Soziale Sicherheitssysteme weisen immer mehr und immer größeres Löcher auf. Die sieht man natürlich erst, wenn man in ein solches gefallen ist. 

Wenn du mehr über echte Gründe erfahren möchtest, die Gegner der deutschen Innen- und Außenpolitik vorzubringen haben, kannst du dich zb. bei

www.attac.de

schlau lesen. 

Antwort
von teafferman, 2

Die Politik war auch von Anfang an schlecht und ist es, bis auf wenige Ausnahmen, bis heute geblieben. 

Adenauer musste mit Gewalt daran gehindert werden, sich verfassungsfeindlich zu verhalten. Er wollte tatsächlich das Militär gegen die eigene Bevölkerung jagen. 

Wir hatten mal keine Obdachlosigkeit in diesem Staat. Da waren wir relativ ruhig. Einige rechtliche Veränderungen haben für eine zunehmende Zahl Obdachloser gesorgt. Zugunsten irgendwelcher Großkonzerne. 

Die Tatsache, dass die Europäische Kommission für Menschenrechte erst Strafzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe androhen muss, bevor unsere Regierung sich um die Belange des eigenen Volkes wagt auch nur im Ansatz zu kümmern, spricht für sich. 

Die Tatsache, dass Merkel bisher nach meiner Kenntnis drei Mal von Verfassungsrechtlern vor die Wahl gestellt wurde, entweder unmissverständlich zurück zu rudern oder sich einem Amtsenthebungsverfahren zu unterziehen, spricht für sich. 

Deutschland hat eine der aktivsten Wurzelbewegungen auf der Welt. Das ist absolut nicht falsch. Wurzelbewegungen sind Gemeinschaften, welche sich für ein bestimmtes Thema zur gesellschaftlichen Verbesserung ehrenamtlich einsetzen. 

Auf der anderen Seite haben wir eine zunehmende Zahl Frustrierter, die sich ein X für ein U vormachen lassen, weil es so schön bequem ist. Da wird dann nicht die ständig wiederholt gewählte Unfähigkeit beim Namen genannt. Denn daraus würde ja Eigenverantwortung abzuleiten sein. Da ist dann das böse Du, das böse Andere verantwortlich. 

Es freut mich für Dich, dass es Dir persönlich gut geht. In D bricht allerdings der Mittelstand komplett ein. Das ist für keine Gesellschaft gut. 

Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Politisch gefördert. 

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Andere Staaten haben ihren sogenannten Nationalstolz. Die USA z.B.. Dieser lenkt so schön von teilweise menschenunwürdigen bis hirnfreien Zuständen im eigenen Staat ab:

Ganze Landstriche haben kein Trinkwasser mehr. Und das Gebiet wächst und wächst und wächst. Auch die Landwirtschaft leidet zunehmend unter Wassermangel. Was einen zunehmenden Ausfall an Lebensmittelproduktion nach sich zieht. 

Gibt es tatsächlich noch ausreichend Wasser, so fehlt es immer mehr an bestäubenden Bienen. Dank der Umweltvergiftung. Monsanto sei dank. 

Dass mal eben Obdachlose erschossen werden kommt durchaus häufiger da vor. Von der örtlichen Polizei. 

Könnte ich jetzt noch fortsetzen. Wird von sogenanntem Nationalstolz gerne übertüncht. 

Doch wir sollten uns da kein X für ein U vormachen lassen. Ich erhalte immer wieder Updates aus USA über den Kampf gegen TTIP und Internet-Einschränkungen. 

Öffentliche Anklagen wegen sexueller, rassistischer und auch bezüglich Aussehen stattfindender Diskriminierungen werden auf einigen Seiten in den USA regelmäßig veröffentlicht. 

Es wird also auch dort geklagt. Und auch dort zu Recht. 

Naja. Wenn ich so an die Franzosen denke, dann fällt mir der Vorwurf ein, wir seien zahnlos, Obrigkeitshörig....

Die Engländer werfen einen Politiker unter Umständen einfach aus seinem Amt. Da kennen sie Nichts. 

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Du bekommst anscheinend nicht mit, wie sich Menschen in anderen Staaten bezogen auf ihre Politik so verhalten. Dabei gibt es auf youtube manche Kanäle, die darüber berichten. Fremdsprachen sind da oft nicht nötig, denn die Bilder sprechen für sich.

Antwort
von Nitarius, 9

Zum Teil sicherlich Meckern auf hohem Niveau. Zum anderen ist keine Regierung der Welt gänzlich perfekt, es ist dabei nur natürlich, dass sich die Bevölkerung eher für die Probleme interessiert als die Erfolge, das ist kein typisch deutsches Phänomen, es hat noch nicht einmal direkt etwas mit Politik zu tun.

Antwort
von feinerle, 11

Weil die Deutschen keine wirklich echten Probleme mehr haben, wird jeder Firlefanz zur Staatsanffäre aufgebauscht und der Untergang des Abendlandes erklärt.

Ok, ein paar Probleme hat man noch hin und wieder. Das allermeiste ist jedoch künstlich zum Problem aufgebauter, völlig unegaler und dermaßen lächerlicher Pippifax, das wirklich alles zu spät ist.

Ob die Sprache nun wie auch immer Gendergerecht oder nicht, der Salzstreuer in Zukunft Salzstreuerin heißen sollte, der Mohrenkopf jetzt Schaumkuss heißen soll, eine Zigeunersoße noch so genannt werden kann oder ob jemand, der nicht weiß ob Männlich oder Weiblein auf die selbe Toilette muß oder darf wie alle anderen. 

Da wird rumgeheult über angeblich nicht erbrachte Chancengleichheit, weil ein besser gebildeter seine Kinder besser vorbereitet und darum es so gemein ist, dass der ungebildete das mit seinen Kindern nicht macht oder auch nur könnte, wenn der überhapt wollte, die aber hinterher deswegen nicht CEO von BMW werden können, weil der Staat diese nicht gesondert fördert.... oder wie auch immer.... etc.

Jeder schreit irgendwie, dass er diskriminiert wird, weil er nicht bekommt, was andere haben, anstat  die Ärmel hochzukrempeln und was anzupacken soll ihnen der Saich nachgetragen werden.

Es wäre eigentlich zum lachen, wenn es nicht schon so gruselig wäre.

Kommentar von vitus64 ,

Besser kann man diesen Blödsinn nicht auf den Punkt bringen!

Antwort
von Ontario, 15

Die Deutschen jammern stets und immer auf hohem Niveau. Anstatt mal etwas locker angehen zu lassen, suchen viele daraus ein Problem zu machen. Da stört sich einer daran, wenn im nahegelegenen Kindergarten die Kinder mal lauter werden. Wenn der Nachbar im Mehrfamilienhaus auf dem Balkon steht und eine Zigarette raucht, der "Qualm" dann nach oben steigt. Es gibt quasi nichts, worüber sich ein Deutscher nicht aufregen könnte und sei es noch so banal. Ob das Wohlstandsprobleme sind glaube ich eher nicht. Es wird eben solange gesucht, bis man einen Punkt findet den es zu reklamieren gibt. Dieses Image haben wir auch im Ausland. Dem Deutschen fehlt einfach der Humor mal über Dinge hinwegzusehen, über die es sich nicht lohnt zu diskutieren. Das wird man nicht ändern.

Kommentar von BTyker99 ,

Das mit dem Rauchen ist einfach asozial, sollen die doch das Fenster zumachen und den Rauch lieber komplett mit ihren Lungen absorbieren.

Antwort
von lesterb42, 3

Weil Bild auch morgen noch Zeitungen verkaufen möchte, wird jeder Mist zur Staatsaffaire hochgepuscht.

Antwort
von soissesPDF, 6

Weil die Politik schlecht ist.
Die machen Politik für die Wirtschaft, nicht für die Bürger.

Die Globalisierung erzeugt Wohlstandsverluste in Deutschland.
Ergo äußern sich die Bürger, mehr und mehr und werden von der Politik als Wutbürger verunglimpft.

Ist ja recht nett, dass die Wirtschaft Exportüberschüsse einfährt und der Finanzminister Milliarden Überschüsse bei Steuern verbucht.
Was genau davon kommt bei den Bügern an?

Antwort
von Iflar, 5

Hat jemand eine Erklärung?

Nein, aber ich stimme dir vollkommen zu! Besser als heute in Deutschland hat es niemand auf der Welt. Jeder Gejammer ist auf höchstem Niveau.

Antwort
von H96Bingo, 4

Was erwartest du von einem Land voller Ingeneure? Problem suchen, Problem lösen, Problem suchen, Problem lösen-Egal wie klein es auch ist.Perfektionismus nennt man das.

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