Frage von Al7aia, 55

Wieso hat deutsche Sprache mehr grammatik ALS Schwedische?

Antwort
von OlliBjoern, 18

Das ist eine gute Frage. Schwedisch ist einer der modernen Varianten, die aus dem Altnordischen entstanden sind. Auch Isländisch gehört zu den nordischen Sprachen, ist aber deutlich konservativer als Schwedisch, was durch die Insellage Islands leicht erklärbar ist.

Isländisch bewahrt alle 3 germanischen Genus und alle 4 Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ). Schwedisch hat nur 2 Genus und 2 Kasus (nur der Genitiv wird explizit von der Grundform unterschieden).

Deutsch ist dagegen eine westgermanische Sprache, eher also mit dem Englischen und Niederländischen verwandt. Deutsch ist auch eine konservative Sprache, was die Grammatik angeht - darin ähnelt es typologisch dem Isländischen, mit dem es aber nicht sonderlich eng genetisch verwandt ist.

Es wurde die These aufgestellt, dass es vor allem an der fremden Beeinflussung liegt, wie sehr sich eine Sprache "vereinfacht" (wobei dieser Term von Linguisten kaum so angewandt wird wie es in der Umgangssprache üblich ist). Darüber bin ich mir noch nicht ganz sicher.

Deutsch (in der Mitte Europas) hat natürlich vielfältige Einflüsse anderer Sprachen erlebt (Latein, Griechisch, slawische Sprachen, nordische Sprachen), und es war seither ein in sich stark differenzierter Sprachraum gewesen. Dennoch hat es eine konservative Grammatik bewahrt. Selbst Muttersprachler sind sich oft unsicher über bestimmte Endungen.

Englisch und Schwedisch haben ihre Sprachen jeweils deutlich "rationalisiert", warum Deutsch nicht dieselbe Tendenz mitgemacht hat, kann man m.E. nach nicht so simpel erklären. An einer Isolierung (wie im Falle Islands) kann es nicht gelegen haben.

Wikipedia schreibt: "Die deutsche Sprache hat im Vergleich mit anderen germanischen Sprachen ein reiches System von Wortformen (Flexion) bewahrt, in einem Ausmaß wie sonst nur das Isländische."

Antwort
von MarioXXX, 31

Also Altschwedisch oder Isländisch haben eine sehr komplexe Grammatik. Da aber Schwedisch aber stark vom Norwegischen und Dänisch sowie vom Niederdeutsch beeinflusst wurde, hat sich die Grammatik stark vereinfacht. Altenglisch zum Beispiel ist mehr wie modernes Deutsch als modernes Englisch, da aber Englisch stark vom Altnordischen, Altfranzösisch und Latein beeinflusst wurde, hat sich die Grammatik stark vereinfacht. 

Das heißt im Allgemeinen: je stärker die Sprache beeinflusst wurde, desto einfacher ist die Sprache. Isländisch zum Beispiel blieb isoliert vom anderen Sprachen (Island ist eine einsame Insel) und daher ist die Grammatik komplexer. Deutsch ist einfacher als Isländisch (hat also mehr fremde Einflüsse) aber schwieriger als Englisch und Schwedisch.

Persisch ist auch einfacher als zum Beispiel Sanskrit.

Französisch hat auch einfachere Grammatik als Latein.

Deutsch ist einfacher als Proto-Germanisch.

Proto-Germanisch und Latein haben eine einfachere Grammatik als Urindoeuropäisch.

Und Urindoeuropäisch ist wahrscheinlich einfacher als Proto-Nostratische Sprachfamilie und darunter gehören vor allem die Finno-Ugrische wie Estnisch, Finnisch und Ungarisch.

https://de.wikipedia.org/wiki/Nostratisch

Antwort
von RudolfFischer, 15

Der Fragesteller verkürzt "Grammatik" auf Morphologie (Formenlehre).

Der Formenschwund ist bei germanischen und romanischen Sprachen (bei slawischen kenne ich mich nicht genügend aus) allgemein zu beobachten. Im Deutschen schwindet zurzeit der Genitiv (*"des Student", *"des Haus"). Im Niederländischen schrumpft die Anzahl der "het"-Wörter, und feminine "de"-Wörter werden zunehmend maskulin (sofern sie nicht Frauen bezeichnen). Im Englischen gehen "whom" und "shall" den Bach runter.

Dass Deutsch seinen Formenreichtum (und die Genera) länger behalten hat als andere europäische Sprachen, liegt wohl im Wesentlichen an der hohen Sprecherzahl und an einem Bildungssystem, das die Norm mit drohender sozialer Ausgrenzung aufrecht erhält. In der deutschen Sprechergemeinschaft psychisch tief verankert ist auch die Abwehr gegen jede Änderung. (Man erinnere sich an die Hysterie, als die Rechtschreibung reformiert werden sollte.)

Insgesamt wird dadurch der Einfluss anderer Sprachen, der sonst zu einer Nivellierung führt, begrenzt. So soll die germanisch-romanische Mischsprache Englisch nach einer Theorie dadurch entstanden sein, dass sich die normannischen Eroberer mit den einheimischen Sachsen besser verständigen konnten, wenn beide Seiten die störend verschiedenen Wortformen auf den Stamm reduzierten.   

Dementsprechend ist auch das "internationale" Englisch einfacher gestrickt. Bald wird wohl auch der Rest der Präsens-Konjugation, das "s" der dritten Person Singular, weggelassen werden können.

Noch klingt es in meinen deutschgewöhnten Ohren schlimm, wenn eine Deutschlehrerin (!) zu einem syrischen Flüchtling sagt: "Musst du anderes Ticket nehmen." Denn auch bei Deutschen breitet sich inzwischen "Kurzdeutsch" aus: "Fahren Sie Bahnhof?", "Ich bin auf Real". Die drei Genera werden sich nur halten können, wenn sie von zartester Kindheit auf im Erstspracherwerb korrekt und genügend häufig gehört werden können. Sonst Deutsch bald anders. ;-) 

Antwort
von muschmuschiii, 37

Wieso haben die Chinesen eine andere Schrift?

Kommentar von Al7aia ,

Was meinst du, achso, danke für deine hilflose antwort

Kommentar von muschmuschiii ,

Wenn man Verstand genug besitzt, kann man daraus einiges ableiten .... ist aber für dich vermutlich zu anspruchsvoll. MarioXXX hat es ausgezeichnet erklärt: sagt aber im Grunde das selbe ... je isolierter die Sprache, desto anspruchsvoller

Kommentar von Al7aia ,

Ok 

Kommentar von Rudolf36 ,

Du könntest ja einmal wissenschaftlich darlegen, wie sich die chinesischen Schriftzeichen aus den germanischen oder keltischen Runen entwickelt haben.

Kommentar von muschmuschiii ,

du hast es - leider - nicht mal ansatzweise verstanden!

Kommentar von Al7aia ,

Hahahahahaha

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