Frage von 1900minga, 80

Wieso hat Bernie Sanders nicht frühzeitig aufgegeben?

Auf der einen Seite, war der mein Lieblingspräsident für Amerika, aber wieso hat er nicht aufgegeben.
Kostet ihn doch nur extrem viel Geld...

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 21

Erstens: Technisch gesehen ist er noch nicht aus dem Rennen. Ende Juli entscheidet ein großer Parteitag über den eigentlichen Kandidaten. Und dort werden weitere 714 Stimmen vergeben. 

Zweitens: Auch in demokratischen Kreisen weiß man sehr genau, dass Clinton einen ganzen Haufen Dreck am Stecken hat. Und sowas wird üblicherweise bei den Wahlen auf das Unangenehmste und Schmutzigste gewaschen. Durch die Fortsetzung seiner Kampagne verunsichert er die Super-Delegierten, weil er ihnen mit seiner Person einen einfachen Ausweg aus dem Problem anbietet.

Drittens: Indem er nicht aufgibt, kann er Clinton noch eine ganze Weile (auch nach der abschließenden Nominierung Ende Juli) vor sich hertreiben. Denn er vereint eine stark wachsende Gruppe vor allem junger Menschen; steht also quasi für die "zukünftigen Demokraten" in den USA; während Clinton eher für die "alten Demokraten" steht. Insofern kann er der Partei eine neue Richtung aufdrücken, selbst wenn er nicht zur Präsidentschaftswahl antreten sollte.

Viertens: Er hat es seinen Anhängern von Anfang an versprochen. Alle wissen, dass dies Sanders einzige und letzte Kandidatur ist. Insofern erhöht das natürlich auch den Druck auf ihn selbst.

Fünftens: Er drückt aber damit auch auf seine Anhänger. Indem er zeigt, dass er auch an ziemlich aussichtsloser Stelle nicht aufgibt, versucht er seine "außerparlamentarische Opposition" in Stellung zu bringen. 

Sechstens: Die Schar seiner Anhänger wächst immer noch rasant. Hätte er frühzeitig aufgegeben, würde das nicht in dieser Geschwindigkeit geschehen. Es wäre also sehr ungeschickt für ihn und vor allem für seine Absichten, würde er sich diese einmalige Chance des Werbens für seine politischen Ziele entgehen lassen, nur weil er vorzeitig die Segel streicht.

Siebentens: Selbst eine "verlorene Präsidentschaftswahl" ist für Sanders' Absichten nicht wirklich negativ ... vorausgesetzt, es gelingt ihm, im Kongress und im Senat zunehmend "seine Abgeordneten" unterzubringen. Doch dazu braucht er möglichst viele Anhänger in seinem Flügel.

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Mit anderen Worten: Sanders versprach seinen Anhängern, die Politik beeinflussen und ändern zu wollen. Genau das macht er gerade.

Denn er zwingt die Demokraten in ein kritisches Dilemma:

  • Wollen sie "die zukünftigen Wähler" ihrer Partei verärgern? Stellen sie Clinton auf, outen sie sich als reaktionäre Partei und verärgern die "jungen Demokratenwähler", also ihre eigene Zukunft.
  • Wollen sie die Reichen & Mächtigen verärgern? Stellen sie Sanders auf, verärgern sie das Establishment, also die "Reichen & Mächtigen" im Land, die in Clinton eine bessere eigene Vertretung sehen. 

Und da Sanders - quasi aus dem "Nichts" kommend - mittlerweile schon rund 40% der demokratischen Wähler hinter sich vereint, ist das eine gewaltige Hausnummer, die man nicht einfach ignorieren und "business as usual" machen kann.

Allein also diesen Gedankengang durchspielen zu müssen, weil er sich bei der Nominierung im Juli als Kandidat aufstellt, ist schon ein gewaltiger Änderungsansatz, den Sanders in die Politik der demokratischen Partei einbringt ... ganz egal, wie der Parteitag ausgeht.

Kommentar von 1900minga ,

Bitte in paar Tagen errinnern, für die hilfreichste Antwort, falls erwünscht☺️

Antwort
von Traveller24, 23

Weil er die Themen, die er verttritt, weiter in der Diskussion halten wollte. Er selbst hat vielleicht keine Chance, aber seine politische Agenda vielleicht. Und je weiter er kommt, desto weiter werden diejenigen kommen, die ihm nachfolgen. Änderung von politischen Systemen dauern manchmal ziemlich lange und benötigen mehr Anläufe. Manchmal ist es wichtig, so weit wie möglich zu kommen, auch wenn man weiss, dass man das Ziel nicht erreicht. Einfach um den Weg für den nächsten Anlauf zu bereiten.

Antwort
von atzef, 11

Bernie zahlt doch seine Wahlkampagne nicht aus eigener Tasche, sondern aus Spenden.

Er nutzt halt das öffentliche Rampenlicht, um mehr Menschen seine politischen Ziele nahezubringen und für diese zu werben. Auch wenn er altersbedingt das nächste Mal nicht mehr selber antritt, ebent er aber damit bestimmten Themen und Zielen eher den Weg, es auf die Ebene der tagespolitik zu schaffen.

Antwort
von Matthias2012, 27

Bernie ist ja noch nicht raus. Seine Chancen stehen gerade verdammt mies. Er hat kaum Chancen noch zu gewinnen. Aber in der Zeit wo er noch aktiv ist, kann er viele Wahlversprechen machen. Hillary Clinton wird dann schlecht sagen können: "Ja, mach ich nicht". Er lenkt also ihre Politik. Und er klärt die Menschen auf. Bestes Beispiel: Bernie findet das "Fracking" doof, da es der Umwelt schadet. Frau Clinton kann jetzt schlecht sagen. Joa Fracking ist gut und schadet nicht der Umwelt. Damit würde sie an Glaubwürdigkeit verlieren.

Er sorgt dafür, dass sie Wahlversprechen macht, die garnicht in ihr Parteiprogramm gehören. Darum ist jede weitere Woche mit Bernie, eine gute Woche.

Ob sie die Wahlversprechen dann am Ende einhalten wird, wird sich zeigen.

Antwort
von Modem1, 24

Setzt er von der Steuer ab.Clinton hat auch einige negative Seiten aus ihrer Zeit als Außenministerin.  

Kommentar von Traveller24 ,

"Von der Steuer absetzen" bedeutet nicht, dass man das ganze Geld zurück bekommt. Das ist leider ein weit verbreiteter irrtum. Ausserdem ist es fraglich, ob er das überhaupt absetzen kann.

Antwort
von Beantworter1112, 36

Weil er die aller letzte Chance noch nutzen wollte.
Kann ich mir nur so vorstellen.

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