Frage von rockylady, 94

Wieso hält jeder seine Wahrheit für die Richtige?

Ich meine das in philosophischer Hinsicht .....man merkt besonders in diesem Portal dass einige nicht offen sind für andere Sichtweisen. Ich vertrete die Ansicht - nimm dich nicht so wichtig, auch andere denken richtig. ;)

Dennoch sind manche sehr festgefahren.

Woher diese Blockaden, man kann doch Meinungen teilen ;)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TERTIUM, 23

Hallo rockylady

Organismen finden sich in ihrer Umwelt zurecht, indem sie Außenreize bzw. innere Zustände nach einem schlichten dualen System kategorisieren: Entweder ist der Reiz angenehm und nützlich oder aber er ist unangenehm und schädlich. Jeder Organismus strebt danach, unangenehme Reize zu vermeiden, um dadurch dem wesentlichen Ziel der biologischen Existenz nicht zu schaden, nämlich der Weitergabe der eigenen Erbinformation. Um sich im Wettkampf um den Fortpflanzungserfolg behaupten zu können, ist es mitunter notwendig, konkurrierenden Artgenossen Schaden zuzufügen oder diesen zumindest billigend in Kauf zu nehmen. Dieses Verhaltensmuster ist selbstverständlich auch beim Menschen zu beobachten. 

Es ist daher nicht verwunderlich, dass dieses Verhaltensmuster in der Evolution des Menschen eine maßgebliche Rolle gespielt hat. Die Entwicklung unseres erstaunlich komplexen Gehirns beispielsweise ist nicht zuletzt auf die Tatsache zurückzuführen, dass diejenigen, die dank ihrer besonders ausgeprägten kognitiven Fähigkeiten in der Lage waren, andere zu übervorteilen, Intrigen zu spinnen und Seilschaften zu etablieren, deutliche Überlebens- und Fortpflanzungsvorteile hatten. 

Wohl also dem Glücklichen, dessen Gehirn entsprechende Verhaltensroutinen etabliert hat! Allen anderen Hirnen sei geraten, sich vielleicht doch etwas intensiver mit der Aufhebung der Willensfreiheitshypothese und der damit einhergehenden Entzauberung von Richtig und Falsch zu befassen. Denn ein derart geimpftes Bewusstsein mildert - wie Albert Einstein schrieb - "in wohltuender Weise das leicht lähmend wirkende Verantwortungsgefühl und macht, dass wir uns selbst und die andern nicht gar zu ernst nehmen; es führt zu einer Lebensauffassung, die auch besonders dem Humor sein Recht lässt."

Vielleicht hast du schon einmal von Determinismus(im Text als Aufhebung der Willensfreiheitshypothese bezeichnet) gehört. Obwohl es gute Argumente für den Indeterminismus gibt, gehört die Willensfreiheit nicht dazu.

Wenn man also die "Willensfreiheitshypothese aufhebt" entfernt man automatisch Dinge wie: Gut und Böse, Richtig und Falsch, Wahrheit und Unwahrheit.

Zu deiner Ansicht "nimm dich nicht so wichtig, auch andere denken richtig". Über das "richtig" kann man jetzt streiten denn ich kann es nicht als "falsch" beurteilen aber wie du vieleicht schon bemerkt hast stimmt deine Ansicht mit der von Einstein(dass wir uns selbst und die andern nicht gar zu ernst nehmen) Inhaltlich ziemlich genau überein ;) ob das jetzt richtig oder falsch ist musst du selber entscheiden oder auch nicht ;). 

Ich(subjektiv) teile deine/Einsteins Ansicht.

LG TERTIUM

Quelle: http://www.schmidt-salomon.de/gutboes


Antwort
von Rosenblad, 21

Um bei Deiner Frage zu bleiben: Weil für viele Menschen die konstruierte, reizipierte oder imitierte  "Wahrheit" (im Einzelnen zu beschreiben als epistemologische Inhalte, Sinnbestände, Wertzuschreibungen, Bedeutungsaussagen, Verhaltenspositionen, Einstellungen, Überzeugungen, Glaube etc. etc.) auf Stabilisierungen, Orientierungen und Selbstorganisationen bezüglich solcher substantieller Faktoren wie Identität, Selbstmodelle oder Lebensstrategien verweist, fehlende Selbstfaktoren ersetzen muß (z.B. aus Traumatisierungen in der Kindheit heraus),  Selbstfaktoren massiv verstärken hilft (z.B. bei narzißtischen Persönlichkeiten), einfach eine repräsentierende Narration einer Mainstreamformation darstellen usf. Solche Wahrheiten sind entweder auf den Einzelnen bezogen oder auf soziale Kollektive und Gemeinschaften (z.B. Glaubensgemeinschaften).

Antwort
von PurpurSound, 31

Erkenntnisse gewinnen heisst etwas bestimmtes für wahr halten. Ohne erkenntnisse hätten wir gar keine massstäbe für unser denken und handeln.

Je nachdem wie erfahrungsbehaftet und reflektiert das stattfindet ist die erkenntnis fundiert.

Dass hier defizite vorliegen, das kann man jemand vorwerfen. Nicht aber dass er erkenntnisse gewinnt. das wäre wie das denken zu verbieten.

Also etwas gelassener sehen und den leuten ihre meinungen lassen. Durch reden und argumentieren ändert man da eh nur selten was :-) lg max

Antwort
von mastema666, 46

Naja, es gibt ja genau genommen in der Regel immer nur eine "echte" Wahrheit zu einem Thema, ist ja auch logisch, mehrere, die sich ggf widersprechen, können ja schlecht gleichzeitig wahr sein.

Nur was genau nun diese "echte" Wahrheit ist, worauf auch immer bezogen, darüber haben verschiedene Menschen eben auch verschiedene Ansichten (und niemandem gefällt es falsch zu liegen, nur manchen können es besser akzeptieren wenn es so ist, manche schlechter, und die "ganz schlimmen" gar nicht).

Ist aber menachmal auch die Frage, ob es sich wirklich um ein Thema handelt, wo es überhaupt um "Meinungen" geht, zu vielen Dingen kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein, jedem das seine, aber wenn Leute anfangen zu z.B. wissenschaftlich erwiesenen Tatsachen ihre "eigene" abweichende Meinung haben zu wollen und sich dann noch beschweren, dass andere diese Meinung nicht akzeptieren, das ist imho schon, bestenfalls, etwas merkwürdig.

Kommentar von Psyllon ,

Es gibt auf keinen Fall immer nur eine Wahrheit, und meistens setzt sich die echte Wahrheit aus verschiedenen Wahrheiten verschiedener Menschen zusammen.

Kommentar von mastema666 ,

Diese "verschiedenen Wahrheiten" sind letztlich halt eben gerade keine Wahrheiten, sondern schlicht Meinungen. 

Mir würde jetzt jedenfalls kein Thema einfallen, wo es nicht nur genau eine tatsächliche Wahrheit gäbe (was nicht heißen soll, dass ich, oder überhaupt irgendjemand, diese Wahrheit kennen würde, gibt ja auch Dinge, die wir alle noch nicht wissen, was nicht heißt, dass die jeweilige Wahrheit nicht existiert). 

Also wohlgemerkt, Tatsachen, keine Meinungen ;)

Antwort
von Pahana, 27

Weil es subjektive und objektive Wahrheiten gibt. Unsere Sonne ist eine objektive Wahrheit - sie gilt für jeden Menschen und für jede Maus. Und wer diese Wahrheit leugnet, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Ist der Politiker X ein guter oder ein schlechter Politiker? Manche meinen, er sei ein guter, andere meinen wiederum er sei eine Katastrophe. Was ist die Wahrheit? Die subjektive Wahrheit lautet: er ist ein guter und er ist ein schlechter Poltiker. Objektiv lässt er sich nicht eindeutig zuordnen, ob er nun gut oder schlecht in der Ausübung seiner Tätigkeit ist

Antwort
von Dhalwim, 10

In Rolf Dobelli's die Kunst des klugen handelns stand drin vom Handlungsfehler der sogenannte "Introspection Illusion",

Schau mal was darunter nach,

LG Dhalwim

Antwort
von Aktionaer0010, 41

Denke das liegt daran, dass die Einträge in einem Forum ''emotionslos'' sind. Deshalb glaubt man das auch nicht, sondern hält seine Aussage für richtig. Wenn man normal mit jemandem im echten Leben diskutiert, dann ist man sich oft auch einig weil das Gespräch mit Emotionen stattfindet. 

Hier im Forum ist es so als würde man mit einem Roboter schreiben (übertrieben gesagt).

Antwort
von krispinchen, 27

jeder mensch hat eine Wirklichkeit, die er für richtig hält. die Wahrheit ist das, was wirklich richtig ist. Ist philosophisch begründet. :) 

Wirklichkeit ist subjektiv und Wahrheit ist objektiv.

Warum das so ist, liegt einfach and er menschlichen Natur und dem Streben nach dem Besserwissen :D

Antwort
von Psyllon, 16

Ich tippe auf Ego

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