Frage von Rotbart207, 67

Wieso haben sich die frühen Handschusswaffen eigentlich so gut und schnell durchsetzen können?

Ich frage mich dies, da eine Handfeuerwaffe sehr umständlich und langsam nachzuladen war. In der Zeit wo eine Handfeuerwaffe geladen war, hätte man doch 15 Pfeile verschießen können. Desweiteren glaube ich auch nicht, dass Handfeuerwaffen eine erheblich größere Durchschlagskraft hatten als eine Armbrust.

Antwort
von voayager, 10

Die Durchschlagkraft war bei den Feuerwaffen schon größer, zudem lassen sie sich sowohl für den Nah,- als auch Fernkampf nutzen. Für den Nahkampf sind Bogen und Pfeil oftmals ungeeignet. Kommt hinzu, dass man nicht unbegrenzt Pfeile mit sich rumschleppen kann. Patronen sowie Pulver sind jedoch in größerer Stückzahl/Menge vorrätig, bzw. zu führen.


Antwort
von PvtArrowhead, 35

Naja doch, die Durchschlagskraft ist schon deutlich höher. Feuerwaffen allgemein haben die KriegsFührung enorm verändert. Zu der Zeit (16-17 Jahrhundert) hat man größtenteils noch mit Klingenwaffen gekämpft. Feuerwaffen waren extrem teuer und wertvoll. Somit Gab es sie nur recht selten und in einer Armee hatten immer nur wenige Soldaten ein Gewehr. Die Nachladezeit war recht lang, dennoch waren Feuerwaffen genauer, stärker und vor allem furchteinflößender. Zudem boten sie durch da Bayonett immer noch eine Möglichkeit, sich im Nahkampf zu verteidigen.
Feuerwaffen entwickelten sich recht schnell weiter und wurden deshalb schnell stärker.

Antwort
von napoloni, 18

Ich glaube, deine Frage ist wissenschaftlich noch nicht beantwortet. Es gibt einige Indizien, doch zu jedem dieser Hinweise kann man ein "Aber" zusetzen :o)

Ein großer Vorteil der Handfeuerwaffen war, dass die fast jeder Depp nach kurzer Zeit bedienen konnte. Der Einsatz des Bogens hingegen erforderte wahnsinnige Kraft und lebenslanges Training.

Das Aber: Auch der Umgang mit einer Feuerwaffe brauchte sehr viel Übung, irgendwann hab ich mal gelesen, so 30 bis 40 Schritte, und es war auch extrem wichtig, das Schwarzpulver richtig zu dosieren... aber diesbezüglich gab es ja über kurz oder lang eine natürliche Auslese. :o)

Klar jedoch: Ein Arkebusier brauchte nicht die körperlichen Fähigkeiten eines Bogenschützen. Und die Arkebuse konnte man noch bedienen, selbst wenn einem der Mittelfinger angehackt worden war (gefangenen Bogenschützen wurden mitunter vorsorglich kriegswichtige Finger "entfernt").

Die Produktion von Feuerwaffen und Munition war ebenfalls einfacher als die eines Bogens und seiner Pfeile. Für einen Bogen brauchte man seltenes Eibenholz, sehr gute Bogenbauspezialisten und sehr sehr viel Zeit.

Kommentar von Rotbart207 ,

Naja das ist es eben. Wenn so ein Arkebusenschütze am nachladen ist, kann ein guter Bogenschütze auf ihn locker 15 mal feuern. Und wenn es während der Schlacht regnet, ist der Handfeuerwaffenschütze haushoch unterlegen.

Zudem waren die ersten Handfeuerwaffen ja alles andere als genau.

Hab auch mal gelesen, dass Bogenschießen in England so eine Art Volkssport im Mittelalter war. Sodass England ziemlich effektiv gegen französische Ritter kämpfen konnte...

Kann es vielleicht sein, dass die Artillerie der eigentliche Motor der Entwicklung für die Schusswaffen mit Schießpulver waren?

Kommentar von mrsinister154 ,

Armbrüste waren in diesem Sinn aber noch einfacher zu bedienen als Arkebusen oder Bögen: Sehne spannen, Bolzen einlegen, zielen, schießen; dank der Kurbel brauchte man nicht besonders viel Kraft zum Spannen der Sehne und das Zielen war wesentlich einfacher als mit einem Bogen; außerdem musste man nichts dosieren

Kommentar von napoloni ,

Der Bogen verliert im Regen aber auch extrem an Reichweite und Zielgenauigkeit. Und ich glaube, Reichweite ist ein wichtiges Stichwort, weil die Feuerwaffen sich ja weiterentwickelten und irgendwann die weitaus größere Reichweite hatten. Da konnten sich die Arkebusiere jede Bogenschützenkompanie gut auf Distanz halten.

Langbogenschützen waren auf den britischen Inseln noch bis ins 17. Jahrhundert recht populär, aber schon vorher hatte sich abgezeichnet, dass das englische Militärwesen mit Bogen und Bills nicht mit dem in Kontinentaleuropa Schritt halten konnte. Unter Henry VIII mussten für einen Frankreichfeldzug fremdländische Söldner angeworben werden. Und obschon er ein großer Anhänger des Bogens war, führte er dann auch Feuerwaffen ein.

Antwort
von Ansegisel, 40

Die Durschlagskraft ist tatsächlich das schlagende Argument. Selbst die frühen Feuerwaffen, die sog. Handrohre, konnten es da bereits mit den Armbrüsten aufnehmen. (Laut Wikipedia durchschlugen Armbrüste eine Rüstung auf 50 bis 100m, Handrohre ebenfalls bis 100m.) Je weiter die Entwicklung der Waffen bis hin zur Arkebuse im 16. Jahrhundert ging, desto größer wurden auch Reichweite und Durchschlagskraft.

Natürlich waren gerade in der Anfangszeit der Feuerwaffen auch andere Fernwaffengattung auf dem Schlachtfeld vertreten, bevor die Armbrüste irgendwann verdrängt wurden. Aber bereits um 1525 in der Schlacht bei Pavia bestimmte die leichte Infanterie mit ihren Arkebusen den Ausgang der Schlacht entscheidend mit.

Nicht umsonst fällt in diese Zeit auch der Niedergang der schwer gepanzerten Reiter und schweren Infanterie. Gegen Armbrüste schienen die noch ab und zu ihren Zweck zu erfüllen, gegen Handfeuerwaffen bot ab dem 16. Jahrhundert aber auch die dickste Metallplatte keinen zuverlässigen Schutz mehr.

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