Frage von saxboy, 133

Wieso gibt es Obdachlose, die wollen doch nicht in unseres system rein?

Jeder bekommt in der Schweiz sozialhilfe. Auch asylanten bekommen etwas. Wieso gibt es sie trotzdem? Sollte man denen nichts geben?

Antwort
von AppleTea, 58

Ist in Deutschland genauso aber ich glaube das lässt sich so nicht pauschalisieren. Jeder dieser Menschen hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Gründe weshalb er lieber so leben will anstatt Hilfe anzunehmen.

Kommentar von Paguangare ,

Die meisten Obdachlosen leben nicht freiwillig so wie sie es tun, d.h. sie können sich durchaus etwas Schöneres vorstellen. Und es ist auch nicht so, dass der Staat mit seinen doch begrenzten Möglichkeiten und seiner Bürokratie ein Rundum-Sorglos-Betüdelungsprogramm für Menschen in Not anbieten würde. Vielmehr muss man eine Menge Eigeninitiative und Strukturiertheit aufbringen, um sich um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern und sich durch den Behördendschungel zu kämpfen.

Bei Obdachlosigkeit kommen organisatorische Probleme hinzu: Keine zustellfähige Postadresse, kein Telefon, keine E-Mail-Adresse, kein Bankkonto, Schwierigkeit, sich stets gepflegt zu halten, Kampf ums Überleben (Schlafplatz, kostengünstiges Essen, Aufbewahrung der Habseligkeiten) viel aufwendiger als mit einer Wohnung, ...

Kommentar von AppleTea ,

Deshalb sag ich ja, dass die Leute ihre Gründe haben wenn sie die Hilfe nicht annehmen. Auf der Straße leben muss nämlich keiner, ergo leben sie sehr wohl freiwillig so

Kommentar von Minilexikon ,

Du scheinst echt zu denken, alles wäre immer einfach lösbar. Kannst du dir vorstellen, wie es ist, in einer solchen Situation zu sein?

Oft ist man mit dem Leben auf der Straße so ge- bzw. manchmal auch überfordert, dass man einfach weder Kraft noch Motivation aufbringen kann, sich selber zu helfen und sich lieber seinem Schicksal fügt.

Kommentar von AppleTea ,

jupp kann ich zufällig. danke der nachfrage

Antwort
von voayager, 10

Die Hilfe, die man Obdachlosen staatlicher,- und kommunalerseits zukommen läßt, schreckt allerlei Menschen ab. Wer in eine Notunterkunft einquartiert wird, hat dort kein eigenes Zimmer, oft kein Schließfach, wird bestohlen, hat es mit betrunkenen als auch gewalttätigen Schlafkumpanen zu tun, was völlig abschreckt. Als Obdachloser hat er von den Behörden nun wahrlich nicht viel zu erwarten, außer Gängelei und viel Befragen. Nicht jeder Mensch will all die Anträge und Bewilligungen über sich ergehen lassen.

Antwort
von turnmami, 71

Die bekommen etwas, wenn sie sich melden und "registrieren" lassen. Meistens wollen die Leute das aber nicht...

Kommentar von saxboy ,

dann sind sie ja selber schuld

Kommentar von turnmami ,

Ja, das sind sie. Es würde jedem geholfen, der danach fragt.

Kommentar von DarkMoonSide ,

Ganz ehrlich? Mein Stolz würde mich eher zum Raub verführen, als dass ich um Kleingeld betteln muss(wenn es hart auf hart kommt).

Kommentar von turnmami ,

Wieso Kleingeld?? Grundsätzlich steht jedem in Deutschland Geld in Höhe der Grundsicherung zu. Man muss sich nur melden und es beantragen. Hinterher rennen tut der Staat keinem.

Kommentar von DarkMoonSide ,

Warum gibt es dann noch Bettler? Evtl. wollen diese, das Schamgefühl/Mitgefühl der Leute ausnutzen, um mehr Geld zu erwirtschaften?

Kommentar von turnmami ,

In vielen Fällen sind hier auch organisierte "Banden" am Werk. Nicht jeder Bettler hat es auch dringend nötig!

Kommentar von voayager ,

Die Grundsicherung ermöglicht kein menschenwürdiges Leben

Kommentar von turnmami ,

Warum sollen wir allen ein Luxusleben finanzieren?? Wieviel bekommt man denn in anderen Ländern? Da krieg ich echt immer nen Zorn, wenn ich das höre: Kein menschenwürdiges Leben...Glaubst du ich kann meinen Kindern alles bieten? Ich sag ihnen auch oft, dass wir uns gewisse Dinge nicht leisten können. Wenn ich auf die Zahlung der Allgemeinheit angewiesen bin, dann muss ich mich halt einschränken. Auch meine Kinder hatten keinen Reitunterricht oder teure Konzert- und Theaterbesuche....

Kommentar von swissss ,

mit Stolz eine alte Frau ausrauben ?

Kommentar von AppleTea ,

Du glaubst also, dass man durch Betteln mehr Geld bekommt als so vom Staat?? In welchem Universum denn bitte? Da hätten wir aber viele Bettler

Antwort
von mha1213, 22

Nur Personen mit gesichertem Aufenthaltsstatus erhalten in der Schweiz Sozialhilfe. Zudem sind die genauen Bestimmungen dazu von Kanton zu Kanton unterschiedlich.

Antwort
von warehouse14, 28

Ganz banal und global ausgedrückt:

Es gibt Obdachlose, weil es ihnen verwehrt wird, ein Obdach zu besitzen.

Frag doch mal ein paar Vermieter, was sie tun, wenn ein Mieter in ihrem Eigentum beispielsweise nicht die hygienischen Vorstellungen umsetzt, die ihnen gefallen.

Und schau dann auch mal, wieviele Wohnungen leer stehen, weil die Eigentümer eine Miete verlangen, die sich eben nicht jeder leisten kann.

Und dann achte mal darauf, wieviele Wohnungen den größten Teil des Jahres unbewohnt sind, nur weil sie Zweit- oder gar Drittwohnungen von gutverdienenden "Bessergestellten" sind. 

Der Platz auf diesem Planeten ist begrenzt. 

Es kann also niemals jeder eine (oder gar mehrere) Luxusvilla haben, in der es Wohnraum mit über 100qm für nur eine einzelne Person gibt.

Solange die Menschheit sich dem Kapitalismus ergibt wird es immer Opfer geben.

warehouse14

Kommentar von turnmami ,

Was haben den Luxuswohnungen mit dem Problem der Obdachlosigkeit zu tun? Als wenn die Obdachlosen in Deutschland irgendwas davon hätten, wenn man eine Quadratmeter Obergrenze einführen würde. Die meisten möchten doch gar keine staatliche Hilfe, denn sie würden bei Nachfrage eh eine erhalten. 

Kommentar von warehouse14 ,

@turnmami:

Du hast meine Antwort nur nicht genau gelesen. Andernfalls wäre Dir aufgefallen, daß ich ein generelles Problem unserer Gesellschaft angesprochen habe: Es gibt nunmal Menschen, die einfach keine eigene Wohnung haben können solange sämtlicher Wohnraum im Besitz von Kapitalisten ist.

Das Problem sind also Mietzahlungen an sich und nicht zustandekommende Mietverträge.

Und dann die sonderbare Eigenschaft des Kapitalismus, daß eben nicht jeder alles haben kann.

Ich beispielsweise darf mir ja von meiner Erwerbsunfähigkeitsrente keine Eigentumswohnung kaufen. Ich bin also lebenslang von der Geldgier der Vermieter abhängig, wenn ich eine Wohnung bewohnen möchte.

Kann ich den Mietpreis nicht zahlen fliege ich raus.

Und falls ich dann nicht schnell eine andere Bude mieten kann bin ich obdachlos.

Leider habe ich auch da kein Mitspracherecht. Mir wird vorgeschrieben, wieviel ich an Miete ausgeben darf, wie groß die Bude sein darf und manchmal auch, wielange ich da überhaupt wohnen kann.

Abgesehen davon:

Wenn Du mal mit 2 Kindern eine Bude suchst und zusehen musst, wie eine passende 4-Zimmerbude lieber an einen Single mit Hund als an eine Familie geht dann verstehst Du das Luxusproblem sicher auch ohne meine Hilfe.

Es würde keine Obdachlosen geben, wenn es nicht mehr diese geldgeilen Leute gäbe, die Wohnungen lieber leerstehen lassen als an "minderwertige" Menschen zu vermieten.

Aber was hat man schon von einer Mietwohnung, aus der man jederzeit wieder rausfliegen kann, wenn es dem Eigentümer in den Kram passt? Sicherheit? Sicher nicht.

Eine Eigentumswohnung hat aber den Vorteil, daß sie dem Eigentümer eben gehört.

warehouse14

Antwort
von Tursikussi, 4

Ich vermute mal, Leute, die obdachlos sind, wollen tatsächlich nicht in das System rein - und fallen folglich durch alle Netze. Oder sie können nicht wollen, hängen lieber mit Gleichgesinnten biertrinkend an einer Strassenecke, lassen Termine sausen und irgendwelche Dokument zusammenzukratzen und ein paar Formulare einzureichen, ist für sie schon eine unüberwindbare Hürde. Irgendwann sind sie es so gewohnt, wie es ist und alles läuft so weiter. Keine Bankverbindung, keine Adresse, nichts mehr... Ich glaube, der Alkohol (oder sogar Drogen) ist ein großes Problem. Damit dröhnen sie sich zu um einfach ihr Ruhe zu haben. Verstehen kann ich das alles aber traurig ist es schon und müsste auch nicht so sein.

Antwort
von xo0ox, 25

Es gibt einige Obdachlose, die keine Hilfe wollen.

Kommentar von Paguangare ,

In der Tat, eine Minderheit der Obdachlosen möchte keine Hilfe haben, sondern lebt aus Idealismus so. Das beantwortet aber nicht die Frage, warum es die große Mehrzahl der unfreiwilligen Obdachlosen gibt.

Kommentar von Tursikussi ,

Unfreiwillig obdachlos...? Das ist ein ziemlich langer Weg und wenn man sich gegen den drohenden Verlust einer Wohnung wehrt, dann sollte man sie auch nicht so ohne weiteres verlieren. Wohnungsverlust ist wirklich die harte Grenze, der Prüfstein des Sozialstaates.

Antwort
von Paguangare, 65

Das Thema ist ziemlich komplex und nicht mit einfachen Phrasen zu beantworten.

Auf jeden Fall braucht man sich nicht einfach nur bei einer staatlichen Stelle (Sozialamt o.ä.) zu melden, um eine bereitstehende schöne Wohnung vermittelt zu bekommen, die dann auch vom Staat finanziert wird.

Je nach Situation gibt es sogar wegen Überfüllung keinen Schlafplatz in einem Obdachlosen-Übernachtungsheim, oder die Situation ist wegen der Mitbewohner dort so unerträglich, dass einige Obdachlose lieber "Platte machen" statt dort zu übernachten.

Es gibt eine Minderheit von Obdachlosen, die das Leben unter freiem Himmel vorzieht, aber die Mehrheit ist mit ihrer Situation nicht zufrieden, und es ist nicht einfach, aus einer solchen Lage wieder herauszukommen, wenn man durch eine multiple Lebenskrise erst einmal hineingerutscht ist.


Antwort
von Minilexikon, 15

Dann gibt es da auch noch jene Obdachlose (wir reden von Einzelfällen), die bereits so lange auf der Straße leben, dass sie sich kein geregeltes Leben mehr vorstellen können oder sogar Angst davor haben. Sie wurden einmal aus ihren gewohnten Verhältnissen gerissen. Das wäre dann bereits das zweite mal ein Neuanfang für sie.

Antwort
von Walum, 40

"Denen" ...

Die Obdachlosen sind keine "Masse", wie Ideologien den Begriff gerne verwenden, sondern viele Einzelfälle. Viele können aus Angst, Verzweiflung oder wegen psychischer Störungen keine Hilfe annehmen.

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