Wieso gibt es im Islam, trotz des Verzichts auf ausgeprägten Totenkult, unzählige monumentale und repräsentative Grabbauten?

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7 Antworten

Die Antwort liegt in den Menschen. Nicht im Islam. Menschen möchten anderen Menschen zeigen: mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Grab!

Jeder Mensch der stirbt, nimmt nichts Materielles mit. Manche Menschen möchten vielleicht nicht, dass mit dem Tod alles aus ist. Dass sie eine Erinnerung an den Toden haben. Aber mit dem Tod ist die Zeit des Menschen abgelaufen. Der Mensch kann auf Erden nichts mehr für sein Leben nach dem Tag des jüngsten Gerichtes tun.  

Ich habe ein Bild von dem Friedhof Al-Baqia in Madina beigefügt. Dort findet man keine Grabsteine, Mausoleen oder Ähnliches. Dies zeigt ganz deutlich für jeden. Mit dem Tod ist jede Chance im Leben vertan.

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Totenkult im Sinne von anbeten des Toten ist verboten.

Jedoch gehen einige Salafistische Richtungen weiter in die Richtung, dass sie Totenbesuchten komplett untersagen, und wahrscheinlich sogar das Grab des Propheten am liebsten zerstören würden, weil deren Meinung nach, die Leute ihn anbeten würden und Shirk (beigesellung Allahs ) begehen würden.

Totenbesuchten waren anfangs tatsächlich verboten, da der Iman/Glaube der Muslime noch nicht so gefestigt war, sodass sie nach altem Ritual tatsächlich Shirk begehen könnten.

Aber der Prophet hat später die Grabbesuchten wieder erlaubt, und es sogar empfohlen, da es viele Vorteile, wie das Gedenken des Todes etc hat.

Es ist, im Gegensatz zur Meinung einiger Richtung erlaubt, die Gräber mit zum Beispiel einem Grabstein zu markieren, und eventuell, damit die Grabstätten nicht verschwinden quasi ein kleines Häusschen/Mausoleum (türk. Türbe) zu bauen, damit die Leute sie Gedenken, und Lehren aus ihren Leben ziehen können und ihm gegenüber den nötigen Respekt zeigen können. Nicht um den Toten in irgendeiner Art und Weise anzubeten.

Wenn das verboten wäre, wieso haben die Prophetengefährten den Propheten, Umar Ibn Al Khattab und Abû Bakr in einem Raum beerdigen?

Der Prophet Muhammed saw sagte: "Macht die Gräber nicht zu Gebetsstätten, fürwahr dies verbiete ich euch zu tun" (Muslim)

Damit ist gemeint, dass man aus den Gräbern keine Gebetsstätten machen soll, in denen der Tote angebetet wird. Ansonsten ist das Grab des Propheten auch in einer Moschee!

Nun kommen diese neuen Sekten auf, die meinen, alles besser zu Wissen und machen nur unislamischen Unfug!

Die Wahabiiten in Saudi Arabien haben viele Grabmäler zerstört, sodass nicht mal die Gräber der Prophetengefährten richtig zu identifizieren sind. Einige davon sind eingezäunt, sodass man die Grabstätte nicht mal richtig ansehen/betreten kann.

Die IS zerstört zurzeit weiterhin unzählige Grabmäler.

Mich würde es nicht wundern wenn diese Hohlköpfe irgendwann auch die Kaaba und die Prophetenmoschee zerstören wollen würden, aber Allah wird es nicht zulassen!

Möge Allah uns alle rechtleiten und von jeglichen Irrwegen abhalten!

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Kommentar von Jogi57L
06.03.2016, 08:32

"Macht die Gräber nicht zu Gebetsstätten, fürwahr dies verbiete ich euch zu tun"

Damit ist gemeint, dass man aus den Gräbern keine Gebetsstätten machen soll, in denen der Tote angebetet wird.

War das denn früher bei den Arabern so, dass sie "Tote" angebetet hatten ?

Es spricht doch sicher nichts dagegen, dass man an einem Grab FÜR einen Verstorbenen betet... oder ?

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Kommentar von ItsJustMe38
06.03.2016, 09:27

Ja, das haben sie tatsächlich getan. Desweiteren sind auch die Götzen, die damals angebetet wurden, Statuen von den Toten, die sie angeblich beschützen sollten, damit sie nicht immer zur Grabstätte müssen... Und ja, es ist natürlich erlaubt, FÜR den verstorbenen Bittgebete/Dua's zu machen. Eine weitere Sache. Das habe ich oben vergessen zu erwähnen, danke Jogi!

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Man darf bei allem nicht vergessen, der Islam war zu dieser Zeit noch relativ jung, und kulturelle Einflüsse hat es zu dieser Zeit noch gegeben.

Erst mit der weiteren Entwicklung des Islam verlor die Ehrung der Toten durch Monumentalbauten ihren Sinn.

Federführend bei dieser Entwicklung war der Wahhabismus, der in der Verehrung, bzw. der Ehrung der Toten keinen Sinn sieht, und diesen auch unterbindet.

Die von Dir genannten Grabstätten sind auch nur aus dem Grund der Nachwelt erhalten, weil der Wahhabismus im schiitischen Iran keinen Einfluss hat. 

Die Wahhabiten gehen rigoros und zerstörend zu Werke. So wurde zum Beispiel das Grab der Eva zerstört, und es gibt Pläne, die in der islamischen Welt aktuell stark diskutiert werden, dass Grab Mohammeds gleichsam zu zerstören, und die Überreste anonym zu vergraben. 

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Weil es DEN Islam nicht gibt, sondern unterschiedliche Ausprägungen des Islams. Dies trifft - übrigens bis heute - gerade auf Persien/den Iran zu.

Auch im Irak gibt es - zum Beispiel schiitische - Grabdenkmäler. So zum Beispiel den Imam-Husain-Schrein in Kerbela.

Ist nicht auch der Prophet in einer Moschee begraben?

Gruß, earnest

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Kommentar von earnest
06.03.2016, 13:52

-edit: Streichung des zweiten "zum Beispiel"

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Ich könnte Dir eine Antwort geben, lasse es aber bleiben.Stattdessen ein paar Hinweise:Die Gründer der Dynastie nahmen die persische Sprache an, sahen sich als legitime Erben des antiken Persiens und förderten, wo es ging, die Kunst, wie Dichtkunst und Architektur.Beide dienten dazu, das Ansehen und das Prestiger der Herrscher/Sultane zu heben.

Das angeblich streng- orthodoxe Sunnitentum bezog sich doch vor allem auf die Darstellung Mohammeds und des menschlichen Anlitzes, konnte aber im alten Persien, aus verschiedenen Gründen, nie so richtig durchgesetzt werden.

Es gibt darüber auch Fachliteraur, speziell in französischer Sprache.


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Die Kaba dürfte auch ein Beispiel für die Verehrung eines Gebäudes im Islam sein, wovon es in vorislamischen Zeiten mehrere gegeben haben soll.

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Kommentar von ItsJustMe38
06.03.2016, 01:10

Die kaba steht repräsentativ für Gottes Haus, indem man sich zur Kaaba zuwendet, wendet man sich Allah zu!

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