Frage von jessica268, 41

Wieso geht es um Sünde?

Ich mache grad einen Glaubenskurs bei einer Pfingstkirche. Vorher war ich über ein Jahr lang in einer konservativen evangelischen Kirche. Den Pfarrer kann ich auch noch fragen. Dort wurde nicht so viel über Sünde geredet. In der momentanen Kirche (fühle mich beiden zugehörig) reden sie für meinen Geschmack zu viel über Sünde. Heute habe ich in der Bibel gelesen, auch zum Thema Sünde. Es stört mich irgendwie, daß man immer als Sünder dargestellt wird. Aber erst seit ich in dieser Kirche bin. Wie geht es anderen damit? Ist das eine Macke von dieser Kirche?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von pn551, 39

Das Ziel aller religiösen Vereine ist das "Bangemachen". Und Menschen, die Angst haben, funktionieren bestens.

Kommentar von jessica268 ,

stimmt nicht ganz. Die konservative evangelische Kirche, zu der ich gehöre arbeitet nicht so. Der Pfarrer dort nimmt einem eher die Angst.

Antwort
von Foad1991, 41

Das liegt daran, weil Sünder Vergebung brauchen, aber einigen erst mal klar gemacht werden muss, dass man ein Sünder ist. Man kann es aber, wie du feststellst, auch übertreiben. Sie sollten mal lieber Vergebung lehren.

Antwort
von tinimini, 22

Im Alten Testament wird am Beginn des Buches nur von Ungehorsam geredet ,nicht von Sünde, Das die Menschen gegenüber Gott ungehorsam waren, Die Rede von der Sünde wurde erst später eingeführt.

Gott schickte Adam und Eva fort aus dem Paradies und er machte ihnen Kleider". Hier ist eine Botschaft drin: Obwohl diese Herrschaften nicht gehorsam waren, liebt Gott sie und macht ihnen Kleider aus Fell, wofür kein Tier getötet wird. Danach schickt er sie dann hinaus auf ihren neuen Lebensweg. Also er hat sie nicht Verworfen oder getötet ,trotz ihres Ungehorsams.

Diese beiden Menschen hatten sich in diesem Paradies wohl gefühlt. Sind sie eigentlich von Gott in Versuchung geführt worden mit dieser ominösen Frucht eines Baumes, mit dieser "Frucht der Erkenntnis? Nein, das denke ich nicht ! Ich werde gleich zur Schlange selbst kommen, aber zuvor noch unmittelbar dazu Folgendes. Ich sehe es nicht so, dass Gott sie versucht. Jakobus sagt das im Neuen Testament ja auch: "Gott führt nicht in Versuchung!" Sicher, er stellt ein paar große Gestalten, wichtigen Menschen der Geschichte, auf die Probe. Abraham, Hiob, Jesus usw. will er sehr wohl in Versuchung bringen. Aber es ist immerhin so, dass heute jeder eine Prüfung bestehen muss, wenn er einen Beruf ergreift. In der Bibel war das immer nur die Prüfung der großen Gestalten: Gott stellt sie auf die Probe. Aber es heißt auch ausdrücklich, dass unsereiner nicht geprüft wird, denn wir könnten nicht bestehen: Wir sind auf die Gnade Gottes angewiesen. Es ist überhaupt keine Frage: Gott versucht uns nicht!

Sie waren in diesem Paradies versorgt. Sie hatten alles, sie lebten in totaler Glückseligkeit. Sie sind Winters wie Sommers vollkommen versorgt: Sie sind beschützt von Gottes Liebe. Diese beiden Menschen können aber nicht gehorchen - und genau darin besteht das Problem. Hier kommt nun etwas ganz Tragisches mit ins Spiel: Der Begriff der Erbsünde kommt in dieser Geschichte an keiner Stelle vor. Er kommt in der kompletten jüdischen Tradition überhaupt nicht vor.

Das ist alles erst später christlich so interpretiert worden. Es geht nicht um Sünde, sondern um Gehorchen. Das ist so wie bei den Zehn Geboten auch. Das zieht sich durch bis hin zur Bergpredigt. Die Menschen haben alles, was sie brauchen und wollen: Sie müssen lediglich gehorchen und dürfen diesen einen Baum unter einer Fülle von Tausenden von anderen Bäumen und Sträuchern nicht anfassen. Das ist eine Frage des Gehorsams: Wenn du gehorsam bist, dann wirst du allen Segen der Welt bekommen; wenn du nicht gehorsam bist, dann musst du mit den Folgen leben. Und genau mit diesen Folgen müssen sie leben. Das steht ausdrücklich da! Wir leiden darunter bis heute, denn es steht geschrieben: Sie waren Gott ähnlich, aber sie wollten Gott gleich sein. Das ist das Problem. von Gut und Böse wussten sie auch schon im Paradies: Darum geht es gar nicht. Es geht vielmehr um den Unterschied zwischen Mensch und Gott. Sie haben alles, wirklich alles. In den Mythologien des Mittleren Ostens war der Mensch doch der letzte Dreck im Vergleich zum griechischen Götterhimmel. Nein, hier ist es so, dass der Mensch aufrecht geht: Er ist ein Kind Gottes. Wir lernen an der Schöpfungsgeschichte, dass der Mensch aufrecht gehen kann: in psychischer wie physischer Hinsicht. Da gibt es aber dann doch eine Grenze, denn sonst könnte man tatsächlich meinen, er sei nun Gott gleich. Aber da gibt es diese kleine Grenze. Die Tragödie besteht nun darin, dass diese beiden auch diese Grenze überschreiten wollen. Das entspricht auch, genau unserer heutigen Situation: Diese Gefahr ist nach wie vor vorhanden. Das ist die "message" und es geht dabei wirklich nicht um irgendeinen Willen Gottes, dass er womöglich ganz sarkastisch sagen würde, das sei sein Baum und deshalb dürfe er nicht angefasst werden. Nein, es geht nur um diese kleine Grenze: Diese kleine Grenzen müssten sie einhalten. Ist das der Eintritt des Bösen in die Geschichte der Menschheit? Das bleibt offen. Die Botschaft lautet lediglich: Das Böse lauert vor deiner Tür bzw. vor der Tür deines Herzens. Das Böse ist immer da, von Anfang an. Die Mystik sagt dazu, es seien zwei Pole in den Menschen eingepflanzt: Das führt wie bei der Elektrizität zu einer Spannung. Diese Spannung ist zwar da, aber man kann ihrer auch Herr werden. Dass man ihrer auch Herr werden kann, wird meistens vergessen. Die Ausleger meinen, dass nichts Gutes in der Geschichte der Menschheit geschehen wäre, wenn wir diese Spannung nicht hätten 

Antwort
von Eselspur, 31
Ist das eine Macke von dieser Kirche?

Ja.

Ich will hier nicht über Pfingstgemeinden herziehen, bejahe aber deine Frage.

Antwort
von Whitekliffs, 27

Eigentlich ist die Sünde der einzige Grund, weshalb wir Weihnachten und Ostern feiern.

Jesus ist genau deshalb auf die Erde gekommen. Wegen der Sünde der Menschen.

Nur deshalb ist er Mensch geworden. Wegen unseren Sünden.

Nur deshalb hat er seine Göttlichkeit abgelegt und nur deshalb ist er am Kreuz gestorben. Weil wir Menschen Sünder sind und somit getrennt von Gott. 

Und Jesus ist gekommen um uns, mir, dir, den Weg wieder frei zu machen zu Gott, unser Sündopfer zu werden und unsere Strafe der Verlorenheit zu tragen, sodass wir Gemeinschaft mit Gott haben können. 

Du hast inzwischen sicher schon Johannes 3, 14-16 kennengelernt. Da steht's drin.

Und dann steht ja in 1.Johannes 1 (kennst du inzwischen sicher auch):

Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns; wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit

Das, und nur das ist die frohe Botschaft, das Evangelium. So ist es halt einfach :-) Ist doch eine tolle, mutmachende Botschaft, denn es geht ja um Vergebung und Neuanfang!

Kommentar von Eselspur ,

schon was m Mittelalter haben sie das zurückgewiesen: es ist unmöglich, dass die Sünde des Menschen den unendlich souveränen Gott zu einer Handlung bewegen könnte.

Antwort
von FragaAntworta, 38

Weil man mit Schuld die Gläubigen am einfachsten führen kann, der Begriff nennt sich Angst.

Antwort
von elisabetha0000, 8

Jemand der viel von Sünden spricht, hat meistens selbst viele!

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