Frage von Funmichi, 76

wieso fließt in die psychologische Forschung nicht der Faktor Herdenwahrheit mit ein, die zählt um nicht sozial ausgestoßen zu werden zB (siehe Details)?

zB wird ja immer wieder versucht zu erforschen, was eigentlich Moral ist. Was davon angeboren ist und was erst in der Erziehung geprägt wird. Wenn man den Faktor Herdenwahrheit mit in die Rechnung nehmen würde, dann würde man schnell erkennen, dass Menschen ihre wahre Meinung über eine Sache komplett ändern um einer herde dazuzugehören. Das hat Gründe des Überlebens. Der Mensch ist nämlich ein Herdentier. Daher wird viel verzerrt weil eben dieser Wahrheitsfaktor nicht mit einfließt.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von kubamax, 38

Was du mit Herdenwahrheit meinst, nennt man Öffentliche Meinung. Darüber sind schon tausend Bücher geschrieben worden. Schau mal bei Wiki "Öffentliche Meinung" und noch interessanter "Die Schweigespirale". Dort wird beschrieben, wie man zu eine bestimmte Meinung hinmanövriert wird.

Kommentar von Funmichi ,

hey cool, ja das ist auch interessant. bei den grünen ist mir diese schweigespirale ganz besonders aufgefallen... der kontrast was in den 70ern generell sexuell gedacht wurde zu heute.... usw.

Kommentar von Ottavio ,

Oh ja, da hast Du Recht. Der Kontrast ist enorm. Als 68-er könnte man die Grünen geradezu als reaktionär betrachten.

Antwort
von Tasha, 38

Ist nicht das Bedürfnis, in der Gruppe anerkannt zu sein, Teil der Erziehung?

Früher hat man gesagt "wenn du das nicht machst, hat dich die Mama nicht mehr lieb" oder es wurde sogar gedroht, Kinder irgendwo "auszusetzen" (im Urlaub: "Wenn du nicht lieb bist, lassen wir dich hier" oder "wer jetzt nicht leise ist, muss aussteigen" auf der Autobahn etc.). Natürlich haben die meisten Eltern das nicht ernst gemeint, aber dahinter steckt die Idee, dass das Kind gefügig wird, weil seine Existenz bedroht wird (es kommt alleine nicht zurecht) oder es die Anerkennung der Gruppe verliert (Mama hat dich nicht mehr lieb - Kind braucht aber Liebe).

Das setzte sich auch in Kindergarten, Schule und Freundschaften fort: Verhielt man sich "schlecht" - subjektive Definition der Gruppe - wollte keiner mit einem spielen, lud einen der Freund nicht mehr ein, musste man in der Schule am Einzeltisch sitzen oder vor die Tür gehen. Also die Gruppe verlassen oder man wurde "gebrandmarkt" (Einzeltisch) als jemand, der nicht echtes Gruppenmitglied ist. Daher verhielt man sich regelkonform, um diese Art des Ausgestoßenseins, der Demütigung zu umgehen, die oft ein verändertes Verhalten der Gruppenmitglieder nach sich zog.

Wir lassen uns doch heute noch erziehen, indem wir bewusst nichts oder wenig tun, mit dem andere Gruppenmitglieder - Familienmitglieder, Freunde, Kollegen, Nachbarn - nichts anfangen können, auf das sie herabschauen, über das sie tratschen könnten, um so unseren Ruf zu schädigen (und sei es nur mit "der ist aber komisch!"). Und viele helfen oder teilen eher etwas, wenn andere zuschauen. Man ist disziplinierter, wenn andere dabei sind, als wenn man alleine ist. Zu Hause isst man die Pommes mit den Fingern, unter Fremden mit der Gabel. Im Sportkurs strengt man sich mehr an als zu Hause. Weil andere zusehen und eventuell schlecht über einen urteilen könnten. 

Das ist doch im Prinzip auch alles Erziehung durch eine Gruppe.


Meines Wissens gibt es zu diesem Verhalten schon eine Menge Experimente. Wie lange hält man sich zurück oder erträgt etwas still, wenn andere dabei sind? Darüber gibt es doch einige Ergebnisse!

Kommentar von Funmichi ,

G.E.N.A.U.!!! du sprichst mir aus der seele! wir hinterfragen anerzogene meinungen und moralvorstellungen der herde nicht, weil wir gelernt haben, dasss wir dieser meinung sein MÜSSEN um überleben zu können! eine sehr intelligente antwort, wird auf jheden fall als beste frage ausgezeichnet weil du mich echt nochmal einen schritt weitergebracht hast in meinen überlegungen!!!

Kommentar von meinerede ,

Als beste Antwort, grins! :)))

Kommentar von Funmichi ,

"für die beste antwort"? sry, steh grad auf dem schlauch ;)

Antwort
von Eselspur, 10

Dass die Meinung unserer sozialen Gruppen eine große Rolle spielt ist lange bekannt und erforscht. 

ich denke, du machst es dir allerdings schon sehr einfach, wenn du schreibst: 

dann würde man schnell erkennen, dass Menschen ihre wahre Meinung über eine Sache komplett ändern um einer herde dazuzugehören. Das hat Gründe des Überlebens. 

Das ist beispielsweise mit jedem einzelnen Beispiel eines Märtyrers widerlegbar.

Antwort
von Ottavio, 18

Dass sich "die Psychologie" damit gar nicht beschäftigt, stimmt nicht ganz. Allerdings gibt es ganz verschiedene Richtungen der Psychologie. Dies Thema gehört in die Sozial- oder "Massenpsychologie".

Ich empfehle als Lektüre Carl Gustav Jung, Vom Werden der Persönlichkeit.

Antwort
von Lennister, 6

Du stellst eine Suggestivfrage, in der noch dazu etwas falsches suggeriert wird. "Die Psychologie" beschäftigt sich mit diesem Phänomen nämlich schon lange, siehe dazu z.B. Solomon Asch. 

Antwort
von Dahika, 18

Herdenwahrheit? Nie gehört. Ansonsten beschäftigt sich die Sozialpsychologie mit genau diesem Thema.

Antwort
von meinerede, 39

Kommt immer drauf an, wer den Leithammel spielt! :)))

Kommentar von Funmichi ,

genau! aber warum? ich meine die forschung müsste ja neutral sein.

Kommentar von meinerede ,

Das ist unmöglich, denn die Forschung selbst wird ja auch von Jemand geleitet!

Kommentar von meinerede ,

P.S.: Brauchst in nächster Zeit bloß Fußball gucken. Schon klasse, wie toll doch so ´ne Laola funktioniert, nicht?

Kommentar von Funmichi ,

ja eigentlich schade dass die antworten keine computersimulationen finden können....

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