Frage von neindochnicht, 52

Wieso beschuldige ich immer meine Mutter, Wie kann ich damit aufhören?

Hallo, mein Problem ist, dass immer wenn meine Mutter und ich anfangen über tiefgründigere Dinge zu reden, ich immer anfange meine Mutter zu beschuldigen. Die Erfahrungen und Gedanken, die ich noch von früher (als ich ca. 9-13 war) hatte, war das meine Mutter (alleinerziehend) sich nicht für meine Gefühle oder mein Leben interessiert hatte, und ich in der Zeit Probleme mit mir selbst und Ausgrenzung/Mobbing hatte. Ich habe angefangen zu akzeptieren, dass ich nun ein anderer Mensch bin, mit anderen Werten und dass das "alte Ich" tot ist. Aber immer wenn ich anfange über solche Themen mit ihr zu reden, mache ich wieder ein ganzes Drama draus. Und nachdem ich sie wegen allem mit beschuldige, fühle ich mich wie ein ekelhafter Mensch und das Leute mich auch ekelhaft finden würden, wenn sie diese Seite von mir kennen würden, weil ich ein NUN ein anderer Mensch unter Leuten bin, eigentlich ein freundlicher. (früher war mein Verhalten grausam). Zudem bin ich nun 16 und fühle mich echt armselig, dass ich immer noch auf die Vergangenheit rum verweile und einfach so schnell verunsichert bin. Wie kann ich lernen, solche Dinge zu kontrollieren? Das ich eine klare Sicht auf meine heutige Einstellung habe und nicht immer wieder zurückfalle?

Antwort
von frederick, 3

Natürlich ist Deine Mutter zunächst einmal stets bemüht, „Schuld“ von sich zu weisen. Hilfreich wäre es, wenn Deine Mutter sich ganz einfach mal anhören würde, was Dir eigentlich gefehlt hat. Nun, sie sollte sich das an sich auch selbst denken können – aber wenn sie, allein erziehend, in der Rückschau der Meinung ist, dass sie sich Deinen Problemen in jenen Jahren (als Du 9 bis 13 warst) nicht hatte widmen können, weil das Leben an sich ihr schon hinreichend Energie abgerungen hat, dann müsste sie nun ja nicht nur Verantwortung für Dein bloßes Dasein übernehmen, sondern auch dafür, dass sie für Dich de facto nicht als Mutter präsent war… sondern bloß als reine Versorgerin.

Darüber aber müsst Ihr Euch schon miteinander auseinandersetzen. Sonst wird sich das zwischen Euch niemals klären. Wenn Du Dich dazu im Vorfeld intensiv auseinandersetzen kannst mit allem, was Dir fehlt, mit allem, was Dir weh tut, was diesen Schmerz in Dir zurückgelassen hat… dann wäre das natürlich hilfreich, damit Du in Gesprächen mit Deiner Mutter vielleicht nicht immer und nur in dieses Raster der Vorwürfe verfällst.

Aber VERSTÄNDLICH ist das. Leider ist es so: Deine Mutter ist hier zunächst einmal stärker gefordert als Du. Und es kommt auf Deine Mutter an, ob sie begreifen kann, dass sich trotz dieses Verlustes (genau in jenen Jahren, als Du Deine Mutter sooo sehr gebraucht hättest, hat sie sich entzogen oder war zumindest nicht in dem Maße für Dich da, greifbar, unterstützend präsent, wie Du es gebraucht hättest) noch ein fruchtbares und gutes Verhältnis auf Gegenseitigkeit zwischen Euch entwickelt. Aber DAS hängt nun tatsächlich allein von Deiner Mutter ab. Du kannst versuchen, auf sie zuzugehen (ggf. eben den Vorwurf ein wenig herausnehmen – aber so ganz wird Dir das gar nicht gelingen KÖNNEN, wenn Du über Deine Gefühle sprichst). Letztlich muss DEINE MUTTER offen dafür sein, sich selbst einzugestehen, dass sie sich zwar einreden mag, sie habe alles für Dich getan… aber eben als MENSCH für Dich nicht zugegen war, wo Du es so sehr gebraucht hättest.

Ich persönlich denke (aber das ist nun kühn spekuliert, denn sooo viel geht aus einigen sparsamen Zeilen Deiner Beschreibung nicht hervor), dass die Vernachlässigung schon viel früher begonnen hat und also viiiiiel tiefer sitzt bei Dir! Was für ein Typ ist Deine Mutter, welchen Charakters ist sie? Kann sie überhaupt mit Gefühlen umgehen? Oder ist sie so eine existenzialistische Wühlerin, die die Erfordernisse des Alltags erwartungsgemäß abarbeitet? Und also, als in Deinem Alter von 9 bis 13 Deine Erwartungen an sie und Deine Bedürfnisse dieser menschlichen, psychischen, von mir aus seelischen Natur stärker in den Vordergrund getreten sind, konnte sie damit überhaupt nicht umgehen? Sondern hat sich entweder subjektiv (aus Deiner Sicht) oder tatsächlich nur noch intensiver in die bloße Bewältigung des Alltags gestürzt, wo sie deine Erwartungen vielleicht sogar gespürt hat – sich aber davon schlicht überfordert gesehen hat? Denn die Konfrontation mit DEINEN Bedürfnissen macht dann auch bei ihr ein Fass auf: Da wäre sie ja (oder ist sogar schon?) mit der Nase hineingestoßen worden in die Bedürfnisse ihrer selbst, die sie – alleinerziehend – selbst nicht befriedigt bekam, weil sie als Mutter (und einmal mehr als alleinerziehende Mutter) in erster Linie eine Rolle zu erfüllen hat: Nicht nur wegen der konkreten Erwartungen des eigenen Nachwuchses an sie, sondern auch (oder vor allem?) gesellschaftlich.

Leicht also ist das nicht. Aber – da Du „erst“ 16 bist – auch nicht hoffnungslos. Dennoch wie ich schrieb: Das hängt nun in erster Linie von Deiner Mutter ab, wie das weitergeht und wie das am Ende einmal ausgehen kann. Denn der Vorwurf wider Deine Mutter geht schon deshalb aus dem Thema nicht hinaus, weil sie Dich nun einmal tatsächlich vernachlässigt HAT! Und sie weiß das. Und wenn sie es nicht weiß, dann aber ahnt und spürt sie es. Und das (aus ihrer Sicht) DARF einfach nicht wahr sein.

Eines allerdings ist auch wichtig: Dass nicht DU Dich in Schuldgefühlen grämst und Dich so armselig fühlst, weil Du Deiner Mutter Vorwürfe machst. Es ist nun einmal so, dass da dieser Verlust in Dir tobt, der Schmerz in Dir reißt, weil Du eine Hand gebraucht hättest, die Dir Halt bietet, wo die Welt einfach zu groß, zu gewaltig und zu beängstigend für Dich war. Und WEIL Du zum rechten Zeitpunkt ohne diesen Halt bereits hattest auskommen müssen, ohne Unterstützung zu finden, um Dich darin zu orientieren, DESHALB findest Du Dich auch heute noch haltlos wieder in der Welt: Wo dem Kinde schon und wo endlich auch der Jugendlichen in der Frühphase des Aufbruchs Halt und Führung (nicht Diktat!) fehlten, da wird die nötige und angemessene Orientierung nicht erlangt.

Antwort
von Steffile, 19

Mach dir klar, dass du heute eine Summe aus vielen Einfluessen bist, ueber die du nicht immer Kontrolle hattest, und deine Mutter uebrigens auch nicht. Das ist bei jedem so (auch wenn es nicht so scheint), und daraus wachsen wir.

Da du deines Ermessens nach ein ganz guter Mensch geworden bist, kannst du davon ausgehen, dass deine Erlebnisse nicht nur schlecht waren. Und dass deine Mutter dich trotz dem, was du denkst, doch genug gestaerkt hat.

Antwort
von Hoerbuecher, 9

Da hilft das Buch von Fritz Perls "das Ich, der Hunger und die Aggression" , um Zusammenhänge zu verstehen, wie Menschen ticken. Du kannst dir auch ein Paar Videos von ihm anschauen bei youtube, die sind zwar auf Englisch aber sehr hilfreich! Du kannst zudem psychologische Hilfe suchen bei einem Psychotherapeuten, der dir dann sagen kann, ob es behandlungsbedürftig ist.

Antwort
von exxonvaldez, 9

Die Schuld deiner Mutter ist nun mal da!

Ob es hilft einfach nur nicht darüber zu reden, bezweifle ich.

Kommentar von Steffile ,

Ich denke nicht, dass wir einfach so die Schuld der Mutter beurteilen koennen

Kommentar von exxonvaldez ,

Zumindest an der Existenz ihrer Tochter (und damit auch all ihrer Probleme) ist sie mit Sicherheit Schuld!

Kommentar von Steffile ,

Schuld wuerde ich Leben geben nicht nennen.

Kommentar von exxonvaldez ,

Ich schon.

Antwort
von MarkFlynn, 16

So etwas kann euch ein Leben lang begleiten - da helfen nur Aussprachen, in denen ihr eure Gefühle und Gedanken mitteilt.

Es kann sein,  dass ihr nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen werdet. 

Dann musst du Frieden damit schließen. 

Selbst wenn es Eltern sind: es sind Menschen wie wir alle - mit Stärken und Schwächen. Die einen sind kritikfähig und einsichtig,  die anderen nicht. 

Völlig natürlich. 

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