Frage von xxTOxx, 65

Wieso bekommen Menschen ein schlechtes Gewissen?

Warum ist das so? Ich verstehe das nicht :/ Und warum haben manche Menschen weniger oft ein schlechtes Gewissen als andere?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Andrastor, 29

Das Gewissen ist eine anerzogene, also erlernte Funktion zur Sozialfähigkeit.

Wir tun etwas und die Rückmeldung aus unserem Umfeld schaden und physisch oder emotional. Wir lernen dass das was wir getan haben, ein Fehler war. Um uns vor weiteren dieser Fehlern zu schützen, haben wir den Instinkt "Gewissen".

Stehen wir davor wieder so einen Fehler zu machen, versucht unser Gewissen uns davor abzuhalten um uns vor dem Schaden der folgen könnte, zu bewahren.

Wenn wir aber nicht gelernt haben dass uns gewisse Aktionen selbst schaden können, entwickeln wir diesbezüglich kein Gewissen.

Einfaches Beispiel:

Ein Kind tötet sein Haustier. Die Eltern schreien, sind wütend, bestürzt und/oder traurig und das Kind lernt "Ich habe etwas schlechtes gemacht". Das Gewissen Tiere nicht zu töten entwickelt sich.

Ein Kind in einem südamerikanischen Ureinwohnerstamm tötet ein Tier. Die Eltern freuen sich, loben es und sind stolz auf es, weil es ein guter Jäger sein wird. Das Kind lernt nicht dass diese Tat negative Folgen haben kann, es entwickelt sich kein Gewissen Tiere nicht zu töten.

Kommentar von Nashota ,

Ein Kind in einem südamerikanischen Ureinwohnerstamm tötet ein Tier. Die Eltern freuen sich, loben es und sind stolz auf es, weil es ein guter Jäger sein wird. Das Kind lernt nicht dass diese Tat negative Folgen haben kann, es entwickelt sich kein Gewissen Tiere nicht zu töten.

Nicht ganz: Naturvölker sind sich des Tötens von Tieren durchaus bewusst. Aber erstens töten sie nur für den eigenen Verbrauch und nicht zum Spaß. Und zweitens werden in vielen Naturvölkern nach der erfolgreichen Jagd Dankesrituale abgehalten, die bekunden sollen, dass der Mensch die Natur achtet und sich nicht mehr von ihr nimmt, als er verbraucht. Außerdem wird der Natur auch immer wieder etwas zurückgegeben.

Kommentar von Andrastor ,

Die Motivation und die Bräuche der Naturvölker tun hierbei jedoch nichts zur Sache.

Fakt bleibt, das Kind aus dem ersten Beispiel lernt durch eine negative Rückmeldung ein Gewissen welches das Kind aus dem zweiten Beispiel durch eine positive Rückmeldung nicht lernt.

Kommentar von Nashota ,

Doch, sie tun zur Sache. Ein westlicher Mensch macht sich nämlich weit weniger Gedanken, als es Naturvölker tun.

Und nur, weil sich jemand aufregt, dass man kein Tier quält oder aus Spaß tötet, wird nicht automatisch ein Gewissen gebildet. Sowas muss aus einem selbst kommen.

Erziehungstechnisch vorgelebt wird Vieles. Automatisch übernommen wird es aber definitiv nicht. Wer der Meinung ist, er macht es trotzdem anders, der schert sich nicht um das, was ihm andere sagen.

Kommentar von Andrastor ,

Falsch, sie tun nichts zur Sache. Lass mich das mit einem anderen Beispiel verdeutlichen:

Fall 1 bleibt derselbe, das Kind erfährt negatives Feedback durch das Töten des Haustieres.

Fall 2 ändern wir nun um auf ein Kind aus demselben geografischen und ethischen Ursprungs. Dieses jedoch hat Eltern die sich nicht um es kümmern. Das Töten des Haustieres hat somit keinerlei negatives Feedback der Umgebung zur Folge. Somit lernt das Kind nicht das Gewissen welches das Kind aus Fall 1 lernt.

Wobei hier nur ein vereinfachter Fall dargestellt wird. Das Kind aus Fall 2 könnte dennoch ein Gewissen entwickeln, wenn es eine starke emotionale Bindung zu dem Tier gehabt hat und es in einer Kurzschlusshandlung getötet hat.

Fakt ist und bleibt das Gewissen ist eine rein erlenrte Angelegenheit. Ein Schutzmechanismus der einzig und allein auf Feedback beruht. Ohne den nötigen Rückmeldungen aus der Umwelt oder durch Schaden den man selbst erleidet, kann kein Gewissen entstehen.

Das ist alles was das Gewissen ist und du kannst dem noch so sehr widersprechen, es wird daran nichts ändern.

Kommentar von Ottavio ,

Andrastor, einmal nennst Du das Gewissen eine "anerzogene, also erlernte Funktion", einmal einen Instinkt. Ich denke, da müssen wir noch etwas genauer werden.

Kulturell erlernt sind die Inhalte der Gewissenaussagen. Anerzogen sind sie bei Kindern. Von einem erwachsenen Menschen, der sich von seinen Eltern emanzipiert hat, ist zu erwarten, dass er sich diese Inhalte als autonomes wertsetzendes Wesen durch Einsatz der Vernunft selbst gesetzt hat. Dann erst sind sie im eigentlichen Sinne Gewissensaussagen, (Vorher können wir nur von einem Über-Ich sprechen.) Diese Auffassung liegt auch der höchsten Rechtsprechung in Sachen Kriegsdienstverweigerung zu Grunde.

Es liegt in der angeborenen, "instinktiven" Natur des Menschen, ein Gewissen überhaupt zu entwickeln. Er wird aber nur mit einer Disposition dazu geboren, selbst das Über-Ich entwickelt sich erst im Prozess des Heranwachsens. Freud beschreibt das, aber in diesem Punkte bleiben mir Zweifel an seiner Theorie.

Jedenfalls ist es natürlich, dass Menschen einen Entwurf von sich machen, also ein Ich-Ideal entwickeln, bewusst oder unbewusst. Nun liegt es aber in der Natur von Idealen, dass die Realität ihnen nicht entspricht, zumeist ist sie schlechter als sie.

Das Über-Ich erkennt diese Differenz unbewusst oder bewusst.

Erst wenn sie uns bewusst wird, können wir eigentlich von einem "schlechten Gewissen" sprechen, andernfalls ist es nur ein Gefühl der Unzulänglichkeit, dass sich aber zu einer Depression auswachsen kann.

Darum ist eine weitere Instanz notwendig, die ein reifer Mensch durchaus in seiner Psyche entwickeln kann: Die verzeihende Instanz. Ich erkenne meine Unzulänglichkeit ebenso wie die anderer und verzeihe sie ihnen und mir. Erst das macht eine vollgebildete Persönlichkeit aus.

Kommentar von Andrastor ,

Womit du im Grunde detaillierter beschrieben hast was ich vereinfacht darzustellen versuchte.

Kommentar von Andrastor ,

danke für das Sternchen :)

Antwort
von Liquidchild, 34

Das Gewissen ist bei jedem Menschen verschieden stark ausgeprägt, das hängt warscheinlich mit der Erziehung und Lebenserfahrungen zusammen 

Antwort
von Centario, 17

Jeder Mensch hat eine andere Hemmschwelle wo Unrecht beginnt, wenn die aber bei ihm überschritten ist, passiert es das er für sein tun ein schlechtes Gewissen bekommt.

Antwort
von djNightgroove, 15

Weil manche Menschen genug Verstand besitzen, um zu merken, wenn sie andere verletzen. Diese Menschen können sich in andere hineinversetzen und nachempfinden, was die betroffene Person fühlt. Menschen, die das nicht können, haben oft weniger Mitgefühl. Je weniger Mitgefühl man für andere aufbringen kann, desto seltener hat man ein schlechtes Gewissen. Wer sich nur für sich selbst interessiert und nicht in der Lage ist nachzuvollziehen, wie es anderen geht, ist gewissenlos. Ich persönlich möchte mit Menschen ohne Gewissen am liebsten nichts zu tun haben, weil sie nicht menschlich sind und es sie überhaupt nicht stört, einen zum eigenen Vorteil auszunutzen.

Antwort
von Nashota, 24

"Das Gewissen", sagte einmal ein alter Indianer, "ist ein kleines dreieckiges Ding in meinem Herzen. Es steht still, wenn ich gut bin. Tue ich aber Böses, dreht es sich und die Kanten tun dann sehr weh. Am schlimmsten ist, wenn ich weiterhin böse bin. Denn dann stumpfen die Kanten ab und ich spüre die Schmerzen nicht mehr." 

Das bedeutet, Menschen, die sich Gedanken um ihr Handeln machen, können auch mal feststellen, dass sie falsch oder auch richtig verletzend gehandelt haben.

Wem sein Handeln mehr oder weniger egal ist, macht sich auch entsprechend wenig bis keine Gedanken und ihm ist es egal, was sein Handeln für Auswirkungen bei anderen hat.

Antwort
von Garfield0001, 9

hat bestimmt Seine evolutionären Vorteile ein schlechtes gewissen zu haben

Antwort
von Radgeber, 16

Zur 2. Frage: Entweder weil sie dumm sind und sich nicht ihrer Missetaten bewusst sind ODER weil sie andere Werte haben, sodass ihr Handeln ihnen nicht als schlecht auffällt ODER weil sie "krank" sind, also Psychopaten oder so, da liegts am Gehirn

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