Frage von sLiiixZ, 35

Wieso bekomme ich Herzrasen und Atemnot sobald ich mich ins Bett lege?

Hallo liebe Leute, Details vorweg: männlich, 27, Übergewicht, Raucher, schwere Trennung von (Ex-)Freundin(ich habe Schluss gemacht) und Kind (nicht das eigene, Ex war schwanger wo wir uns kennen lernten, ich hab aber das Kind wie mein eigenes Groß gezogen, hab die ganze Schwangerschaft mitbekommen und das Kind abgöttig geliebt), jetzt Arbeitslos durch Umzug (zurück in die Heimat, mehr oder weniger geflüchtet sozusagen). Zu meinem Anliegen: Ich habe seit ca 3 Monaten, also nach der Trennung, das Problem mit dem Einschlafen...Sobald ich ins Bett gehe fängt mein Herz an wie verrückt zu schlagen und ich bekomme kaum/nur schwer Luft. Desweiteren fühle ich mich extrem schlecht, schwer zu beschreiben, aber ich denke schon fast panisch. Seit der Trennung habe ich auch mit Bluthochdruck zu kämpfen und nehme auch Betablocker. Gerade eben hatte ich wieder so eine (Panik?) Attacke. Mein Blutdruck stieg auf 168/100 Puls 76. Kurz beruhigt...alles wieder gut. Wieder ins Bett gegangen und prompt hatte ich wieder das Gefühl/Attacke...wieder Blutdruck gemessen: alles normal. Ich dachte mir jetzt schon ich spinne und dreh komplett durch. Naja kurz wieder beruhigt und danach hingelegt...WIEDER so ne Attacke! Jetzt habe ich gerade Blutdruck gemessen, liegend, extra nicht viel bewegt, nur Gerät fix angemacht (hatte es extra am Arm gelassen)...Was steht da? Alles normal!!!! Jetzt lieg ich hier gerade und schreibe und ich spüre schon wieder mein Herz wie verrückt schlagen...Ich dreh noch durch!!! War auch schon beim Arzt, Herz alles normal, auch gestern nochmal Bestätigung vom Fitnessstudio bekommen das alles normal ist (kein 08/15, ist so ein Medizinisches Studio, also auch mit hochprofesionellen Messgeräten). Was zur Hölle ist mit mir los??? Ich bekomm langsam echt Angst das irgendwas nicht stimmt, aber bitte was soll es sein? Ich kann echt nicht mehr...

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 4

Das kann körperliche oder psychische Gründe haben. Die körperlichen kannste einfach beim Hausarzt untersuchen lassen. Alles voran deine Schilddrüsenwerte und ev. ein EKG.

Bei den psychischen Ursachen wird schon ein bissen schwieriger. Du sprichtst (sowie ich das interpretiere, doch ich bin kein Arzt) von einer Panikattacke. Panikattacken können isoliert oder im Zusammenhang mit anderen Angststörungen auftreten. Die Komorbidität (das gleichzeigige Auftreten) von Panikattacken und affektiven Störungen (z.B. Depressionen) ist auch keine seltenheit.

Doch erstmals zu den Panikattacken: Panikattacken sind oft wie Wellen, die über einem mit gewalter Macht zusammenbrechen. Meist kommen sie ohne jede Vorwarnung, mitten im Alltag. Seltener durch bestimmte Auslöser. Eine Panikattacke ist fast nicht kontrollierbar, daraus ergibt sich oft die Angst vor der Angst bzw. nächsten Attacke. Wenn dein Unterbewusstsein also "Bett" mit "Attacke" verbindet gehst du schon mal extrem angespannt mit einer negativen Erwartungshaltung ins Bett.

Dies befeuert natürlich die Angst vor einer Panikattacke und erleichtert letzterer folglich auszubrechen. Wie soll es auch anders sein? Logisch hat man vom Schlimmsten Angst, das man kennt.

Panikattacken haben vor allem folgende Symptome, wobei natürlich nicht alle zwingend auftreten müssen. Doch die Mehrheit sollte vorhanden sein:

  • Angstgedanken wie "ich habe einen Herzinfarkt/Herzproblem", "ich kriege keine Luft bzw. ersticke", "ich werde verrrückt/verliere den Verstand" etc.
  • Hyperphentilation
  • Schweissausbrüche
  • Herzrasen
  • Depersonalisation/Derealisation
  • Agoraphobie
  • Angst vor der Angst
  • Schwindel
  • Innere Anspannungszustände
  • Adrenalinstoss

Ein zentraler Punkt dabei sind die Angstgedanken.

Als erstes solltest du dich vom Hausarzt durchchecken lassen. Wenn der nix findet an der Schilddrüse und im EKG, dann ist eine psychische Komponente warscheinlich.

Doch jetzt kommt die gute Nachricht. So schlimm sich das Alles anfühlt, so einfach ist (in den meisten Fällen) die Behandlung. Es gibt Schilddrüsenhormone und andere Medikamente, falls deine Beschwerden körperlich bedingt sind.

Auch im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen sind Angstattacken sehr gut behandelbar. Neben einer Psychotherapie (welche sehr wichtig ist) werden sehr häufig und relativ schnell auch Medikamente eingesetzt. Dies soll verhindern, dass sich die Angststörung chronifiziert (was nicht ganz selten der Fall ist). Besonders Antidepressiva der SS(N)RI-Klasse (http://deprimed.de/ssri-ssnri-sndri-nari/) wirken sehr gut gegen Angststörungen (ironischerweise besser als gegen Depressionen).

Das Problem dieser Medikamente ist einfach, dass sie täglich eingenommen werden müssen und relativ viele Nebenwirkungen haben. Die meisten (nicht alle) Nebenwirkungen lassen bei fortschreitender Behandlung jedoch nach.

Ein weiteres Problem von Antidepressiva ist, dass sie die Angst in den ersten 3-4 Wochen verschlimmern können, bevor sie nach ca. 5 Wochen angstlösend wirken. In der Zwischenzeit werden häufig Benzodiazepine wie z.B. Alprazolam oder Lorazepam eingesetzt http://deprimed.de/benzodiazepine-z-drugs/). Diese wirken innter 20-30min stark angstlösend und beruhigend. Sie haben kaum Nebenwirkungen und können einfach bei Bedarf eingenommen werden.

Leider sind Benzodiazepine nicht für eine Dauermedikation geeignet, da sie bei längerem (nach ca. 4 Wochen) und regelmässigem (tägliche Einnahe ohne paar Tage Pause dazwischen) Konsum abhängig machen. Die Einnahme unter ärzlicher überwachung einfach als Notfallmedikament ist jedoch kein Problem.

Hoffe konnte dir von einem Betroffenen zum anderen ein wenig weiterhelfen...

Antwort
von rocknezz, 1

Servus! Bei diesen Schicksalschlägen und Ärger ist das kein Wunder! Nach meiner Erfahrung manifestiert sich jedes seelische Leiden in körperliche Symptome. Du solltest unbedingt zur Ruhe kommen und nur noch Menschen um dich rum haben die dir gut tun - und vor allem - mit denen du REDEN kannst... Du kannst noch zu hundert Medizinmännern laufen am Ende werden tausend Diagnosen gestellt und keine wird die richtige sein. Am Ende wird es nur schlimmer.... Du solltest Dir wirklich Gedanken über dein Leben machen und dich ausruhen, und zwar ganz viel!!!

Antwort
von Nirakeni, 10

Diese Symptome kommen z.B. bei einer Schilddrüsenüberfunktion vor. Mit unruhigem Puls, leichten Bluthochdruck, Herzrasen. Jedoch nehme ich an, dass die Blutwerte bei dir gemacht worden sind und es aufgefallen sein müsste. Wenn nicht, kannst du ja mal nachfragen.

Die andere Variante wäre, dass es psychisch bedingt ist. Auch dagegen gibt es Medikamente. Lass dich nicht abwimmeln und bitte, dass man dich ernst nimmt und die Sache abklärt.

Das ist ja nicht o.k. Das brauchst du nicht aushalten.

Gute Besserung!

Antwort
von Shiraz3, 6

Wurde schon mal ein Langzeit EKG gemacht?

Antwort
von teutonix1, 14

Vielleicht solltest du dich mal mit dem Gedanken befassen, dich einem guten Psychotherapeuten anzuvertrauen. Nicht, dass du dich selbst fertig machst. Nur so eine Idee...

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